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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-02 · Heft 2285 (2.7.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2285 (2.7.1925)
Date
1925-07-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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®etk tz Wien, Donnerstag Verkehrs", der Schecks, der Uoberwcisungen, der Kreditbriefe, und trögt eine Münzen- und Valutensammlung mit sich. Er erscheint zltvci Stunden vor Abgang des Zuges ans dem Bahnhof, geht zwei Minuten Vor der Abfahrt, in seiner Angst, auf der Reffe zu verhungern, ans Büfett und.springt keuchend in den entgleitenden Zug. Der Reffeamateur ist für die Eisenbahner, für die Mitreisenden eine Last. Wenn ihm der liebe Gott rechte Ungunst erweisen will, schickt er ihn in die weite Walt. Egon D i e t r i ch st c i n. Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. W i e n, 2. Jmi. * Wetter. Gestern nachmittags nahm die Bewölkung ab und es wurde wärmer. Die Aufheiterung dauerte nur bis in die Abendstunden. Die Voraustage lalltet: Bei" anderliches, unsicheres Wetter. In den südlichen Al pell zunächst ziemlich heiter. . * Die Lebensmittelmärkte. In der Großmarktballe )oar d«r Verkehr gchern trotz schwacher Zufuhren ganz belanglos. Zn den Preiseil ist vorläufig eine Veränderung nicht eingctreten, allein da ans dom gestrigeil Lebeudschweinemarkt in St. Marx die Preise bis zu 20 Groschen pro Kilogramm gestiegen sind, so dürfte eine Verteucrilug der Schweinefloischrmd Fettpreise sdattfiin-den. Der Zentralgemüsemarkt, der 9!a>chmarkt, wurde bodarfdeckend dotiert. Einige Gemüsesorten wie Kohl, Weißkraut und Karfiol, die am Dienstag im Preise gestiegen sind, haben sich wieder verbilligt. Die Preise aller andren Gemüsesorten erhiclteli sich auf dem vortägigen Stand. >-L.er Obstmarkt bietet der Jahreszeit entsprechend eine reichliche Auswahl in allen Obstsorten. Das Hau.ptkontiilgent stammt aus den ein heimischen Produktionsgcbieten. Außer Kirschen wrrrden„ Weichsel, Stachel-, Johannis-, Hoidellmd Himbeeren «in größeren Mengen ans den Markt gebracht. Seit gestern find auch Aepfel ungarischer und jugoslawischer Herkunft auf dem Markt. Unter den foilgehaltenen Obstgattungen wenden noch immer Kirschen am meisten bevorzugt. Mit Butter und Eiern waren die Märkte ausreichend versahen. E _ Unschädliches Entfettungsmittel. Man kaufe sich in der nächsten Apotheke 4 Dekagramm Fucabohnen, davon trimmt man zwei Wochett hindurch ziveim-al täglich je eine Bohne nach der Mahlzeit, hernach drei Wochen dreimal täglich fe zNxeii Bohnen nach der Mahlzeit, sodann wiedernni zwei Wochen dreimal täglich eine Bohne nach der Mahlzeit. Der Erfolg ist ein überrascheilder. * Ablenkung der Bahnhofrundlinie. Wegen Geleisearbeiten in der Iknßdorserstraße dein: Währirrgergürtel wird der Bahnhofrundvcrkehr amDonnerstag und Freitag zwischen Ätordloestbahn'hof und Mähringergür'lcl über die Daborstraße, Obere und Untere Augartenstraße. Schottenring. Porzellangasse und Liechtenwerderplatz in beiden Fahrtrichtungen geführt. * Neue Hofräte. Der Bundespräsident hat den Regierungsräten der Amtlichen Nachrichtenstelle Leopold H o chd o r f und Tr. Maximilian Schiff anläßlich ihrer Uebernahme in den dauernden Ruhestand taxfrei den Titel eines Hofrates verliehen. * Die Autofalle bei Ebreichsdorf. Nack den gepflogenen Erhebungen wurde festgestellt, daß Jvancic, der Täter des Raubattentates ans ein Auto ans der Straße bei Ebreichsdorf, nachdem das Lastenauto verunglückt war, wieder an die Stelle zurückgekehrt war, den