Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2285 (2.7.1925)
- Date
- 1925-07-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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{Polens 20 arorry t Wien: Zum Abholen in der Expedition, IL Taborstr. 1-3, oder in einer Verschlelsstelle fTratik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, U Wollzelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. dugosiawien: Mon.Vin.60. Polen: Mon. 4Äoty. veutschiand: Mon. Gm. 4, Frankreich. Leigien: Mon. Frcs. 18 Wiener Nlorgeiyritung Rr. 2285 Me«. Lonnerrtag. 2. 8uli 1925 ifrrai» arTan England: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 18 Lire Rumänien: Mon. 170 Lei Bulgarien rMon.IOOLew« Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. I Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-15 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-85 IX., Universitätsstrasse 6-S (D. uckerei lg. Steinmann) Oesterrcichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang Sesterreichs Wirtschaft Die Expertem -es Völkerbundes, Ä-'r Engländer Lay ton und der französische Professor R «t ft, sind vorgestern in Men eingetroffen und haben sich sofort ihrer Aufgabe, die Wirtschaft'sverhältnisse Oesterreichs und, ihre Beziehungen zu den Nachbarstaaten zu prüfen, unterzogen. In einer Pressekonferenz haben beide Delegierten sich allgemein Wer ihre Aufgaben geäußert. Es ist selbstverständlich, daß man vor Beginn einer Expertise nichts Wer das Resultat einer solchen sagen kann. Ihre Vorgeschichte ist bekannt. Die österreichische Regierung hat sich vor etwa zwei Monaten an den Völkerbund gelwendet, damit dieser die Wirtschaftsbeziehungen Oesterreichs zu seinen Nachbarn einer Untersuchung unterziehe und darüber eine Wirtschaftsenquete veranstalte. Der erste Schritt hierzu ist nunmehr der Beginn per Expertise. Es ist möglich, daß die beiden Untersuchungsorgane des Völkerbundes zu Resultaten kommen werden, welche bereits allgemeines Axiom geworden sind, und daß nur eine Reihe von mit Zahlen belegten Tatsachen «hinzukommen wird, die das bestätigen, was an dieser Stelle unzähligemal ausgeführt wurde, daß die Zukunft Oesterreichs nur auf einer Wirtschaftspolitik beruhen könne, die frei von jeder einseitigen politischen Senkimentalität sich nur rein von den konkreten Bedürfnissen der Wirtschaft leiten läßt und dabei bereit iist, in erster Reihe Wirtschaft's- und nicht parteipolitische Momente sich auswirken zu lassen. Es ist vielleicht möglich, wenn auch sticht sehr wahrscheinlich, >daß die Expertise zu dem Resultate kommen wird, daß Oesterreich als Wirtschaftsgebiet allein nicht bestehen könne und unbedingt die Anlehnung an ein anderes Wirtschaftsgebrlde suchen müsse. Der Völkerbund scheint, wenn MN seine Emmziationen genau verfolgt, nicht dieser Ansicht zu sein. Er glaubt an die Lebensfähigkeit Oesterreichs und will allem Anscheine nach durch die Untersuchung diejenigen Mängel heransfinden, die die Entwicklung Oesterreichs als selbständiges Mrtschafts- «gebilde verhindern. Durch die Veranstaltung dieser Expertise bekundet der Völkerbund neuerdings sein Interesse für die Entwicklung der österreichischen Wirtschaft. Es ist dies nicht das eüstemal in den Nachkriegsjahren, daß sich der Völkerbund ruit Oesterreich beschäftigt. Es kann ruhig gesagt werden, daß «bisher der Völkerbund der österreichischen Wirtschaft unter allen neilgebildeten Staaten das größte iInteresse gewidmet hat, und daß er sich mit keinen: Staate fo oft und so gründlich beschäftigt ha>t als gerade mit Oesterreich. Man kann nicht behaupten, daß dies nur deswegen geschehen ist, weil Oesterreich der wirtschaftlich schwächste Staat ist. Eine Reihe anderer europäischer Staaten befindet sich in derselben, wenn nicht in einer noch schwierigeren Situation als Oesterreich, und dennoch bildet dieser Staat die ständige Sorge des Völkerbundes. Man kann auch nicht behaupten, daß dieses Interesse daraus zu erklären ist, daß Oesterreich quasi als Experiment behandelt werden soll. Schließlich wären für der: Völkerbund auch andere Wirtschaftsgebiete für solche Experimente vorhanden. Das Interesse des Völkerbundes ist als ein spontanes anzusehen und bringt tatsächlich das