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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-26 · Heft 2309 (26.7.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2309 (26.7.1925)
Date
1925-07-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Gerte Dien, Sonntag Wiener Movstenzettung. 26. ft«!! 19S8 Nr. Sm Man der Wiener jüd. Kaufmannschaft zugunsten des Keren Kajemetl, Telephon 77-4-85, 77-4-86 Die P. T. Firmen werden eingeladen, sich durch Spenden an dem vom Keren Kajemeth veranstalteten großangelegten Basar zu beteiligen Spendenanmeldungen worden entgegengenommen: Bureau des Keren Kajemeth, kärntnerstraße 28 1109 Telephon 77-4-85, 77-4 8t In diesem Memorandum wird der Waad Leumi Freiheit der Einwanderung von Juden naöh Palästina, Anstellung von Juden als Regierungsbeamte, finanzielle Unterstützung des Mischen SchuLwesens durch die Bevlvaltung, die Rechte der hebräischen Sprache u. a. m. fordern und begründen. Die jüdische Nationalvcvsammlung. Jerusalem, 24. Juli. (I. T. A.) Die Wachten zur palästinensisch-jüdischen Zrationalversammlung (Assefath .Hanilwcharrm), die am 19. d. hätten stattfinden sollen, jedoch verschoben worden sind, um den Zentrumsparteien zu ermöglichen, eine Einigung des linken und des rechten Flügels der Natwnalversammlung herbeizuführen, sind nunmehr endgültig aus den 8. November dieses Jahres festgesetzt worden. Der Waad Leumi (Nationalrat der Juden) beschloß, an den Kongreß die Forderung tzu richten, daß ihm in der Zionistischen Exekutive Kvei «Atze eingcrämnt werden und, daß seinen Vertretern volle Rechte gleich den anderen Mitgliedern der Exekutive gewährt werden sollen. Sir Herbert Samuel in Konstantinopel. Konstantivopel, 24. Juli. (I. T. A.) Sir Herbert und Lady Samuel samt Tochter besuchten während ihrer Anwesenheit in Konstantrnopel am 15. d. das jüdische Krankenhaus Or Chain:. Die Gäste wurden vom Präsidenten des Hospitalkomitecs, Dr. Caraco, und von Isidore Franco feierlichst begrüßt. Sir .Herbert bewunderte die Einrichtung und die Leistungen des Krankenhauses und sagte, sein Freund, Herr Kado o r i e, habe ihm von dieser Anstalt erzählt, doch seien seine Erwartungen übertroffen worden. Das Hotel, in dem Sir Herbert abstieg, -war von einer Armee von Journalisten belagert. Sir .Herbert lehnte es aber ab, Interviews zu geben. Er sagte, er weile in Konstantinopel als Tourist, um die Wunder der Stadt aus sich wirken zu lasten. -GUMMISCHUHE. Spielbälle, Gummimäntel und Gummiwaren aller Art zu Fabrikspreisen! SPIRMANN & HOROWITZ Wien, II. Bez., Taborstrasse Nr. 11 b — Telephon Nr. 47-0-86 Der 14. SiottiMongteft in Wien. Eine Erklärung -er Londoner Zionistischen Exekutive. London, 24. Juli. (I. T. A.) Die Zionistische'Exekutive veröffentlicht folgende Kundgebung: Im Hinblick auf die aus Wien eingetroffenen Nachrichten über ftattgefundene aniijüdische Ausschreitungen, die durch die Mitteilung, daß der Zionistenkongreß . in Wien stattfinlden wird, hervorgerufen fein sollen, legt die Exekutive der Zionistischen Organisation Gewicht auf die Mitteilung, daß sie ein Schreiben des österreichischen Gesandten i n L o n d o n erhalten hat, in welchen: dioser namens seiner Regierung die Versicherung abgibt, daß alle notwendigen Schritte zur Verhinderung jedes Versuchs, in der Zeit des Kongresses Unruhe zu stiften, unternommen lverden Ivüvden. Der Oberrabbiner von Wien, Dr. CHajes, der der Aktionskonriteetagung, deren Präsident er iist, beiwohnt, gab der Ansicht Ausdruck, daß den Nachrichten aus Wien