gerissenen Telegrcvphendrahr abermals zusammeugedrehr und einen neuerlichen Versuch abwarten wollte. Er wurde jedoch durch das Erscheinen der Gendarmerie gestört und mußte ftüchten. * Flaschenpost einer Selbstmörderin. Kürzlich wurde eine verkorkte Flasche von einem Passanten aus dem Donaulanal gezogen, in der sich folgender Zettel befand: „Uni Deiner Eifersucht endlich ein Ende zu machen, habe ich den Entschluß gefaßt, in die Donau zu gehen. Lebe Wohl. Deine Olga." * Eine Mädchenhändlerorganisation. Tie Polizei hat in N o v i s a d den Kaufmann Rasinc Djavidbegovic verhaftet, der im Verdachte steht, eine umfassende M ä d ch e n- Handelsorganisation nach den Balkan ländern eingerichtet und geleitet zu haben. Tie Details der Untersuchung werden im Interesse der polizeilichen Aktion noch geheimgehalten, .doch verlautet, daß im Zusammenhänge mit der Verhaftung des Mädchenhändlers auch in änderen Städten zahlreiche Verhaftungen bevorstehen. * Eine neue jüdische Wochenschrift in Jugoslawien. Aus Subotioa wirb uns gemeldet: Mit dem Anfang Juli d. I. kxscheint in Snbotica-B.-Topola-Novisad ebne neue jüdische Zeitschrift in Jugoslawien in deutscher Sprache unter dem Namen „Israel". Die Rodakdion und Administration dieser Wochenschrift, ön: in zionistischer Richtung geleitet werden wird, be-- ftnde-t sich beim Oberrabbinat in Bacta-Topola in den Hä irden des jüdischen Schrifff'tellers Marthof (Dr. P. Keller). * Der Rabbi von Kossow gestorben. Wie uns berichtet wird, ist m Berlin vor einigen Tagen im Alber von 65 Jahren der bekannte chasfidische Großräbbiner Moses Hager aus Kossow gestorben. Cr zahlte zu den bekanntesten chassidischen Rabbinern, dem eine große Zahl von Anhängern aus Galrzien und Karpathorußland Gefolgschaft leistete. In der Stadt seines Wirkens wurde Rabbi .Hager unter riesiger Teilnahme der jüdischen, Bevölkerung beigesetzt. In seiner Würde folgt ihm sein einziger Sohn nach. Für den Verstorbenen wird Sonntag den 5. d. um 5 Uhr nachmittags in Wien. 2. Bez., Wolmutstraße 21 (Talmud Thora Beth Jizchak). eine Trauerandacht abgöhalten. * Sowjetantisemitismus. Ein Mitglied der Sonderkommission für die Erforschung der Verhältnisse der Juden in den mittleren und kleinen Städten berichtet in der kommunistischen ,Mmeß", daß in vielen Orten die lokalen Behörden offenen Antisemitismus zeigen und gegen die jüdische Bevölkerung reine Willkür üben. Der Artikel belegt seine Behauptungen mit einer Reihe Tatsachen und appelliert an die lokalen jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei, gegenüber solchen Borkommnissen ein wachsames Auge zu haben und die Zentralbehörden zu informieren, damit biejcu Zuständen ein Ende bereitet wird. Bereine. Bortriige «ud Versammlungen. Zionistische Sektion Prater. Samstag den i. d., 9 Uhr abends, im Heim, 2. Bez., Jungstraße 8. Plenarversammlung, zu welcher alle Sektionsmitglieder auf diesem Wege eingeladen werden. Separate Einladungen ergehen nicht. Erscheinen Pflicht. — Zioni st ischeOrganisatton, Bezirkssekt i o n Brigittenau. Heute, 8 Uhr abends, Cafä Halpem, 20. Bez., Gaußplatz 11, dringende Ausschußsitzung. Erscheinen Pflicht. Jeden Samstag, y39 Uhr früh, in, Lokale, 20. Bez., Karl-Meißl-Straße 5, Minjan. Radioprogramm. Heute Donnerstag. 11 bis 1 Uhr r Bormittagskonzert. — 4 bis 5 Uhr: Nachmittagskonzert. — 5 bis v Uhr: Th. A. Hoffmann r Ritter Glück. — y.7 bis ^7: Bienenzucht. — 7 bis ll28 Uhr r Letzter Esperanto-Vortrag. — 8 Uhr r Wiener Symphonieorchefter. Wiener Morzerizettit««. 