Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2282 (28.6.1925)
- Date
- 1925-06-28
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981367--23195-3010687- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8 Wien, Sonntag Steil« MsrOemrett»«-. 26. Juni 1925 Nr. 2282 Bühne und Kunst. Uraufführung eines Schweizer Lichte«. „Opferspiel" von Robert Faeft in Zürich. .Ln Man«, der Loanerrlag war.- Gastspiel Tairoff am Ralmnnd-Theater. Aus Chestertons Roman, der eine tiefere und höhere j Dstciktivgeschichte davstellt, hat der Russe Sigismund Krischanowsky einen Kinorevue-Sketch gemacht, der durch sein { Tempo eine innere Wahrheit bekommt: Sagen wir eine Ten- [ denz, mag das Wort noch so schr verpönt sein, oder besser eine i Philosophie nicht des Menschen, sondern der GoselVschaft, wie die Großstadt sie gebärt und formt. Das Tempo: Menschen gehen wie Tage, werden abgerissen wie die Blätter des Abreißkalenders, einer gleicht eigentlich dem andern, was so viel wie Schicksal bedeutet, bis das Nn- ' erwartete, Unbegreifliche, Romantische eintritt. Und das Romantische des sozialen Kampfes ist das Wunder des modernen , Zeitgeistes, der seine Technik triumphieren läßt über das Erhabene des Gefichls. Hierin liegt das Stiick Groteske, hierin liegt die Philosophie des Sketch. So etwas gibt es also. Die Aufführung von „Der Mann, der Donnerstag war" hat es bestätigt. Die technischen, optischen und akustischen Besonderheiten der Großstadt werden aus die Bühne gepreßt. Ueber Treppen hastet Menschengewürm, Brücken i bieten sich den Flüchtenden, Lifts sausen durch Stockwerke, der . Lärm der Autohupcn und der Ausrufer gibt eine Symphonie! der Grohstadtgcräusche. Lichtsignale schnattern Reklamen, Pfiffe schrillen um die Ohren und mitten drinnen tollt die afmsolige Kreatur Mensch, von Wünschen, Forderungen, Pflichten gehetzt: Ein Chaos, nur voan Willen eines unsichtbaren Schicksals geleM, das über das Menschrmhirn triimiphiert. Und schließlich die Kristallisation einer Philosophie, die besagt, daß das U nbegreifliche über allem Menschenverstand thront. Für Tairoffs Regiekunst und für seine Schauspieler das idealste Element. Romantik, sagte ich. Sie beginnt schon beim Kostüm. Die moderne Kleidung ist ins Phantastische erhöht; sie zeigt ein Ueber-Biedermeier, erinnernd an die Zeichnungen des Emil Pretorius, und in der Komposition zum Raum an Marc Chagall, den vielumstrittenen Russen, der in genialer Weise die landläufige Perspektive auf den Kopf, will sagen ans die Beine stellt. Wenn ein Anarchist den anderen entlarvte, wenn hinter der Maske plötzlich der wahre Mensch auftauchte, erschien es wie ein ULk, ein Fastnachtscherz, der zum Lachen verleitete. Aber hinter dem Ulk stand die allmächtige Ironie, das Spiel, in das schließlich jede Bühnenkunst mündet. Dessen waren sich Tairoff und seine Mitarbeiter Medtner, Wesnin und Lukianoff wohl bewußt. (Könnte man nicht einmal einen T-airosf-Bersuch Mit dem „Faust" machen? Lacht nur, es wird dazu kommen.) Diesmal fielen (außer Sokoloff, den in allen Sätteln gerechten), Boris F e r d i n a n d o f f und Engen Le >nsky auf. Das Fanatische ihres. Charakters kam prächtig heraus. Sie verschwanden nicht im Trübol der Großstadt. Die Technik erschlug sie nicht, schließlich hat auch das Menschenherz und -Hirn seinen Wert. Das Publikum hielt sich mehr an die technische Leistung des Ganzen, an die Erfindung der vielgelästerten „Raumbühne", oihne daran zu denken, daß es stets nur — hier darf man Goethe zitieren — der Geist.ist, der jode Technik lebendig macht. Oskar Rosenfeld. Mitteilungen nur dem Publikum. Wieder zu haben! Bureau: Orig.frat2.Zlgarettenpapler JwB win.vm.