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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-15 · Heft 2298 (15.7.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2298 (15.7.1925)
Date
1925-07-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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» 1 Polens 30 flroszy I Wien: Zum Abholen ln der Expedition, II, Taborstr. 1-3, oderln einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf ln Wien durch die Kolporteure der Firma Oof dschmled, 1.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch echo-Slowakel: Mon.K22, Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 4ZIoty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Wiener Nachzahlungen hei P r e 1 *- er h6hangen Torbehalien Nr. 2298 Wie«. MMwoch. 15. 8«» 1921 Mute IFA.PALAST. KINO II. T«borstrasse I Der Handschlag so NV'ON 6. */*8, 9 Uhr MpMfefMgiMMM IPreis 20g England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.lOOLew?, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (D,uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang Welzmann über de« «ene» SberlommiffSr. Sin Brief des Priifidente» an die Konferenz der englischen gioniftensSderatlon. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 14. Juli. Der gegenwärtig tagenden Konferenz der englischen Zionistenföderation, welche von zahlreichen Delegierten aus allen Teilen des Landes beschickt ist und unter dem Vorsitz von Mr. Philipp Guedella stattfindet, kam vom Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Prof. Dr. Chaim Weizmann, ein herzliches Begrüßungsschreiben zu. In diesem heißt es unter anderem: „Sie treten in einer Zeit außergewöhnlichen Interesses an den Angelegenheiten unserer Bewegung zusammen, da wir in Kürze aus dem 14. Kongreß Zusammenkommen werden, auf dem Fragen von grundlegender Bedeutung beraten und Beschlüsse von weitreichenden Folgen gefaßt werden sollen. Die wichtigste Frage ist die «der Erweiterung der Jewish Agency, über welche lange und ermutigende Verhandlungen zwischen der Exekutive und den leitenden Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinden in England«nd den Bereinigten Staaten sowie anderer Länder angebahnt wurden. Um den notwendigen Fortschritt in unserer Palästinaarbeit zu erzielen und um ihn zur richtigen Zeit zu erzielen, ist es unbedingt notwendig, daß die Last von allen Teilen unseres Volkes getragen werde, so -daß wir viel mehr Mittel und eine Nie Schwierigkeiten der Kabinetts Luther. Die Zoltvorlage. Die deutschnationale Offensive gegen Stresemann. Berlin, 14. Juli. (T-el.-Komp.) Die Meirmngsver-- schi-edenheiten in der Frage der Zollvorlage haben sich insofern weiter verschärft, als nun auch der Stoger- Wald-Flügels des Zentrums sich gegen d ie Mindestzölle für Getreide ausgesprochen hat. Die endgültige Stellungnahme der Zentrumsfraktiou steht noch nicht feft. Die übrigen Mehrheitsparteien haben beschlossen, erst diese Stellungnahme abzuwarien, ehe entscheidende Verhandlungen in der Zollfrage eingeleitet werden. Das energische Dementi aller Gerüchte über einen Rücktritt des Außenministers Stresemann hat die Tatsache nicht ans der Welt geschafft, daß die Dentschnationallen, die in der Answertung'sfrage eine Riesenblamage vor ihren ^Wählern erlitten haben, sich wenigstens außenpolitisch Lorbeeren im Sinne ihrer auf Revanche und Kriegsvevdienst eingestellten Wähler holen und daher Stresemann um jeden Preis stürzen wollen. Ob ihnen dies gelingt, hängt vom r e ch t e n jF l ü g e l der deutschen BolksPartei ab. Ser Bergleich Pafir-Radir ratifiziert. Belgrad, 14. Juli. (Tel.