besondere Wohlwollen des Völkerbundes für Oesterreichs Entwicklung zun: Ausdruck. Es scheint, daß dies von gewiss e u Parteien, die bisher nichts Positives für seine Wirtschaftsentwicklung getan haben, nicht verstanden wird. Sonst würde nicht von jedem Mvtschaftsignoranten die Schuld für die Wirtschaftskrise auf den Völkevbnud nud die Sanierung geschoben werden. Das zeigt nur von der mangelnden Kenntnis der tatsächlichen U r f a ch e n d d r Wirtschastsk v i s e. Es Iväre all diesen Kritikern auzuempfehleu, daß sie sich bei der Beurteilung des österreichischen Wirtschaftsproblems von , .derselben Gründlichkeit leiten lassen wie der Völkerbund, der eine Expertise-nach der anbcrcu veranstaltet, um sich ein getreues Bild über die Wirtschaftssituation Oesterreichs und die Mrögliichkeit seiner Entwicklung machen zu können. Die Experten an die Presse. Iilt Ministerium des Aeußern fand gestern ein Pvesseempsang statt, bei welchem die Bölkerhu!ndexpe«rten, die und der Völkerbund. Herren Lay ton und Rist, sich über ihre Aufgabe in Wien äußerten. Professor Rist gab hierbei die folgende Erklärung ab: Mr sind durch die vom Völkerbund an uns ergangene Einladung, eine Untersuchung der wirtschaftlichen Lage Oesterreichs zu unternehmen, sehr geehrt worden. Wir waren beide scholl früher in Oesterreich und freuen uns, Gelegenheit zu haben, noch einmal ein Land zu besuchen, an das uns so angenehme Erinnerungen knüpfen. Boi der jetzigen Gelegenheit sind wir uns der Größe und Verantwortlichkeit der vor uns liegenden Aufgabe wohl bewußt. Selbst in einem in normalen Verhältnissen lebenden Lande würde es sehr schwer fein, in wenigen Wochen eine gründliche Untersuchung feines wirtschaftlichen Lebens fertigzübringen. In Oesterreich ist die Aufgabe besonders schwierig, da es während seines kurzen Bestandes durch Verhältnisse hat gehen müssen, die kein V olks Wirts chaftler sich noch vor wenigen Jahren hätte träumen lassen. Es lvar Oesterreichs Schicksal, in den letzten Jahren der Pionier in den bis jetzt unerforschten Gebieten der Geldentwertung und Geldstabilisierung zu werden. Es war das erste Land, welches entdeckte, wie der Entwertung Einhalt getan werden konnte, und nachdem es den Weg hierzu gefunden, folgte ihm U n gar n, Deutschlaud und Polen. Weil es das erste Land Europas gewesen ist, welches seine Währung stabilisiert hat, ist es auch das erste, welches die Völle Auswirkung der wirtschaftlichen Krise, die der Stabilisierung unvermeidlich folgt und deren Anzeichen wir heute auch in anderen Ländern bemerken, verspürt. Noch einmal muß Oesterreich «das e r st e Land sein, die Lösung zu finden. Seit die Republik entstanden ist, war die wirtschaftliche Lage noch niemals normal und das Land muß sich immer noch den neuen, noch nie da,gewesenen Verhältnissen anpassen. In dieser Hinsicht befindet es sich in der gleichen Lage wie die übrigen Staaten Zentraleuropas'. Alle müssen sich anpassen und die nötigen Wege finden, «welche zu ihrem gegenseitigen Vorteil führen. Wir sehen klar ein, daß das Ausmaß des Problems ein «solches «ist, daß ein Studium von mehreren Monaten kämm genügen würde. Da wir unsere Untevsinchnng in weniger: Wochen beenden müssen, müssen wir so intensiv wie möglich arbeiten «und alles tun, um Zeit zu sparen. Wir beabsichtigen daher, unsere Expertise so u n f o r m e l l a l s möglich zu gstalten, ungefähr so, als ob wir nur für private Studien hier wärerr, und wir werden nicht mittels einer einzigen, «sondern mittels vieler Methoden arbeiten, wir Werder: manchmal schriftliche Berichte, manchmal mündliche Informationen verlangen, nicht bloß offizielle Delegationen, s.ond«ckn auch private Personen sprechen und empfangen. Wir hoffen, Vertreter a l I e r P a r t e i e n und allerScha ttierungen, sowohl wirtschaftliche als politische Ueberzeugung zu hören. Während der ersten Tage unseres Aufenthaltes in Wien beabsichtigen wir, mit der Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie, der Landwirts,chaftskamnwr, der Landwirtschaftlichen Gesellschaft, der Arbviterkammer und dom Industriellenverband über die Art und Weise unserer Arbeit zu b>oraten. Die Regierung hat uns die Hilfe aller Zweige der Vorivaltnng zugesagt und wir haben auch schon von