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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-15 · Heft 2269 (15.6.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2269 (15.6.1925)
Date
1925-06-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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' | Polen iJIO srorrvl Wien: Zum Abholen in der Expedition, IL Taborstr. 1-3, oder In einer Verschleisstelle 'Trafik) monatl, 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei; Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen hei P r e l *- crhOhnngen Vorbehalten ucen Wiener das mühelose Parkett - Girr. n-ri'el Erhältlich ln allen elnrchia^ijcn > ct :i, :> Preis 20 al England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bulgarien :Mon.lOOLewr. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. I Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Rr. 2269 Wie«. Montag. 15. S«ni 1925 7. Jahrgang „W EDO“- KABANOSSEN sind die besten SOMMERWORSTE! Erhältlich in jeder besseren Lebensmittelhandtang Ausdehnung der Unruhen in Shina. Generalstreik in Peking. — Plünderungen. London, 15. Juni. Nach Meldungen aus Schanghai haben sich die fremdenfeindlichrn Kundgebungen auf das flache Land hinaus ausgedehnt. Tschangsolin hat beim Einzug seiner Truppen in Schanghai erklärt, daß er keine feindlichen Absichten gegen die Ausländer habe, sondern nur die Ruhe und Ordnung sichern wolle. Der Präsident der sogenannten nationalistischen Universität in Schanghai veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt, daß die Ausländer in Schanghai mit dem Feuer spielen und daß sich die Lage nur verschlimmern würde, wenn sie sich weiter als die Herren aufspielen wollten. Er verlangt die Abberufung des Polizeipräsidenten Everson und Entschädigung für die Angehörigen der getöteten Studenten. Wenn die Bewegung nicht bald aufgehalten werde, so werde China dem Bolschewismusverfallen. In Peking ist für heute der Generalstreik angesetzt. Die ausländischen Zeitungen in Peking und Schanghai können wegen des Streiks des chinesischen Personals nicht erscheinen. Nach Meldungen aus Kiukiang wurden das englische und japanische Konsulat von Chinesen angegriffen. Einem Konsul gelang es, die Archive zu retten. Die Menge plünderte mehrere Kaufhäuser, darunter das Stammhaus der englisch-japanischen Schiffahrtsgesellschaft, das niedergebrannt wurde. Me republikanische Demonstration in Santt Pölten. Der Reipinblikainisiche Schutzbund nuhm gestern eine Fahnenweihe in St. Pölten zum Anlaß einer großen Demonstration gegen die Hakenkreuzlerei. Es wurden 20.000 Ordner in dem Städtchen zusammengezogen. Die Festrede hielt Abg. Dr. Deuts ch, der erklärte, daß der Mödling er Ue Her fall!' die letzte derartige Tat der Faszrsten Aeibon werde. Ans Oesterreich müsse wieder ein Rechtsstaat werden. Italien gegen de» Anschluß Sefterreichr an Deutschland. Rom, 15. Juni. Senator Scialoja, der Vertreter Italiens 'beim Völkerbund, erstattete gestern Mussolini den Bericht über die letzte Tagung. In einem Interview in der „Tribuna" erklärt er: „Wir können uns am Rheinpakt beteiligen und ein Sonderabkommen mit Frankreich gum Schutze des Brenners hinzufügen. Die Bereinigung Deutschlands mit Oesterreich könne nicht erfolgen, da Frankreich und Italien dagegen sind und durch das Völkerbundstal nt