Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2305 (22.7.1925)
- Date
- 1925-07-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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CeHtB Mir». ^ilNvoch «MfMW «ttwwMWffinÜ.7" _2g. p M _M. 230» Bühne und Kunst. An-sllr „Lag und Rächt" auf dem poluischeu Lheater. Aus Lemberg wird uns berichtet: Das Fragment der dramatischen Legende „Tag und Nach t", das S. An-ski, der Dichter des zu internationaler Berühmtheit gelangten „Dybuk", hinterlassen hat und das von A. Kacizne (angeblich nach An-skis Entwürfen) vollendet wurde, ist nun in polnischer Uebertragung in Lemberg zum ersten Male über die polnische Bühne gegangen, nachdem der „Dybuk" schon vor etwa zwei Jahren in Warschau dem Repertoire des polnischen Theaters einverleibt worden war. Die Aufführung, welche im Lemberger Theater „Nowosci" vor überfülltem Hause stattfand, war von ersten Kräften der polnischen Bühne getragen. Die männliche Hauptrolle gab der bekannte Charakterdarsteller A d w e n t o w i c z. Er und die übrigen Darsteller, unter denen Fräulein G o rc z y n s k a, die Darstellerin der weiblichen Hauptrolle, hervorragte, wurden mit stürmischen Beifall gefeiert. Nach den Aktschlüssen war die Bühne voll von Blumenspenden. Der Erfolg in der Presse und beim Publikum ist geradezu sensationell. Aur den Theatern. Burggarten (bei ungünstiger Witterung im Festsaal der Hofburg). Heute. 8 Uhr abends, Symphoniekonzert (Dirigent: Theodor Christo ph. Mitwirkend: Sophie Braun und H. K o ch - G a d e n.) Schönbrunner Schloßtheater. Freitag zum e r st e n Male AudranS komische Oper „Die Puppe". Theater in der Josef st ad t. Heute Erstaufführung deS Lustspieles „Die Jungfern vom B t f ch o f S b e r g" von Gerhart Hauptmann. Das jüdische Gastspiel im Carl-Theater abgebrochen. Wie bereits gestern gemeldet, ist das für ein paar Wochen projektiert gewesene Gastspiel der amerikanischen Schauspieler B. Adler, Frau Francis Miller und A. Bullmann, welche einige Wiener jüdische Kräfte engagierten und sich dem Publikum als „judisch-amerikanisch-melodramatisches Kunsttheater aus New-Aork" vorstellten, nach wenigen Vorstellungen vorzeitig beendet worden. Die noch für Montag angesetzte Vorstellung fand nicht mehr statt. Ueber die Ursachen dieses Zusammenbruches sind — offenbar inspiriert — die erbaulichsten Dinge zu hören und zu lesen. Außer dem üblichen Breitner wird unter anderem auch — der Zionistenkongreß verantwortlich gemacht, weil er — um einen Monat später als das Gastspiel der jüdischen Truppe beginnt. Es sei daher festgestellt, haß diese jüdische „Stagione" vor allem deshalb kein Publikum gesunden hat, well sie künstlerisch nichts bot. Die Beispiele der von Isaak Deutsch geleiteten „Freien Jüdischen Volksbühne", der Gastspiele Paul B a r a t o f f s, der Wilnaer Truppe, oer Frau Clara A o u n g, des Morris S ch w a r tz scheu New-Iorker jiddischen Kunsttheaters, deren Vorstellungen zumeist Massenbesuch aufwiesen, selbst wenn sie in der heißesten Sommerszeit stattfanden, beweisen, daß das für das jüdische Theater m Betracht kommenoe Wiener Publikum sich willig ins Theater bringen läßt, wenn ihm nur irgend etwas Wertvolles geboten wird; dies wird hier mit Vergnügen festgestellt, weil > es denr jüdischen Theaterpublikum ein gutes Zeugnis ansstellt. Das „melodramatische" Exempel, welches das Wiener jüdische Publikum jetzt im Carl-Theater statuiert hat, sei auch gleichzeitig eine Warnung an spekulative Uirternchmcr, die mit dem indischen Theater ohne künstlerische Fundierung in Wien zn reüssieren hoffen. Arisch Theater. Wie die Korrespondenz Herwei erfährt, wird die Deutsche Kunstgcmeinschaft, um