-Komp.) Heute hielt der kroatische Banernklnb eine Sitzung ab, in der der Präsident der Partei, Paul Ra die, die Abgeordneten von der erzielten Verständigung mit dorr Radikalen in Kenntnis setzte und den Klub aufforderte, ihm und Stephan Radie das Vertrau e n auszusprechen. Volt den anwesenden 69 Abgeordneten stimmten 53 für die Politik der Parteileitung, während sechs Abgeordnete, darunter fünf Mitglieder der kroatischeil Vereinigung und ein Abgeordneter der Radie-Partei, dagegell stimmten. Gleichzeitig mit der Koilferenz des kroatischen Bauernklubs hielt auch der Klub der radikalen Partei heute vormittags eine Sitzung ab, in der das Protokoll über die Verständigung mit der Radie-Partei mit 194 gegen eine Stimme angenommen wurde. Die Regierung wird lltorgen ihre Demission einreichen, die Ernennung des neuen Kabinetts Pasie-Radie dürfte morgen oder spätestens übermorgen erfolgen. Die Erklärung der neuen Regierung wird am Montag im Parlament zur Verlesung gelangen. Voraussichtlich wird das Parlanrent nur noch das Bu-dgetproviforinm und das Preßgesetz erledigen und dann in die Ferien gohen. größere Masse persönlicher Leistung zur Verfügung haben. Aus diesem Grunde sind die Verhandlungen, welche bis zu Ende geführt werden und bei denen das Statut und die Prinzipien der Zionistischen Organisation sehr streng geschützt sind, von höchster Wichtigkeit. Die Stellung des Kongresses zu den Vorschlägen, welche vorgobracht werden, wird naturgemäß unsere künftige Tätigkeit in sehr starkem Maße beinflussen. Der Wechsel im Amt des Oberkommissärs, der sich jetzt vollzieht, ist eine Sache, die naturgemäß unsere höchste Aufmerksamkeit auf sich lenken muß. Wir haben das volle Vertrauen, daß Lord Plnmer sowohl den Inhalt als auch den Geist des Palästina- Mandats treulich wahren wird. Es kann nicht oft und stark genug betont werden, daß unser Fortschritt von der Stärke und lebendigen Kraft unserer Organisation abhängt; und diese sind von dem Matz an Stärke, welches alle unserer Organisation angeschlossenen Föderationen vertreten, abhängig. Es ist daher von höchster Wichtigkeit, -atz jede Föderation alle Anstrengungen macht, uw ihre Mitgliederzahl auf die höchste Stufe zu bringen und der Exekutive für ihre verschiedenen Paläst'mafonds ausreichende finanzielle Unterstützung zu gewähren." Der Auslanderttieg in Wna. * Verschärfung der Boykottbewegung. London, 14. Juli. (Tel.-Komp.) In Hongkong ist die Schiffahrt vollständig eingestellt worden. In Swatau und A m oh nimmt der Boykott der englischen und amerikanischen Waren immer größeren Umfang an. In der heutigen Sitzung des Unterhauses teilte Kriegsmin'ister Evans auf eine Anfrage mit, daß die englische Regierung auf Ersuchen der Freiwilligenorgamsationen von Schanghai Waffen und Munition dorthin gesendet habe. Gegen eine Chinakonferenz. London, 14. Juli. Aus Peking wird gemeldet'/ Frankreich, Italien und Japan sind in ihrer individuellen Politik China gegenüber völlig einig. Sie stimmen auch in der Opposition gegen die Absichten Coolidges zwecks einer gemeinsamen Konferenz überein. Es wird behauptet, daß der Plan Amerikas in China zu einem Aufstand führen würde. Marokko. Neue Angriffe Abd el Krims. Fes, 14. Juli. (Havas.) In der Nacht vom 12. auf den 13. d. haben die französischen Truppen feindliche Angriffe gegen die Posten von Ain Buissa, nordöstlich von Terual, und die Stellung von Skiffa, südöstlich von Terual, zurückgewiesen. Der Feind erlitt ernste Verluste. _ Set Konflikt zwischen Prag und dem Vatikan. Prag, 14. Juli. (Tschech. P.-B.) Im Sinne der vorangegangenen Verhandlungen in der Koalition traten heute nachmittags die im Zehnerausschuß vertretenen Parteien des Senats und des Abgeordnetenhauses zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, in der über die dilrch die Abreise des päpstlichen Nuntius geschaffene Lage verhandelt wurde. Den Vorsitz führte Ministerpräsident Svehla. Außenminister Dr. Be nesch erstattete ein umfangreiches Referat. Die Verhandlungen wurden um 10 Uhr abends unterbrochen und tverden morgen um 10 Uhr vormittags fortgesetzt. Bas Boftlvarkafiengefetz. Zur Beratung des Postsparkassengesetzes und des Zusatz- Übereinkommens zum römischen Uebereinkommen betreffend die Ausscheidung tom Guthaben und Depots aus der Gebarung des Postsparkassenamtes setzte gestern der Finanzausschuß ein sichengliedriges SMomitee ein. Der Herr Mörder. -7. Wien, 16. Juli. Die Innsbrucker Hakenkreuzstudenten, die den Frauenkongreß „Für Freiheit und Frieden" mit den Rufen „Pfui Juden!" störten, sind in ihrem nationalistisch-antisemitischen