verschiedenen Quellen eine große Anzahl von Informationen erhalten. Auch hat der Herr Generalkonrinissär Dr. Zimmerman fejne Unterstützung unserer Arbeit nach jeder Hinsicht zugesagt. Die kurze Zelt, die uns für uns-ere Expertise zu,gemessen' ist, wird es unmöglich machen, mehr als eine begrenzte Anzahl von Personen zu hören, es wird aber unser Ziel sein, Vertreter so vielerlei 2lnsichten als möglich zu vernehmen. Wir hoffen nicht bloß, zu einer Sammlung von Tatsachen zn gelangen, sondern auch von den Oesterreichern selbst ihre Meinung über >ie Ursache n der jetzigen Schwierigkeiten und Vorschläge zur Verbesserung hören zn können. m VORZÜGLICHEN schwarzen und weissen I l/41UKnnif40M' III K MrrEE1m Ersparnis Hl ■ millllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll an Kaffeebohnen «I II erreichen Knffeehöuser, Bars,Hotels ett. ||| U mit der «, „ETERNA-EXPRESS-K AP FEEM ASCHINE“ QEFIA WERKE A.G.,WIEN,' "LLLNL",» Der Weg zur Klarheit. -y. W i e n, 2. Juli. Je näher der Termin des vierzehnten zionistischen Kongresses heranrückt, desto lebhafter wird innerhalb der Organisation die Auseinandersetzung über die Fragen, die diese Tagung beherrschen werden. Der Aufmarsch der Parteien, ihre Ordnung nach Mehrheit und Opposition, hat begonnen, und die Gesichtspunkte, unter denen die Stellungnahme erfolgt, beginnen sich bereits gegeneinander abzuheben. Es ist nur ein natürlicher Prozeß, daß es Meinungsverschiedenheiten gibt und das; ihre Bekenner sich durchzusetzen bestrebt sind, daß sie Anhang und Unterstützung werben. Es geht ja um die Schicksalsfragen eines Volkes, das wohl nur der Kopfzahl nach zu den kleineren gehört, seiner kulturellen und weltwirtschaftlichen Position entsprechend jedoch unter die bedeutenderen Mitglieder der Völkerfamilie eingereiht werden muß. .Die Aufgaben, die sich dieses Volk gestellt hat, die es lösen muß, gehören unter die schwierigsten Probleme, mit denen die Weltpolitik zu tun hat. In jedem Land der Kultnrnationen leben Juden, in jedem territorial äbgegrenzten jüdischen Volksteil nimmt die Palästinafrage den ersten Rang des jüdischen Interesses für sich in Anspruch. Und so kommt es, daß die politische Aufmerksamkeit aller Nationen sich der jüdischen Frage znwenden muß und daß auch sie in irgend einer positiven pder negativen Form die vom Zionismus begonnene Art der Lösung behandeln müssen. Durch die Entwicklung, die Palästina genommen hat und die sich bereits in einer kontinuierlichen Linie zeigt, ist das gesamte Jüdentun: zur klaren Stellungnahme gezwungen worden. Mit ihn: wird aber auch die übrige politische, wirtschaftliche und kulturelle Welt veranlaßt, diese Frage auf ihre Zusamenhänge mit den Fragen der Welt, aus ihre Perspektive:: für das künftige Verhältnis zu dem Judentum in seinen bisherigen Wohnländern, zu dem sich neu konstituierenden Judentum in Palästina und zu seiner Bedeutung für den Orient und den Okzident zu prüfen. Diese Aufstellung des Problems läßt erkennen, daß die Entscheidungen des kommenden zionistischen Kongresses auch in die Fragen der Völker hineinspielen, daß es sich um sehr reale Dinge handelt und daß es sehr notwendig ist, wenn die Oeffentlichkeit sich mit ihnen zu beschäftigen beginnt. Die Erkenntnis, daß in der zionistischen Lösung der jüdischer: Frage.nicht bloß eine moralische, sondern auch eine Politische Schuld der Welt beseitigt wird, daß dieser Weg zu einer sozialen Entlastung der Welt und zn einer Neubelebung der Weltwirtschaft führt, war einer der Anlässe, der den Völkerbund zur Anerkennung der historische:: Verbindung des Judentums mit Palästina und zur Normierung des Mandates bewog. Er hat die jüdische Frage in den Jnteressenkreis der Weltpolitik hineingeführt und sie unter seine Garantie gestellt. In der Art, wie der Völkerbund die volle Mündiglverdnng der jüdischen nationalen Heimstätte bis zur freien jüdischen Siedlung fördert, wie das Judentum sich den Erfordernissen der politischen und ökonomischen Fragen anpaßt und sie mit seinen Bedingungen in Einklang bringt, in diesen: Suchen nach der mittleren Linie liegen die Differenzen innerhalb.der Zionistischen Organisation. Kleider-Voile mr 19.800 Her Schiffmann II. Taborstraße 48 Tslonhon 47-1-7V in gros in detail