einem dringenden völkischen Bedürfnis .zu entsprechen, zunächst eine arische „Theatergemeinde" gründen und später ein Wiener Theater erwerben, um es in' eine ständige arische Bühne umyuwandeln. Der Spielplan soll mit Werke arischer Schriftsteller und Komponisten umfassen, das Ensemble sich nur aus arischen Schauspielern und Schauspielerinnen zufammenfetzen. Nur Arier können Mitglieder dieser Theatergemeinde werden. Falls ein Mitglied' dieser Dheatergemeinde verhindert ist, eine Vorstellung zu besuchen, darf es seine, Theaterkarten nur Ariern übertragen. Damit diese Bestimmung eingehalten werde, wird eine genaue Kontrolle (!) eingcführt. — Die Idee ist nicht gerade neu; daß sie auch nicht gut ist, dafür war Adam Müller-Gutenbruun, später „Schriftleiter" bei dem für eine angeführte ^Kontrolle" aufs Aricrtum nicht gerade standfesten „Neuen Wiener Tagblatt", Zeuge; sein a'risch-chrrstliches Theater am Wühringergürtel hat sehr rasch Pleite gemacht. Also — Heil dem Nachfolger des „arischen" Theaters! Robert Kahn 60 Jahre alt. Professor Robert Kahn, der angesehene Berliner Toukiinftler, wurde geistern, wie I. T. A. aus Berlin berichtet, 60 Jahre alt. Kahn, ein Schüler von Brahms, wurde von Joachim nach Berlin berufen und hat sich im deutschen Musikleben als auserlesener Pianist und als Lehrer an der Berliner Hochschule eine große Stellung errungen. Sein Bruder ist der Now-Aorker Banikier Otto H. Kahn, sein Neffe der Leipziger Generalmusikmeister Gustav Brecher. _ ' Vereine. BortrSge und Berfammlnngen. H i t a ch d u t h, 2. Bez., Glockengüsse 30. Heute, V,8 Uhr abends, Vortrag Israel K o h n über „Hanoar haiwri w'Erez Israel". — BukowinaerZentralverband. Heute, 6 Uhr abends, Cafö Landtmann, Plenarversammlung. Radioprognrnrirr. Heute Mittwoch. 4 bis 6 Uhr: Nachmittagskouzert. Czibulka: Herzen und Blumen, Walzer. Cimarosa r Die heimliche Ehe Ouvertüre. Mascagni r Intermezzo aus der Oper „Ja". Mendelssohn: Zwei Lieder ohne Worte. Urbach r Chopins Meisterwerke. Schubert-Berts r Kleine Königin. Gruber: Vorstadtg'schichterln. Morena r Extravaganzen. Potpourri. Lehar: Pikanterien, Walzer. Vttaliani r Della Rostalgia, Tanz. — 7a 7 bis 7 Uhr r Vortrag Dr. Stefan Jellinek: Radiogefahren. — 8 Uhr: Aus der klassischen Operettenwelt. Kammersängerin Klara Musil: Joh. Strauß: Savoyardenlied aus „Karneval in Rom"; Lied der Königin aus „Spitzentuch der Königin"; Walzerlied aus „Indigo". Kammersänger Artur Preußr Joh. Strauß: Trinke Liebchen, trinke schnell, aus „Fledermaus"; I. Offenbach (-Zamara)r Lieblichste aller Frauen, laß' heute dich erschauen, aus „Goldschmied von Toledo". Opernsängerin Grete Pohl: Joh. Strauß: Zigeunerlied aus „Zigeunerbaron"; Arie der Rosalinde aus „Fledermaus". Franz Glawatfch: Joh. Strauß: Entreelied des Zfuvan aus „Zigeunerbaron"; K. Millöcker: Ach, ich Hab' sie ja nur auf die Schulter geküßt, aus „Bettelstudent"; Schwamm d'rüber, Couplet, Lied aus „Jungfrau von Belleville"; Schwarz ist mein Lieblingscouleur. Lied aus „DaS verwunschene Schloß"; Talketer Bua. — 10 Uhr; Heitere Abendmusik. (Kapelle Silving.) Gerichtssaal. Der Leidgardist des ermordeten Todor Pani«. Me erinnerlich ist bei dem seinerzeitigen Mordattentat im Burgtheater» wobei der mazedonische Bandenführer Todor P a n i c a durch seine Landsmännin Mencia C a r n i e i n erschossen wurde, auch dessen Begleiter, der bulgarische Flüchtling Jan B o g a t i n o f f durch einen Schuß schwer versetzt worden. Bei Bogutinaff wurde ein geladener Revolver gefunden und deshalb hatte er sich nach seiner Genesung vor dem Strafrichter Landesgerichtsrat Dr. Arie wegen Uebertretnng des Waffen patentes zu verantworten. Der