keine ernfte Bede u t u n g beizumesten sei; die Unruhestifter feien eine zahlenmäßig kleine und unbedeutende Gruppe und ihre Unternehmungen werden von der gesamten Bevölkerung uud der gesamten Presse, mit Ausnahme von ein oder zivei antisemitischen Zeitungen, aus das strengste verurteilt. Dr. Ehajes versichert.. daß die österreichische Regierung nicht nur alles tun wird, um die Freiheit des Kongresses zu sichern, sondern daß sie auch durch einen hohen RegierungsVertreter die Kongreßdelegierten offiziell begrüßen und zu Ehren der Zionistischen ExMtive einen Empfang veranstalten wird. Herr Robert Stricker, früheres Mitglied des österreichischen Parlaments und Mitglied des Aktionskomitees, teilte mit, er habe die Angelegenheit der Sicherheit des Kongrestes mit den maßgebenden Wiener Polizeibehörden besprochen und er glaube, daß die strengsten Maßnahmen ergriffen werden tvürden, um jeden unangenehmen Zwischenfall im Zusammenhang mit der Kongreßtagung hintanznhatten. Der „Deutsche Tag". Wie wir erfahren, haben die völkischen Vereine vorgestern im Schiller-ohaus eine Beratung abgehalten, in der sie einstimmig den vor zwei Wochen gefaßten Beschluß, den „Deutschen Tag" zur Zeit des Zionistenkongresses ahznsagen, widerrufen haben. Es sollen in dieser Zeit Massenkundgebungen stattfittderi. Sechs Millionen Soldaten. —y. 2ß 1 e ii, 26. Juli. Eine statistische Aufstellung des Völkerbundes besagt, daß Europa mehr als sechs Millionen Männer unter den Fahnen hält. Diese Aufstellung findet ihre besondere Färbung durch den Termin, in dem sie bokanntgegcben wird. Sie erscheint im Juli dieses gesegneten Jahres, in der Woche, in der die Krüppel, die Witwen und Waisen, die betrogenen Sparer, die Flucht linge, die Optanten, die Staatenlosci: an die Woche vor elf Jahren sich erinnern, in der der Schönbrunner Kronrat das Ultimatum an Serbien beschloß, in der Serbien dieses Ultimatum bis auf einen einzigen Punkt, den der Verletzung seiner Unabhängigkeit, annahm. Dieser eine einzige Punkt brachte den Krieg und schuf jene Elends kategoricn, die im Namen des verletzten Rechtes ihre Existenz, ihre Arbeit und ihre stille, ruhige .Häuslichkeit opfern mußten. Nicht ans ihrem freien Willen, sondern weil das Gesetz es ihnen befohlen hatte uud lveil das Gesetz hinter den Befehl den kategorischen Imperativ des Galgens gestellt hatte. Neun Millionen Männer starben auf den Feldern, die die angetvandte Lügenromantik als die der Ehre bezeichnet; wie Viele Frauen und Kinder dieser Ehre teilhaftig wurden, ist niemals geprüft worden. Ebenso wenig bekannt, ist die Ziffer der Personen, die ihre geraden Glieder uud ihre Lebcnsfreudigkett eiubüßten, die an den Kriegsseucheu verdarben oder noch heute siechen. Es gibt keine Statistik für die Prothesen. Elf Jahre nach diesem ersten Tag, der das große Morden sanktionierte,; stehen wieder sechs Millionen Männer in den Kasernen. Sie haben im Kindesalter die Zeit des Seclenaufschwunges miterlebt und Eindrücke erhalten, die sich schwer aus dem Gedächtnis tilgen lassen sollen. So sagt man, und der Pazifismus unserer Tage glaubt das gerne. Er singt sich das Lied vor, daß man doch nicht ein zweites Mal das Experiment der patriotischen Illusion wagen dürfe. Er singt und träumt, und wenn es hoch kommt, dann empfiehlt er, dem offiziellen Brauch sich gerne fügend, die Rückkehr zu der blutig besudelten Maxime, daß man den'Frieden durch die Rüstung erlangen könne. Es gibt sogar schon eine Lehre, die die Vervollkommnung des chemischen Krieges als im