Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2277 (23.6.1925)
- Date
- 1925-06-23
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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VeSk 8 Wien, >*■■."1.— —. -.—.-.———- Salomo gbn Sabirols gesammelte Llchiungen. Der bedeikteirdste nitd populärste jüdische Dichter der spanischen Blütezeit Salomo den Jehnda Jbn Gabirol gehört bis auf den heutigen Tag zu der: beliebtesten hebräischen Dichtern des Mittelalters, dennoch besitzen wir keine Gesamtausgabe seiner dichterischen Werke. Seine Gedichte mrd Lieder religiösen und Iveltlichen Inhalts sind in verschiedenen Büchern mrd Sammelwerken, von bettelt ein großer Teil heute nur schwer zu erreichen ist, zerstreu,t. Nun geht der hebräische Verlag „Dwir" in Tel-Awiw daran, eine nette Ausgabe der gesammelten Schriften Gabirols zu veranstalten. Diese interessante und tvertvolle Sammlung steht unter der Redaktion Bialiks und des Schriftstellers Rawnitzki. Diese beiden, für eine solche Arbeit Wohl Lontpotentesten hebräischen Schriiststeller, sorgelt auch dafür, daß der in den verschiedenen Abdrucken verstümmelte Text der ursprünglichen Fassung wieder hergestellt und voir den vielen Fehlern, die sich bei Mschriften und Abdrucken ergebet: haben, gereinigt wird. Der erste Band, der soeben erschienen ist, der die weltlichen Lieder enthält, umfaßt 383 Seiten Großoktav. Dem zweiten Band der Sammlung, der religiösen Lieder, wird Bialik eine ausführliche biographische, das Leben und die Bedeutung Jbn Gabirols würdigende Vorrede voranschicken. Aus den Theatern. Burgtheater. Morgen Mittwoch, halb 8 Uhr abends, „Ein idealer Gatte". Burggarten (bei ungünstiger Witterung im Festsaale der Hofburg). Heute Dienstag, 8 Uhr abends, Programm: R. Stöhr: Symphonie, A-Moll; Liszt: Ungarische Phantasie (Otto Eisen); Wagner: „Tannhäuser"-Ouvertüre; Weber- Weingarten: Aufforderung zum Tanz. A k a d e m i e t h e a t e r. Heute Dienstag, halb 8 Uhr abends, gelangt als Aufführung der Klasse des Professors Dr. Rudolf Beer Shakespeares Lustspiel „Die Komöoie der Irrungen" und „Lore", eine Plauderei von O. E. Hartleben, zur Darstellung. Operntheater. Morgen Mittwoch, 7 Uhr abends, „Der fliegende Holländer". In dieser Vorstellung singt Frau N e m e t h zum ersten Male die Partie der Senta. Raimund-Theater. Heute Dienstag, halb 8 Uhr abends, zum ersten Male Shaws „Heilige Johanna" in der Inszenierung durch Alexander Tairoff. — Morgen Mittwoch Erstaufführung von Östrowskys „G e w i t t e r". Wiener Bürgertheater. Heute Dienstag 475. Aufführung der Operette „Gräfin M a r i z a". Lustsp i elihe a te r. Morgen Mittwoch Premiere der Schwanknovttät „Der Meister boxe r" von Otto Schwartz und Karl Mathern. In der männlichen Hauptrolle beginnt der Komiker Karl Kasack sein Gastspiel. tzerichtssaal. Den Schwiegervater ermordet. Vor dem Strafgerichtshof in Oedenbürg begann gestern der Prozeß gegen den Bankbeamten Dr. Ernst Fröre ich, der seinen Schwiegervater, den Inhaber eines Rennstalles und Grundbesitzer Artur Egyedy, ermordet hat. Wie berichtet, wurde am 6. Oktober des vorigen Jahres der alte Cgyedy inl Schlosse Egyed bei Csorna tot ausigefunden. Die Leiche beifand sich im Badezimmer, mit einem Handtuch um den Hals, in kauernder Stellung. Das Personal und der Amt sarzt von Csorna nahmen Selbstmord an, der Leichnam wurde eingesargt und zur Beisetzung nach Budapest überführt. Auf Gerüchte hin, die sich im Dorfe verbreiteten, wurde von der Budapester Staatsanwaltschaft das Begräbnis sistiert und die Leiche nach Dodenburg zur neuerlichen gerichtsärztlichen Untersuchung zurückgeschickt. Dort wurden an dem Hals des Toten W ü r g e s P u r e n sestgestellt. Der Verdacht, den Tod