Angeklagte gab an. daß der Revolver nicht sein Eigentum sei, sondern daß' ihm dieser von dem ermordeten Panica, zu dessen persönlichen Schutz er nach Wien gekommen sei, vor ledem Ausgang übergoben wurde. Der Richter verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 16 Schilling und sprach den Verfall der Waffe aus. In der Urteilsbegründung hob er hervor, daß Bogatinosf, der in Oesterreich das Asylrecht besitzt, die österreichischen Gesetze peinlichst beobachten müsse. Der Verurteilte hielt sich Bedenkzeit offen, da seine Verurteilung den Verlust des Asyl recht es nach sich ziehen würde und er aus politischen Gründen in seine Hemmt nicht zuvückkehren könne. Wertlose Sparbrennanfsätze für Gasrechauds. Vor dem Strasbezirksgerichte Favoriten (Landesgerichtsrat Dr. Donau) hatten sich kürzlich zivei Reichsdeutsche, und zwar der Kausmann Reinhold Michel und der Agent Anton Birnbaum wogen Betruges zu verantworten. Sie gaben sich als Angestellte der städtischen Gaswerke aus und boten den Parteien Sparbrennaufsätze für Gasrechauds zum Preis von 60.000 K. an. Die Sparbrenner erwiesen sich aber als völlig wertlos, ja sogar weige-n der Entwicklung von giftigen Gasen als gesundheitsgefährlich. Bei der Verhandlung gaben die Angeklagten an, daß sie über 20.000 Stück dieser Brenner absetzten und daß die Aufsätze das Beste seien, was aus diesem Gebiete existiere. Sogar in der Hygieneausstellung seien diese Brenner zu sehen gewesen. Nöber Antrag des staatsanwaltschaftlichen Funktionärs wurde mit Rücksicht auf die Höhe der SchadensMer der Akt dem Landesgerichte abgetreten. Bollswirt. Ser neue Entwurf de« Postsparkaffengesetzes. Nach eingehenden Verhandlungen mit den Parteien hat der Berichterstatter für das Postsparkassengesetz Abgeordneter Dr. Odehnal einen neuen Entwurf ausgeavbeitet, der sich von dem ursprünglichen Regierungsentwurf in einer Reihe wesentlicher Punkte unterscheidet. In den all ge. meinen Bestimmungen wird festgesetzt, daß das Vermögen der Sparkasse ein vom Bumdesvermogen verschiedener Vermögen bildet. Die Verwaltung dieses Vermögens Miegt der österreichischen Sparkasse in Wien. Während im ersten Entwürfe festgesetzt war, daß die österreichische Postsparkasse dem Minister für Handel und Verkehr unterstcht, soll sie nach dem neuen Entwürfe dem Minister für Finanzen unterstehen. Als Wirkungskreis der österreichischen Postsparkasse wird bestimmt: 1. Das Bareinlagengeschäft; 2. der Poftscheckverkchr; 3. die Beteiligung an der Ausgabe von Anleihen des Bundes, der Bundesländer oder öffentlichen Fonds, die dom Bunde verwaltet werden; 4. das Effektengeschäft für fremde Rechnung; 6. der kommissionsweise An- und Verkauf von Devisen und Valuten; 6. die Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren; 7. die Vermietung von Kassenfächern (Safes); 8. das Akkreditivgeschäft. Hiebei wird ausdrücklich festgesetzt, daß solche Geschäfte von der Postsparkasse nur gegen entsprechende Deckung seitens der Kommittenten getätigt werden können. Dadurch soll die Möglichkeit von Verlusten aus don verschiedenen Bankgeschäften ausgeschlossen werden. Die Anlage der der Postsparkasse aus dem Spar-, bezichungsweise Scheckverkehr zufließenden Gelder darf nur im Ankauf von Wertpapieren und Devisen, in Einlagen bei größeren Sparkassen und Hypothekenanstalten, in Einlagen in laufender Rechnung bei Banken, in Gewährung von Darlehen gegen Verpfändung börfenmäßig notierter Wertpapiere, Devisen und Valuten, in der Eskomptierung von Coupons, die in längstens drei Monaten fällig sind, in der Eskomptierung von Wechseln, die in längstens drei Monalen fällig, von einer Bank, einer Sparkasse oder registrierten