Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2271 (17.6.1925)
- Date
- 1925-06-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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[Polen: 30 flroszy} Wi en: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma G o 1 d s ch m i e d, I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei Preiserhöhungen Vorbehalten Rk. 2271 Wiener orgeiyettimg iPrels 20 ai England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Buigarien:Mon.lOOLewr. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-IS Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Diuckerei lg. Steinmann) Men. Mittwoch. 17. Fnni 1921 Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang „WEDO“ LUNGENBRATENWURST IST DIE BESTE! 6096_Erhältlich in jeder besseren LebensmUtelhandlung_ Am Ring des Haffes. —7. Wien, 17. Juni. Die französische Note über den Sicherheitsvertrag, durch den die Westmächte die Stresemannschen Vorschläge beantworten, befindet sich bereits in Berlin und ist der deutschen Regierung gestern mittags übergeben worden. Der Inhalt der Note ist bereits in allen Einzelheiten bekannt, obzwar die Veröffentlichung erst für morgen angekündigt ist. Frankreich hat das volle Einverständnis Englands mit der in Versailles erfolgten Grenzziehung erlangt. Die Garantie wird formell und verbindlich nur für. den Westen ausgesprochen. Da jebod) der Friedensvertrag als ein Ganzes, auch in den Teilen zusammenhängendes Werk gilt, so erstreckt sich die Zustimmung Englands indirekt auch auf den Osten, was durch die ausdrückliche Zustimmung der tschechischen und der polnischen Regierung festgestellt erscheint. Es ist anzunehmen, daß diese Regierungen durch bisher noch unbekannte Kommentierungen der Großstaaten über ihre ersten Zweifel aufgeklärt wurden. Die französische Regierung sieht sich außerdem noch veranlaßt, bekanntzugeben, daß sie die Annahme ihrer Note in Berlin an zwei Bedingungen knüpft, deren erste sich aus die eventuellen Sankttonen, die zweite auf das nachdrücklichst wiederholte Anschlußverbot. für Oesterreich bezieht. Schließlich verlangt Briand noch den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und die Schlichtung aller eventuell eintretenden Grenzstreitigkeiten durch Schieidsgerichtsverträge. , Im ganzen liegt somit wieder ein außerordentlich kompliziertes Werk vor, das den Weltfrieden einer Menge der gefährlichsten Belastungsproben aussetzt. Der von diesem Vertragssystem angestrebte Zweck war zunächst der, Deutschland zu binden und nirgends eine einseitige Korrektur des Versailler Friedens zu gestatten. Dieses Ziel wäre einfach und sicher durch die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund zu erreichen gewesen, was. auch noch angesichts der Hindenburg- Wahl ein nicht unbeträchtlicher diplomatischer Sieg über das chauvinistische Alldeutschtum gewesen wäre. Aber die Entente nimmt Deutschland nicht mehr als vollwertigen Partner an. Sie sieht die drohenden Symptome des vom Stinnes-Krach sich wellenförmig ausbreitenden Verfalls, der an der stärksten Säule des Wirtschaftsbaues, bei der rheinischen Schwerindustrie, einsetzt. Was diesem Zusammenbruch des stolzen Stinnes-Konzerns vorangegangen ist, die bis heute noch nicht aufgeklärte Doppelbezahlung der Ruhrmagnaten aus Staatsgeldern, die Versuche der Stinnes- Presse, den kommenden Sturm durch die antisemitisch ausgemachte und jämmerlich zerschellte Barmat-Affäre auf die Juden abzulenken, die Verbindung der Schlotherren mit den agrarischen Junkern durch Hochschutzzölle ,den Ruin der Republik herbeizuführen — das alles deutet darauf hin, daß Deutschland auch die weltwirtschaftliche Position nicht mehr behalten kann. . Die Signatarstaaten rechnen mit schweren inneren Unruhen, die sich vielleicht auch nach außen Luft zu machen versuchen würden. Das ist eine Kriegsrechnung und ,das System von bis zur Unübersichtlichkeit üneinandergeschachtelter Bündnisse und Schiedsverträge zeigt dies deutlich. Es