Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2272 (18.6.1925)
- Date
- 1925-06-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Bor einer Spaltung der sorialiftlschen Gruppe. — Sie MaroNopoMik geWrdet dar Linlrtartell. (Eigendienst der „Mener Morgenzeitung".) Paris, 17. Juni. Die gestrige Kammersitzung über die Vertagung der kommunistischen Interpellation in der Marokkopolitik -hat der Regierung wohl einen Sieg gebracht, zugleich aber ihre .MmnnerMehrheit, das Linkskartell und damit das Kabinett selbst stark gefährdet. In der sozialistischen Kammerfraktion, von der heute eigentlich das Linkskartell und somit das Schicksal der Regierung abhängt, 'war die Parole ausgegebeu worden, sich der A bst i m m u n g z u e n t h a l t e n, das war die äußerste Konzession, «welche die sozialistische Gruppe der von ihr mit Mißtrauen verfolgten Marokkopolitik der Regierung machte. Aber diese Parole der Parteileitung wurde von einem Teile der Fraktion nicht befolgt. 17 Mitglieder der sozialistischen Fraktion stimmten gegen die Regierung. und durchbrachen damit die Vereinbarung. ' Heute fand nun eine Sitzung der sozialistischen Kammergruppe 'statt, in welcher die gestrigen Vorfälle besprochen wurden. Die Sitzung verlief sehr stürmisch. Es wurde über alle Fraget!, die gegenwärtig im Vordergründe des Interesses' stehen, also über' Marokko, die finanzielle Lage und die Frage der Wahlreform, schließlich aberauch über die Politik des Kar teils im allgemeinen verhandelt. Mehrere Mitglieder, der Partei -sprachen sich gegen eine weitere Unterstützung der Politik des Kartells der Linken" aus und begründeten ihre Meinung mit der U n z u f r. i eden h e i t ihrer Wähler Ser Fremdenkrieg in Wna. Schanghai, 16. Juni. (Reuter.) In S w a t a u >hat der G e n e r a l st reit begonnen. Der britische Konsul hat Schutzmaßnahmen verlangt. In W u h o wurden fremdenfeindliche Versammlungen abgehalten, ohne daß es zu Ruhestörungen kam. In Fntschon, Amoy und Peking ist^die Stimmung erregt. Infolge der Vorstellungen der Gesandten der fremden Mächte läßt die Regierung die großen Bureaus und die ausländischen Geschäftshäuser militärisch bewachen. Tschang-Tso-Lin marschiert gegen Peking. London, 17. Juni. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung aus Peking befindet sich Marschall Tschang-Tso-Lin mit 13.000 Manu auf dem Mar's che na ch P eki itg. Die Vorhut seiner Truppen ist nur noch wenige Kilometer von der Stadt entfernt. Eine neue Note an China. Peking, 17. Juni. (Reuter.) Die -interessierten Mächte haben eine neue Note an die chinesische Regierung gecichtot, in der ihre Aufmerksamkeit ganz besonders auf den Ernst der Lage und ihre Pflichten bezüglich derselben gelenkt tvird. Militärdiktatur in Kanton. Berlin, 17. Juni- (Tel.-Komp.) Wie die „Vossische Zeitung" aus London meldet, hat be(v Militär« u sschnß der Regierung von Kanton heute die Absetznugd es Z iv i lg on v e r u eurs der Stadt beschlossen und-'die Regierung einem d ikta t o r i s ch e n Ausschuß von sieben Mitgliedern der Kuo-Min-Taug- Partei übertragen. Die neue Regierung hat beinahe alle Steuern a b g e s ch a f f t und dem Militärkommandanten untersagt, von der ärmeren Bevölkerung irgend welche Requisitionen einzntreiben. Die gesamten Bertvaltungskosteu sollen durch Kontributionen bei der wohlhabenden