Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2287 (4.7.1925)
- Date
- 1925-07-04
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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■ SeAeS Wkn. Samstag Wrener Mm^enzettunq. ■i. Juli 1025 Nr. 2287 schreiet» in seiner Zelle auf und ab und beruhigt sich nur, wenn man khm eine Bibel vorlegt. Als ihn vorgestern seine Mutter im Gefängnis besuchte, erschien er mit einer Bibel in der Hand im Besuchszimmer und murmelte, ohne seine Mutter eines Blickes zu würdigen, ununterbrochen Gebete vor sich hin. Hausbesitzer können nicht zugleich Hausbesorger sein. Der Haarsbesitzer Rudolf B ö K m Latte die Befreiung von . der Wohnbausteuer für die .Ha usbc sorge rwohu>ung seines Hauses in Anspruch genommen, weil er selbst der Hausbefovger se iund alle Arbeiter! eines solchen verrichte. Der Magistrat schrieb jedoch die Wohnbausteuer vor. weil als Hausbesorger mrr jene Personen -u gelten hätterr. die nach der Hausbesoraemrdn-ung als solche Inguschen seien. Nach dieser müsse aber der Hausbesorger vonr Hauseigentünrer amgenommen werden, der Hauseigentümer könne aber nicht mit sich selbst einen Dicnstvertraa abschlietzen. könne also niemals Hausbesorger fein. Geaerr diese Ents>cheidung brachte der .Hausbesitzer die Beschwerde arr den Verwal-- tnngsaerichtshof ein. welche sich daraus stützt, da fr es keinem Hauseigetttümer verwehrt sein könne, die Hausbesorgerarbmten feM zu verrichten. Der Vertreter der Gemeinde Wien gab dies zu. bestritt aber, ixtft der Hausefitzer in diesem Falle die Begünstigungen in Anspruch nehnren könne, die dem Hausbesorger zukommen. Der Berwaltungsgerichtsbos (Vorsitzender Präsident Dr. S ch u st e r) erkannte aus Abweisung der Beschwerde, weil der in der Hausbe- ■ sorgerordnung vorgesehene Dienstvertrag zwischen Hausbesitzer und Hausbesorger notwendigerweise voraussetzc. -atz der Hausbesorger eine vonr Hausbesitzer verschiedene Person ist. Zwei OLrseigen von einem „Bubikopf". Bor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes ^ünsihaus. dem Bezirksrichter Dr. Vanecek. hatte sich kürzlich die 20iährige Eomptoiristin Sophie 5c. zu verantworten, weil sie den 29sährigen Vrivadbeamten Kalman B. am 14. Mai d. I. um halb 2 Uhr nachts von rückwärts überfallen imd ihm zwei Ohrfeigen gegeben hat. Die Angeklagte ist ein sehr hübsches, schlankes Mädchen mit einem Bubikopf. Sie erzählte dem Richter, das, sie den B. eines Tages kennen gelernt habe. Er stellte sich ihr als Leiter einer Engvosfirma in der Tuchhranche vor und versprach ihr dort eine bessere Stellung. Er gab ihr die genaue Adresse des Hauses, an. Er bestand auch daraus, daß sie sich ihre Haare schneiden lasse, denn die Damen, die in seiner Firma arbeiten, tragen alle nur Bubiköpfe: auch sie müsse, um in das Milieu zu passen, meit Bubikopf erscheinen. Sie fuhr, dann fort: „Er wurde zärtlich, machte mir auch einen Heiratsantrag. Ich widerstand all .seinen Verführungen und Lockungen. Ich wollte mir das GeschLft anshen, ich konnte es nicht finden, s bestht überhaupt nicht. Ich bin seinetwegen hortlos geworden. Er hat mich zu verführen gesucht: aber ich traute ihm nicht recht, wollte mich erst überzeugen, ob er es wirklich ernst meint. Als ich ihn dann in der Nacht traf (ich war in Begleitung von zwei bekannten Herren), war mein einziger Gedanke: „Er verdient Strafe, er hat mit brotlos gemacht." Der Zeuge I. erklärt, daß er durch den Ueberfall der jungen Dame, die ihm zwei starke Schläge auf den Kopf mit einem Schlüssel versetzt halbe, starke Schmerzen gelitten Labe. Er verlange Schmerzensgeld. — An ge kl.: Herr Richter, er ist so schwach, daß