die Verpflichtung haben, dagegen anlsßutreten." Me stanzöstsche Note in Berlin. Paris, 15. Juni. Nach einer Meldung des „Petit Parisien" befindet sich die französische Antiwortnote über den Sicher h eitspakt bereits in den Händen des französischen Botschafters in Berlin, der sie morgen überreich e n wird. 48 Stunden nach der Ueberreichung wird die Note mit allen Znsatzdokumenten veröffentlicht werden. Die Note umfaßt fünf Maschi nenschreibseiten. Der Inhalt läßt erkennen, daß die Verhandlungen noch vor Zusammentritt des Völkerbundes zu eine nt Abschluß gebracht werden sotten. Abschied Lord Allenbtzr von Kairo. Kairo, 15. Juni. Der frühere Oberkommissär von Aegypten, Lord A l l e n v h, hat Kairo verlassen. Die englische Kolonie gab ihm ein Abschiedsfest, bei welchem das gesamte diplomatische Korps erschien. Der König von Aegypten hatte sich vertreten lassen. Bethlens Rückreise. Der ungarische Ministerpräsident Graf Bethlen weilte gestern nachmittags auf der Rückreise von Gens durch zwei Stunden in Wien. Cr konferierte mit dem Gesandten Masirevics und reiste um 5 Uhr nach Budapest Iveitor. > Dos neue PalMno Das Kerrn-Haieffod-Werk im Mürr und April. Die Promptheit, mit der der Keren Hajessod imstande war, dieses Jahr das Budget für Palästina zu übermitteln, hat die bortifve Aufbauarbeit sehr erleichtert. Diese erfreuliche Tatsache hat der Exekutive in Jerusalem ein' Dorwärtskommen bei der Durchführung ihrer Pläne ermöglicht und einen guten Antrieb gegeben, der die ungünstigen Wirkungen sehr abschwächte, die infolge des Mangels an Regen im ersten Teile des Jahres zu befürchten waren. Die Ueberweisungen des Keren Hajessod nach Palästina betrugen im April 28.942 Pfund, wodurch der Totaleingang für Rechnung des regulären Budgets auf 218.863 Pfund stieg. Auf diese Weife wurde nicht nur das gewöhnliche Budget für die ersten fieben Monate gedeckt, sondern es wurde auch ein Saldo zugunsten der zweiten Jahreshälfte von etwa 6000 Pfund erzielt. Solle der Keren Hajessod in der glücklichen Lage sein, auch ferner so regelmäßig Geld nach Palästina überweisen zu können, so würden einige solide Grundsteine für den Aufbau des Nationalheims gelegt werden können. Der fast gänzliche Mangel an Regen, von dem wir oben sprachen, war hauptsächlich im Februar und März fühlbar. Ende März waren die Aussichten .für die Siedlungen sehr trübe. Am 2. April jedoch begann es zu regnen, und zwar in genügender Menge, so daß ein großer Teil der Winterernte gerettet und der Erfolg der Sommerernte gesichert werden konnte. Der Stand der Weizenernte ist. sehr befriedigend, besonders im westlichen Teile des Nuris-Komplexes, bei Nahalal und ig der Haifa er Gegend. Im östlichen Dell von Nnris ist'die Lage nicht so--güiHig. undim'den Siedlungen am Kmerethsse ist der' Stand der Ernte ziemlich kläglich.. Bewässerungspläne. Um in Zukunft unsere Siedlungen im Emek von den Regenfällen unabhängig zu machen, ist ein Plan für eine Bewässerungsanlage auf breiter Grundlage entworfen worden, und man trifft die nötigen Vorbereitungen, den Plan zur Ausführnng zu bringen. Ein Teil des Planes, der darauf 'abzielt, eine Fläche von zirka 900 Dunam in Daganiah und Kinereth' zu bewässern, wird bereits aus gerührt. Bis zum März waren ein 80pfevdiger Dieselmotor und die erforderlichen Rohren bestellt, und nach Verlaus von einigen