beweist aber auch, daß Deutschland vor sehr schwere Entschlüsse gestellt ist. Der Pakt, der ihm vorgelegt wird, ist die Stabilisierung des Versailler Friedens. Er schiebt das Schwergewicht für ein Menschenalter nach Frankreich. Das blindwütige Treiben der von . der Schwerindustrie und von den Junkern gemeinsam ausgehaltenen Nationalistenbanden hat dies zustandegebracht und Briand den großen Triumph gesichert, den ihm der englische Liberalismus nicht zubilligen wollte. Das Werk der Clemenceauschen Rachepolitik, tritt nunmehr in das zweite Stadium.. Die Siegfriedler, die damals noch auf eine Aendevung der weltpolitischen Konstruktion hoffen konnten, sehen jetzt erst die Früchte des Krieges, den sie herausgefordert hatten. Sie haben das deutsche Volk an der Konsolidierung verhindert, seine Aussöhnung Hintertrieben und es in den Ring des Hasses geführt, der sich nunmehr für lange Zeit schließt. Die Isolierung Deutschlands ist zur Taffache geworden. Die Ludendorffler haben so lange geschrien und gedroht, bis ihnen die Entente alles geglaubt und sich gesichert hat. Den Schaden trägt das deutsche Volk, der deutsche Arbeiter und der deutsche KausWmn- [ „Ganz Rordasrika steht auf dem Spiele." Painleve beschuldigt die Kommunisten des Sokumentendiebftahls. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 16. Juni. In der Kammer kam heute nachmittags die Marokkointevpellation des kommunistischen Abgeordneten Dorr ot neuerlich zur Sprache. Hierbei ergriff Ministerpräsident P a i n I e v e das Wort und erklärte: ,^Jch verstehe es, wenn die Kammer ungeduldig ist, über die Ereignisse in Marokko unterrichtet zu werden. Ich kann heute über die Operationen in Marokko nicht sprechen, halte mich aber zur Verfügung der Kommissionen. Vielleicht wird es möglich sein, anfangs nächster Woche die Debatte über Marokko zu eröffnen. Ich ersuche aber die Kammer, der Initiative lhes Abgeordneten Doriot Nicht zu folgen, denn ganz Nordafrika steht auf dem Spiel e." Zu den Kommunisten gewendet, fuhr Painleve fort: „Es sind gewisse Dokumente entwendet worden, nur um den Interessen der kommunistischen Partei zu dienen, ohne zu bedenken, daß damit die Unterhandlungen mit einer befreundeten Nation (Spanien) gefährdet ■ werden." Schließlich forderte dev Ministerpräsident die Kammer auf, die Verhandlung der Interpellation auf unbestimmte Zeit zu vertagen. In diesem Sinne beschloß die Kammer mit 436 gegen 34 Stimmen, die Interpellation des kommunistischen Abgeordneten D 0 r i 0 t über die Operationen in Marokko erst zu verhandeln, wenn alle übrigen vorgomerkten Interpellationen erledigt sein werden. Die S 0 z i a l ifke n ett th i e l k-e n sich, der Stimmenabgabe. : ' :; " Dev kommunistische BrieMebstahl. Nach Schluß des heutigen: Ministerrates wurde mitgeteilt, daß der Chef des Zivilkabinetts des Marschalls Lhautey, V a t i n - P e r i g n 0 n, de misst oniert hat. Vatin-Pevignon hat an den Neffen des Marschalls, Pierre Lyauteh, nach Paris einen. Brief.geschrieben, der von Kommunisten entwendet und dann von dem Deputierten Doriot in der Kammer verlesen wurde. Painleve erklärte vor Pressevertretern über seine marokkanische Reise, daß' alle Maßnahmen zur Unter- PalMim vor der MandatskommWon. Genf 16. Juni. <J. T. A.) Am 26. d. wird in Genf die neue Session der Mandatskommission des Völkerbundes beginnen. In erster Reihe werden die Angelegenheiten der Mandatsländer Kamerun, Togo u. a. m. zur Behandlung kommen. Möglich ist aber auch, daß P a l ä st i n a f r a g e n zur Diskussion gestellt werden, wie. zum ^Beispiel die Vorlage des Koloniermnnifters Amery über die Gelvährung einer Reichsbegünstigung für Palästina sowie die Petition der palästinensischen Araber an den Völkerbund. ' Kongreß der Union der Böllerbnndligen. Anfangs Juli in Warschau. Warschau, 15. Juni. Die internationale Union der Völkevbundligen wird in den ersten Tagen des nächsten Monats in Warschau tagen. Der Kongreß wird von außerordentlicher Wichtigkeit sein, insibesondere für die nationale» Minderheiten Europas, denn es werden an dem Kongreß mehrere wichtige Fragen der Minderheiten erörtert. " Sie belgische Kabinettskrise gelstst. Das katholisch-sozialistische Kabinett Pouttet. Brüssel, 16. Juni. (Tel.