Egyedys auf gewaltsame Weise herbeigeführt zu haben, richtete sich gegen dessen Schwieger s o h n Dr. Ernst F r o r e i ch, der infolge von Geldsorgen mit dem Schwiegervater in ständigem Unfrieden gelebt hatte. Nach gründlichen Verhören, die Tage und Nächte hindurch andauerten, legte Froreich schließlich ein Geständnis ab. Er war in der Nacht der Tat in das Schlafzimmer des Schwiegervaters, der ihn mied, eingedrnngen und hatte den alten Mann nach einer Kontroverse erwürg t. Um den Eindruck zu erwecken, daß Cgyedy Selbstmord begangen habe, hatte er den Leichnam ins Badezimmer geschleift und ein.Handtuch um seinen Hals geschlungen. Froreich bchauptete, er habe n i ch t d i e A b s i ch t gehabt, seinen Schwiegervater zu ermorden, er habe ihn: neuerdings ins Gewissen reden wollen, dabei sei er jedoch von Cgyedy in gröblicher Weise beschimpft worden, daß er in äußerster Wut gegen den alten Mann losging. Bei der gestrigen Verhandlung machte der des vorsätzlichen Mordes, begangen in materieller Absicht, Angeklagte den Eindruck eines vollständig gebrochenen Mannes. Er erklärte, er fühle sich nicht schuldig. Ans die Fragen des Gerichts- Presidenten gab er an, daß mehrere Mitglieder feiner Familie in der Irrenanstalt gewesen seien. An die Einzelheiten der Tat, erklärte Froreich, sich nicht erinnern zu können. Während des Verhöres des Kronzeugen Dr. Gelley wurde Froreich von einem Nervenschock befallen. Nachmittags wurde die Gattin des A ng e kl ag>te n “ ei übernommen. Sie gab an, daß nach ihrer Ueberzeugung Froreich seilte Tat in unzurechnungsfähige m Zustand begangen habe. Während der Zeugeneinvernahme wurde Froreich wieder unwohl uttd die Verhandlung mußte auf heute vertagt werden. Der Oberste Gerichtshof für die Valorisierung der Leibrenten. Fünf Frauen hatten noch vor dem Kriege der Versicherungsgesellschaft „Anker" Beträge von ungefähr 20.000 Goldkronen übergeben, wogegen die Versicherungsgesellschaft sich verpflichtet hatte, den Klemretnem Leibrenten in der Höhe von 100 bis 180 K. monatlich zu bezahlen. Da die Versicherungsgesellschaft die Leibrenten im Betrage von einem bis zu em- _Wiener Mnr^enzeri'iiiq._ cinhalb Groschen monatlich bezahlte, klagten die Kleinrentnermnen durch Dr. Za hl manu auf Aufwertung dieser Leib* reuten in 'der Weise, daß der „Anker" statt 100 bis 150 K. 100 bis 150 Schilling monatlich a»t Leibrenten bezahle. Bei der am 12. Jänner 1924 vor den: Handelsgericht iit Wien unter Vorsitz des Hofratcs S t e i n s ch n ic i1 b c x'durchgeführten Verhandlung behauptete Dr. Hauensch ild als Vertreter der Versicherungsanstalt, daß es sich um reine Geldfordcrnngen handle und daß für die Versicherungsgesellschaft die Unmöglichkeit vorhanden sei, ciiuc Anstvertung durch zu führen. Das Handelsgericht verurteilte unter Abweisung der Klage die Klägerinnen zur Zahlung der Prozeßkosten von 20 Millionen Kronen. Das Oberlandesäericht, an welches Dr. Zahlmaun berufen hatte, wies die Berufung ab. indem es gleichfalls den Standpunkt vertrat, daß es sich um eine reine Geldforderung handle. Der gegen dieses Urteil durch Dr. Zahlmann ergriffenen Revision hat der Oberste Gerichtshof unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Z w i e d e n e k in allen fünf Fällen Folge gegeben, die Urteile der unteren Instanzen aufgehoben und dem Handelsgericht Wien den Auftrag erteilt, die Leistungsfähigkeit der Versicherungsgesellschaft „Anker" zu überprüfen und nach Maßgabe der Leistungsfähigkeit die Leibrenten auf zu werten. In der Begründung erklärt der Oberste Gerichtshof, daß er an seinem Standpunkt fefthalte, daß die Versicherung einer Leibrente keinen reinen Geldanspruch in sich schließe. _ Der eigentliche Zweck fei die