Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2310 (27.7.1925)
- Date
- 1925-07-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPolen: aOflrozvl Wien: Zum Abholen ln der Expedition, IL Taborstr. 1-3, oder in einer verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Gol dschmied, I„ Wollzelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon,K22. Jugoslawien: Mon.Din.6Q. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. iFrcs. IS Nachzahlungen bei Prell* erhfthangen Vorbehalten Wiener omemettung Irrels 2o öl England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: j Rumänien: Mon. 170 Lei. I BulgarienrMon.IOOLewa« j Schweiz und das übrige! Ausland monatlich Frcs. 5j Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3*19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Di uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Kt. 2310 Wien. Monin«. 27. guli 1921 7. gahtgang Jar neue PalMina ttnttt'ms’s m? AbMuns und Schiedsgericht. Baldwirr und Chnmbevlain über den Sicherheitspakt. Paris, 26. Juli. Die Agenee Havas meldet aus Knewsley: Premierminister Baldwin führte in feiner gestrigen Rede in der Versammlung der Konservativen aus: Was den Sicherheitspakt anlangt, so sind die vorgeschlagenen Abmachungen in entgegenkommendem Geiste und in Ueberemstimmung mit den Zielen des Völkerbundes ansgearbeitet. Deutschland sagt, idatz es in Gefahr sei, weil es angesichts seiner «bewaffneten Nachbarn entwaffnet dastehe. Allein s o b a l d e s Mitglied des Völkerbundes sein wird, wie England und Frankreich es wünschen, wird es das Recht haben, sich ahne weiteres in dieser Frage Gehör zu verschaffen. «England wie Frankreich stehen auf dem Standpunkt, daß der Weg zum europäischen Frieden sich in drei Etappen gliedert: Sicherheit, Schiedsgericht und Abrüstung. Außenminister C h a m b e r l a i n erklärte, daß er sich durch den Charakter der deutschen Antwort in seinen Erwartungen ein wenig getäuscht sehe. Sie werde neue schriftliche Mitteilungen notwendig machen, während er eine Zusammenkunft der beteiligten Minister erhofft habe. Der Minister stellt weiter fest, daß die Räumung der Ruhrstädie augenblicklich im Gange sei, und fügte hinzu: Wenn Deutschland den Forderungen der Alliierten hinlsichtsich der Entwaffnung rasch und ehrlich Genüge leistet, iwerden die Alliierten auch Köln räumen, womit die erste Zoue der besetzten Gebiete freigegsben wäre. Chamberlain schloß mit der Betonung, Laß die Mitwirkung Großbritanniens unerläßlich sei, damit die Verhandlungen zu befriedigenden Ergebnissen gelangen. Die Unverletzlichkeit der de u ts ch -fra n z ö s i chb e lg is che n Grenze bilde die Grundlage für den Schutz Großbritanniens selbst und dieses wiederum könne Frankreich, Belgien und Deutschland gleichzeitig ein gewisses Gefühl der Sicherheit geben, das sie niemals in einem Arrangement finden würden, woran Großbritannien nicht beteiligt wäre. Ä-_- -.rij. Sie Etreikkrise in England. Die Grubenarbeiter. London, 27. IM. Der Sekretär des Grubenavbeiteroerbandes C o ok begibt «sich nach Paris, um an der Sitzung des Vollzugsausschusses der Grubenarbeiterinternationale teilzunehmen. Er erklärt, es wäre lächerlich, dem Publikum zu versichern, daß «das Ende des Konfliktes nahe bevorstehe. Die Grubenarbeiter müßten zumindest so viel verdienen wie im Jahre 1914 und außerdem eine Douernngszulage