«wfagisi(»/z Rosl Dorfmann Josef Schapira Verlobte Wien, Juni 1925. Anlässlich der Vermählung unseres Ausschussmitgliedes, Herrn Pinkäs Silber mit rauiem Saii Gebfihrer gratulieren wir herzlich und wünschen 2!v ^12 „Jüd. Volksbibliothek Lion" Möbelfabrik J. Spira Feine 6,9 WIßD, III. —2 Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl Schweighofergasse FAHRSCHEINE für alle in- und ausländischen Bahn- und Schiffslinien Oesfterrelchlsches Verkehrsbureiu Wien. I. FrledrtdMtraaae 1. — Telephon 7500 3178 neuen Schmerzen rheumatischer, gichtischer und nervöser Art m Die Schmerzen verschwinden durch Einehmen weniger Dadletten. Probepacfung in allen Apotheleu. Julius Meinl’s Kaffee-Mischlingen für Kenner iktl Punex tötet Wanzen samt Brut! wirft dc«infizierend und tötet garantiert auch Russen und Schwaden, schädigt keine Möbel. Preis per Flasche K 7000 und 12.000. H. Judavics, kosm. Erzeugung, Motterstolz“ Wien» XVII, Bezirk, Hernalser Nauplslrasse 73 Neberall erhülllch. n 12. Juli werden die Ausstellungen im Messepalast, Wien „lWene" „Der Mensch" „Der neue Haushalt“ „Schöne Möbel“ unwiderruflich geschlossen Eint Ittspreis 1 Schilling SOEBEN ERSCHIENEN! [iitwuitiiliWdl Relseeindriicke aus Palästina von HUGOHERRMANN 174 Selten in gutem Halbleinenband mit einer sechsfarDigen Karte von Palästina Preis tschech. K 28.— 0091 Dr. Josef Flescli Verlag \ Prag Soukenickä 5 I-,.- ---—J Schmutzige Wände und Plafonds wao nui/» in Lokalen, Bureaus und Wohnungen, gleichgültig ob gema><. gestrichen. Stukkatur oder tapeziert, werden nach elftenam Spezial Trocken - Verfahren ohne Störung im Betriebe, ohne Unordnung im Haus in wenigen Stunden --------- gereinigt I ProbeVorführung und Kostenvoranschläge kostenlos und ohne Verbindlichkeit __ _ SCHAUER & WINTER Chen». Wand- und Plafond-Reinlgungs-Anafalt I. Himmelpfortgasse 22 511 Telephon Nr. 72-9-37 QROMDLICHE WOHNUNGS-REINiGUNG wie: Pussbodettreiben, -Einlassen. Abziehen. Fensterputzen, Insekten-Vertilgen etz;• *.V a *rvil7 turkA iwti« Radioprogramm. Heute Sonntag. 11 bis 1 Uhr: Orcheslevkonzert des Wremer - Volksopernorchesters. Franz Liszt, Orpheus. Robert Fuchs, Serenade L-Dur für Streichorchester. F. Mendelssohn. Konzert für Klavier und Orchester op. 25 0-Moll. Siegfried Ochs, Variationen über „Kommt ein Vogerl geflogen". — 4 bis 0 Ubr: Nachmittagskonzert. Zimmer, Franz Liszt, Marsch. . Lehär. Wenn die Abendglocken leise tönen, Boston. Supps, Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien, Ouvertüre. Lassen, Ich halt' einst ein schönes Vaterland, Paraphrqse. Schubert. Impromptu. Fetras, Von Bübne zu Bühne. Strauß Josef, MÜHUngsluft. Lied. Strauß Jolef, Feuerfest, Polka. - Kalmin, „Gräfin Aiarizä", Potpourri. Weiß Stephan. Wenn ich eine Ahnung hätt'. — 8 Uhr: Schubert uud die Frauen. Morgen Montag. 