Versorgung, bezichungstveise die Erleichterung der Lebensführung, auch der Sprachgebrauch behandelt die Leibrente als Versorgung. „Servus Hindenburg." Am 25. April kam es anläßlich der Wähl H in den burp>s zum Reichspräsidenten in der Remise Vorgartenstraße zwischen mehreren Straßenbahnern zu einer politischen Debatte. Der Straßenbahnschaffner Johann I a r o s ch gab seiner Freude über die Wahl Hindenburgs in der Weise Ausdruck, daß er dem Motorführer Dohmaier zuries: „Servus Hindenburg." Die Antwort Dvhmaiers tvar: „Wir brauchen keinen Hindenburg." Der Motorführer Karl Pichler rief dem Jarosch zu: „Provozieren Sie nicht." Ein Wort gab das andere und schließlich lag Pichler, von cuttern Schlag des Jarosch getroffen, am Boden. Jarosch soll noch dem auf dem Boden liegenden Pichler mehrere Fußtritte versetzt und ihn hierdurch leicht verletzt haben. Es wurde gegen Jarosch die Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung erhoben, über die gestern beim Strasbezirksgericht Landesgerichtsrat Dr. Auerbach zu verhandeln hatte. Der als Zeuge vernommene Motorführer Karl Pichler bestätigte den Inhalt der Anklage und fügte hinzu, daß er infolge der Mißhandlungen einige Tage berufsnnfähtg war und noch heute an Kopfschmerzen leide. Der Richter verurteilte den Angeklagten unter Ilnwendung äußerster Milde zu einer Geldstrafe von 10 Schilling, eventuell zu 24 Stunden Arrest. Pichler wurde mit seinem Anspruch von 100 Schilling Schmerzensgeld auf 'den Zivilrechtsweg verwiesen. Im Streit erschossen. Im Hause Spittelbreitengasse 36 in Meidling gäb cs zwischen einigen Bewohnern Meinungsverschiedenheiten, die sich derart zuspitzten, daß der Streit in Tätlichkeiten ausartets. Am 15. April wurde -der Arbeiter Richard W t nt m c r, als er die Arbeitersgattin Therese Peschka tätlich' bedrohte, von deren Gatten Franz Peschka niedergcschosse n. Franz Peschka wurde wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens, der Fleischhauergehilfe Johann Gärtner wegen gefährlicher Drohung angeklagt, letzterer deswegen, weil er Frau Peschka mit dem Umbringe n gedroht hatte. Die Verhandlung hierüber wurde gestern vor einem Schöffensenat unter Vorsitz des Hofrates Dr. R a m s a u e r durchgesührt. Franz Peschka wurde im Sinne der Anklage schuldig erkannt und zu zwölf Wochen strengen Arrests verurteilt. Gärtner wurde über Rücktritt des Staatsanwalts von der Klage freigefprochen. Die Bergwcrkskatastrophe von Hart. Aus Wiener- Neuftadt wird uns berichtet. Vor dem Schöffengericht des hiesigen Kreisgerichtes, unter Vorsitz des Oberlandesgerichtsrates Dr. Sckj ulhof, wurde gestern die Verhandlung gegen den Bergwerksdirektor der Harter Kohlenwerke, Ing. Ernst Ludwig, ferner gegen den Betriebsleiter, Ing. Karl Tausch, und gegen den Schichtmeister des Bergwerkes, Josef Tremmel, weg:n Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens wegen der Katastrophe vom 28. Juni 1923, welcher 29 Bergarbeiter z n m Opfer fielen, zu Ende geführt. Der Sachverständige, Hofrat Prof. G r a n i g g, erklärte, daß alle S i ch e ru n g s m a ß n ah m e n vollkommen ordn n n g s m ä ß i g getroffen seien. Die Hofräte W a l z l und I p p e n erklärten, daß die Ursache der Katastrophe in hem N o h r b r u ch e zu suchen sei, unb daß der Nohrbruch n i d) t voraussehbar und als ein unabwendbares Ereign i s anzrlsehen sei. Nach einelnhalbstündiger Beratung sprach das Gericht sämtliche drei Angeklagten frei, indem es hauptsächlich die Gutachten der Sachverständigen dem Freispruche zu Grnilde legte. Volkswirt. Das Schwanken des Llraknrses. Aus Rom wirb uns geschrieben: Italien macht eine Periode der Jirflation durch. Bei Italiens Eintritt in deil Krieg betrug der Notenumlauf 2600 Millionen Lire, im