Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2287 (4.7.1925)
- Date
- 1925-07-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie 6 Dien, SamStag Wiener MvrftensettnnO. 4. \m Set nette jüdische Mur in PaiSstina. Aus dem Bericht Herbert Samuels. Dem Abschietzs-bericht Herbert Samuels, den der englische Romancier Hall C a i n e mit dem bekannten Bericht Lord C r o m e r s über Aegypten vergleicht, sei die folgende Stelle entnommen: ,/Die meisten Beobachter, die den neuen Eharaktertypus studiert 'haben, der sich in diesen Dörfern findet, staunen über den -Frohsinn dieser Menschen. Ungeachtet zeitweiliger Enttäuschung, häufiger Härten und steter -schwerer Arbeit scheinen diese Männer und Frauen bemerkenswert glücklich. Es ist nicht schwer, den Grund zu .finden. Er ist zum Teil darin zu suchen, daß sie fast alle gesund sind; teilweise liegt er darin, daß das Klima günstig ist, niemals zu kalt und nur für wenige Tage oder Wochen drückend heiß; aber hauptsächlich glaube ich, liegt es an drei Faktoren in ihrem Leben, die sie glücklich machen: -der erste ist, daß sie aus dem Lande arbeiten, mitten in der Natur, lind daß sie jene Befriedigung genießen, die die haben, die fühlen, daß sie der Erde Früchte abgewinnen zur Erhaltung der Menschheit. Der zweite ist, daß sie in einem intellektuellen Niveau leben, das dem des gewöhnlichen Bauern weil überlegen ist. Sie sind viel mehr als Holzfäller und Wasserträger; sie lesen, sie denken, sie diskutieren; an den Abenden haben sie Musik, Unterricht, Vorträge; unter ihnen herrscht wahre Regsamkeit des Geistes. Und der dritte Faktor ist, daß sie sich dessen voll bewußt sind, daß sie nicht irgend eine zufällige Arbeit leisten, ohne andere Bedeutung, als die Versorgung ihres Lebensunterhaltes; sie wissen sehr wohl, daß sie ein integraler Bestandteil der Bewegung zur Erlösung Palästinas sind, -daß sie, obwohl sie wenige sind, die Repräsentanten und in einem gewissen Sinne die Treuhänder für das ganze Judentum sind, daß die tägliche Arbeit, mit der sie beschäftigt sind, Mt den Prophezeiungen früherer Zeiten und mit den Gebeten von Millionen, die heute leben, zusammengehören. So finden sie die Arbeit -ihrer Hände als einen Wert an sich; sie wird ihnen leichter durch ihre intellektuelle Tätigkeit, sie wird veredelt durch das patriotische Ideal, dem sie dient. Deswegen sind die Pioniere glücklich." * Hechaluz hamisrachr in Polen. Am 28. Juni wurde in Warschau die erste Äandestonferenz des Hechalnz hamisrach-r in Polen eröffnet. Es erschienen 130 Delogierte, die 30 Städte vertraten. Rabbiner Mssenbaum erössnote die Konferenz. worauf der Präsident der Zionistischen Exekutive, Nahmn So ko low, mit stürmischem Beifall begrüßt, den Delegierten Worte der Ermunterung zuries. Es wurden dann Begrüßungen von Persönlichkeiten und M isvachi-Organisationen der ganzen Wett verlesen. In das Präsidium würben gewählt: Landau (Warschau), Pietriszko (Brest-LitowÄ), Bauurmger (Krakau), Rechtmann (Lublin), Manele (Bendin), Grün borg (Siedle c). * Das Schachtverbot vom deutschen Fleischertag abgelehnt. Wie aus Gotha berichtet wird, hat der dort abgehaldene Verbandstag der deutschen Fleischer den sächsischen Antrag auf Befürwortung eines Schächtvevbotes abgelehnt. Mitteilungen aus dem Publikum. Mab Keil Mali JzM Heilen Wien XX. Wien II. Verlobte Juni 1925 Hanna Erteschik Dr. Wolf Somer Kopenhagen Wien Verlobte Wieder zu haben! Bureau: ons.IraiiLZlgareflenpapler Jv/D winjiuinogisN ii/r Jüdisches Künstler-Kabarett JLeite-r.' Mast Streng (Astorla)_II., Praterstraße 60 (Arfcadla) Heute Samstag und morgen Sonntag um r/,9 abends Neues Programm! Mitwirkende: Lea Welntraub-Qraf» Paula Drei« blattj /. Deutsch, B. Sigall, D. Nachbar, J. Mestel, A. Meise!» Zur Aufführung gelangt „Schojlek ben Todres Chojsek“ Erstes Auftreten der Taitsgru'pe Maxlmof und des Artisten R. P. Tiorinl srsa -TALES-FABRIK Telephon 69-1-23 iTIUND Telephon 60-1-23 H. Knlsbneher & Söhne, Hin. I. Hntorgme DHVNMJH”* 1)18 "VWI ttrjnp BXPORT NACH ALLEN STAATEN 98M D WIENER & Co. BERLIN NW 7 UNTER DEN LINDEN 69 Ankauf von Grundstücken Beschaffung von Bar-Hypotheken Ge*r. 1884 Ältestes «egr. 1884 Wiener Restaurant KRZIWANEK Kiessveiter - H&lsdier *08* BERLIN NW 7 Friedrfdiifraue — Ecke MlttelstraBe 57/58, I. Nur eine Treppe Vorzügliche echt österreichische Küche, Pilsner Urquell, österreichische und deutsche Weine. Bürgerliche Preise Zionist.