2. .FuN ms Au« den Aeatern. Burggarten (bei ungünstiger Witterung im Festsaal der Hofburg). Heute, 8 Uhr abends. Populäres Konzert des Wiener Symphonieorchesters. Dirigent Theodor C h r i st o p h. Mitwirkend das Heitere Quartett des Schubert-BundeS. Deutsches Volkstheater. Heute, V,8 Uhr abends, bringt Tairoffs Moskauer Kammertheater Artur Sch n i tz l e r 8 Pantomime „Der Schleier der Pierrett e" mit der Musik von Ernst Dohna nyi zur ersten Aufführung. SamStag, zum ersten Male, O st r o w S k y S Drama „Das Gewitter". Neues Wiener Stadttheater. Montag Premiere des Schwankes „Ausgerechnet Carotti^ von Eugen Burg und Fritz Lunzer. Gerichtssaal. Der Mord am Kompagnon. 10 Jahre schweren Kerkers für Otto Rohatsch. Zu Beginn der gestrigen Verhandlung stellte die Verteidigung neue Bcweisanträge, die vom Gerichtshof ab gelehnt wurdcir. Hierauf verkündete der Vorsitzende den Beschluß des Gerichtes, wonach den Geschwornen eine Schuldsrage, und zlvar die auf Mord, vorgelegt wird, außerdem eine Zusatzsrage ans Uöbevtretnng des Waffenpatents. Die Anträge der Verteidigung, eine Eventualsrage tvegen Totschlages und eine Zusatzfvage wegen Geistesstörung im Augenblick der Tat an die Geschwornen zu richten, nmvden vom Gerichtshof ab ge lehnt. Hingegen wurde die Znsatzfrage ans unwiderstehlichen Zwang zugelassen. Der Staatsanwalt Dr. Nahrhaft Gezeichnete dann in seinem Plaidoycr Egoismus des Angeklagten als Urgrund der Mordtat. Er schließt mit den Worten: „Denken Sie nicht mehr an den Täter und seine Familie, sondern auch an die große Menge, die angstvoll aus die EntschÄdung der Frage wartet, ob es erlaub: ist, wegen 60 Millionen, wegen eines Geschäftes eine Frau ihres Gatten und ein Kind seine» Ernährers zu berauben." In seiner Verteidigungsrede für den Angeklagten sagte Dr. Teirich: „Otto Rohatsch ist ein Fanatiker des Rechtes. Wenn ich das so ausdrücke, so will ich damit sagen, daß sich in diesem Kopfe die Welt nicht so spiegelt wie in anderen." Das Urteil. Nach mehr als cinstündiger Beratung erschienen die Geschwornen im Saale und der Obnrann verkündete das Verdikt: Die Hauptfrage auf Mord wurde mit acht Ja gegen vier Nein, die Zusatzfrage aus unwiderst e h l i ch e n Z w a n g mit sieb e n Nein gegen fünf I a, die Frage auf Uebertretung des Waffenpatentes mit zwölf Ja beantwortet. Die Geschwornen baten dann den Gerichtshof, be, der Strafbemessung äußer st e Milde walten zu lassen. Ter Staatsanwalt schloß sich dieser Bitte an. Nun erhebt sich der Angeklagte und sagt: Ich danke den Herren Geschwornen und den Herren Richtern für ihre guten Worte, die zu spät gekommen sind. In diesem Augenblick beginnt Rohaisch zu wanken, er wird leicheMaß im Gesicht und stürzt zusammen. Justizwachbea-mte tragen Rohatsch, der gellende Schreie ausstößt, aus dem Saale. Nun zieht sich der Gerichtshof zur Urteilsberatung zurück. Nach dreiviertelstündiger Beratung betreten die Richter wieder den Saal. Nach einer Weile wird Rohatsch vpn drei Justizwachebeamten, halb geführt, halb getragen, in den Saal gebracht. Er sinkt auf der Anklagebank zusammen und blickt scheinbar teilnahmslos vor sich hin. Hofrat Dr. R a m s a u c r verkündet nun das Urteil, das auf zehn I a h r e s ch w e r e n Kerkers, verschärft mit Dunkelhaft au jedem Jahrestag der Tat, lautet. Tt.'r Gerichtshof hat bei der Strafbemessung aus die überwiegenden Milderungsgründe, die vorliegen, Rücksicht genommen. Der Verurteilte blieb vollkommen apathisch. Die Verteidiger erklären hierauf, daß sie sich Bedenkzeit Vorbehalten. Rohatsch wird nun aus dem Saal geführt. Seine Gattin brach bei Verkündigung des Urteils in lautes Meinen aus. Der Prozeß