Jahre 1917 über 10 Milliarden, 1918 ivaren es schon 13 und 1919 18 Milliarden. Die Gesamtzirkulation stieg in den letzten Monaten des Jähres 1924 auf 20 Milliarden 514 Miillonen, sie ging zwar Ende Dezember ans 20 Milliarden 61 Millionen zurück, behauptete aber auch Ende Jänner noch einen Stand von inehr als 20 Milliarden. Hiewon entfallen über 4 Milliarden auf die Gründung der „Autonomen Sondersektion des Konsortiums für die Belehnung von Jndnstriewerten". Mit dem genannten Konsortium verfolgt die italienische Regierung toeti Zweck, einigen Bankinstituten nach versohlten Spekulationen ans der Klemme zu helfen. Das Heilmittel wurde in der Ausgabe von 4 Milliarden Papiergeld gefunden, was soviel bedeutet, wie 4 Milliarden Steuern auf den Verbrauch der mittleren und notleidendsten Klassen, um einige große Schmarotzeritldustrien des Bank- und Exportgeschäftes dort ihren Verpflichtungen und von den Kotlseqnenzen ihrer Jrrtümer zu befreien. In der „Rivista di Milano" schrieb sogar eilt faszistischer Schriftsteller voll Entrüstung über die Politik des Finanzministeriums De Stesani: „Das Konsortium für Jndustriewerte ist ein Stachel im Herzen des Landes. Es stellt die Bereicherung einiger weniger Bevorzugten zum Schaden der ganzen Nation dar. Will Minister De Stesani wirklich bis ans Ende gehen? Es handelt sich um. ganze vier Milliarden. Und das ist, scheint es, noch nicht.einmal der Anfang . . . Was kann da selbst die Verbrennung von 860 Millionen Lire Staatsnoten nützen, wo der Papiergeldtmtlauf _23. Juni 1925 M. 2677 20 Milliarden Lire beträgt, die Goldreserve aber tvenig mehlals eine Milliarde?" Man darf nicht vergessen, daß die Lira 1918 einen dirrchschnittlichen Wert von 56 Goldeenteisimi befaß, während sie heute unter 21 Goldcentesimi gesunken ist. Daraus folgt, daß nicht der Krieg, sondern die Nachkriegszeit durch übermäßige Vermehrung der Umlaufs'mittel die Entwertung geschaffen hat. Das Verhältnis zwischen der Metallreserve und dem Gesamtnotennntlauf, das sich vor dem Kriege um 70 Prozent herum bewegte, ist jetzt auf 10 Prozent gesunken. Als unvermeidliche Folge steht der Pfnndknrs auf 117, der Dollarkurs auf 26. Die Kaufkraft der Lira ist auf 17 Cettteisitni gesutckcn. Finanznrinister De Stefani hat in feinen jüngsten Erklärnugen über die Valutapolitik versichert, es nrüßten die ill letzter Zeit verlorenen Positionen zu rückgewonnen und für den Schatz uud die Banken eine solche Situation geschaffen werden, die die Beiherrschnng der Valutavcrhältnisse gestatte. Da er die Entvi-crtung der Lira nnd die daraus solgende Verschlechterung der Wechselkurse urit ihrer RÄcktvirkimg auf die Kosten der Lebenshaltung mit Recht dem übermäßigen Notenumlauf znschrieb, ließ der Finanz-minister in der letzten Märzdekadc einen Teil der eigentlichen Staatsnoten einziehen und 128 Millionen verbrennen. Vevbraunt wurden femer 860 Millionen, au deren Statt, im Zusammenhang mit dem Dekret über das Konsortium für die Belehnung von Jndnstriowertew Schatzbons ausgogeben wurden. Aber zu eben der Zeit, als die Staatsnoten verbrannt wurden, erhöhte sich die Emission der Banken für den Kreditbedarf des Handels, und vrau erfuhr aus dem Ausweis der Bau! von Italien, daß in der Zeit vom 31. bis 31. März sich ihr Umlauf nicht nur nicht vermindert, sondern um 300 Millioneu erhöht hatte. Also während die Bank von Italien einerseits 300 Millionen Noten verbrannte, druckte sie andererseits 600 Millionen, indem sie dies mit den „Bedürfnissen des Handels" und den „Anforderungen der MärzMltimo-iLiciuidation" rechtfertigte. Professor Loria, der sich mit den fün>gsten finanziellen Maßregeln der Regieruug Mussolinis befaßt hat, zweifelt, ob die Regierung ernstlich die