Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2302 (19.7.1925)
- Date
- 1925-07-19
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981387--23388-3010900- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
m. asm Men, ^onnisst leitet Movaenzettuiitt. vj. 'riin r3?h &cttc 9 eine Sitte on die jüdische« Bürger Wiens. Der jüdische Turn- und Sportvcrband Oesterreichs veranstaltet in der Zeit vom 18. bis 24. August ein großes Turn- und Sportfest, an dem Makkabim der ganzen Welt teilnehmen werden. Dieses Fest gehört zu den vornehmsten Veranstaltungen des zionistischen Kongresses. Leider sind viele unserer Turner und Sportler aus dem Auslande nicht bemittelt genug, um sich den kostspieligen Aufenthalt in Wien leisten zu können. Es müssen deshalb Wege und Mittel gesimden werden, um unsere Brüder und Schwestern aus dem Auslande in Wien kostenlos unterzubringen. Wer nur die geringste Möglichkeit hat, der nehme daher einen jüdischen Turner oder Turnerin, einen Sportler oder eine Sportlerin für die Zeit des Kongreßfestes, das ist vom 18. bis 24. August, zu sich. Wir sind überzeugt, daß die jüdischen Familien Wiens durch ihre Gastlichkeit hier mithelfen werden. Wir bitten alle diejenigen, welche uns auf diese Weise unterstützen wolle», die genauen Details sowie Adresse ehestens unserem Sekretariat, 2. Bez., Schiffamtsgasse 16, bekanntzugeben. Die Zuweisungen erfolgen dann schriftlich durch unser Sekretariat. Für beit Vorstand des jüdischen Turn- und Sportverbandes Oesterreichs: Dr. Jakob Fifchler m. P. Paul Földes m. p. Mm und Kunst. Schönbrunner SchloMeater. Zwei Premieren ist einer Woche, dotzu das Engagement der tüchtigen Kapellmeister Rudolf W e i r i ch und Wilhelm Grü >mme r, unter deren Leitung das Orchester wesentlich besser und sicherer spielte als früher, und die Aufstellung eines Arbeitsplanes — das sind erfreuliche Nachrichten Dom Krankenlager des Schönbrunner Schloßtheaters, das schon fast in den letzten Zügen lag. Smetcmas „Verkaufte Braut" ist den Wienern von den Gastspielen tschechischer Sänger her in vorzüglicher Darstellung in Erinnerung. Nur so mchr mußte die von Rainer Simons inszenierte, recht mittelmäßige Auiffi'chvung, bei welcher der gewandte Heiratsvermittler des Herrn Hans Erwin Hey, die stvmmbegabte, befangene Margarete Krauß als Marie und Ilse Goltz-Kick als Esmeralda das Ensemble überragten, manchen Wunsch unerfüllt Lassen. Zudem war die Ausstattung gar zu dürftig. Eine leere Buhne, m deren Mitte eine Art Maibaum unverändert durch drei Mte «mporragt, ist — selbst wenn sich die Szene ans Andeutungen beschranken will — für Smetanas farbenfrohe slawische Volksmusik denn doch ein gar zu dürftiger Rahmen! Wenige Tage später gab es Lortzings in Wien längere Zeit nicht mchr gespielte kölnische Oper „Zar und Zimmermann", welche übrigens Smetanas „Verkaufter Braut" vielfach als Vorbild gedient haben mag. So ist etwa der Keza-l eine slawische lebendigere Neuauflage des Saardamer Bürgermeisters und in beiden komischen Opern gibt Mozart den Grundton an. Merkwürdig im Jahre 1837 die zahlreichen Verdi-Vorahnungen Lortzings, der aus dem deut-scheu Singspiel 'hier ebenso schöpft wie aus der französischen Opera comique. Die stets volkstümliche, bald hemdärmelige, bald rührselige Musik wurde von Rainer Simons richtig ausgelegt. Musik und Sjzene fanden diesmal zusammen und Max Klein, ein stattlicher Darsteller, fand echte Kraft- und Gefühlstöne für den russischen Zaren. Hans Erwin H e h als schafsköpfiger van Bett war ein tüchtiger komischer Gegenspieler, allerliebst sang Frau Pola die Marie, ganz nett Herr H111 e den Zimmcrgesellen Peter Iwanow und der strebsame Herr Owen Hewitt, der noch immer