11 bis 1 Uhr: Orchesterkonzert des Wiener SymphouieorchesterS. I. Haydn, Symphonie O-Dur mit dem Pankenfchlag. R. Schumann, Klavierkonzert A-SDloÜ. C. Kister, ' „Knnehild". Humperdink, Traumpantomime aus „Hänfel und Gretel". F. Liszt, Ungarische Rhapsodie Nr. 1.-4 bis »Aß Uhr: Märchen. — 8/*5 bis 6 Ubr: Nackmittagskonzert. Strauß, , . Aegyptischer Marsch. Neu Ernesto, Riviera, Walzer. Erkel, Hunyadi Läszlö, Ouvertüre. Chaminade, Morgenständchen. Tvjelli, Rotte nostalgica. Urbach, Karl Maria v. Weber, Phantasie. — 8 Uhr r Konzertakademie.. Krieg und Arbeit8loseuprMem haben in der Schlveiz dl Bevorzugung des einheimischen geistigen Produktes gezeitigi Zn keiner Epoche hegte und schätzte man die Werke der eigervei Dichter und Künstler in einem solch hohen Grade wie heute Zweierlei Gcdamkengänge verbinden sich, um diese Wort schätz»»g zu erzeugen: Die Furcht vor der geistigen Ueber fre-mdung -und der berechtigte Wunsch, dein antochlhonei ,/geistig Schaffenden", der unter der Not der Zeit leidet, zz Hilfe zu konnnen. Wird so in auerkennen Averter Weise dei geistigen Arbeit bedeutender Schutz gewährt, so kann es dock nicht a-nsbleiben, daß auch Mittelgut eine gostei-gerte Wert» schätzung erfährt, ja das; sogar zuweilen recht schlvächliche Pro dukte, nur well sie einen schweizerischen Autornamen tragen für Kunst genommen werden. Die Schivciz besitzt Heute wohl keine' überragenden Schöpfer, immerhin zählt sie unter ihrei Schriftstellcvn ein so beachtenswertes episches Talent wie Felfl Moeschl-in und eine Erzählerin wie Cecile Länder. Ji der letzten Zeit erwacht der Wunsch nach einem schweizerische, Drama und parallel dazu nach ein-em schweizerischen Theater Seltsam, daß in dem schweizerischen VE, das ,in den kleinste» Dörfern so viele Liebhaberbühnen zählt, bis heute weder Schau, spieler noch Dramatiker von Namen erstanden. Versuche, dom Drama einen lebendigen Boden z-u schassen, halben mm eingesetzt. An den größten Theatern der Schwerz wurden in diesem Winter einige Stücke von namhaften Ant-oren ansgeführt, dal „Tellcnspiel" von Jakob B i't h r e r, „Das Vievgetier" von Albert Steffens, „Der Mann Gottes" von Paul Jlg -uui „Die Revolution des Herzens" von Felix.Moes chlin, Werke, die trotz interessanter Problematik sich nicht zu dramatische! Gestaltung durchgernngen haben und nur einen Achtungserfolg erzielten. Das technisch vollendetste Bühnenstück ist wohl das „Opferspiel" von Robert Fa es i, das am 10. Juni im Rahmen Vor Internationalen Festspiele in Zürich seine Ura-usfühvung erlebtet Es ist ein religiöses Weihüspiel, dem modernes Psychologisieren, expressionistischer Schrei fremd ist. In Jamben und keinen geschrieben, von sanft geglätteter Form, erinnert es-irgendlvlie an die Dramen I. V. Widmanns. Zum Vorwurf ist der Stoff der Bürger von Calais geuonunen, doch die Männer, die sich hier opfern, tun ihren Schritt nicht aus reiner Liebe, sondern aus egoistischen Motiven. Der j-unge König, der zwischen zwei gegnerischen Gewalten, der weißen Königin und dem schwarzen Fürsten, stcht, wird dadurch' in den Zweifel an die Güte der Menscheunatur gestürzt. Indes aber vollzieht sich die große Wandlung