-Äomp.) Nach zweitägigen, ununterbrochenen Verhandlungen ist heute abends die belgische Ministerkrise gelöst worden. P 0 ullethat die folgende, von allen Parteien genehmigte. Ministerliste zusammengestellt:.Ministerpräsidium: P 0ullet; Vizepräsidium und Aeußeres: Bandervelde; Landwirtschaft: v a n d e B Y v e r e; Justiz: Tsch 0 ffen; Kolonien: T h i b a u d; Krieg: General Keestens; Eisenbahnen: A n z e e l e; Industrie und öffentliche Arbeiten: Wauters; Schöne Küyste: Camille H u y smans. Das neue Kabinett setzt sich sonach aus Sozialisten und. Katholiken zusammen. drückung des Waffen- und Munitionsschmuggels für die Kabylen nunmehr getroffen werden würden. lieber beabsichtigte Aenderungeu im Kommando der französischen Armee in Marokko weigerte sich bet Ministerpräsident, irgend welche Mitteilungen zu machen, gab aber zu, daß solche Aenderungeu unter tt W' ständen getroffen werden könnten. . Weygand tritt an Stelle Lyauteys'k In den Abendstunden verlautete, daß General Weygand, der frühere Generälstäbschef und Oberkommissär in Syrien, an Stelle Lyauteys den Oberbefehlüber die fr a nz ö s i s ch e n Streitkräfte i,n Marokko übernehmen soll. Die Entsendung Weyigands wird mit einer bevorstehenden französischem Offensive in Marokko in Verbindung gebracht. Finanzdiktatnr in Frankreich? Caillaux hält seine Sanierungspläne geheim. . (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 16. Juni. ,/Oeuvre" veröffentlicht heute -einen von dem radikalen Deputierten Dubais gezeichneten Artikel, der aber, wie man glaubt, von Caillauz selbst inspiriert ist. . Der Artikel iritt mit Entschiedenheit, der landläufiger Auffassung entgegen, -daß der F r ä u k e n st u r z .■ der ausländischen Spekulation zuzufchreiben /sei, die im. Gegenteil eher versuche, den Franken ho ch zu h alte n. Wenn man eine Spekulation verhindern wolle, dann müßten die Sanierungspläne Caillaux' bis zum letzten Au geübt i ck ge heim b l e i b e n u n d i n e t n c x einzigen geheimen Nachtsitzung von der Kammer und dem Senat erledigt werden, so daß -die vorgef-chenen Maßnahnten bereits am folgenden Morgen zur Durchführung gelangen könnten. Auch dürfe.man eventuell vor einer Finanzdiktatui nach tschechischem -Muster nicht znrückschrecken. Sie armenischen Flüchtlinge. .Moskau, 16. Juni. (R. T.-A.) Eine von Fritjof Nansen geführte Sachverständigenkommission ist in B a t u m eingetroffen, von wo. sie sich nach A r m c n i c n «begeben wird, um gemeinsam mit einer Kommission der Sowjetregierung! von Armenien die Möglichkeit einer Massenheimbeförderung der sich in den Ländern des nahen Ostens aufhaltenden armenischen Flüchtlinge $u untersuchen. Sie Sicherheitsnote. * Veröffentlichung erst Freitag. Berlin. 16. Juni. Wie das Wolffsche Bureau berichtete, war zunächst in Aussicht. genommen, die heute vom französischen Botschafter übergebeneu Note in der Sicherheitsfrage am Donnerstag zu veröffentlichen. Soeben wird dem Wolffschen Bureau mitgeteilt, daß die beteiligten Regierungen sich nachträglich dahin geeinigt haben, die Ber.ö ff e n t l i ch u n g e r st Freitag morgens vorzunehmen. " _ Pafit zieht sich zurück? Belgrad, 16. Juni. (Tel.-Komp.) Ministerpräsident P a s i c wird sich auf Rat der Aerzte Schonung auferlegen und sich aus diesem Grunde für einige Zeit von d e n St a a.t s g e f ch ä f t e n z u r ü ck z i e h e n müssen- Ser Müsche Rationaiseiertag abgelehnt. Berlin, 16. Juni. (Wolfs.) Der Reichstag lehnte heute den Antrag des Ausschusses auf Einführung des 18. Jänner, des Tages der Gründung des Deutschen Reiches, als Nationalfeiertag mit 193 gegen 138 Stimmen ab. Gegen den Antrag stimmten die Kommunisten, die Sozialdemokraten, die Demokraten,, das Zentrum und die bcchrifche Bolkstzart«,