Monaten werden diese Siedlungen imstande sein.. Gemüse. . Obst und Futter während des ganzen Jahres zu züchten, wodurch ihre Lage wesentlich günstiger sein wird. Baupläne in den Siedlungen. In den Siedlungen Ai n- Chai und Kfar Jecheskel hat man mit dem Bau von Kuhställen begonnen, die jetzt fertiggestellt sind, ebenso die Wasserreservoire in Schchunat Borochow und Merchawia. Ferner trifft man Vorbereitungen für den Bau von Häusern in der transsykvanischen Kolonie und in Giwa. In Schchunat Borochow wurde der Grundstein eines Hauses für die Mädchenfarm gelegt, zu dessen Kosten Herr Chanoch aus Südafrika dem Nationalfonds 500 Pfund gespendet hat, Ivährend der Keren Hajessod für den gleichen Zweck einen ähnlichen Betrag in seinem Budget festgesetzt hat. In Tel-Adas und iit der neuen Siedlung Kerkus hat der Keren Hajessod den Beginn des Baues sowohl von Hausern wie auch von Ställen ermöglicht. In Kerkus werden diese Baulichkeiten auf den Ländereien errichtet werden, die der Londoner Achusah gehören. Ferner wird vom Keren Hajessod ein großer Bauplan vorbereitet, durch den die Verlegung der landwirtschaftlichen Gruppe auf dem Boden von Nuris auf endgültige Bauplätze auf der Anhöhe gegenüber der jetzigen Siedlung möglich sein wird. Der Keren Kajemeth l'Jsraol kaufte kürzlich auf diesem Hügel 6000 Dunam Böden. Milchviehzucht. Im März und April wurden aus Keren- Hajessod-Geldern 6000 Pfund zum Ankauf von Kühen für. die Siedler in Beer Jakob, Kfar Saba, die tranSshlvanffche Kolonie, Kfar Ur>a, Kfar ■ JecheSkol und Ain-Charod und für die Gruppen Ain-Charod und Tel Josef verwendet. Nachstehend die Eingänge aus dem Verkauf der Produkte der Keren-Hajessod-Siedlungen durch den Hamaschbir. März April Pfund Milch.. . . 2.748,68 2.943,29 Gemüse. . Eier . . . Geflügel. . Verschiedenes 215,08- 166,46 60,70 21.03 156,81 110,92 108,88 89.85 Insgesamt für die beiden Monate. 9.206,95, resp. 3.409,75, wodurch sich der Gesamteingang durch den Verkauf von Bodenprodukten durch den Hamaschbir für die ersten sieben Monate des Jahres auf 20.279 Pfund stellt Eine neue misrachistische Baukooperqtive. Die Misrachi- Organisation hat unter dem Namen ..Olm Bvnim" eine kooperative Baugesellschaft geschaffen, die öffentliche uud private Arbeiten übernehmen wird. Die Gesellichaft hat von der zionistischen Palästmaexekutive eine Anleihe von 300 Pfund für die Weiterführung der Arbeiten in einem Steinbruck) in der Nähe der misrachistischen Siedlung „Nove Jakob", einige Kilometer nördlich van Jerusalem.' erhalten. . . - . . Darlehen an Arbeiter. Die Lage des Arbeitsmarktes in Palästina blieb befriedigend. Die neuen Einwanderer. die im März und April eintrafen, haben schnell Beschäftigung gefunden. Durch das Arbeitsdepcrrtement 'leistete der Kören Hajessod der jüdischen Baukooperative Solel-Boneh finanzielle Hilfe und ist au dieser Gilde beteiligt. Infolgedessen konnte der Solel-Boneh feine Steinbrnchabteilung vergrößern und ist im. Begriff, auf kaufmännischer Grundlage eine besondere Genossenschaft daraus zu machen. Zum Zweck des Kaufes der erforderlichen Maschinen und der Durchführung der Arbeit hat man der Gesellschaft ein Darlehen von 1000 Pfund gegeben. Diese Steinbruch-Abieiluug bat etwa 100 Arbeiter zu gelernten Steinhauern und Steinbearbeitern ausgebildet, und es besteht die Hoffnung.' daß die