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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-28 · Heft 2311 (28.7.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2311 (28.7.1925)
Date
1925-07-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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| Polen t 30 groszyl Wi en: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder ln einer Verschlelsstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der 1 Firma Ool dschmied, Wollzclle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling T s ch e c h o - S1 owakel: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei Preiserhöhungen Vorbehalten Wiener orgemeitimg n IPreis *6 ul England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bulgarien:Mon.lOO Lewe. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs.,5 - Redaktion, Administration^ Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8; (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 2311 Wie«. Dienstag, 28. galt 1925 7. Jahrgang Die Friedensoffensive. -y. W i e n, 28. Juli. Die Friedensoffensive Hat jüngst der deutsche Außenminister Stresemann im Reichstag den Schritt der deutschen Negierung genannt, der zu der französischenglischen Note über den Sicherheitspakt den Anlaß gab. Dieser Pakt legt Deutschland die Pflicht auf, den Verlust Elsaß-Lothringens ein für allemal anzuerkennen und auch bei der Erörterung der Ostgrenzen auf jeden Gedanken eines Krieges zu verzichten. Nimmt es den Pakt att, so würde dies bedeuten, daß sich auch Deutschland endgültig mit dem Frieden von Versailles abfindet, hinter dem allerdings die ganze gewaltige, materielle Macht der Ententestaaten steht, die bei allen Diskussionen doch stets erklärten, daß gerade dieses Werk in seinen Grundzügen bestehen bleiben müsse. Soviel sich gegen diesen Frieden sagen läßt, so sehr revisionsbedürftig er auch sei, so ist doch heute feststehend, daß er nur auf dem Wege der Verhandlungen geändert werden kann. Es hat sich eine erkleckliche Menge von Problemen herausgebildet, die in Versailles entweder nicht gelöst oder gar erst neu geschaffen worden, sind. In dieses Kapitel gehört nebst anderen Dingen der schmerzensreiche Komplex der Minderheitssorgen. Der Völkerbund, der hauptsächlich diesem Elend sein Augenmerk widmen sollte, tut dies bisher in unzureichendem Mäße, weil er die Machtfragen,-- die er aufstören würde, und das Geschrei der Patrioten fürchtet. Aber die Instanz besteht und die eifrigste Arbeit aller Friedensfreunde müßte sich darauf richten, ihre' Autorität zu stärken und gemeinsam mit den gegen die Härten des Versailler Diktates protestierenden Besiegtenstaaten die Evolution zu beeinflussen. Leider sind aber die Minoritäten selbst Anbeter der Waffenmacht und suchen die Revanche. Dies bringt sie dazu, keine Aktion im Sinne des demokratischen Ausgleiches, sondern die Reaktion im Sinne der militaristischen Wiedervergeltung anzustreben. Diese ihre Wirksamkeit lähmt jeden Schritt des Völkerbundes. Vielleicht wird sich dieses Uebel bekämpfen lassen, wenn der Eintritt Deutschlands in die Genfer Liga erfolgt. Dafür bestehen aber im Augenblick wenig gute Anzeichen. Die Strömungen, die die Völkerbundidee als jüdische Erfindung mit ihrem ungezügelten Haß verfolgen, sind in Deutschland an der Macht. Stresemann hat sich alle Tage von neuem gegen sie zu verteidigen und es ist wohl gute Absicht, wenn er sich ihrer Ideologie anpaßt und seine Note als Offensive zum Frieden anpreist. Das Wort hat einen unglücklichen historischen Beigeschmack. Es tauchte in Deutschland während des Krieges immer dann auf, wenn ein besonders groß angelegtes Schlachten bevorstand. So oft die Eisenbahnschlangen von West nach