Verringerung der Umlauftnittel durchführen wird. Und doch darf sich nach Meinung des c»u8gezeichrceten Volkswirtschaftlers, mit dom Viole andere heworragende Männer und Unterzeichner der Tagesordnung Luzzatti übereiustimmen, die Regierung zur Besserung der italienischen Valuta tlicht, dem Drängen mancher Elentattte nachgcbend, auf die Stabilisierung der Lira beschränket!. Gewiß kann man nicht mit einem Schlag den Krediten für den Handel allzu enge Grenzen ziehen, doch müßte di« Regierung eine gewisse Widerstakrdskraft focit; vorgcbrachben Gesuchen gegenüber zeigen. Nach fachmänuischeu Feststellungen übersteigt der italienische Geldumlauf heute den Bedarf um 17 Milliarden. Durch die Leichtigkeit dor Kroditgowährung wurde sogar das Verhältnis zwischen Krediten und Ersparnissen verschoben: die jkredite hüben sich gegenüber 1913 um 870 Prozent erhöht, die Sparkonti nur um 500 Prozent. Der Stand des Gesainnotentlmlaufes aber ist so hoch, daß die Lira Mit Inland noch stärker entwertet ist als im Ausland. So hat sich, während 'das Gleichgewicht der Siaatssmanzen einige Zweifel auslöst, die Geld- und Krcditlage noch verschlechtert. In Ländern mit gesunder Valuta, wie England, Amerika, der Schweig, Holland usw., wird bekanntlich der Notenumlaus nicht so sehr durch das Gesetz als tloch wirksamer durch die Höhe der metallischen oder gleichwertigen Deckung^beschränkt. Die vom italienischeil Bankgesetz vorgefechene Bremse stl'Mioniert nicht .mehr und so besteht keine tatsächliche Befchrän'kung für den Nobeumnlauf. Der'vollständige Mangel enter gesunden Valutapolitik ist die Ursache der schweren Krise, die das Land' dnrchmacht. ' Das Problem der Inflation muß, namentlich wegen feiner Rückwirkung auf die WechsMnrse, gelöst tverden. Aber um das durchzuführett, ist eine effektive Gefultdung des Budgets und die Lösung des Problems der interalliierten Schulden von'nötou. * Weitere Abschwächung der Westdevisen. An den internationalen Börsen war gestern wieder ein R ü ck g a n g der Westdevifen zu verzeichnen. Die Erholung der Lira war nur vorübergehend, da die von der italienischen Regierung angekünüigten Maßnahmett voll der Kanrmer noch liicht angenolttnten wurden. Die innevpölitischen Schwierigkeiteir Frairkreichs verhindern im Vereill nlit dem Krieg iit Nordafrika eine Erholung des französischen Franken. Die. Lira senkte "ich in Zürich voll 19.50 auf 19.32 und der französische Franken voll 24.32 aus 23.95. Attch die Devisen Warschali, Belgrad und Bukarest waren r ü ckg ä n g i g. 4 Merkurbank. Ordentliche Generalversammlung. Gestern faiw die slebennuddreißigste ordentliche Generalversallttlmg der Meriknrbank statt, in welcher der Bericht uud der Rechnlmgsabschltlß für das Jahr 1924 vorgülogt wurden. Der Bericht bespricht die Krise des Vorjahres und besagt unter anderem: Wir haben an deil zur Milderung der Krisenerscheinnngell in die Woge geleiteten Akaßnahnlen -int gleichen Ausmaße wie die anderen großelt Banken teilgenoutmen; -lediglich an dor Hilfsaktion für die Allgemeine Depositenbank, die schließlich keinen danerndeu Erfolg erzioleu konnte, waren tote nicht beteiligt. Unsere industrielle und kaufmännische Kundschaft ha'be-tl auch wir in dellt notwendigvlt Ausmaße llnterstützt. Durch die Ansdohnnng und Vertiefung unseres internationalen, nailientlich amerikanischen Geschäftes ttnd die Verfügung über bedeutende AuÄandsikredite wurde uns diese .Haltung ermöglicht. Dagegen haben ivir von einem Eingehelt neuer größerer Engagements mit Rücksicht aus die gebotene Bedachtltahute ans eine möglichst große Liquidität int allgentoinen Abstand genommen. Die Umsätze des abgela-üfenen Jahves habe>t neuerdmgs eine wesentliche Evwoiternng ^-fahren. Die Bilanzsumme