nicht deutsch kann, radebrechte den französischen Gesandten. _ flb. Ans den Theatern. Burggarten (bei ungünstiger Witterung im Festsaal -er Hofburg). Heute, 8 Uhr abends, O p e r n v o r st e l l u « g. „D e r B a j a z z o" und „Cavalleria rusticana". (Dirigent: Friedrich G r u b e r). Morgen „100 Jahre Johann Strau ß" Lichtbiloerkonzert mit Vortrag, Gesang und Tanz. (Dirigent: Mattin Spür r.) Mitwirkend Grete Dürrigl-Schwoiser und Karl Norbert. Theater in der Josef st a dt. Miiwoch Erstaufführung des Lustspieles „Die Jungfern vom B t s ch o f S b e r g" von Gerhart H a u p t m a n n. Carl-Theater. Heute, 8 Uhr abends, findet im Rahmen des amerikanisch-jüdischen ntelodramatlschen Kunsttheaters die Erstaufführung des Melodramas „D i e l e tz t e H o f fu n n g" von Martinowitz statt. Morgen geht das Melodrama mit Gesang „Gott von L i e b e" von O st r o v s k y zum ersten Male in Szene. WienerBürgertheater. Dienstag findet unter versünlicher Leitung des Komponisten Emmerich Kalman die 500. Aufführung von „Gräfin Mariza" statt. Lovis Corinth gestorben. In Zaandvort ist, wie aus Amsterdam gemeldet wird, der berühmte Maler Lovis C o r i n t h, der in dem holländischen Badeort zur Kur weilte, einer Lungenentzündung erlegen. Corinth, der ein Alter von 67 Jahren erreicht hat, war seit I960 in Berlin ansässig. Einer der hervorragendsten Vertreter der impressionistischen Richtung in der Malerei, tvar er zusammen mit Mar Lieb ermann und Slevogt in der um 1900 begründeten Berliner Adalergruppe ,-Sezession" führend. Cvrinchs malerischer Ausdruck, der, m der Bchandlung des Körpers RnbenSschem Stil folgt und ihn vielfach erreicht, ist am stärksten in seinen Porträts zu erkennen. Der verstorbene Künstler zählte zu den repräsentativen Größen der modernen deutschen Malerei. Nadioproaramm. Heute Sonntag. 11 bis 1 Uhr: Orchestevkouzert des Wiener Symvhonteorchesters. Beethoven: Symphonie Nr. 1 0-Dur M. Svörr t Einleitung zum 3. Akt und Arte des Abtes aus d« Otzer „Der Abt von Fleckt". F. Smetana r Bysehia). A. Adam r Variationen über ein Thema von W. A. Mozart V. Nicolai: Ouvertüre zu „Die lustigen Weiber von Windsor". 4 b,s 6 Uhr: Nachmittagskouzert. Ziehrer: Weana Madl'n, Walzer. Straus; : „Zigennecbaroit", Onverlüre. Wagner: Einzug der Götter in Walhall, Gesang der Rheintöchter, llrbach: Mozarts Meisterwerke. Drigo t Valse bluette. Joves : Vota, Tango. Komm!: Ernst und Scherz fürs Wiener Herz! Fall Pompadour, Walzer. Nelson r Wenn du meine Tante siebst. — 8 Uhr: Opernaufführzing: „Der Postillon von Lonstimean". Kölnische Oper in drei Akten von Adolf Adam. Morgen Montag. 11 bis 1 Uhr: Dormittagsim.sik. — V-4 Uhr: Schlichkurse der W-ener Börse. - 4 bis l/.ß Uhr: NachnüttagSkonzert.' Heuberger; Opernball. Walzer. Gluck: ..Alceste", Ouvertüre. Wagner: Walters Prekslied. Leelair: Tambourin. Schubert: Menuett in Es. Schubert-BertL: Lenz und Liebe, «. .. Schreiner r Der musikalische Fragekasten. Benatzki r Die Verliehen, Walzer. - '/,6 bis'/,7 Ubr r Märchen für die Gry^en. Gesprochen von Gera Dreger (Burgtheater). — 3/*7 * v1/*® ^c: Ouer durch Oesterreich. — 8 Uhr: Konzertakademie. Konzertsängerin Flora de G r k s o g o n o r Bernardo PaSquini (1697—1710): Arie aus der Cantate „llrmlnla in rivs ckgl Florclono". Antonio Caldara (1670-1736): Pastorale. Giuseppe Verdi r Atte aus „La forza del destino". Kammersänger Alfred Iergerr E. W. Korngold r Liebesbriefchen. O. Schock: Nachruf. A. Grünfeld r Des Sängers Vorüberzieyen. Opernsängerin Helene E l l i n g e r: Wagner: Elsas Traum aus „Lohengrin". C- Saint-Saens: Arie der Dalila aus „Samson und Dalila". Konzertsänqer Viktor Heim: Dominiko Paradies: Arietta. P. Martini: piscer