gegen die Grlinbacher Arbeiter. Am gestrigen zweiten Vechandlungstage wurde als erste Zeugin Frau Marie Ott, die Gattin des Direktors O t t, einvernommen. Die Zeugin bestätigte, daß sie die Frauen aufigefordert habe, in die Wohnung zu kommen und sich zu überzeugen, daß ihr Manu nicht zu Hause sei. Sehr interessant gestaltete sich die Einvernahme des überfallenen Bergwerksdiroktor Robert Ott. Er schildert die Vorgänge an dem kritischen Tage. Die Betriebsräte hätten ihn wegen der Forderung der Belegschaft nach Lohnerhöhung befragt und er habe erwidert, die S a ch e w ird s i ch m a che n lassen. Die Betriebsräte hätten ihm darauf gesagt, daß die Belegschaft kein Vertrauen zu seiner Bereitschaft, ihre Forderung zu unterstützen, häbe. Er schildert dann die Szenen beim Ueb erfüll. Staatsanwalt Dr. Sturm richtet an den Zeugen die Frage, ob er s e i n d l i ch e A e u ß e r u n g e n der Avbeiterschast gegenüber gemacht habe, insbesondere die Aeußernng, die Arbeiter sollen ihrerr Weibern den Hals äbschneiden, wenn sie nicht wirtschaften können. Direktor Ott stellt diese Aeußernng in Abrede. Der Gendarmeriepatrouillenleiter Jöbstl erkennt in dem Angeklagten Josl mit Bestimmtheit den Mann, der ihn beim Gewehr gepackt, es ihm von der Schulter zu reißen versucht und däbei geschrien habe: „Weg mit dem Gewchr!" Auch mit dem leugnenden Angeklagten Matulka konfrontiert, bestätigt der Zeuge, daß dieser ihn bei der Brust gepackt und ihn i»S Gestchk geschlagen und gewürgt habe. Dann wurde der Kronzeuge der StaatSnnwalffchaft, der 16jährige Josef Kögl er, ein Keiner untersetzter Bursche, vernommen, welcher in seinen Aussagen vielfach schwankende Angaben macht und nur schwer dem Kreuzverhör der Verteidiger standhalten kann. Verteidiger Dr. Reichhardt beantragt angesichts der Widersprüche, in die KSKer sich verwickelt habe, desien Glaubwürdigkeit -km höchsten Grade zweifelhaft fei, den Vater des Kogler, Josef Kogler, darüber zu vernehmen, daß sein Sohn ihm zu Hause erzählt habe, daß er nur in einer Zwangslage ausgesagt und Personen beschuldigt hpbe, während er diese Aussagen nicht aufrechchalten könne. Der als Zeuge vernornmene Vater des Z e u g e n K ö g l e r, Joses Kögler sen., gibt an, daß sein Schn ihm sofort mit,geteilt habe, daß Müller und Jdinger auf den Direktor losgeschlagen hätten. Er selbst habe feinem Schn gesagt, wenn er cs nicht mit vollster Beftimmtheit wisse, solle er die Leute nicht beschuldigen. Auf die Frage des Vovsitzurden, ob fein Schn lügerchast oder phantastisch veranlagt sei, verneint dies der Zeuge. Nach Verlesung der Gendarmerieproiokolle und mehrerer Zeugenaussagen wurde um 6 Uhr abends das Betveisverfahrm geschlossen. Hierauf begann Staatsanwalt Dr. Sturm sein Strasplaidoyer, worauf die Verteidiger Dr. Egon Schönhof, Dr. Reichhardt, Dr. Leopold Bauer und Dr. Viktor Dworschak ihre Verteidigungsreden hielten. Der Vertreter des Privatbeteiligten Dr. Wolf erklärte, daß er namens des Direktors Ott keinerlei Ersatzansprüche stelle, da sein Klient sich dem Strafverfahren nicht anschließe. Während des Plaidoyers des Verteidigers Dr. Reichardt kommt cs zu einem Zwischenfalle. Doktor Reichhardt hielt in seiner Verteidigung mehrere Minuten inne, da er ^merkte, daß der Vorsitzende ununterbrochen im Akte blätterte. Vom Vorsitzenden aufgefordert, fortzufahren, erklärte der Verteidiger: Ich kann nicht reden, wenn der Vorsitzende nicht zuhört und ununterbrochen im Akte blättert. Es handelt sich um das Schicksal von fünfzig Angeklagten und ich muß verlangen, daß der Vorsitzende mir