-flkad. Verein „Bar-KortiHa“ Wien Heute Samstag den i. Juli, 8 Uhr abends, im Lokal des Cafe Bürger, II., Praterstrasse 11 VERSAMMLUNG Tagesordnung: »rss Problems das XIV. Kongresses Referent: Unser Kongresskandidat Dr. ISRAEL WALDMANN Eintritt frei! Eintritt frei! WOHNUNG mit Wanze» wird erst wohnbar, wenn sie mit SALFORKOSE einzig radikale Ungeziefervertilaung, de»infiziert ist. Binnen sechs Stunden auch in möblierten Wohnungen ohne Sachbeschädigung Vollständige Ausrottung samt Brntl - 51» L Wiener Reinigungsanstalt „La Generale“ Wien, l„ Hsgelgftase 9 Tal. 724S6 u. 7293t Las Naffenvroblem. Unter den Aftevwiffenschasten, welche das neunzehnte Jahrhundert hevvorgebracht hat, gibt es wohl keine, hie sich <wi Gefährlichkeit mit der Rassentheorie messen kann. Dieses Gemisch aus Vorurteil, Chauvinismus und Querköpfigkeit — eine Anwendung wissenschaftlicher Methoden zum Beweis scheinwissenschaftlicher Prämissen — ist einer der tragenden Grundpfeiler der großen europäischen Reaktion und trägt wesentlich dazu bei, jene deutsche Geisteshaltung zu schaffen, die am großen Kriege ihre Mitschuld hat. Der verhüllte Matevialismutz des scheinwissenschaftlichen Rassenwahnes, der an die Stelle des Kulturbegrifses der nationalen ,-Sendung" im Fichteschen Sinne somatische Elemente, wie Schädelmaße, Pigment- Verhältnisse u. dgl., zu setzen bemüht ist, ist —obschon ursprünglich auf fremdem Boden gewachsen — in Ausbau und Massenwirkung Made in Germanh, und der Weltenkatzenjammer nach dem gvoßen Kriege, hat den Jrrgötzen keineswegs zu entthronen vermocht, der nach wie vor in Millionen von Kopsen spuki. Der Widerlegung und Entlarvung dieser Rassentheorien gilt eine recht ausgedehnte Literatur, innerhalb welcher Zollschan s*) Werk einen respektablen Platz einnimmt, das nunmehr schon in fünfter Auflage vorliegt. Mn gründlicher Kenner der Materie, operiert Zollschan in gutem Sinne eklektisch und bietet vermöge der ebenso breiten wie durchsichtigen Disposition seines Stoffes dem Leser einen bequemen Ueberblick über die Materie, der er mit geschärftem kritischen Blick gegen-, übersieht. Zollschan's Werk ist zur Genüge bekannt und bedarf heute keiner kritischen Würdigung mehr: als schätzenswertes Handbuch zur Rassenlehre, deren Thesen den sogenannten theoretischen Antisemitismus beglaubigen sollen, wird es nach wie vor auch jenem willkommen sein, der sich den wissenschaftlichen Standpunkt des Autors nicht zu eigen zu machen vermag. r. d. *) Dr. Ignaz Zo lisch an: „Das Rasssnproblem. Unter besonderer Berücksichtigung der theoretischen Grundlagen der jüdischen Rassensrage." Fünfte, unveränderte Auslage. Wim und Leipzig, Wilhelm Braunlüller, 1935. ft WerbetAbonuentenfürdie ft! „Wiener Morgenzeitung" 1 Bericht über eine MSstinareise. Bon Otto AbeleS. 6. T e l - A w i w, 28. Iuick Seitlich vom Herzl-Ghmnasium, in dessen Hof soeben die Mädchen Turnstunde halten, während im Musiksaxck das Orchester probiert und im Garten der jüngste Jahrgang Setzlinge Pflanzt, ist in einem sehr bescheidenen Gebäude der Seismograph für den Stand der jüdischen Landwirtschaft untergebracht, die von Prof. Marburg gekettete landwirtschaftliche Versuchsanstalt. | Hätte sie doch schon zumindest ein -Jahrzehnt der Forschungsarbeit hinter sich (sie besteht vier Fahre) und stünden doch genügend Mittel bereit, diese ,Hadassa der Landwirtschaft" schleunigst so auszugestalten, daß sie allen Anforderungen gewachsen ist! Der Agronom Zemach sowie andere Leiter und Leiterinnen einzelner Abteilungen des Instituts belehrten mich über Sinm und Zweck der Versuchsanstalt. Was ich hörte, ist auch für den Laien so wichtig und für die Kenntnis des landwirtschaftlichen Aufbauwerkes so dringend nötig, daß ich versuchen muß, das Gehörte zusammenhängend wiederzugeben. Die besondere Schwierigkeit der Bepflanzung des palästinensischen Bodens liegt darin, daß hier nicht jungfräulicher