Kreditgenossenschaft bereits eskomptiert und bei der Oesterreichischen Nationalbank reeskomptiert sind, und schließlich in der Eskomptierung von Lagerpfandscheinen erfolgen. Auch die Bestimmungen über die Organisation der Postsparkasse haben im Referentenentwurf eine Reihe von Aendernngen erfahren. Der Vorstand wird aus fünf Personen bestehen: Aus dem Gouverneur, dem Bizegouverneur, dem Generaldirektor und dessen Stellvertreter, sowie dem Präsidenten der Oesterreichischen Nationalbank oder dem Vizepräsidenten dieser Bank. Der Gouverneur, der Viizegouverneur und der Generaldirektor werden vom Bundespräisidenten über Vorschlag der Bundesregierung ernannt. Das Kuratorium wird künftig aus 20 Mitgliedern bestehen, und zwar: Aus den fünf Mitgliedern des Vorstandes, aus 12 Kuratoren, die von der Bundesregierung für vier Jahve bestellt werden, und aus drei Vertretern der Angestellten, die von der Personalvertretung jährlich unter Berücksichtigung >der drei Fachgruppen zu wählen sind. Der Wirkungskreis des Kuratoriums besteht unter anderem in der Bestimmung der Höhe der Mindesteinlage im Sparverkehr und der Stammeinlage im Scheckverkchr, sowie der Verzinsung der letzteren, in der Festsetzung des Zinsfußes für Spar- und Scheckeinlagen, in der Festsetzung der Gebühren für den Scheckverkehr und in der Festsetzung^ der Geschäftsbestimmungen. Die Beschlüsse Wer die Festsetzung des Zinsfußes, der Gebühren nnd der Geschäftsbestimmnngen sowie über die Richtlinien der Anlage von Postsparkassengeldern, bei der Gewährung von Darlehen und Eskomptiew Fragen von schicksalsschwerer Bedeutung iiiiiimiiiiiHtiBiittiiiiiiiuiiiiiiiiiiHiiimiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiHiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiaiiiiimmiiiiiniiimiiiiiiiiiiiiitiniiiiimiiiiHiiiiiiiiiiiiimmiHiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiimiiiiiiiiinfiiii für die »Judenschaft der ganzen Welt werden im August d. J. auf dem XIV. Zlonlsten-Kongress zur Verhandlung kommen und ihre Lösung finden. Wollen Sie wissen, was auf dem XIV. Zionisten-Kongress besprochen und beschlossen wurde, dann abonnieren Sie sofort die KONGRESS-ZEITUNG das Organ des XIV. Zionisien-Kongresses welches die offiziellen Protokolle sämtlicher Kongressverhandlungen bringen wird. Wollen Sie wissen, was hinter den Kulissen des Kongresses vorgeht, was die führenden Persönlichkeiten des Zionismus über die einzelnen Probleme denken, dann abonnieren Sie die 99 WIENER NORGENZEITUNG 41 das jfidlsdie Weliblaii grossen Stils die, während der Kongresszeit In Ihrem Umfange bedeutend erweitert, die Kommentare zu den öffentlichen Verhandlungen bringen, in eingehenden Interviews Gedanken der führenden zionistischen Persönlichkeiten festhalten, Aeusscrungen der die Weltpolitik bestimmenden Persöelichkeiten über das jüdische Problem vermitteln und durch das reiche Biidermaterial, mit weichem der textliche Teil begleitet, ein Spiegel des zionistischen Weltbildes wird. Für die Werbung von neuen Abonnenten verteilen wir wertvolle Prämien Wer C Abonnenten für die Kon- JL*- O/U/A das Lehrbuch der hebräischen Sprache für gressausgaben wirbt, erhält aVCcc/i « V/ CcC/S Schul- und Selbstunterricht mit eingelegtem Schlüssel, je nach Wahl in deutscher, polnischer oder rumänischer Unterrichtssprache. Wer 10 iSjäS Graetz, Geschichte der Judendrel ckganten Halb Kombiniertes Kongress-Abonnement zu crmässigtem Preise (offizielle Kongress- Zeitung und »Wiener Morgenzeitung“). Wien und Oesterreich S 8, Tschechoslowakei Kc 40, Deutschland Gmk. 6, Polen ZI. 6, Italien Lire 35, Rumänien Lei 240, S. H. S. 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