zuhöre. — Vors. Obevlandesgerichrsrat Dr. Schulhof: Ich weiß, was ich zu tun habe. Ich bitte fortzusetzen. — Dr. Reichhardt führte daraus feine Ausführungen zu Ende. Um halb 10 Uhr nachts waren die Schlnßvorträge zu Ende. Der Vorsitzende gab bekannt, daß er die Verhandlung schließen und das Urteil heute mn 10 Uhr vormittags bekannt gegeben werden wird. Der Mordprozeß Lederer. In der gestrigen Verhandlung blieb Frau Mizzi Lederer bei ihrer neuen Verantwortung, daß sowohl sie wie ihr Mann unschuldig seien. Sie erklärte: Mein Gewissen ist rein und mein Herz ruhig. Ick habe eingesehen, daß ich nicht der Weisung meines Mannes folgen darf, sondern jetzt die Wahrheit sagen soll. Heute findet keine Ver» Handlung statt. __ Volkswirt. Polnische Wirtschastswoche. (Voll unserem polnischen M.-S.-Korrespondeiiten.) Minister Dr. Grabski hielt in der abgelaufenen WcfZe im Finanzausschuß des Sejm fein Expose. Der Jinanzminister führte aus, daß die Einnahmen die Ausgaben vollkommen decken und fogar eilten Ueberschuß abwerfen. Die H a n d e l sbilanz ist nach Ansicht Dr. Grahskis nur vorübergchend passiv. Man hofft, daß cs bald zu einer Einigung mit Deutschland fantwen werde, und das mn so eher, als es ja den beiden Staaten darum zu tun ist, die Grenzen möglichst bald wieder öffnen zu können. Wichtig sind auch di>e Bestrcbmrgelr um die Rückeroberung des russischen Marktes, imd da scheint os, daß dies der Lodzer Textilindustrie am ehesten gelingen wind. In Lodz wird bereits für Rnßlmro gearbeitet und auch die bevorstehende Gründung einer Polnffch-russischeit Handelskanuner lote auch einer solchen Bank, die >den Han-delsverkehr zwischen diesen beiden Staaten finanzieren soll, lvird viel dazu beitragen, den Verkehr rage zu gestalten. Die Konstituievimg des Wirtschaftsrates steht unmiittekbar bevor. Der Wirtschaftsrat wind 100 Mitglieder zählen, die sich aus allen Wirtschaftszweigen und Kammern rekrutieren lverden. Auf dem polnischen Geldmarkt dauern die trostlosen Zustände weit'er an. Der Ausweis der Bank von Polen meidet für die zweite Dekade Jutii einen weiteren Rückgang des Balutcnvorrates im Werte von 18,8 Millionen Zloty und einen Rückgang des Banknotenumlanses tum weitere 18,8 Millionen Zloty. Dabei versucht die Regierung, neues Geld, in Umkntf zu bringen, indem sie die Menge der Scheidemünzen bis auf 50 Prozent des Banknotenulnrlau'fes erhöhen toird. Wenn man bedenkt, daß in allen anderen Ländern das Verihältnis der Scheidemünzen zu den Banknoten höchstens 10 bis 25 Prozent beträgt, muß man zur Ue>berzeugnng kommen, daß die Mgiernug sellbst der Spekulation eine Waffe gegen den Zloty in die Hand legt. Es scheint, als ob die Notierungen der polnischen B Ö rfe n sich wieder effmial bei einem neuen Tiefstand stabilisieren sollten. Die Baisse ist entschieden im Abflauen begriffen tmd die Kurse weisen fast gar keine Aonderu>ngen auf. Zu verzeichnen tväre nur, daß die jetzigen Kurse in keiner Weife dem wirklichen Wert der Un'ler>n>chmtmigen entsprechen und bedeutend untertvertet sind. Trotzdem hält die Geschäftslosigkeit an und eine ganze Reihe von Effekten wird seit Wochen nicht gehandelt. Die Aktien der Bank Pölski finden zu einem Kurse von 53 Zloty noch immer Veline Mufer. Die Wiener Arbitragewerte fanden noch am meisten Abnehnwr und konnten auch in einzelnen Fällen ihren Kurs ein wenig heben. Zieleniewski erholten sich auf 9,60, Depege auf 0,78, Malopolskibank aus 0,30 Zloty. Unverändert blieben RaWva bei 1,16, Galizische Mon- ) I tm m*** ' _ ' .... L___- ._____:_-___' . . .J

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