er bis nach Breitensee fliegt, wenn man ihn bloß anrührt. Ich habe bloß meine Ehre verteidigt, er hat die Strafe verdient. — Fräulein Sophie I. erhielt eine Geldstrafe von 10 Schilling, die sie auch annahm. _ Volkswirt. Eine Schweizer Anlelhelransakliiin Bösels. In Fincmzkreifen verlautet bereits seit einigen Tagen, Laß sich Präsident Basel nach der Schweiz begeben habe, um dort eine größere Anleihetransaktion durchzuführen. Der Umfang dieser Transaktion wird streng geheim gehalten. Eine Version geht dahin, daß Basel die Absicht habe, seine Unternehmungen, die Hammerbrotwerke und die Kattowitzer Kohlenwerike, an ein Schweizer Konsortium abzustoßen. Die andere Version hingegen lautet, daß von einem Verkauf vorläufig keine Rede sei, sodern daß Basel nur einen größeren Kredit von dem Auslandskonsortium erhalten solle und diesem hiefür eine Anteilnahme an den beiden vorerwähnten 'Jndnstrieunternehmnngen zugestchen wolle. Tatsache ist, daß zwischen Basel und seinem früheren Geldgeber, dem Aussiger Kohlenindustriellen Weinmann, größere Differenzen entstanden sind; Weinmann verlangt schon sch längerer Zeit sein Geld zurück. Er ist ein ziemlich ungeduldiger Gläubiger, der durch seine dringenden Forderungen so manchem Schuldner Schwierigkeiten bereitet hat. Es sei nur daran erinnert, daß Weinmann seinerzeit durch die forcierte Kreditkündigung an Kola nicht unwesenMch zum Zusammenbruch dieses Hauses beigetragen hat. Weinmann scheint auch jetzt gegenüber Basel ziemlich schwierig geworden zu sein. Dazu sind noch größere Schulden von den Hcrmmerbrotwerken zurückgeblieben, deren Begleichung die sozialdemokratische Partei stürmisch fordert. Generalkommissär Dr. Zimmermain sieht es ebenfalls nicht gerne, daß die Nationalbank Herrn Bosel größere Kredite eingeräumt hat, und hat die Bank schon vor einiger Zeit veranlaßt, die Kredite an Bosel sukzessive einzuziehen. Unter diesen Umständen ist es selbstverständlich, daß sich Bosel anderswo nach größeren Geldquellen umschen mußte, um seine drückendsten Geldverpflichtungen zu erfüllen. Dazu verschlingt das Kattowitzer Kchlenunteruehmen ebenfalls große Geldsummen. Es arbeitet gleich den Hammerbrottverken passiv. Schon vor einiger Zeit wurde in der „Frankfurter Zeitung" gemeldet, daß Bosel und Weinmann gemeinsam an Polen den Antrag gestellt hätten, die Kattowitzer Königshütte zu übernehmen, und daß sie dabei bereit gewesen wären, größere Betriebszuschüsse znr Deckung des Defizits zu gowäihren. Es wären dies effektive Verluste, zu welchen sich die jetzigen Besitzer gerne bereit gefunden hätten, um unter allen Umständen ihre Kohlengvuben loszuwerden. Unter diesen Umständen dürften die Zugeständnisse, zu denen sich Bosel jetzt entschließen muß, ziemlich groß' sein, da jetzt die Schweiz in der Gewährung ausländischer Kredite sehr zurückhaltend ist. Devisen Amsterdam . Belgrad. . . Berlin . . . Budapest . . Bukarest . . London » . Mailand . . New-York. . Paris . . . Pra? . . . . Devisen- und Dalutenknrse vom 3. guli 1838. Neick Var» Ware 8. 284.16 266.16 6 17 Französische Noten . . 8. 8toekf»o1m ...... itolliindische Noten . . Warschau .. , Italienische Noten . . . ss!so 100^- Valuten . 137.63 138.13 lagoslawische Noten . . Polnische Noten .... 12.3360 12.3960 Rumänische Noten . . . Amerikanische Noten > Russische Noten (Roman.) Belgische Noten «. » Schweizer. Noten . . . Bnl gar. Not. Tschecho-slow. Noten . 21.0060 Deutsche Noten . . » . Türkische Pfund-Noten . 