Boden der Kultivierung harrt, wie etwa in Kalifornien. Man steht einer allen, vernachlässigten Kultur gegenüber, mit allen Nebeln tief eingesressener, niemals «bekämpfter Kulturkrankheiien belastet. Wo der Landwirt intensiv zu arbeiten beginnt, hat er die Sisyphusarbeit der Ausrottung schwerer Krankheiten von Pflanzen und Tieren zu verrichten und das stümperhafte Herum experimentieren der Pioniere hat Unsummen von Geld verschlungen, die Arbeitskraft gelähmt, die besten Elemente zur Verzweiflung gebracht. Es ist viel Wasser in den Jordan geflossen, bevor unsere Landwirte sich überzeugen ließen, «daß man beispielsweise nicht ohne weiteres holländisches Vieh oder ausländische Reben nach Gvez Israel bringen, daß man ohne gründlichste Kenntnis der Besonderheiten des Bodens, seiner Anomalien und Krankheiten nicht intensiv wird, schäften kann. Bis in die jüngste Zeit mutzte sich die Versuchsanstalt darauf beschränken, die Fragen der Bodervbeschaffenheit, der zu wählenden Dungmtttel und ihrer Anwendung, der zu^pflanzenden Sorten, der Form der Bodenbearbeitung^ zü studieren und über die Ergebnisse zu belehren. Wie stümperhaft kolonisiert wurde, geht daraus hervor, daß man dank der Wirksamkeit der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt jetzt zwanzig-- bis Vierzigmal so viel Düngungsmittel dem Boden zufuhrt wie vor drei und vier -Jahren. Bon besonderem Interesse sind die Arbeiten der pathologischen Abteilung, welche dem Studium der Krankheiten von Pflanzen und der Bekämpfung schädlicher Insekten gewidmet sind. Nach langwierigen, für die betroffenen Landwirte allzu langwierigen Forschungen konnte man zu wirksamen Demonstrationen gegen böse Krankhe-its- -bringer und Schädlinge, wie zum Beispiel die Olivenfliege, schreiten. Wie sehr das Vertrauen zu der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt .jetzt auch -schon in den Siedlungen des alten Jischuw gefestigt ist, geht aus einem Auftrag von Petach Tikwah hervor, der gerade eintraf, als ich mich in den Laboratorien der Versuchsstation aufhielt: di« Versuchsanstalt hatte geraten, einen Orangenschadling, die sogenannte weiße Atvus-Wollaus, durch Ansetzung einer diese Laus vertilgenden Käferart zu beseitigen. Die Kolonie übersendete die nicht unbeträchtlichen Geldmittel, damit eine entsprechende Zahl dieser Käfer im Ausland angekaust werden könne. Die chemische AÄeilnng hat nicht nur die täglich wachsende Zahl der angefovderten Analysen zu bewältigen Sie arbeite: auch für die Zukunft. Gegenwärtig wird ms, besondere vre Anbaufächigkeit der Zuckerrübe in den derschiedentzn Landstrichen und ihre industrielle Verwertung geprüft. Die chemische Forschungsarbeit hatte vielfach bloß den Erfolg,' daß man feftstellen konnte, welche Sorten in den einzelnen Kolonien künftig nicht zu pflänzen sind. Auch d«se negativen Ergebnisse haben begreiflicherweise großen praktischen Wert. Die Versuchsanstalt ist aber auch ein eifriger Wanderlehrer und' Propagandist für gesunde Neuerungen geworden. Sie verbreitet die Blumenkenntnis, erteilt durch Bestellung von Versuchsfeldern in sämtlichen Kvlonieu Anschauungsunterricht über die vorteilhafte Anwendung chemischer Dungmtttel, gibt durch periodische Flugblätter wichtige Instruktionen und rechtzeitige Warnung'ssignale. Während der diesjährigen Ernte besuchte ein Abgesandter des sJtzistituts mit einer kleinen Dreschmaschine die einzelnen Siedlungen, nahm Proben der Frucht und in kurzer Frist hatte der Landwirt ein verläßliches Gutachten über Qualität, Wert und Verwendbarkeit seines Getreides in Händen. Derartige Räume, in denen Pflanzen gepreßt, winzige Mengen gewogen, Mikroskope vorsichtig eingestellt; tchrouvetten geschüttelt, Retorten qns Feuer gesetzt urrL Statistiken errechnet -werden, pflegt der Tourist lttttü liegen zu lassen. Auch im Film wirkten der IungDing, der mit geschulterter Sense durch die Landschaft schreitet, der Wächter mit der Büchse am Rücken, das Mädchen im ädrhstalli das blühende Ta'bakfeld und der früchteschwere Orangem Hain eindrucksvoller und dekorativer als ein Gang durch die Kabinette der landwirtschaftlichen Bersüchsar^tatt. 2. «n&Vawl *®hwt n, m. amt,