erhalten. — Der Bischof von Dur-Ham, der in einer VersaMmfung gegen den Streiik auftrat, «wurde verprügelt. , Die Textilarbeiter. - London, 26. Juli. (Wolfs.) Nach dem „Obst wer" ist bisher in der Frage des Streiks in «der Textili n «d u st r i e v on Z) o r k s h i r e und Lancaster keine Regelung in Sicht. In diesen Bezirken Wen 135.00Q Arbeiter die Arbeit niedergelegt. - - " Sie französischen Sozsaliften. Paris, 26. Juli. (Havas.) Heute ist «hier der Kongreß der Sozialisten des Seine-Departements eröffnet werden. Der Deputierte Blum erklärte in seiner Rede, daß die Partei bereit sei, eine Regierung zu aut e rstü tz en, die d i e d e m ok r a tis ch en und sozialen Reformen verwirklichen wolle, boch habe die Partei jede Teilnahme an der Regierung '»cgen«wärtig abgelehnt. Sie Svtanten'Answeisumie». Berlin, 27. Juli. Nach einer Warschauer Meldung des „Montag-Morgen" ist vorläufig mit einer Milderung in der Optantenfrage nicht zu rechnen. Die polnische Regierung gedenke die Bestimmungen des Wiener A bk o m m e n s voll anzuwenden. Ser Riesenbrand in der Mnebmzer Heide. Berlin, 26. Juli. Wie die Blätter melden, ist der Moorbrand in der Lüneburger Heide durch die unermüdliche Tätigkeit der Hilssmannschast und durch Regenfälle z n m S t i l l st a n d gekommen. Die abgebrannte Fläche umfaßt etwa 6660 Morgen. KEREN KAJEMETH L’ISRAEL (Jüdischer Nationalfonds) WIEN, I., Kärntnersirasse 28. Tel. 77485, 77486. - Postsparkassenkonto 100.208. Ausweis Nr. 14. Schilling Gesamtsunnne der Eingänge vom 14. bis 20. Juli. . 1.205.18 Summe der Eingänge von Rosch Haschanah 5685 . . 93.445.12 Bezirke: ' ■ I. Bezirk 15: Lr. Josef Schell 15; 2. Bezirk 65: Beth Israel 60. Eisig Torszyner 6; S. Bezirk 16.62: Josef Hirsch 10, B. R. 6.62; S. Bezirk 64.30: Anton Karl Eckstein 10; 20. Bezirk 163.20: Smlg. d. Josef Boksenbaum bei Hochzeit Pepi Schapira-Michel Greifenberg: Josef Boksenbaum 100 Franken, Pepi und Michel Greifenberg 100 Franken, Leo Peisach 100 Franken, Josef Schapira 50 Franken, Chefredakteur Oskar Grün 60 Franken, Salonwn Pinselstein 50 Franken, Hermann Gritz 50 Franken, Dr. Jastrzenb 10 Franken. Vereine und SondervervLnde. Emunah 16: Markus Benjakob 16; Siadimah 5: Dr. Leopold Gottesmann anl. seiner Promotion 5; Libanonia 500 : d. Fritz Schmetterling. 500: Siegfried Goldschmiedt 200, Richard Bauer 100, Alfred Grün 50, Dr. Heinrich Sokal 20/ Dr. Fritz ..Kreith 20,-Dr. Desider Friedmann 20, Dp. Fritz .Tycho' 20. Dr. Glesinger 15. Kulka 10, JeMnek 10, O^FMEckste^1Y,.Jng. HanS ,KÜhler 10, Dr. .Grünberger 10, Dr. Zoachim-^Kriegel 5: Theodor Aerzl 5 : Dr. Münk 5; Erez Israel 41.84: durch Isidor Lebensohn 41.84; Äagibor 31.60: Leopold .Krünwald 6; Äitachduth 42: Isaak Herzberg 30. Euaen Abraham 12; Jugendgrnppe d. Leopoidskadt 7.90; Misrachi 11: Dr. Jakob Broimer 11; Pogle Zion 9: Dr. Hans Schäfer 9. M- -;v', Provinz: Baden: durch Gustav Seidemann 60; Bruck a. d. Leiiha: Alois Winkler. 