in dem Herzen des weltfrohen Zim'mermanns. Ihn ergreift Liebe n-nd übevwälttgende Sehnsucht nach dem Opfer, er entf-la-mmt die ganze Stadt und alle zichen n-un in das Lager des Königs, um sich darzubringen. Dieser reine Opfevgang überm an nt den verzweifelten König, aüfs neue evblülht in ihm der Glaube an die Güte des. Mensch^' lichen Herzens. Bozeichnendevweis-e ist Ehristi Opfertat dem Dichter das höchste Synibol und auf der Bühne wird an Stelle der Galgen das Kreuz errichtet — seit Zacharias Werner gab es keine so ausgesprochene Vecherr-lichung der christlichen Idee auf dem Theater. Die stärkste Szene ist wohl diejenige, in der der Gedanke des Opfers in der Brust des Zimniermanns durchbricht, schr bühnenwirksam auch die, in der das Volk unsviderstchlich mitgerissen wird (zweihundert Studenten und Studentinnen bildeten die Komparserie). Manche Szenen dürften mit Nutzet; eine Kürzung erfahren. Jedenfalls aber bedeutet Faefrs Drama einen wichtigen Schritt für den Ausstieg einer schweizerischen Nationalbühne; es enthält sich beiwußt moderner Kraßheit, die edel gebändigte Form tut dem kräftig und leiden°> schaiftllich vorgetragenen Gedan>ken keinen Abbruch. Interessant ist, daß Schauspieler schwoizerischer Herkunft von vielen ausländischen Bühnen hetzbeigezagen wurden, «mn das Werk ihres Landsmannes zu verkörpern: Louis Rainer, oibwchl kein Schweizer, wußte der Gestailt des Fürsten einen düsteren Glanz zu verleihen, aber auch Adolf Manz als Zimme-rmann, Emil Heß als Bürgermeister, Engen Aberer als König, Alfred Sch läget er als Mönch taten ihr Bestes, mu den Rollen zur Golttmg zu verhelfen. Die Regie Doktor Oskar Waelterlins hatte interessante Szenenbilder geschaffen und große Bolksinassen aus einer verhältnismäßig kleinen Bühne mit Reiz und Geschick gruppiert. Dr. A ug nsta W a ldl e r -S te in b e rg, Zürich. Aus den Aeatern. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr abends, „Peer Gyn t". Dienstag, */,8 Uhr, „E i n i d e a l e r G a t t e". Staatsoper. Morgen, 7 Uhr abends. „Cava lleria rusticana" und „D er Bajazzo". Dienstag, 7 Uhr abends, „Wiener Walzer", „Die P u p p enfee", „S o n n e u n d E r d e". Schönbrunner Schloßtheater. Heute und morgen „Die F l e d e r.m a u r". Dienstag „Der B a rbiervonSevilla". Samstag Tanzabend der norwegischen Tanztragödin BellaSiriS. Burg garten (bei ungünstiger Witterung im Festsaal der Hofburg). Heute. 6 Uhr abends, «Der Zigeunerbaron". Dirigent Friedrich Gruber. — Morgen. Montag, Tanzabend Ria Thiele, Gastspiel Enge» D u m o n t in dem Singspiel „B a r b a r i n a". Theater in der Josef st ad t. Heute „Gesellschaft" von GalSworthy. Morgen und Dienstag „I u a r e z und Maximilian". Mittwoch Beginn der Spmmerspielzeit mit „Der Diener zweier Herre n". Naimund-TheNter. iTairoffs Moskau e r K a m m e r t h e a t e r.) Heute, morgen und Dienstag „0 i x o f 1 6 — 0 i r o f 1 a". Neues Wiener Stadttheater. „Straub und Lanner" bis inklusive DonnerStgg. Freitag Premiere Lyoner Seidenhausit»»|!i»MBw? „ ,, | Boutettelä ft Beiden { Marocaine V Cripe de Chine A Jf 4,20 6.30 6JQ Rohseide, gestreift u. # C 6.— Modefoulards 9.— Detailverkauf zu Orig.-Engrospreisen Spezialhaus für alle Arten Seidenschals