Interesse des Friedens gelegen fördern will, die aber kaum eine Einwendung erhebt, lvenn die Mächtigen, die Regierenden, die Herrschenden in schönen Reden die Segnung des Friedens preisen. Elf Jahre ist es erst her, seit wir das Manifest zu lesen bekamen, es sei alles genau erwogen und bedacht. Und es gibt wieder Verhandlungen über Sicherheitspakt, über Entwaffnung, Schiedsgericht, ja sogar Verträge, die ewige Freundschaft und Frieden geloben, es gibt Konferenzen, anmutig unterbrochen durch Land- und Seemanöver, Ftottenvorlagen, Mobilisierungskredite. Es. gibt ein Genfer Abkommen von 40 Staaten, das den Gaskrieg verbietet, und hinter dem Papier glüht, gelb und giftgrün, die tödliche Ampulle, siegessicher und selbstbewußt. Von der Kinnbacke des Esels, mit der Simfon die Philister schlug, ist die Menschheit bis zum Dichloräthylsnlfid vorgeschritten, zu dem freundlichen Senfgas, das monatelang nach seiner Ausstreuung jedes Leben tötet, das Wasser und,die Fetdfrucht vergiftet. - * Es war ein Pogron:, den die Menschheit gegen sich selbst verübte, diese Menschheit, der der Gedanke des Pogroms, die Mißhandlung Schwächerer, Wehrloserer, in das Fleisch und das Blut ihres Rechtslebens übergegangen lvar. Diese europäische Menschheit hat die Führung der Welt an sich gerissen, nicht mit den Mitteln einer höher entwickelten Sittlichkeit, nicht mit der Idee ihrer Zivilisation. Sie hat sich in Krieg und Mord festgesetzt, ausgobreitet und ihre .Hegemonie geschaffen. Sie hat gegen sich gewütet und gegen jeden, der ihr gefährlich erschien, sie hat sich für ihre Macht ein Recht erzeugt, das nur den Zweck hat, dst Grundlagen der Macht zu sichern und den Wehrlosen noch schwächer zu machen. * In dieser Atmosphäre mußte ein Volk, das in der Minderheit war, das den Krieg immer wieder an sich verspürte uud ihn.deshalb haßte, unangenehm auffallen. Das war das jüdische Volk, das einzige Glied der weißen Rasse, das da weiß, daß im Blut das Leben ist und daß man nicht morden darf. Diese Lehre des jüdischen Volkes ist ein ewiger, beharrlicher Protest gegen das System, ans dem sich die Völker ihre Macht aufbauten. Und darum ging der Pogrom - von dieser schwachen Stelle, von dieser Lüge in der Ethik .der Faust aus. Darum ist der ununterbrochene Rechtsraub, der, an dem Judentum verübt wurde, den die Kaiser und die Kirchen segneten, das Vorbild für den großen Pogrom und für den großen Rechtsraub geworden, der vor elf Jahren begonnen hat und zu dessen liebevollen Pfleg« wieder sechs Millionen Männer in den Menschenställen erzogen werden. Viele, viele tveitcre Millionen lernen wieder, daß der Krieg ein Mittel ist, der Pazifismus und die Denwkratie sagen es gleichfalls und der Bölkeo bund legt getreulich statistische Tabellen an. Wir sriH also aus der großen Zeit noch nicht heraus. ES alles crwogeu und bedacht. Ser ungarische Numerus clausus vor dem gnteruationalen Gerichtshof. Aus Genf wird uns berichtet: Aus einer Quelle, die den führenden Kreisen des Völkerbundes nahesteht, er, fahrenwir, daß die Vorgänge in der Warschauer Konferenz der Union der Völkerbnndtigen int Zusammenhänge niii der Resolution über den Numerus olansus au allen in Betracht kommenden Stellen den denkbar schlechtesten Eindruck her-vorgerufen haben. Es gilt heuta schon als sicher, daß sowohl der Völkerbund als auch in weiterer Folge -das Internationale -ständige Schiedsgcri ch t sich schon bei ihren nächsten Tagungen mit der -Frage des Numerus clausus und in: besonderen mit den: ungarischen Gesetz