5; Mödling: Dr. Rosenhäck 10, Ephr. NiSWicky 6. Selbstkontingentler: Markus Benjakob 16, Josef Boksenbaum 163, Dr. Jakob Brovuer 11, Dr. Leo Fuchs 60, Jizchak Herzberg 30, Dr. Leon ÄeUner 34.40, Isidor Lebeniohn 41.84, Dr. Hans Artur Schiifcr 9, B. R. 6.6-, Dr. Josef ScheU 15, Fritz Schmetterling 500, Dr. Chaim Tartakomer 12. Neue Selbstkontingente. Bis jetzt haben 692 Personen Kontingente im Gesamtbeträge von 865 Millionen Kronen übernommen. Aufgebracht haben davon 383 Personen 339 Millionen Kronen (39%). An den Gesamteingängen des Keren Kajemeth l'Jsrael von Rosch Haschanah haben sich die Selbstkontingentler mit 27% beteiligt. Der Wandel der Men. Bon Dr. Hugo Schachtel. Im Verlauf der. neuzeitlichen Entwicklung des ZiomsMus hat man — insbesondere in Deuffchlliand — verschiodeMich von „maxdmMstilschvm" und ,Miniima«listischom" Zionismus gesprochen, ohne daß man' -indes «immer dasselbe darunter verstand. Die Bezeichnung tauchte zuerst 1914 aus. Man vevstand damals unter ,Maxima«lismus" das im Anschluß an eine Resoilution 'des Posener Delegiertentages <s. Zionistische Verewigung für Deutschland) sich im deutschen Zionismus immer mehr durchsetzende Streben seiner geistigen Führer, vor allem Kurt Blumenfelds, nach Verinnerlichung und Vertiefung des Zionismus, seine Radikalisierung. Das nationale Mourent sollte stark betont werden, nationale, hebräische Kultur gepflegt werden und die persönliche Uebersiedlu-ug nach Palästi«na ins ÄcbenSpwgramm ausgenommen werden. Demgegenüber erklärten die Vertreter des Minimalismus, insbesondere Llhols Friedemann und Franz Oppenheimer, der Zionismus sei eine rein politische Bewegung aus Grundlage ausschließlich des Baseler Programmes. Sie bestritten, daß er eine innere geistige Bewegung sei, die den Zweck halbe, «das Judentum im Galuth zu revolutionieren. Oppenheimer sah in dem radikalen Streben der Maximalisten eine „seelische Entwurzelung". Er eMärte: ,Mir wollen das Haus von unten bauen, nicht vom Schornstein her. Erst das jüdische Volk ins jüdische Laub in Bauernschaften verankert.-Dann jüdische arbeitsteilige Volkswirtschaft'. . . und dann erst jüdische Kultur als Opferstock mit ihrem gesamten Inhalt." Friedemann erklärt: „Hckräische Kultur fängt mit der Landung in Jaffa am Früher nicht." Die scharfe Auseinandersetzung über diese Frage wurde durch den Krieg unterbrochen. Mr begegnen «den Begriffen ,MaximaliSmus" —. ,Mini- . MÄistMs." MW wMtzr Mtz in, MON Juli W KW1" ibk-. . titelten Ausslatz von Nachnm Goldmann im jüdischen Nationalkalender für 5677". In diesen ,>grunldsätzlichen Feststellungen," in denen «der Verfasser den Achad-Haamismus durchaus ab- Ichnt und „jegliche geistig-kulturelle Erneuerung des Volkes «im Galuth, die der politisch-materiellen Umwandlung seiner LebenslbMngungen in Palästina voranginge," verneint, definiert er: „Der Zionismus als politische Bewegung einigt seine Anhänger auf dem Boden eines M'mimalprogrammes, nicht wie geistigkulturelle Strömungen auf dem eines Maximalprogrames." Er spricht weiter wie Friedemann und Qpperche-inner von der durch den Maxiinalismus hevaiNfbeschworenen ,/Aes>ahr, den Zionismus aus einer politischen Bewegung in eine geistige Sekte nmzugestalten," und sicht in ihm, „der dem einzelnen Zionisten seine gesamte Weltanschauung und Lsbensgestältung Vovschvekben will, den schärssten Ausdruck dicher falschen und gefährlichen Entwicklung..." Kamen die Vertreter des „Minimalismus" von 1914 zumeist aus dem Lager der uurpolitischen Zionisten, so kamen aus demselben Lager die Vertreter des „Maximalismus" von 1918 und riefen mit ebensoviel Berechtigung wie jene: Zurück zu Herzl!" Doch handelte es sich zu diesen Zeiten um ganz verschiedene Dinge. 