21.0226 Englische Noten . . . > Ungarische Noten . . . Lar Ausgleichsverfahren ver Depositenbank. Bis zur Abstimmung gediehen. Die Abwicklung des Ausgleichsverfahrens der Depositenbank nimmt einen überraschend schnellen Verlaus. Geistern vormittags ist die Verhandlung bereits soweit gediehen, daß sic bis ans Montag verschoben werden konnte, wo mit der Abstimmung 'begonnen werden wird. Bei der gestrigen Verhandlung waren im ganzen 30 Gläubiger anwesend, ein Beweis für das geringe Interesse, welches von der Gläubigerschaft der ganzen Angelegenheit gewidntet wird. Bon Interesse war die Erklärung des Vertreters der Ausgleichsverwaltnug, Sektionschef Dr. Polak, welcher in längeren Ausführungen auf die am Vortage m der Diskussion erwähnten Tatbestände eutgognete. Unter anderem erzählte Sektionschof Polak, daß gegen das seinerzeitige Depositeubanksyndikat, welches aus den früheren Direktoren SachsI, Goldberg und Drucker besteht und das 125 Milliarden der Depositenbank schuldet, eine einstweilige Verfügung erlassen worden sei. Außerdem ist gegen diese Herren die Klage überreicht worden. Die Ansgleichsverwaltung ist bestrebt, die einstweilige Verfügung in eine dauernde umzuwandeln. Bisher ist das gesamte Vermögen derselben, wie Wohnungseinrichtung, Realitäten, übechaupt alles, wessen die Verwaltung habhaft werden konnte, bereits gepfändet worden. Mair ist unbedingt bestrebt, möglichst viel von diesem früheren Syndikat herauszubekommen. Ueber C a st i g l i o n e äußerte sich der Ausgleichsverwalter, daß diese Sache jetzt nicht mehr aktuell sei, da mit ihm ein Ausgleich bereits vor Eröffnung des Ausgleichsverfahrens abgeschlossen worden ist. Da Castiglione alle Spiritusprozesse übernommen hat, ist dadurch der Status der Bank wesentlich erleichtert worden. Gegen die Schuldtragenden am Zusammenbruche der Bank wird die Untersuchung noch weiter geführt. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Für die Verwaltung leistete Direktor M u n t e ndors den Manisestationseid. Zum Schluß entwickelte sich eine lebhafte Debatte, weil einzelne Rechtsanwälte die Forderung stellten, daß im Ausgleich durch das Wort „nur" betont werde, daß die Gläubiger dadurch, daß sie den Ausgleich annchmen, sich nur jedes Klagerechtes gegen die Depositenbank begeben, nicht aber gegen die Großbanken. Der Verteidiger der Großbanken wollte einer, solchen Aenderung des Ausgleichsvorschlages nicht zustimmen. Schließlich wurde die Versammlung ans Montag zur Durchführung der Abstimmung vertagt. Dorotheum ■ Bankabteilung Wien, I. Dorotheergasse 17 Kursbefserung der Lira «uv der französischen Franken. Umfangreiche Jnterventionskäufe der italienischen und französischen Noteninftitute vermochten an den gestrigen intsrnationalen Devifenplätzen dem französischen Franken und der Lira erhebliche K u rs b esser un g en zu bringen. Die Stützungskäufe fanden in den angvdrohten Maßnahmen gegen die Währungsspekulatiou eine ausgiebige Hilfe. Im Zusammenhang mit der besseren Haltung der italienischen und französischen Währung sind in Rom und Paris die Ausland s d e v i s e n stark r ü ck g ä ng i g gewesen. In Zürich stiegen der Franken von 23.45 auf 24.10 und die Lira von 17.36 ans 18.15. Auch alle übrigen Westdevisen lagen feister. Leicht rückgängig waren die Devisen Warschau und Belgrad, Dentsch-polnischer Zollkrieg. Deutschlands Kampfzölle. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) namentlich aber in finanziellen Kreisen, eine günstige Wirkung ausgeübt, da es nunmehr klar ist, daß sich das Ausland angelegentlich mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten Oesterreichs .zu beschäftigen beginnt und man sich von der Expertist effektive Resultate verspricht. Mau ist überzeugt, daß der eiserm Ring, den die Nationalstaaten nur Oesterreich gezogen haberr. noch im Laufe des Herbstes eine wesentliche Lockerung erfahren dürfte. Die Publikation der letzten Bankenbilanzen ha! sotvohl in Frankreich wie iu England giinstigen Eindruck gemacht. Die Ausländsanleihe der Länder. Wie wir erfahren, fanden heute im Bundeskanzleramt die Vorverhandlungen zwischen den Vertretern der Länder Store.rm.ark, Niederösterreich, Kärnten, Burgenland und Salbung bezüglich der gemeinsamen Ausländsanleihe statt. Bei diesen Verhandlungen einigte nran sich dahiin. die Unterhandlungen mit dem Bank- Haus Speyer fortzusetzen. Es wird sich iu kürzester Frist enticheildcn, ob auf der Basis dieser Vereinbarungen die Anleihe zustande kommt. Es ist fetzt Sache des Bankhauses Speyer, zu diesen Vereiiübavungen der Länder Stellung zu nehmen. Der Konkurs wurde über die Firma Ball u. Berger in St. Pölten eröffnet. Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über Otto Holler, Spediteur, 4. Bez-, Waltevgasse 1l über Josef M is lo ns chik, Tischlermeister, 2. Btt.. Neinbrandtstraße 4; über Karl Hab erh aus er, Kaufmann, 16. Bez., Wurlitzergasse 64, und über Jakob Korsunsky, Kappenmacher, 20. Bez., Jägerstraße 20. Kein Visum beim Besuch tschechoslowakischer Messen Aus Prag wird telegraphiert: Die beteiligten Ressortmliub sterien haben ein Ucbereiükcmimen getroffen, wonach ausländische Besucher tschechoslowakischer Messen Eüvn Visum benötigen, sondern eine von einem tschechosloivakischen Konsulat beglaubigte Messelegitiinativn genügen Wird. Herabsetzung der Frachttarife in Ungarn. Aus Budapest, 3. d., meldet Dcl.-Komp.: Wie die Blätter melden, steht eure Herabsetzung der Frachttarife auf den ungarischen Staatsbahnen bevor. Diese Maßnahme soll auf die zunehmende Konkurrenz der Automobiltransporte zurückzuführen sein. Die neuen Tarife sollest am 1. September iu Kraft treten. Oesterrelchisches Jahrbuch 1924. Nach amtlichen Quellen, 6. Folge. Wien 1925. Reconstrnot'ion PuMifhiinig Co. Das Oesterreichische Jahrbuch, das als verläßlichstes Nachschlagewerk über Oesterreich bekannt ist, ist erschienen. Für all die, die sich rasch über die Verhältnisse i-n Oesterreich, über die Verwaltung, über die Gesetzgebung, Statistik, Landwirtschaft usw. unterrichten wollen, ist es ein unentbehrliches Hllssmittel. Die Brauchbarkeit dieses Werkes ist durch Seitenüberschriften und durch ein ausführliches Sachregister noch erhöht worden. Sein äußerst niedriger Preis macht die Anschaffung des Oesterreichischen Jahrbuches jedermann möglich. Die vollständige Reihe der Bände des Oesterverchlschen ' Jahrbuches (der soeben erschienene Jahrgang 1924 ist der sechste) bildet ein Quellenwerk ersten Ranges für die politischr und wirtschaftliche Geschichte der österreichischen Republik und sür dite Geschichte der wirtschaftlichen Entwicklung der Nachkriegszeit überhaupt. Wiener Warenbörse« Es notierten am 3. Juli: Kolonialwaren: Kaffee: New-Yorker 17.70 Dollar, Santo» Prime 640.—. T e er Pecco Java, Orange 1000.—, Gewürze: Paprika, edelsüß 630.—, Pfeffer Singapore schwarz 435.—, Kümmel, neu, holl. 160.—. Reis: Burma 62.—, Italienischer 80.—. Zucker: Raffinade-Kristall 242.60 tschech.K., Würfel (in Asten) 257.60 tschech. K. Lequar 1924 116.—, Pflaumen, boSn. Sackware, 100/110 —Kranzfeigen, Calamata 70.—, Barimandeln, superior 635.-. C h e m i k alt e n: Aetzkali, 88/92 79.— Schweizer Franken, Aetznatron, 128/130, Solvay 66.—. Alaun, in Stücken 34.60, Ameisensäure, 85°/» 145.— Borax, krist. 100.—, Chlorkalk. 110/115 —. Chromnatron'130.-, Eisenvitriol 14.50 Essigsäure, 80%, für Genußaluecfe 230.