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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-04 · Heft 2287 (4.7.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2287 (4.7.1925)
Date
1925-07-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wien. Samstag ^Angestellte, wegen der paar Juden, die sich rnöglichertveise! Unter den Qpftvn der Ast finden könnten. Die Frembeni veckhrsvereine reden sich in Enqueten hiser, ihre Schreiiber kriegen wunde Finger an Zirkularen, die das Ans- - Kmd anlocken. Die Buveoutraten aber lasten nicht locker. Sie hüben die FveigüVvMt nicht auf. stellen an den Grenzen die wffimerteisten Paßfallen auf und lassen durch die Konsulate den Mischen Kauflauton, die nach Wien wMen, Kautionen abknöpfen. Wozu unterhalt man eigentlich Auslandsvertretungen? Die Mandarinen im Waber- * Ministerium beantworten die Frage. Sie wissen nichts vom Völkerbund und seinem Geist. Die Welt jenseits von Buchs ist ihnen verschlossen und sie soll darum auch für alle anderen verschlossen werden. Eine Hürde rings am die Donaurepublik, in der nur leben darf, wer v o n einer wotangläubigen Biertischrunde abgestempelt ist. Zu diesem Zweck werden Gesetze entweder verschwiegen oter so fabriziert, daß sie zu einem Fangnetz werden. Wenn aber dieser Staat an das Ausland appelliert, tvas alle Viertelstunden der Fall ist, dann singen alle Englein: Gott, wie sind sie brav! Die Herren Layton und Rist studieren Oesterreich. Sie haben, wie sie mitteilten, nur kurz bemessene Frist. Das ist eigentlich irrelevant. Wenn sie zehn Jahre hier blieben, so lernten sie die Tücke dieser hochmütigen Kaste nicht aus, in deren Fängen der Staat sich windet. Ihre Angehörigen gehen an alle Dinge mit der Frage heran, ob es ,-a Jud'" ist. Das ist endgMg entschvidend. Das muß den Experten gesagt werden, damit sie auch erkennen, wie wehrlos hier Regierung, Denrokratie und Parlament sind. Alle Macht geht vom Hakenkreuz aus und fein gehorsamer Lakai ist die Mandarine nkiste. Wiener M»rzenzetl«tirR. 4. Juli J925 Nr. 2287 wie#, II. tfollaadiirasie 14 Sr. Renner über die Hochschulterroristeu. Gestern abends fand die gründende Be-vfammlung zur Bildung eines ,^Vereines für sozialistische HochschulpolM" statt, bei der Dr. Renner über die Notwendigkeit einer ziekbewutzten sozialistischen Hochschulpotttik sprach. Er führte unter anderem aus, daß der Verein keine Einmischung in bk Lehr- und Lernfreiheit bezwecke. Im Gegenteil, diese ist heute ib e d r o h t. An den Hochschulen haben Terrorgruppen ihre Lager aufgeschlagen, die nicht nur den HochschMetvieb, sondern auch den sozialen Frieden gefährden, die nicht nur der Wissenschaft, sondern der ganzen Nation zum Schaden gereichen. Die Organisation ist zur Abwehr derartiger Bestrebungen und zur Begründung der akademischen Freiheit berufen. Prof. Hahn begrüßte namens der sozialistischen Hochschullehrer die zu gründende Organisation. Auf Antrag dieses Redners beschloß die Versammlung eine Sympathiekundgebung für den Heidelberger Dozenten Gumbel, der wegen seiner pazifistischen Propaganda schweren Verfolgungen ausgesetzt ist.; kin Hakenkreuzler-Flugblatt. / Aus zahlreichen österreichischen Sommerfrischen und Kurorten senden uns Leser unseres Blattes eine niederträchtige Schandschrift, betitelt „Die Judenpest, Streiflichter zur Rassenverschlechterung und Mädchenschändung". In diesem Flugblatt, das cand. med. vet. Adolf Bauer verfaßt hat, tobt sich eine freche, sexuell entzündete Phantasie aus, die es wagt, in der Zeit der Bergmeister die arischen Mädchen vor den jüdischen Gelüsten zu warnen. Es genügt zur Kennzeichnung dieses Pamphlets, daß es die Juden „Schweine in Menschengestalt" nennt. Wir verlangen, daß der Staatsanwalt einschreitet und geben ihm die auf dem Zettel vorfrndlichen Daten: Eigentümer:' Nattonalsogial-iftische Deutsche Arbeiterpartei. — Herausgeber und Verleger: Nationalsozialistischer Verein für Deutschösterreich. — Verantwort!. Schriftleiter: Josef Müller, alle Wien, 1. Bez., Elisabethstraße 9. — Druck: Erste Wiener Vereins-Buchdruckerei, Ges. m. b. H. Verantwortlich: Franz Schrodt, Wien, 7. Bez., Bandgasse 28. — Das Flugblatt wird besonders eifrig in Baden bei Wien kolportiert, in einem Kurort, der von den jüdischen Besuchen: lebt. Hoffentlich beherzigen die jüdischen Besucher diese Tatsache und zwingen entweder die Stadtverwaltung zum Einschreiten oder sie überlassen Badem den Hakankveu-lem. Etwas anderes Abt es nicht, Ein völkischer: Erpresser. Der St. Pöttnor HakenkrenAer Josef Schön seltner versuchte bei feinem Gläubiger, dem Kaufmann Schma tn i k, eine Erpressung, indem er rhu beschuldigte, vor zwei Jahren die Frau Schönfellner geküßt zu haben. Die Frau, die anwesend »var, bestritt dies energisch. Darauf übr-rsie! Schönftttner cm der Spitze einer Rotte von Gesinnmvgsgenossen das Geschäft. Schnraknik wurde unter den Rufen: „Bringtihn um, den Sauju-don!" nüßhandeitt, bis er das Bewußtsein verlor, Die Airzeige wurde erstattet. Ein völkischer Schwindler. Dor gewest#,e Redakteur der „Ostdeutschen Rundschau" chewte ^Veuit/fchösterro'ichlische Tageszeitung") Josef Wild, der mit Empfehlungen Ding Hofers und Weiskirch ners in Wien und Schallerbach Betrüge« rcien verübte, wurde von dm Wiener Schöffen zu 16 Monaten Kerker verurteil. Die Organisation „C" im Ansland. Moskau, 2. Juli. (Rufs. Tel.-Ag.) Der Oberste Gerichtshof verurteilte nach fünfeinhalbstündiger Beratung Kindermann, Welscht und v. Dittmar zur Todesstrafe. Gegen dieses Urteil kann Berufung nicht eingelegt werden. * Die drei zum Tode Verurteilten, als Mitglieder der Organisation „Consul", sind beschuldigt, in Rußland Spio- 'jyy* Md I.j>xopaganda MwM zu hahen. . ., So» Rachrichtenverbreitunsrgewrrbe. Vorig-eftern wurde dein Nationalrat die Negierungs- Verlage über die Bildung eines Mrtschastskörpers „Oesterveichsscher Nachrichtendienst" unterbreitet. In den allgemeinen Bestimmungen wird festgesetzt, daß aus der bisherigen „Amtlichen Nachrichtenstelle" eine Firma unter den, Rainen ^österreichischer Nachrichtendienst" gebildet wird, der di« Vermittlung von Nachrichten aller Arc für das In- und Ausland zu besorgen -hat und befugt ist, auch andere mit dem Zeitungs- und Nachrichtenverbreitungsgetverbe zusammenhängende Okschäftszwelge, mir Ausnahme der selbständigen Herausgabe von Tageszeitungen, zu betreiben. Der „Oesterreichische Nachrichtendienst" kam, im Laufe der nächste« 'zehn Jahre vorn Bunde gegen Verzinsung einen Betriebskrcdit von insgesamt 500.000 Schilling, jedoch nicht mehr als 100.000 Schilling in einem Jahr, in Anspruch nehmen. Die Unternehmung ist verpflichtet, alle ihr vom Bundeskanzleramt zur Veröffentlichung' übergebenen amtlichen Nachrichten zu verlautbaren. Der Bund leistet der Unternehmung hieft'rr ein Entgelt dort jährlich 250.000 Schilling. Soziologischer zum SWdcuproblem. In der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft in München hielt dieser Tage UniversttätsProftffor Geheimer Rat Dr. Otto v. Z w i e di n e ck-S irden h orst, der wäh-- rerrd des Krieges im Bereiche von Oberost tätig war, einen Vortrag über das Thema: Soziologisches zum Oft* judenproblem. Er führte aus: Nicht als Parias waren die Juden im Mittelalter nach Osten gekommen — sic hatten sich übrigens schon vor den Litauern im Osten angesiedelt —, sondern als Bourgeois. Zum großen Teil waren sie aus Süd-Westdeutschland dort cingewandert und wurden zum Träger des ökononrischen Fortschrittes, -halben also großen Anteil an, Wohlstand ihrer neuen Wirtsvölker. Im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert war das polnische Judentum die Pflanzstätte