1918 nannte man ,Maxim>alisten" die, die mit Max Nordau und Wexander Mavmorek mit dem politisch bei England und den Ententemächtlen Erreichten unzufrieden mtfo dek WÄnnng waren, man hätte unter allen U-mständen auf d>dr''Fordevumg^ ides Herrschen Judenstaates bestchen müssen und hätte '.ihn dann auch durchgesetzt. Sie verlangten, daß, nachdem dies schon veräbsänmt war, die' Zionistische Organisation «wenigstens durch' Organisierung einer Masseneinwanderung dafür sorgen müßte, daß wir schnellstens zur Majorität der BevMe- -vung Palästinas würben. Sie begegneten sich in dieser Forde- .vung mit Zionisten, die sonst mit ihnen durchaus nicht eines^ Sinnes waren, wie Wlckdimrr Jabotinski und Davis Trietfch, die auch «forderten, daß alles geschehe, omt eine schnelle jüdische Einwanderung jüdischer Massen W ermöglichen. Die Organisation sollte dom Drang «nach Auswanderung «us den osteurv«päischen Ländern nach Möglich«veit entgegenkommen und das Maximum des Möglichen anstveben. Die Erreichung des -Zieles hänge nur von der Intensität des Wollens und der Arbeit ab. Daß die TransfeviEng, UnterbrinWNg und Versorgung von Massen keine unlösbare Aufgabe sei, habe der Krieg bewiesen. Den von Trietsch ,Miu!iWMsmus" genannten StandPuE vertraten insbesondere Artur Ruppiu und Richard Lichchvim, die aus die geringe AusnahmesWgkeiit des gänzlich unvorbereiteten und wirtschaftlich unentwickelten Palästina hinwiesen und für den Fall einer Massenemwandevung katastrophale Arbeitslosigkeit vorherlsaigten. Sie rechneten mit einer Einwanderung von höchstens 30.000 im Jahve. Andere wandten sich wiederum gegen dtzn Trietschen MaximoWismus, weil dieser den von ihnen gewünschten und'anigestrebten sozialen Neuaufbau und seine Basieruing «auf landwirtschaftlicher Gmndlage unmöglich machen würde. - ,Maximalistischer und' minlmalistischer Zionismus" sind dann wieder die die Geister scheidenden Begriffe in einem Auffatz von Nachum «Goldmann vom Jahve 1924. Goldmann bekennt sich hier gar^ «im «Gegensatz zu seiner Stellungnahme «von 1916 zu einem ,Maxiimalistischen^ Zionismus, der „sich nicht au«f die Aufgabe des «Ausbaues Palästinas beschränkt, sondern die Ausgabe einveiht in eine Gelsamtauffassnng von der Zukunft". Für diese jetzt von ihm Vevtvetene Richtung „ist der Zionismus nicht nur Palästinaaufbau, vielmehr gibt sie dom Zionismus die umfassende Zielsetzung eiiner Revolritionievimg des jüdischen Volkes aus «allen Gebieten seines Lebens, einer grundsätzlichen Umgestaltung der Mischen Lebensformen, des jüdischen Menschentyps, des Mischen Geistes. Für sie hat Palästina nur den Sim: als wichtigstes Mittel einer solchen Emeuerung des Mischen Volkes . . Dagegen nennt Goldmann „minilnalistischen" Zionismus den von ihm abgelchnten, aber angMich von Professor Weizmann vertretenen Standpunkt, der „als die eine und eigentlich einzige Aufgabe des Zionismus den möglichst schnellen «und möglichst großzügigen Aufbau eines Mischen Palästina betrachtej" und demgegenüber „alles andere, was der Zionismus «bisher als integralen Bestandteil seiner historische« Aufgabe betmchtet hat, die ErziehlMg des Judentums im Galuth, die Nationalisierung des Judentunls, mit einem Wort daS gciiamte ungeheure Geibiet der Galntharbvit vollkommen in den Hintergrund treten läßt" und der nach Göldmann >te Ausgabe des Zionismus auf dieses einige Minimum reduziert «nd bereit ist, für die Verwirklichung dieses Minimums auf alles andere zu verzichten"«, fr