—. Die Preise verstehen sich, wo nichts anderes bestinnnt wird, in österreichischen Schillingen pro 100 Kilogramm. Wiener Produsttenbörse. Die Preise notierten gestern wie folgt: Weizen: Inländischer 61.60 bis 62.50, Ungarischer Theiß 79/60 Kilogramm —bis , Ungarischer Theiß 77/78 Mogramm —bis —.—, Jugoslawischer 76 Kilogramm —bis —.—, Jugoslawischer 77/78 Kilogramm — bis —. Roggen: Inländischer 46.— bis 47.—, Pester Boden oder Nyirer 46.75 bis 46.25. Gerste: Inländische 36.— bis 41.—, böhmische mährische —.— bis . Mais: Ungarischer 30.— bis 31.—. C i n q u a n t i n 40.— bis 41.— Hafer: Inländischer 42.50 bis 43.50. Reis: Italienischer 79 — bis 81.—, Burma 62.— bis 63.50. Mahlprodukte; Grieß inländischer 88.— chis 90.—, Weizenmehl 0 inländisches 84.- bis 88.-, Kochmehl 2 inländisches 79.- bis 81.- Brotmehl inländisches prima 69.- bis 71.-. — Tendenz» Bei geringen Umsätzen ruhig. Berlin, 3. Juli. Im Reichsrat wurde gestern eine Verordnung beschlossen, welche höhere Zollsätze für Agrarprodnkte und Gewestbeerzeugnisse polnischer Herkunift bestimmt. Außerdem ist eine Reihe von Einfuhrverboten für polnische Waren vorgesehen. Die Zollechöhungen verfolgen den Zweck, die Einfuhr aus Polen vollkommen zu nnterbiuden. Doch sollen diese Maßnahmen nicht auf einmal, souüeru nur sukzessive durchgesülh>rt werden. Deutschland erklärt, daß es diese Maßnahmen nur als Retovsionsmaßnaihmen treffe. Vorlän.fig stcht noch nicht fest, in wacher Höhe fich die neuen deutschen Zollsätze bewegen werden. Sie düristen aber ein Vielfaches der früheren Zollsätze sein. Die Verordnung wird am 6. d. in Kraft treten. Die Londoner Reise Dr. Reisch'. Diie Korrespondenz Herzog erhält von wohliuforinierler Seite folgende Mitleilnug: Die Besprechungen des Präsidenten -der Oesterreichischen Narionalbank, Tr. 9t e i s ch, mit denc Gouverneur der Bank of England haben einen überaus freundlichen Verlauf genommen. Die Aufklärnttgen, die Präsident Dr. Reisch über die gegenwärtige wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung Oesterreichs den englischen Bankfachleuten gab, haben lebhaft befriodigt. Die rin Zuge befiildliche Expertise der Sonderb.'vollnlächtigten des Völkerbmides bat an und für sich iw. Ausland. Men« Börse. S-lt. Trotz des Wochenschlusses eröfsnele die gestrige Börse in frenudllicher Haltung. Diese Grundtelchenz konnte trotz Gewinustrealisationen nnd Abgaben der Konternliue nicht erschüttert werdell. Vornbergchend war zwar eine leichte Albschwächuug der Kurse zu vevzeichlwlt, doch konnten diese Rückgänge im weitere». Verlaufe des Verkehres wieder hereingckbracht werden, so daß die meisten Elfifekteu zu derr höchsten Tageskursen schlossen. Maßgebend für diese feste Grilndtendenz waren die zahlreichen A n sl and s a uft rage, an denen sich die italierrische Speknlatioil in hervorragendem Maße ^behelligte. Anl stärksteil wirkte das Gerücht, daß Auslandskapital sich sür eine große Effekteupositivn intensiv interessiere. Jll der K il l i s s e geivannen u. a. Staatsbchn 85.000 K., Juli-SÜd. Krupp. Waagner nnd Semperit je 10.000 K, Lombarden 3900 K.. Alpiite 4900, Timber 19.000, Salgo 28.000 K., Brünner Maschinen 13.000 K. und Karpathen 14.600 K. Dagegen verloren Felten nnd Poldihütte je 2000 K. Auch im S ch r a nk e n tvaren die Steigerungen vorherrschend. Hier erhöhten sich il. a. Fanto, Galieia nnd Ungarische allgemeine Kohlen um je 30.000 K., Oesterreichische Eisenbahnverkehr um 33.000 K., Nordbahn um 60.000 K., Aussig Chemische um 14.000 K., Dynamit um 100.000 K. und Lenzinger Papier um 25.000 K. Auf dem A n l a g e m a r 11 war die Tendenz ebenfalls eine feste. Von den Exoten notierten Mraznica 82.000 bis 34.000 K., Tepego 10.500 K. und Universale 18.000 bis 14.000 K.