Fanatismus nur aufrichtige Bekenner der Lehre, zu der sie erzogen werden. Sie lernen, daß «das deutsche Volk sich nur durch Krieg zu seiner früheren Stellung emporschwingen kann, daß der Jude oder die Juden Feinde des deutschen Volkes und seiner Größe sind und daß die Herrschaft über das öffentliche Leben nur 'dem Manne zusteht, während die Frau nur die Pflicht des Kinderkriegens hat/ Ansonsten hat sie das Maul zu halten. Wenn sie sich dagegen wehrt, daß ihre Kinder für den Mord und für den Heldentod erzogen werden sollen, dann ist dies nicht deutsch, sondern jüdisch. Für den Nationalismus, -die organisierte Denkfaulheit, sind die Dinge dieser Welt höchst unkompliziert. Der Lichtfigur des arisch-germanischen Mannes steht der mit allen verbrecherischen Instinkten ausgestattete feminine semitische Typus gegenüber. Was dem deutschen Nationalismus paßt, was er begreift, das ist gut. Alles andere ist schlecht, ist jüdisch, weibisch, international, demokratisch. Wenn solche Theorien von den akademischen Lehrern, von den Politikern verbreitet werden, so sind Exzesse wie in Innsbruck doch nur höchst selbstverständ- . liche Ereignisse. Man hat kein Recht, etwas anderes zu erwarten und das Argument, daß solche Vorfälle der Sache der deutschen Minderheiten unendlichen Schäden zufügen, findet hier einen sterilen Boden. Die Minoritäten und ihr Schicksal sind ein wunderschöner Propagandastoff. In Versammlungen.und beim abendlichen Stammtisch läßt sich sehr hübsch darüber schwätzen und da sich die Lehre von der jüdischen Gefahr auch auf dieses Thema anwenden läßt, so ist es klar, daß von einer positiven Bedachtnahme auf die deutschen Minderheiten (die ja selbst in ihrer Mehrheit reaktionär, antisemitisch und friedensfeindlich eingestellt sind) keine Rede sein kann. Die Innsbrucker Demonstration hat sich übrigens gegen Frauen gerichtet und die Stimme der Frauen ist noch immer zu schwach. Sie haben trotz aller äußerlichen Erfolges wie des Wahlrechtes nicht die politische Geltung, die ihnen gebührt, und auch dieser Mangel ist wie das Uebevwuchern der Haßparteien nur eine Konsequenz der Feigheit der Demokratie. Die Mehrheit der Mitglieder dieses Frauenkongresses kommt aus den Siegerländevn, und wenn sie bedenken, wie sich in ihrer Heimat die Neuordnung vollzieht, werden sie den Empfang durch die Innsbrucker Studenten Wohl als Taktlosigkeit, kaum aber als besonders ausfallendes politisches Symptom betrachten dürfen. An einem einzigen Tag wird da gemeldet: Frankreich verstärkt die Garnisonen in Marokko. Der französische Generalstab inspiziert den Elsaß und die Rheinarmee. Der französische Kriegsmimster hat eine Vorlage über die Mobilisierung der Nation in Kriegszeiten und eine über die Pachtung von . zwei Schwefelsäurefabriken bewilligt erhalten. England baut neue Schlachtschiffe. Die Vereinigten Staaten bereiten riesige Flottenmanöver vor. In den chinesischen Häfen sind neue europäisch-amerikanisch-japanische Kontingente gelandet. Amerika verschärft die Einwanderungsbestimmungen, um muze stört die neue, große, weltbeherrschende nordische Rasse zu bilden. Dagegen in Deutschland: Bei einer Parade der (auf die Republik vereidigten) Reichswehr in Potsdam bringt der Kommandant der Schutzpolizei ein Hoch ans den Kronprinzen aus (wobei man sich erinnern muß, daß die Ententeforderungen betreffend diese Polizei in ganz Deutschland mit mißtönender Kritik ausgenommen wurden); in Neuruppin gab es einen Vorbeimarsch von 10.000 Soldaten des alten Heeres an.dem ehemaligen Kriegsmimster Heeringen, wobei der Reichspräsident telegraphisch gratuliert. Nun Mßland. Der Generalissimus Frunse hält große Kriegsreden. Im großen Belt ist eine russische Flotte zu Uebungen erschienen, eine neue Marinevorlage ist ansgearbeitet. Und damit in dieser sicherlich sehr lückenhaften Aufzählung auch die Tragödie des Lächerlichen nicht fehle: Bei einer Uebung des österreichischen Infanterie-Regiments Nr. 5 mit scharfen Handgranaten wurde ein Mann zerrissen, zlvei verletzt- Auch in dieser Republik, die

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