Bevölkerung aufgebracht werden. Alle S p i e l h ö l l e n n n d O P i u m höhlen w u rden gefchloffen. mit der Unterstützung der von der Regierung emgeschlagenen Finanzpolitik und besonders der Marokkofrage. Es ist «wahrscheinlich, daß sich innerhalb der sozialistischen Gruppe in der Frage der Haltung gegenüber der Regierung eine Spaltung vollzieht und ein Teil der Sozialisten offett in Opposition tritt. Damit wäre die ohnehin knappe Mehrheit der Regierung stark geschwächt. Das Kabinett Painleve gerät -dadurch in eine schwierige Position, da es leicht geschehen kann, daß es bei einer der schwierigen Fragen, die jetzt ans der Tagesordnung stehen (neben der Marokkopolitik sind die Finanzfrage und die Wahlreformfrage die härtesten Belastungsproben für die Regierung), in die Minderheit gerät. Die Kommunisten aus den Ausschüssen gewiesen. Bor ton Kammerausschüssen für Aeußeres, für Finanzen und für Heerwesen erstattete Ministerpräsident Painleve heute nachmittags ein Expose über die Lage in Mar o k k o. Die kommunistischen Mitglieder dieser Ausschüsse, die sich geweigert hatten/bezüglich der Darlegungen des Ministerpräsidenten Stillschweigen zu bewahren, «wurden von den Verhandlungen ans ge schlossen. Sie versuchten hierauf, in den Berhandl'ungsfaal einzndringen, wurden aber von den Saaldienern und der Parlamentswache -damn Das über diese SitzNW veröffentlichte Comnmniqne enthält keine Angaben über die Erklärungen des Ministerpräsidenten. Ser Gouverneur von Gaza ermordet. Abrahamson in Hebron erschaffen. K. I e x u f a l e «t, 16. Juni (per Radio). In Hebron, dein Zentralsitz der fanatischesten Araberpartei, ist gestern der Gouverneur von Gaza, Kolonei Abrahamson, bei der Durchfahrt durch den Ort erschossen worden. Der Täter konnte noch nicht eruiert werden. Eine Kommission der Gerichts- und Militärbehörden ist nach Hebron abgegangen. Abrahamson, der ein englischer Presbyterianer, also kein Jude war, stand bis zum Vorjahr in transjordanischen Diensten. Entrevue zwischen Lord Plnmer und Sir Herbert Samuel? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 17. Juni. Das Lemiberger „Tagblatt" erhält aus London die Meldung, paß Lord Plumer fein Amt als Oberkommissär von Erez Israel erst im August antreten werde. Bor seinem Amtsantritt werdeder neue Qberkommissär Lord Plumer mit seinem Vorgänger S'-r Herbert Samuel in Tirol zusammentreffen und über die Verhältnisse in Erez Israel konferieren. . Sie Wasserchandekkonvention. 18 Staaten veigetteten. Genf, 17. Juni. (Tel.-Komp.) In der Schlußsitzung der Aöaffenhandelskonferenz, die heute um 2 Uhr nachmittags zu Eyde ging, haben.insgesamt 18 Staaten ihren Beitritt zur Konvention über die Kontrolle des Handels mit Waffen, Munition und Kriegsmaterial angemeldet. Es sind dies: Die Bereinigten Staaten, Großbritannien, Fmnkreich, Italien, Japan, Jugoslawien, Rußland, Polen, Rumänien, Spanien, Indien und eine Reihe kleiner europäischer und südamevikanischer Staaten/ VORZÜGLICHEN schwarzen und weissen KAFFEE "'S ■ miilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll an Kaffeebohnen 1 erreichen Kaffeehäuser, Bars,Hotels eit. ||| m mit der m, „ETERNA-EXPRESS-KAFFEEMASCHINE“ I GEFIAWERKE A.G., WIEN,1!?r",°o' j «==■==== 8 a^=BEL-SZSBiS=sy Der Hader der Weltbesreier. -y. Wien, 18. Juni. Die deutsche Nationalpartei in der