des jüdischen Geisteslebens. Durch Verfall des Wirtschaftslebens infolge innerer Wirren wurden sie proletarisiert. Der Vortragende kam zum Schluß, daß eine Auswanderung der verelendeten jüdischen Massen wirtschaftlich unbedingt notwendig sei, daß aber die Pauperisierung ein ^bedenkliches Reservoir der Judenzuwanderung in andere Länder schasst". gdfeners Polarzeptieiin. Aus Berlin wird berichtet: Der norwegische Polarforscher und bekannte Flieger Major T r y g g v e Gran, der auch an der letzten Südpolexpedition Walter Scotts teilgenommen hat, umd der deutsche Nordpolsahrer Dr. Adrian Mohr beabsichtigen eine Winterexpedition zum Nordpol. Dr. Mohr nahm, wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" mitteilt, mit Dr. E ck e n e r Fühlung wegen einer Beförderung mit den, zu erbauenden Polar-Zeppeli n. Dr. Eckener hat mit Mohr bei seiner letzten Anwesenheit m Berlin ein f e st e s Abkommen getroffen, dem zufolge die Expedition Gran-Mohr ans einem besonderen Luftisch'H zum Pol geschasst und sechs Monate später wieder abgchckt werde. Der XIV. Zionisten ■ Kongress naht! Die beste Vorbereitung und Orientierung gewährt das der Verhandlungen des II Zionisten-Kongresses vom 6. bis 18. August 1923 in Karlsbad Preis: Halbleinen 8 10.», Leinen 8 16.— Dieses Protokoll entrollt ein lebendiges Bild des Zionismus, aller seiner Parteien und Strömungen. Alle Beschlüsse des Kongresses werden stenographisch, derw. ln wortgetreuer vorzüglicher deutscher Uebersetzung wiedergegeben. Der Leser lernt daher an der Quelle die verschiedensten Vertreter des Judentums und seiner Parteien kennen. Das vollständige Statut der Zionistischen Organisation mit den Reformen und Aenderungen des XIII. Zionisten'Kongresses bietet auch dem Fernstehenden die Möglichkeit, sich mit dem Aufbau und den Zielen der Zionistischen Organisation vertraut zu machen Durch: Buchhandlung R. Löwit (Versandabt.) Wien,!. Fleischmarkt l eji6 Sie soziale Fassade. Breitnevs Dtcuerpresse. Immer häufiger werden in der letzten Zeit Protestrufe ans allen Schichten der Bevölkerung gegen das Regime der Wiener Rachailsgowal'tigen laut. Ans allen Fronten wird mit Stnrmböcken gegen den gotischen Bau am Fricidrich-Schmidt- Platz angerannt und die Burgherren schen sich veranlaßt, Gerüste auftustellen, um die schadhaft gewordenen Zieraten tvicdar herplstellon. Man kann es fast symbolisch werten, daß gerade jetzt umfangreiche AusbessevungSarbeiten am' Rathaus vorgenmnmcn werben. Die äußere Fassade wird für den Be schauer blank herausgeputzt. Drin non, in den Arbettszimmorn der amtssiihrcnden Stadträte, in den Sitzungssälen der Ausschüsse, des Stadtfenatcs und des Plenums, bleibt freilich alles beim Men. Die Politik, die dort gemacht wird, ist scharf umrissen, und die Rathausmajovität geht nicht einen Millimeter von ihrer vorgezeichneten Bahn ab, selbst auf die Gefahr hin, daß sie sich in schärsstcn Widerspruch zu einem Großteil der Bevölkerung und ihrer eigenen Wähler setzt. Die sozialdemokratische Gemeindeverwaltung steht ans dem Standpunkt, daß sic die Angestelltenschaft gegen die llntornehnrer schützen und das Geld dort suchen müsse, wo cs zu finden sei. Sie setzt in Ausführung dieses Prrnzipcs die Steuerschraube an und preßt und preßt. Da ereignet sich etwas für jeden unvoreingenommen Denkenden durchaus Normales, für den nur durch die rote Parteibrillc zu schauen Gewohnten etwas Absonderliches und Ueberraschendes. Es ge raten nämlich auch die Leute vom eigenen Fleisch und Blut, gerade die, die man schützen wollte, in die Presse, strampeln mit Händen und Füßen und schreien jämmerlich um Hilfe, denn ihnen tut es zumindest ebenso Weh, als den anderen, lind so erleben wir fast täglich das unglaubliche Schauspiel, daß s o z i a l i st i s ch e A n g e st c I! t c solidarisch den Kampf mit