Oft oder von: Süden nach Norden neues Kanonenfutter trugen, hieß dies Friedensoffensive. Erreicht wurde für die Opfer der ewige Friede, sonst nichts. Die Veranstalter dieser großen Metzgereien flüchteten, nachdem sie die anderen auf die Friedhöfe befördert hatten, in die Muße der Schriftstellerei. Sie verfaßten eifrig ihre Memoiren, in denen sie ihre fleckenlose Unschuld beteuerten und das von den Juden zersetzte Hinterland mit allen Flüchen belegten. Nebenbei taten sie sich, als der Sturm der Revolution über sie hinweggegangen war, in der Politik fleißig um. Alle Offensivler fanden sich zusammen und drängten mit mehr Erfolg als im Krieg das deutsche Reich, und das deutsche Volk in die Stimmung der Rache. Jede deutsche Negierung, die zur Verständigung mit den Gegnern den Weg suchte, wurde als bestochen und jüdisch verseucht denunziert und mit den Mitteln bekämpft, die sich im Krieg bewährt hatten. Wer für den Frieden eintrat, wurde gemordet. Der Zentrumsführer Wirth hat am Samstag in der „Germania" daran erinnert. Hätte sich er oder Nathenau zu einem solchen Schritt wie Stresemann entschlossen, so wäre — schreibt er — ihr Leben wahrscheinlich nicht für drei Tage gesichert gewesen. Für Nathenau stimmt dies nicht ganz, denn er ist ja erin Aez Erweiterung des Wischen Besitzes Israel. 48.300 Dunam nördlich der Meromfees angekauft. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 26. Juli. Wie Ihr Korrespondent erfährt, ist während der Tagung des Zionistischen Aktionskomitees der Abschluß des Ankaufes eines bedeutenden Komplexes für den Keren Kajemeth (Jüdischen Nationalfonds) erfolgt. Der Nationalfonds hat ein Terrain im Ausmaß von 43.660 Dunam (etwas mehr als 4666 Hektar) nördlich vom Meromsee erworben. Das von: Jüdischen Nationalfonds erworbene Gebiet liegt zwischen den jüdischen Kolonien um Jessod Hamaalah einerseits und den uordgäliläischen Siedlungen Metullah und Tel Chat andererseits. Es ist die sogenannte Hnle-Ebene, -welche vom Jordan vor seiner Einmündung in den Meromsee durchflossen ist. Diese noch im Urzustand befindliche sumpfige Ebene ist mit Papyrusstauden, Bmsenkräutern und Rohrdickicht bestanden. Halbwilde Büffel- Herden suhlen in den Sümpfen und auch Wildschweine finden hier noch Unterschlupf. Die Ebene liegt noch ungefähr vierzig Meter über dom Meeresspiegel, der Meromsee selbst ist noch zwei Meter über Seehöhe gelegen, während der Jordan nach Verlassen des Meromsees ans einer sechzehn Kilometer langen Strecke zwischen Basaltwänden und Klippen bis auf 208 Meter unter den Meeresspiegel fällt. In dieser Depression befindet sich der schöne Kinerethsee mit der Stadt Liberias, dem zukünftigen Wintevkurort Palästinas. Das neu erworbene Gebiet war bisher völlig menschenleer und wird hauptsächlich von ^st reifen den Beduine nstämmen besucht. Es ist trotz seiner argen Vernachlässigung ein landwirtschaftlich sehr aussichtsreiches Terrain, das ungefähr ein Fünftel des gesamten Besitzes des Jüdischen Nationalsonds umfaßt. Die Amelioraüonen werden mit dem Bau einer neuen Straße von Safed nach Metnllah beginnen, die sofort nach der Ernte angelegt werden soll. Dann wird man an die Entsumpfung des Terrains schreiten können. Das jüdische Pioniertum steht vor einer ähnlichen Aufgabe, wie sie ihn: i m EmekIesr e e l gestellt wurde und die es so rühmlich und erfolgreich gelöst hat. Cs ist selbstverständlich, daß der Erwerb dieses wichtigen Grundes durch den Jüdischen Nationalsonds große Investitionen erforderlich macht, welche der jüdisch^ Aufbanfonds, der Keren Hajessod, wird decken müssen. Das angetanste Gebiet gehörte zu den Regierungs^ ländereien, die Qbertommissär Sir Samuel den Arabern übergeben hatte. Bon den neuen Besitzern, die mit dem Lande