Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2287 (4.7.1925)
- Date
- 1925-07-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Steuevdemonftratiotren int Gebiet von Tangev. Paris, 3. Juli. Die Zlgencs Hävas «melibel aus Langer: Infolge.eines hauptsächlich von spanischen Elementen geführten Streits gegen die neuen Steuer« haben sich in dm westlichen Bezirken ernste Unruhen ereignet. Die Ordnung ist dank der Energie eines französischen, Hanptmannes. und Vevschie-de-- ner Soldaten wiederhergeistellt worden. Die Eingobovnen der Bororte voln Tanger halben sich zur Unterdvü^vng der Unruhen zur Verfügung gestellt. Cs ist ein Gerücht im Umlauf, daß von der Zivilbevölkerung eine Person getötet und mehrere verletzt «worden sind. __ Paris, 3. Juli. (Havas.) Die Kammer hat mit 410 gegen 31 Stimmen das gesamte Finanzgesetz angenommen, das im Budget für das Jahr IW die Ausgaben mit 33.163,224.200 und die Einnahmen mit 33.17ö^69Ä18 Franken festsetzt. Eine MnmizmMon nach Amerika. Paris, 3. Juli. (Tel.-Komp.) Der Mnisterrat genehmigte heute die Entsendung einer Finanzmission nach Amerika. Ob Caillaux sie persönlich führen wird, steht noch nicht fest. Sine Militärkonferenz der kleinen knente. Belgrad', 3. Juli. (Tol.-Komp.) Wie hier bekannt wird, wird noch im Lauft des Monats Juli vmeMilitarikonferenz der Staaten der kleinen Entente in Bukarest stattfmden. Die jugoslawischen Delegierten für diese Konferenz werden in diesen Tagen ernannt iverden. Einberufung des zionistischen Aktionskomitees. Für: den 16. Juli nach London. London, 3. Juli. Das Zionistische Aktionskomitee ist für den 16. Juli nach London einberufen. Auf der Tagesordnung der Aktionskomiteesitzung stehen Berichte über die politische Lage, über die Verhandlungen mit der Agudah, über das Budget u. a. sowie eine Reihe von Fragen, welche die Vorbereitung des für den 18. August nach Wien emberusenen Zionistenkongresscs betreffen. __ Sitte Deklaration der volnifchen Regierung über den Palästinaaufba«. Gin Brief Skrzynskis an Sokolow. (EigeMenst der „Wiener. MoLgenzeitung") Warschau, 3. Juli. In' der letzten Sitzung des politischen Komitees des Ministerrates wurde beschlossen, eine Deklaration der polnischen Regierung über den Pa- Läsiinaausbau an den in Wavschcvu wellenden Präsidenten der Zionistischen Exekutive, Nahnm Sokolow, in Form eines Brieses des Außenministers. Skrzynski an Sokolow zu richten. Dieses Schreiben lautet: Geehrter Herr! > Gelegentlich Ihrer Anwesenheit in Warschau und nach Anhörung 'Ihres erschöpfenden und «umfassenden Referats über den Stand und die Entwicklung Palästinas im Zusammenhang mit dem Aufbau einer Heimstätte für die jüdische Nation gemäß dem Sinn des von England übernommenen Mandats habe ich die Ehre, Ihnen mitznteilen, daß die polnische Regierung mit lebhaftem Interesse die Entwicklung der Zionistischen Organisation verfolgt, die auf das Wachstum der nationalen Individualitäten und jüdischen Kultur aus der Grundlage ihrer Historischen Bedeutung gerichtet ist. Von der Ueberzeugung erfüllt, daß die Entwicklung dieiser Arbeit, welche von dem Geiste der Humanität geleitet ist, niemals die Rechte und Inte ressen der anderen, Palästina bewohnendenNationen und au ch die Lage der allen Katholiken und christlichen Nationen in ihrer Gesamthe it. fo teuren heiligen Stä* - e n beeinträchtigen kann, wird die polnische Regievung in den Grenzen der Beschlüsse des VvWerbundeZ und in Uebereinstimmung mit dem Sinn der Minderheitsverträge dieser schätzenswerten Arbeit, in der sie eine Gewähr für die Entwicklung der Zivilisation und des Friedens erblickt, ihre moralische Hilfe gewahren. Warschau, 1. Juli 1925. Al. Gkrzhnskr. Sie zionistische Landeskonferenz in den Bereinigte« Staate«. New-Iork, 1. Juli. (I. T. A.) Am 26. Junik Kurde in New-Aork die Iahveskonftrenz der Zionistischen Organisation in Anwesenheit von 780 Delegierten eröffnet. Der britische Gesandte in den Bereinigten Staaten, Sir Es«me Howard, sandte der Konvention ein herzliches Begrüßungsschreiben. Mr..Louis Ltpsky, der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas und Mitglied der Zionistischen Weltexekutive, führte den Vorsitz. Er unterbreitete einen Bericht über die Tätigkeit der amerikanischen Organisation im vergangenen Jahre. Die Konvention beschloß, Begrüßungen an den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Dr. Weizmaun, den scheidenden Oberkommissar Sir Herbert Samuel und den ««einen Oberkommissär Loch Pln'mer abznftnden. Die Halfaer Kraftanlage eröffnet. Haifa, 1. Juli. (I. T. A.) Am 28. Juni ftnd die feierliche Eröffnung der elektrischen Kraftstation in Haifa in Auwesetche-it von mehreren tausend Menschen statt. Die ' Festrede hiM Ing. Pinkas Ruthenberg. ' Schwert und Pflug. -y. 2B i c n, 4. Juli. Herbert Samuel, der Erez Israel vorgestern verlassen hat, nennt in seinem Schlußbericht drei Elemente, denen das Aufblühen des Landes durch die zionistische Arbeit zu danken ist: Die Rückkehr zum .Boden, die geistige Regsamkeit der Pioniere und ihr Empfinden, das Ideal eines Volkes zu verwirklichen. Diese Art von Kolonisten hat kein anderes Volk. In unftrer mitteleuropäischen Umgebung wird immer Bismarcks Wort zitiert von dem preußischen Leutnant, den niemand nachmachen könne. Das Judentum kann diese aus dem Geist des Militarismus geborene Sentenz stolz variieren. Diese Pioniere macht uns niemand nach. Sie sind Träger einer moralischen Idee, sie wissen, daß die Äugen eines ganzen Volkes auf sie gerichtet sind, und sie wissen sehr wohl, mit welcher Mißgunst der Haß da draußen ihre Tätigkeit begleitet. Sie leben und wirken auf der Scholle, die sie in den festen Besitz der jüdischen Nation überführen, aber sie verlieren nicht den Zusammenhang mit den in der Welt wirksamen geistigen Strömungen. Sie verkapseln sich nicht hinter dem Pflug. Sie haben das Buch bei sich. So haben sie einen neuen Typus geschaffen, den Menschen eines hoch und frei aufgefaßten adeligen Patriotismus, der im Wetteifer der produktiven Arbeit den Inhalt aller Politik erblickt. Die antijüdische Tendenz hat sich auch dieses Gebietes jüdischer Aufbauarbeit bemächtigt. Die Judenfeindschaft Ist überall, auf der Welt der Stoßbock antidemokratischer, militaristischer, reaktionärer Bestrebungen. Der Haß gegen . das Judentum ist eine Volkskrankheit, eine geistig-sittliche Seuche von ähnlicher Virulenz wie die Syphilis^ Mn Juden zu hassen, ihn, weil er die ewige Minorität ist, abzulehnen und sogar als Gefahr für das ökonomische Leben zu empfinden, das scheint zum Wesen der europäischen sozialen Kultur zu gehören. Das ist der schwache Punkt, an dem die Verfinsterer der Welt ansetzen. Sie wissen, daß die Emanzipation des jüdischen Individuums eine der ersten Errungenschaften der Revolution war, die am Ausgang des 18. Jahrhunderts dem Feudalismus des Mittelalters, dem Begriff von Drohnen und Sklaven an den Leib ging. Die Revolution ist noch nicht zum Stillstand gekommen. Sie hat heute ganz Europa und vielleicht auch schon seine Anrainer erfaßt und eine namenlose Verwirrung herbeigefiihrt, in der die nur geschlagenen, aber nicht zertrümmerten Mächte der Reaktion sich wieder ihre Geltung erringen wollen. Für sie ist der Antisemitismus, diese Laus im Pelz des Europäertums, ein sehr gut verwendbares Mittel, das Rechtsgefühl zu ertöten, und in bezug auf das Judentum, auf die Emanzipation der jüdischen Nation, sind sie sogar demokratisch, freiheitlich. Für das Abendland ist das Judentum eine wirtschaftlich gefährliche Menschengruppe, die von einem geheimen Zentrum aus dirigiert wird und die Weltherrschaft an sich bringen will. Deshalb muß die solcherart supponierte Macht des Judentums auf die oder jene Weift, gewaltsam oder gesetzlich, eingeschränkt werden, weil das diese Demokratie verlangt. Deshalb nmß aber auch das jüdische Werk in Palästina unmöglich gemacht werden. Fern von den Wirren Europas baut sich das jüdische Volk eine neue Heimat. Das ist, sagt die Demokratie der Schwarzen aller Farben und Riten, undemokratisch. Die Juden, wollen die Araber enteignen, sie wollen als Vortrupp des russisch-jüdischen Bolschewismus von Asien aus die Unterjochung vollziehen. Kein Dementi dieses Geschreies, dieses Durchein' anders von frechster Lüge und dümmster Ignoranz kann stärker sein als das lebendige Werk der jüdischen Pioniere. Keine Macht von dem Schlage, wie ihn dieses Europa verehrt, steht hinter ihnen. Sie kommen nicht in Gefechtsformation, mit Fahnen und Trommeln und Gewehren, sie sind keine Strategen, sondern Arbeiter an einem Kulturwerk, das so groß ist, daß es das im Blutdunst der Schlachtfelder stumpf gewordene Gehirn der gefälschten Demokratie kaum verstehen kann, Alber es ist gut, daß ein für die Politik eines großen Staates Kleider-Voile in allen Dessins und Farben, per Meter I fl-800 Btt Schiffmann II. Taborstraße 48 Telonhon 47-1* 76 Eh gro» ln detail