ihren kapitalistischen Unternehmern gegen die sozialistische Gemeindeverwaltung führen. Eine Gruppe, nämlich die Bühn cnangcstc Uten, gebärdet sich in diesem .Kampfe besonders widerborstig. Sie haben ihren Schlachtruf sehr geschickt gewählt: „Wien muß als Kunststadt erhalten bleiben! Die Gemeinde ist kunstfeindlich und die Jnkarniernng dieses Systemes heißt B reit n e x, die lebende Rechenmaschine!" Dann sind cs wieder die Schaukgcwerbetreibenden und das große Heer ihrer Angestellten, die gegen die Nahrnngs- und Genußmittclabgabe demonstrieren, ein anderes Mal wieder die Zuckerbäcker, die ihr Recht sogar beim Berwaltungsgerichtshos suchen und finden, dann wieder die Hotelgewerbetreibenden und die Chauffenre. Was tut nun Brcitncr und die Gemeinde gegen die Empörung in ihren eigenen Reihen? Sie weisen immer wieder darauf hin, daß Wien die reichste Stadt des Kontinentes ist, daß ungeheure Summen für Wohnhausbauten, Spitäler und Kindergärten ansgegeben werden, und daß man hierzu eben die Eingänge aus den Steuern brauche und nicht auf sie verzichten könne. Zugegeben, die Gemeinde hat wirklich viel geleistet, aber sie hat dabei die Kapazität der bemittelten Schichten überschätzt. Der Bogen ist überspannt und der Pfeil fährt unbeabsichtigt wider die eigene Brust. Die große sozialidemokratische Partei hat immer den Mittelstand durch alle möglichen Lockungen in ihre Reihen zu ziehen versucht. Fragen wir nun, was hat sie getan, um den sogenannten Mittelstand, der längst zum ärmsten Proletariat gehört, zu fesseln? In den Rechen des Proletariates wirb er immer noch als elende Bourgeoisie verschrien, sein Magen ist aber ebenso leer wie der seines arbeitslosen Kollegen von dar Drehbank. Und wie steht es denn mit den Inden, die immer so gerne Hilfe bei der großen Partei suchen? Wurde sie ihnen gewährt, als man sie auf don Hochschulen verprügelte oder als man 'ihnen die Staatsbürgerschaft vorenthielt? In-' bleibt Jud', mit oder ohne rote Nelke. Einerlei. Und gerade im Rathaus sitzeil eitrige Genossen, die diese Theorie sehr strenge Handhauben. Die Gemeinde baut ihre Häuser weit draußen an der Peripherie, wo es für einen in der Stadt beschäftigten Kanzleibeamten oder Lehrer wegen der Entfernung von seinem Arbeitsplatz ausgeschlossen ist, auch die verlockendste Wohnung zu beziehen. Was hat aber allch der waschechte Proletarier von der schönsten Wohnung, vor, dem schür,sten Bad und Spielplatz für seine Kinder, wenn er hungern muß? Die Empörung ist groß mid richtet sich in nicht mißznberstcheirder Weise auch gegen die eigeneil Führer, die im Rathaus sitzen und hart sind, hart auch gegen die eigenen Brüder. Wird die Gemeinde und ihr Esponcnt Breitller, der unleugbar Großes gelevstet hat, angesichts dieser Tatsachen eine andere Politik eiuschlagen? Es ist fünf Minuten vor Zwölf. R. E. Sin Vulkanausbmch in Kolumbien. Srew-Aork, 3. Juli. Der Vulkan Ggleras iu 'Kolumbien ist in Tätigkeit getreten. Große Flammet, schlaget, aus dei,l Krater erttpor. Felsblvcke u,id Ascheumasserr werden in die Luft geschleudevt. Man befürchtet, daß die Stadt La Florida zerstört worden ist. * Graz ohne Licht und Strom. Durch einen Kabelbrand in dem städtischen Elektrizitätswerk ist gestern mittags die Licht- und Kraftversorgung der Stadt, soweit sie das Gleichstrorntletz betrifft, gestört tvordeil. Die Betriebsstörnng konnte bis in die Abendstunden nur teilweise behoben werden. Durch den Kabelbrand im Elektrizitätswerk sind auch die Zeitungen in Mitleidenschaft gezogen, so daß sie heute gar nicht oder nur in verrilrgertem Nmfatlge erscheinen. Die Ursache des Brandes wird in einem Blitzschlag vermutet. Erst durch die gestern mittags in der Zentrale aufgetretene Rauchentwicklung wurde der Brand wahrgelromnten. 17521279

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