Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2291 (8.7.1925)
- Date
- 1925-07-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I Polen720 ftroszy 1 Wien: ZumAbholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer verschlelsstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Qol dschmied, I.. Wollzelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho* Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon.vin.60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Wiener orgenMung Nachzahlungen bei P r e 1 erhOhungen vorbehalien Rr. 2291 Men. Mittwoch. 8. 8«N 1928 iPreis 20 g| England: Mon.-4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.lOOLewr. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. I Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang Der 14. zionlstenlongretz in Bien. Das Bureau des 14. Zionistenkougresses teilt mit: In den letzten Tauen wurden durch verschiedene in- und ausländische Blätter und Nachrichtenagenturen Gerüchte Verbreitet, wonach der 14. Monistenkongretz nach einer andere« Stadt verlegt worden wäre. Das Bureau des 14. Zionistenkongresses erklärt demgegenüber, datz diese Gerüchte unwahr sind. Der 14. Zionistenkongretz wird am 18. August in Wien eröffnet werden, > Französische Echlavven in Marokko. Abermals Räumung. Paris, 7. Juli. (Tol.-Komp.) Mus Fes fwvb bk folgenden Meldungen eingetroffen: Die Vorpostenstellung von Zaid'ous, nördlich von iUezzan, wurde von den französischen Truppen geräumt, nachdem alle Baulichkeiten ln die Luft gesprengt worden waren, Der AntomolbikveirkeHr Mischen!FeS Und Ta za, Äon wo sämtliche Frauen und Kinder nach Algerien gebracht wurden, funktioniert noch normal. Die Mobilmachung durch den Sultan von Marokko, die vor einigen Tagen proklamiert wurde, und die sich natürlich nur auf die den Franzosen treu ge- Webenen Stämme erstreckt, hat begonnen. Wer neue französische Oberkommandiereude. Paris, 6. Juli. (Havas.) General N aulin ist zum Dlbevkommanldanten der Truppen in Marokko ernannnt worden. Nach dem Ministerrat dementierte P a r n l e v e energisch die Gerüchte von einer Mobilisierung zweier Altersklassen und fügte hinzu, die Regierung habe Naulin im vollen Einvernehmen mit dem Marschall ßtzantey zum Oberlbefehlshaber'ernannt. Mn Fviedensangebot? Paris, 7. Juli. Der „Temps" meldet aus gut informierter Madrider Quelle, datz demnächst im Namen Frankreichs und Spaniens Abd el Krim ein Friedensangebot gemacht werden soll und datz im Falle der Ablehnung der Vorschläge die französisch-spanischen Operationen unverzüglich einsetzen werden. Der Auslanderlrieg in Wm. Neue Zusammenstöße. London, 7. Juli. (Wolfs.) Nach einer Meldung der »Chicago Tribüne" aus Peking haben die chinesischen Studenten . neue f r e m d e n f e i n d l i ch e KundgebungeninTschungking veranstaltet, wobei es zu einem K a m p f mit der e n g l i s ch e n M a r i n e w a ch e kam. Frauen und Kinder wurden auf Flußboote gebracht, während sich die Männer am Ufer für die Verteidigung einrichteten. Bei diesem Zusammenstoß wurden nach einer Meldung des Nenterschen Bureaus zweiChinesen verwundet. General F e n g hat ein Manifest a n d i e Christenberga nzen Welt erlassen, in dem erGerech» igkeitfürC hin «fordert. Der innere Zwist. Wie „Times* aus Hongkong melden, versuchte ein Offizier der Mnan-Armee den A u ß e n k o m m i s s ä r von K a nt o n und den General Hsutschungtschi zu e r m o r d e n, als sie von der Feier anläßlich der Einführung der neuen Negierung zurückkehrten. Beide wurden leichtverletzt. Der Angreifer wurde von der Leibwache erschossen. zwei Journalisten in Bulgarien ermordet. Sofia, 7. Juli. (Tel.