nichts zu beginnen wissen, hat es d e r I ü d i s ch e N a t i o n a lsonds um den Preis von 90.000 Pfund, demnach zwei Pfund pro Dunam, gekauft. an Bisher noch keine Antwort Abd ek Krims. . London, 27. Juli. (Havas.) Wie die ,Mmcs" aus Tanger melden, soll Abd e l K r i m die französischspanische Note dahin beantwortet haben, daß er bereit sei, die Feindseligkeiten einzustellen und wegen eines dauernden Friedens zu unterhandeln, unter der Voraussetzung, daß sich Frankreich und Spanien feierlich verpflichten, die U nab h ä n g i g k e i t d e s R i f g e b i etes sicherzustellen und die Verhandlungen in Tanger stattfänden. Das französische Ministerium des Aenßern hat bisher k e i n e B e st ä t i g n n g der Meldung erhalten, wo-' nach Abd el Krim die offiziöse Mitteilung, Frankreich und Spanien wären bereit, ihm die Friedensbedingungen bekanntzngoben, bereits beantwortet habe. Ruhe an -er Kampffront. Fes, 27. Juli. (Havas.) An 'der ganzen Front herrscht R u h e. A b d e I K r t m setzt seine Repressalien geschlagen worden. Wirth glaubt, daß jetzt die Psychologischen Voraussetzungen in Europa dem Frieden günstiger stehen. Das ist vielleicht, wie wir fürchten, eine Ueberschätznng. Denn die Politische Psychologie ist in den letzten Jahren, und dies gerade von den nationalistischen Parteien Deutschlands mit mehr Gift und Galle versorgt worden, als in den Kriegszeiten aufgebracht werden konnte. Was an Kriegshetze lebt — und das ist nicht wenig — was an Haß geleistet wird, bezieht sein geistiges Rüstzeug aus der Presse dieser deutschen Chauvinisten, die überall zu finden sind, wo gezündelt wird. Ihr Treiben beherrscht die Nachkriegspsychologie und das Echo, das die letzte deutsche Note gefunden hat, ist ein sehr unfreundlicher Ausdruck des Mißtrauens. gen die abgefallenen Stämme, die mit den Franzosen über ihre Unterwerfung unterhandeln, fort. Reguläre Niftruppen, die von der französischen Front abgezogen wurden, sollen gegen die spanische Front geschickt worden sein. Senator Kowalski gestorben. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 26. Juli. In Breslau ist nach einer schweren Operation das Mitglied des polnischen Senats, Rabbiner Jehuda L. Kowalski, gestorben. .Senator Kowalski, der ein Alter von 60 Jahren erreichte, vertrat im Polnischen Senat den Warschauer Kreis. Seit nahezu 30 Jahren stand der Verstorbene in der vordersten Reihe der jüdischnatioalen Bewegung und gehörte zu den verdienstvollsten Führern der M i s r a ch i -Organisation in Polen. Die antinationalen chasstdischen Kreise und in den letzten Jahren auch die Agndisten führten einen heftigen Kampf gegen den überzeugten und opferfreudigen Zionisten, der in der Orthodoxie Polens großes Ansehen genoß. Sämtliche Badeartikel Jeder französische oder englische Minister flicht in seine Betrachtung die Hoffnung ein, daß es Deutschland diesmal vielleicht doch ehrlich meine. Aber diese Hoffnung ist die Furcht vor versteckten Zweideutigkeiten, die die Mächte vor allem in der Art vermuten, in der Deutschland immer wieder die Frage des Völkerbundes behandelt. Es sagt nicht ja, nicht nein, sondern beides zugleich. Es ist sicher, daß die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes, der Arbeiter, der Erwerbsmann, den Frieden, die Verständigung und die Anteilnahme am Völkerbund verlangt. Aber die Offensivler sind dagegen. Sie wollen die Hetze, das Rachegeschrei, den inneren Krieg und das angewandte Hep-Hep. Ihr Friedensgerede ist nur die Maske, hinter der die ge-' Panzerte Faust steckt. tm wegen vorgerückter Saison zu nachweisbar tiel reduzierten Preisen Im Weroahau* i Schiffmann II. TahorstraSe 48 Telephon 47-1 *7® 6ii gros En detail

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