hierüber befassen werden. Tis Grundlage für diese Stellungnahme bilden die vom jüdischer Seite dem Bölkerbundrat und dem Inter* nationalen Gerichtshof unterbreiteten Anklagen gegen die ungarische Regierung wegen Verletzung dev internationäten Verträge. Diese Klage wurde, wie wir erführen, von einer großen Zahl v -o n Bert r e t e r n d c r b e v ii h m teste n Universitäten: der We lt unterstützt, so daß kaum mehr ein Zweifel darüber bestehen kann, daß der Inter-, nationale ständige Gerichtshof die Verletzung der intern nationalen Verträge durch den -ungarischen Staat - fcsti stellen und diesen dazu -verhalten wird, das den Bestimm m-ungen der Verträge zuwiderlaufende Gesetz au ß e y Kraft zu fetzen. Mau hat in Völkevbundkrcisen die Ucberzeugnng gewonnen, daß die ^Haltung der ungarischen Delegation -in der Warschauer Konferenz sich nicht einmal mit der Auffassung des Präsidiums der Ungarischen, ausländischen Gosellfchaft, die den Ligen der Völkerbunds freunde in anderen Staaten -entspricht, deckt. Gerade die' Präsidenten dieser Gesellschaft, Graf Adalbert App o n y i, Albert Berze-viczy, Baron Julius Wlassies unbj Georg L nka c s, haben wiederholt im In- und Aüslanh öffentlich erklärt, daß sie -den Numerus clausus verwerseiq und ihn auch für schädlich halten. Diese Meinüng der bc^ doutendsten Persönlichkeiten -Ungarns, der einzigen, die auch! in der -internationalen Welt Ansehen genießen erscheint, -den: Völkerbund und den Mitgli-edern des -Internationales Gerichtshofes für die Beurteilung desse::, öb der Ml-mernsj clausus für Ungarn eine Staatsnotwendigkeit darstelle, m a ß g e -b e u d e r als die Ansicht -des Kuiltusm-in i-sterö, Grafen Kuno Klebelsberg, -dessen- -Politik seit jeher eine reaktionäre Färbung getragen 'hat. Französische Lssensive in Marokko. Fes vom Druck -er Rifurmee befreit? Fes, 24. Juli. (Havas.) Die Gruppen, die von Alm- Ai s ch a längs der beiden Ufer des Uerghaflusses vor-« rücken, gelangten bis 20 Kilometer westlich von Bali, wobei sie den Feind in Verwirrung brachten, zahlreiche Gefangene machten und einen breiten Streifen des Gebietes 75 Kilometer n ö r d l i ch v o n F e S säuberten. Die ln dieses Gebiet eingedrungenen feindlichen Kräfte wurden gezwungen, eilig «ach Norden Mrückzufluten. Im ö st l i ch e n Gebiete begannen die mobilen Gruppen eine gegen Bal Morndi gerichtete B e w e g u n g, die normal fortschreitet. Die N ü ck z u g s b e w e g u n g der regulären N i f* truppen nach Norden hat bei den S t ä m m e n, die dadurch sich selbst überlassen bleiben, Beunruhigung hervor-, gerufen. ES bestätigt sich, daß A b d e l K r i m von zahlreichen Seiten ermutigt wird, den K a m p f f o r t z u f ü h r e m Lya-utey kaltgcstellt? Paris, 26. Juli. Tel.-Komp.) Wie verlautet, wird Marschall Petain übermorgen, Montag, nach Tetuan reisen, wo er mit Primo de Rivera konferieren wird.. lieber die Mission des Marschalls »vevden nun nähere Einzelheiten bekannt: Die Gründe senrer Entsendung nach Marokko sollen in Unstimmigkeiten im Genera lst ab Lymiteys liegen, Da General Na ul in die Absicht bekundet hatte, einen eigenen Generalstab nach Marokko mit sich zu nchmen, fürchteten die Generalstabsofsiziere des Mavschalls Ly ante y, ihre Posten zu verlieren, -und versuchten in Paris die Rückbernfnug des Generals Naulü: zu bewirken. Um diesen Streitigkeiteu ein Ende zu machen, beschloß die Regierung. M-arschall Petain mit den weitgehendsten Vollmachten vsrseW, -nach MarMr Hn

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