-Komp.) Heute wurden zwei I o u r n a l t st e n, beide bekannte Gegner des herrschenden Systems, ermordet. Der eine, Georg K o st o w, wurde im Gefängnis in Sofia tot aufgeftlnden. Der andere. Michael G en o v s k i, befand sich gerade auf dem Wege nach Tatar Patzardik, wo er H o ch z e i t halten sollte. Als der Bräutigam zur Hochzeitsfeier nicht erschien, machte inan sich auf die Suche und fand den jungen Mann auf der Straße ermordet auf. Deutschland« Sinttitt in de« Bötterbund. Keine Konferenz über die DicherheitsfrNge. London, 7. Juli. Das Reutersche Bureau teilt mit, datz in britischen gutunterrichteten Kreisen von einer demnächst abgiuhaltendrn Konferenz bezüglich der Frage des Sicherheitspaktes nichts bekannt sei. Es sei möglich, datz Deutschland dem Völkerbund vor. der Septembersitzung in Genf veigetreten sein werde; dies sei jedoch eine reine Mutmaßung. _ Kampf um ekn Kloster. Ein Zusammenstoß zwischen Gendarmen Md Bevölkerung in der Slowakei. Kaschau, 7. Juli. (Tschechoslowakisches Preßbureqp,) In der Nacht auf heute kam es in Nischtzh-Sebesch bei Preschov zu einem Zusammenstoß zwischen der Bevölkerung und der G e n d a r m e r i e, wobä eine Person erschossen und einige Personen verwundet wurden. . Aus dem dortigen Franziskanerkloster sollte nämlich ein Angestellter entlassen werden, der aus Rache einen P r i e st e r beschuldigt hatte, daß er sich einmal über den Präsidenten der Republik als einen Ketzer ausgesprochen habe. Die Gendarmerie begann auf diese Angaben hin mit der Untersuchung, was in der Bevölkerung Erregung herborrief, so daß sie mit Stöcken bewaffnet sich Freitag um das Kloster zusammenrottete. Die gespannte Lage dauerte den ganzen Sonntag und Montag an. Als die Leute erfuhren, wer der Angeber war, wollieu sie in das Kloster eindringen, um sich an ihm zu rächen. Montag nachmittags verhinderte die zusammengevottete Bevölkerung die Gendarmerie, welche das Verhör sortfetzen wollte, das Kloster zu betreten. Als nach Berufung von Verstärkungen die Menge der Auffardemug zum Anseinandergehen nicht Folge leistete, sondern die Gendarmerie mit S t e i n e n zu bewerfen begann, schoß die Gendarmerie zunächst in die Luft und sodann in die Menge, wobei eine Person getötet und einige Personen, darunter Gendarmen, verwundet wurden. Als eine neuerliche Verstärkung von ungefähr 36 Mann anrückte, lief die Menge auseinander. Heute früh stellte sich an Ort und Stelle eins Unterfuchungskommifsion ein und verhaftete ungefähr 26 Personen, ' ' ' >» f;.^ Leffentlkchkeitrrecht der Wischen Lehrerseminars in Wilna. Ein Resultat der polnisch-jüdischen Verständigung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 7. Juli. Der Unterricht'sministor hat den Erlaß unterzeichnet, durch den dem jüdischen Lehrerseminar in Wilna das Oeffentlichkeitsrecht verliehen wird. Die Reifeprüfungen an der Anstalt finden im September statt. Es ist dies der erste Fall in der polnischen Republik, daß eine Anstalt mit jüdischer Unterrichtssprache durch die Verleihung des Oeffentlichkeitsrechtes an-erkannt wird. Die Entscheidung der Negierung stützt sich ans den Bericht des Landeöfchulinfpektors Doktor Eckert, der die Anstalt während mehrerer Tage einer eingehenden Inspizierung unterzog. Die ersten Schritte zur Erlangung des Oeffent! ichkeit'Srechtes für die Wilnaer Lehranstalt wurden scholl vor einiger Zeit vom Abgeordneten I. G r ü n b a u m unternommen. Der Akt der Regierung wird in politischen Kreisen als eine der Wirkungen der Polnisch-jüdischen Verständigung anfgefaßt. „WEDO“ LUNGENBRATENWURST " IST DIE BESTEI 6096 Erhältlich in jeder besseren Lebensmitlelhandlung Die Deklarationen von Warschau. scbm—. Wien, 8. Juli. Staatspolitik ist nicht auf Sentimente gegründet und der staatspolitische Akt, welcher sich vor wenigen Tagen im Amtsgebäude des polnischen