d'amor. G. E. Händel: Cave selvc. Wilhelm Winkler: Cellovorträge. W. A. Mozart r Streichquartett in Q-Dur, Quartett Hugo Gottesmann. «erlchtrsaal. Die Hauspersonalabgabe im Einfamilienhaus. Nach einer Givtscheiburig des Berwalttriigsgevichtshofes sind auch Bositzor-vo.it Einf-amilienhänseMt verpflichtet, die Hausperson a l a b g a >b e für ihren Hausbesorger zu entrichten. Ein ISjähriger Vater dreier Kinder. Am 4. März, ging die ZWHrige Hilfsarbeit-crin Alma Holzer durch die Laxenburgerftraße. Dos Mädchen hat mit dein 19sährigen Anstreichergehilfen Franz Peter seit zirka zwei Jahren ein Verhältnis, dem zwei, Kinder entsprossen sind. Zu ihrem namenlosen Entsetzen sah sie nun ihren Bräutigam Arm in Arm mit der 19jährigen Hilfsarbeiterin Anita Grünwald dahcrkoittineni Zuerst.gab sie dem.Peter eine Ohrfeige, dann stürzte sie auf die Grünwald und schlug sie. .Die Grünwald brachte gegen die Holzer die Eh^e n b e l e i d i g u n g s k l a g e ein, über welche oer Strafrichter des Bezirksgerichtes Favoriten, . Landesgerichtsrat Dr. D o n a u, verhandelte. Bei der Verhandlung kam heraus, daß Peter außer mit der Holzer auch mit der Grünwald ein intimes Verhältnis nnterlhält und daß auch ^diesem Verhältnis ein Kind entstammt. Der Neunzehnjährige ist. also derzeit Vater dreier unehelicher Kinder. Nach Schluß des Beweisverfahrens fragte Doktor Donau, ob die Klägerin die Verurteilung der Angeklagten Wünsche. Sie sagt daraus: ,-J bitt' um wenigstens a Jahr schweren Kerker für die Holzer!" — Richter (zur Ange- . klagten): „Und Sie wünschen Ihren Freispruch?" — Bevor noch die Angeklagte antworten konnte, ruft die Klägerin: ,LZreisvrechen! Das gibt's nicht!" — Dr. Donau sprach die Zmgeklagtc frei, da die alleinige Aussage der Klägerin zu einem Schnldspruch nicht ausreiche. — Klägerin: „Jesus, Maria und Joses, solche Leut' werden in der Republik frei gesprochen." Laut weinend verließ sic den Gerichtsfaal. Volkswirt. die llmorlentterung der Weltwirtschaft. Betrachtungen zu den Vorgängen in Asien. Von Dr. Michael Sussan. Die Vorgänge, welche sich jetzt in Qstasien a-Wieleu. werden in der Ochfentlichkeit nur vom Politischen Gesichtspunkte beurteilt, ohne zu bedenken, daß ihnen vielleicht mchr wirtschaftliche Motive zugrunde liegen mögen. Tatsächlich verbirgt sich hinter der politischen Abwehraktion der europäischen und amerivanischcn Expansion in China auch ein eminent wirtschaftlicher Hintergrund. In einzelnen Meldungen wurde nur gestreift, daß die Führer der chinesischen Bctvcgung ihre Anhänger zum Boykott der nichtchinestschen Waren ansgefordert haben. Man hat den Eindruck, als ob sich hier im Süllen eine ähnliche Bewegung anbahnen wollte, wie sie von Gandhi in Indien gegen das englische Wirtfchaftsimpcrium entfesiellt wurde. In China sind die Konsequenzen aber weit gefährlicher. Wohl spielt sich Vorläufig der Kampf um die Jnteressens'phäre zuerst in den Häfen ab. Dies ist aber nur der Anfang einer Aktion, tvelche darauf hinansläust, die Wirtschaft Chinas von den äußeren Einflüssen zu besreien. Rußland unterstützt von Sibirien aus diesen Gedanken. Wenn bedacht tvird, daß auch von Indien aus ähnliche Bestrebungen im Zuge sind, so kann daraus leicht ersehen werden, daß es sich um nichts anderes als um die Verdrängung der nichtas i a.l-is che it Wirts chaftssaktoren aus Asien handellt. Da Japan in der letzten Zeit eine dem europäischen Wirtschcrftsimperialis- ’ m»s ähnliche Taktik in die Weige geleitet hat, so wird es ebenfalls in diese Ausschlußlbewogung einbezogen. La»!gisam und gründlich wird diese Bewegung vorbereitet. Wer aber genau die Nachrichten aus Asien verfolgt, kann scheu, daß sie immer tveitere Kreilse zieht. Mit der Abschaffung