Tschecho-Slowakei veröffentlicht den Wortlaut des Warnungsschreibens, das ihr Vorsitzender Dr. Lodgman gegen . den nach Deutschland geflüchteten Abg. Baeran erlassen hat. Baeran, der, wie erinnerlich, wegen Spionage zugunsten Ungarns verurteilt und dann aus der Haft bedingt entlassen worden war, ist von Karlsbad aus ins Ausland gefahren und, wie es heißt, gedenkt er auch nach Wien zu kommen. Er hat die Absicht geäußert, seine politische Wirksamkeit vom Ausland aus fortzusetzen. Herr Lodgman, der dieser Tage in Wien weilte, will diesen Plan Baerans durchkreuzen und warnt die deutsche Oeffentlichkeit vor diesem Mann, den er als haltlos, phantastisch und unverläßlich hinstellt. In dem Schreiben heißt es unter anderem, daß sich Baeran/,der persönlich bedürfnislos ist, -in. ärmlichen Verhältnissen befindet und auf die Unterstützung der Partei angewiesen ist, die ihn? auch einen Teil der Verteidigungskosten in dem Brünner Prozeß abgenommen hat, obzwar sich Baeran einen tschechischen Rechtsanwalt nahm. Das Schreiben hat in den nationalistischen deutschen Kreisen große Sensation erregt. Es hat aber eine über diese Kreise hinausreichende Bedeutung, indem es einen Maßstab liefert, an dem man die persönlichen Qualitäten eines stets als hervorragend hingestellten deutschen. Politikers messen kann. Solange er im vollen Besitz 'der Immunität war, galt er nicht als (wie der Lodgman-Brief schreibt) „eine zum Großsprechen veranlagte Natur mit Autosuggestionen", der man streng vertrauliche Mitteilungen nicht anvertrauen kann. Damals war er nationaler Held und Märtyrer und erst jetzt erfährt man, daß er ein Riesenvermögen (350.000 tschech. K.) „in unüberlegte <oder gar phantastische Unternehmungen" gesteckt und hiebei natürlich verloren hat. Herrn Lodgman, den von der Demokratie zum Hakenkreuz gekrochenen Führer, _ störten diese Eigenschaften Baerans nicht, solange sich dieser nicht durch die Stinkbomben und die Spionage auffällig gemacht hatte. Jetzt erst fällt ihm das alles ein. Es geht nichts über Freundschaft. Der Fall Baeran wird durch diesen Brief zu einer sehr interessanten Angelegenheit. Er ist doch mehr als ein interner Streit in der Häuslichkeit der Hakenkreuzler. Denn dieser Baeran, dem der Brief feine „auf die Instinkte der Massen berechnete" Rednergabe nachrühmt, hat offenbar großen Einfluß auf die Jugend und es scheinen Symptome dafür zu bestehen, daß seine unbe- -kümmerte Art feiner Nation Verlegenheiten schaffen kann. Es wird darum auch alle außerhalb der Hakenkreuzwelt lebenden Politiker interessieren, daß sich in dem Sendschreiben Lodgmans die folgende Stelle vorfindet: FnÄbefondere ist den wehrhaften Freiwilligenvorhänden und den FugelMilnden dringend zn empfehlen, sie möchten sich durch Mitteilungen Baerans nicht zu unüberlegten Handlungen verleiten lassen. Da erfährt man so nebenbei, daß diese gar so friedliebenden und nur parlamentarisch kämpfenden sudeten- ,deutschen Aktivisten wehrhafte Freiwilligenverbände und Jugendbünde unterhalten, die möglicherweise unüberlegte Handlungen begehen könnten. Welchen Zweck haben wohl diese wehrhaften Verbände? Wahrscheinlich nur den, die Kenntnis von der jüdischen Geheimzentrale zu verbreiten...‘ Kleider-Voile in allen Dessins und Farben, per Meter M K 9.800 Ml Schiffmann II. Taborstrafie 48 Telephon 47-1-70 En groi En detail