Ministerpräsidenten Grabski abspielte, ist nicht im Ueberschwang des Gefühls zu erfassen, sondern aus der Erwägung nüchterner politischer Tatsachen abzumeffen. Die polnische Regierung hat sich in lange währenden Verhandlungen mit den legitimen Vertretern der Judenschaft der Republik Polen aus eine Formel für das künftige politische Verhältnis der beiden Verhandlungsteile geeinigt. Daß diese Formel Form gewinne, bedarf es einen langen Weges, den die beiden durch die Warschauer Deklaration einander verpflichteten Vertragsteile eigentlich erst bereiten müssen. Was in den Erklärungen des jüdischen Klubs und des Ministerpräsidenten Grabski, die am letzten Samstag ausgetauscht wurden, grundsätzlich festgelegt ist, sind eigentlich unter normalen Verhältnissen Selbstverständlichkeiten: der jüdische Klub deklariert, daß er ans dem Standpunkt der Staatsbejahung steht und demgemäß seine Politik einzurichten gewillt ist; die Regierung erklärt, daß sie den kulturellen und wirtschaftlichen Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung die vollste Aufmerksamkeit schenken wird. Die feierliche Deklarierung solcher sozusagen normaler, verfassungsmäßig festgelegter gegenseitiger Bindung deutet darauf hin, daß bisher ein nicht normales Verhältnis vorlag, durch das in der Beziehung eines Bevölkerungsteiles von einem Siebentel der Gesamtvolkszahl Polens und der Organe dieses Staates eine Atmosphäre gegenseitigen Mißtrauens bestanden hat. Die junge Republik Polen befindet sich heute, nach den ersten Jahren des äußeren Ausbaues, im Stadium des inneren Aufbaues. Sie bedarf dazu der freien Entfaltung, der vollen Entwicklungsmöglichkeit aller Kräfte, welche für diesen Aufbau von Bedeutung sind. Als nach der Zertrümmerung zaristischer Sklavenherrschaft ein neues freies Polen entstand, wurde in ihm die bisher brutal unterdrückte Kraft einer eminent wirtschaftlich befähigten Bevölkerung von zweieinhalb Millionen Menschen, jüdischen Menschen, frei und damit ihr Wille, an dem Ausbau eines Staates werktätigen Anteil zu nehmen, dessen Entstehung auch sie ihre Befreiung von würgender, erstickender Fessel verdankt hatten. Es ging für aufbauende Staatspolitik darum, die Methode zu finden, diese Kräfte richtig wirksam werden zu lassen. Fast sieben Jahre, man kann sagen magere Jahre, währte es, bis die nüchternen Tatsachen den Weg wiesen. Es waren magere Jahre für beide Teile. Die Judenheit Polens, ein eminent wichtiger Faktor im städtischen, also industriellen Gewerbs- und Handelsleben Äeses Staates, hatte trotz ihrer von. allem Anfang an deutlich zum Ausdruck gebrachten Bejahung des neuen Staates vielfach das Gefühl, daß die Grundlagen ihrer Existenz, zu denen nicht bloß das Wirtschaftliche Ausleben, sondern auch das jeder Gemeinschaft innewohnende eigenkulturelle Bedürfnis gehört, ins Wanken geraten waren. Wenn ein so wichtiger Grundpfeiler des Staats ins Wanken gerät, ist der Staat gefährdet. Auf der anderen Seite herrschte bei den Organen des Staates die Empfindung, als ob jenes Bevölkerungselement, das, in seinen Lebensmöglichkeiten bedroht, um stützende Hilfe rief, einen Sonderanspruch erheben würde. Solche Anschauung rief die nationalstaatliche Aufbaumethode hervor, welche im Ueberschwang des ersten Freiheitsrausches hier wie so vielfach bei den neu oder nach langer Unterdrückung wiederum ins staatliche Eigenleben getretenen Völkern ihre staatspolitischen Ziele bestimmte. Die Zeit — glücklichertveise eine verhältnismäßig kurze Zeit — hat gelehrt, Staatspolitik als das zu nehmen, was sie wirklich ist, als Erwägung der Ziffern, als Rechenaufgabe, nicht als Ausfluß jenes Sentiments, welches das Machtgefühl oder der jeweilige Besitz der Macht hervorruft. Heute entscheidet das. -t