der Sonderrechte der Fremden in China, die doch nichts anderes als die freie Entwicklung des fremden Einflusses in der chinesischeu Wirtschaft lbezweckten, wird der Auflaiig gemacht und der vollkommene Boykott der Waren, die Absperrung aller Häfen Chinas und damit des wichtigsten Teiles Asiens gegen die Waren aller Länder, welche bisher die Wivtschaistshogemonie in China ' besaßen, dürfte das Ende sein. Dies liegt gang im Sinne der r u s jf i f ch -bol s ch e w i k i s ch e n Entwicklung, entspricht äber auch den Intentionen der nationalwirt.schaftli ch e u E m a n z iP a t i o n As ie n s. Vorläufig kamt nicht abgesehen tocrden, Welchen Umfang dikise Entwicklung nehmen wird. Amerika sieht diese Gefahr und drängt znin Nachgeben, inldent es die Auishebung der Exterritorialität für die fremden Wirtschaftsoriganifalioiien vorschlägt. Es ist aber fraglich, ob damit ettvas erreicht werden wird. Das, was sich seit Jahrzehnten in Ettropa abspielt, nimnit auch jetzt in Asien seinen Beginn. Die nationalle Entwicklung eines Volkes ist regelmäßig mit der wirtschaftlichen Entanz'ipa- Fragen von schicksalsschwerer Bedeutung >"'I! :•,*1»n j;■ 11 i i i j l'ffintm iii* ui für die Judenschaft der ganzen Welt werden im August d. J. auf dem XIV. Zionisten-Kongress zur Verhandlung kommen und ihre Lösung finden. Wollen Sie \Vlssen, was auf dem XIV. Zionisten-Kongress besprochen und beschlossen wurde, dann abonnieren Sie sofort die KONGRESS-ZEITUNG das Organ des XIV. ZfonUien-Kongresse* 'welches die offiziellen Protokolle sämtlicher Kongressverhandlungen bringen wird. Wollen Sie wissen, was hinter den Kulissen des Kongresses vorgeht, was nie führenden Persönlichkeiten des Zionismus über die c'nzelnen Probleme denken, dann abonnieren Sie die „WIENER MORGENZEITUNG“ da« jüdische Weltblatt Krosse» Sills die, während der Kongresszeit in ihrem Umfange bedeutend erweitert, die Kommentare zu den öffentlichen Verhandlungen bringen, in eingehenden Interviews Gedanken der führenden zionistischen Persönlichkeiten festhatten, Aeusserungen der die Welfpoiitik bestimmenden Persönlichkeiten über das jüdische Problem ve Mitteln und durch das reiche Btldermaterial, mit welchem der textliche Teil begleitet, ein Spl«g«l de* xlonlstlschen Weltbildes wird. Für die Werbung von neuen Abonnenten verteilen wir wertvolle Prämien Wer r Abonnenten für die Kon- D„/JL>0 C/„*h Amomi das Lehrbuch der hebräischen Sprache für gressausgaben wirbt, erhält o kJJllLtl X’xnWilit Schul- und Selbstunterricht mit eingelegtem Schlüssel, je nach Wahl in deutscher, polnischer oder rumänischerJJnterrichtssprache. ^Cr 10 ^onnenteu wirbt, erhält Graetz, Geschichte der Juden Preise und Bezugsbedingungen: Die Eröffnung*-Festnummer, diesepa- Kombiniertes Kongress-A bohnement zu ermässigtem Preise (offizielle Kongress- Zeitung und „Wiener Morgenzcltung“). Wien und Oesterreich 8 8, Tscheaioslowakel Kc 40, Deutschland ömk. 6, Polen ZI. 6. Italien Lire 35. Rumänien Lei 240, S. H. S. Dinar 100, Bulgarien Lewa 160, Belgien Frcs. 30, Frankreich Frcs. 30, Schweiz und das übrige Ausland Frcs. 7. Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung" Wien, n., Taborstrasse 1—3 / Telephon 44-0*38, 43-3-19 Ständige Abonnenten der „Wiener Morgenzcltung'4 zahlen für die Kongress- Zeitung, welche gleichzeitig mit der „Wiener Morgenzeitung" geliefert wird, ein ermäßigtes Abonnement, und zwar S 3.—, bezw. 21. 2.—, Kc. 15.—, Gmk. 2.—, Lei 120.—, Dinar 40.—, Schw. Frcs. 2.50. rat bezahlt werden muss, kostet: Wien und Oesterreich 8 1, Tschechoslowakei Kc 6, Deutschland Omk. 1, Polen ZI. 1, Italien Lire 4, Schweiz und das übrige Ausland Schw. Frcs. 1. ) 2316908311476418963213945613764303702910869