künftigen Häuser in Jerusalem durch jüdische Arbeit erbaut Werden, so wie es in Tel-Awiw der Fall ist. Was die, allgemeine Tätigkeit des Solel-Boneh anlangt, so begann er «seine Arbeit am 1. Mai 1924 und erhielt während der ersten zwölf Monate seines Bestehens, das heißt bis zum 1. Mai 1925, Aufträge zum Bau von Wegen und Häusern im Betrage von 220.308 Pfund, von denen bereits für 129.840 Pfund ansgeführt sind, also etwas mehr als 10.000 Pfund pro Monat. Zu diesem Betrag müssen etwa 2000 Pfund pro Monat für Arbeiten hinzugerechnet werden, die für Rechnung des früheren Misrad Laawodoth Ziburioth beendet wurden .Während der abgelaufenen Periode wurden durchschnittlich 1500« Arbeiter monatlich beschäftigt. Ein weiteres Darlehen im. Zusammenhang mit der neuen Sternbrechindustrie wurde vom Keren Hajessod durch das Arbeitsdepartement gewährt und während der letzten Monate zur Auszahlung gebracht. Es betrug 300 Pfund, und wurde der Genossenschaft „Olim Bonim" gewährt. die von der Misrachi-Organisation geschaffen wurde. Der Steinbruch. in «dem diese Leute arbeiten, Ivollen, liegt bei dem neuen Misrachi-Viertel Newe Jakob, .einige Kilometer nördlich von Jerusalem.' ' Einwanderung. In den Monaten März und April fand die bisher stärkste Einwanderung nach Palästina statt. Gemäß den offiziellen Negierungsziffern kamen im März 3154 Einwanderer. von denen 1363 bemittelte Leute waren-, und 1178 gelernte und ungelernte Arbeiter mit ihren Angehörigen an. Außerdem zählte man im März noch 8000 'Touristen und 1757 zurückkehrende Bewohner des Landes. Im April sind schätzungsweise 2500 Leute ieingetroffeu. Unter diesen Umständen' ist es nicht zu verwundern, daß die Ausgaben das Jmmigrationsbudget des Keren Hajessod wieder überstiegen. Im März betrugen die Ausgaben für Einwanderung 4090 Pfund, im April 3532 Pfund. Es ist klar, daß die Bedürfnisse dieser neuen Einwanderung erhöhte Einnahmen fordern, die zur Verfügung des Keren Hajessod gestellt werden muffen. Die Baum- und Obstanlagen. Die letzten Regenfälle waren für die verschiedenen Pflanzungen sehr segensreich. Im vergangenen Winter waren auf Kosten des Keren Hajessod Versuchs mit einer Anzahl Dattelpalmen gemacht worden.. Mehr als 70 Prozent dieser Schößlinge sind gediehen und entwickeln sich befriedigend. Man hofft demnach, gute Erfolge mit Dattelpalmen im Emek und im Jordantal erzielen zu können. Im Laufe dieses Jahres sind große Flächen in Tel-Adas mit gewöhnlichen Baumen bepflanzt worden —etwa 22.000; leider sind infolge des fehlenden Regens ziemlich viele dieser Bäume eingegangen. In anderen Siedlungen hat man bessere Resultate erzielt/ zum Beispiel in Dilb, und was die Orangen- und Bananenpflanzungen in den Siedlungen am Kinerethsee anlangt. so sind sie gut gediehen und versprechen schöne Ergebn-iffc für die Zukunft. Weitere Aussichten auf das künftige Gedeihen der Keren-Hajessod-Siedlungen bietet der zufriedenstellende Stand -der Weingärten, die während -er letzten zwei oder drei Jahre angelegt worden sind. In einigen Siedlungen können die Aussichten als vortrefflich bezeichnet werden. Die besten Trauben wachsen in Giwa, Beth Alpha und Zerifim, obgleich auch Nahalal und Tel-Adas schöne Früchte aufweisen können. Die Farmer wenden diesem Zweige des Gartenbaus besondere Aufmerksamkeit zu; gute Preise für Taseltraubeu stehen in Aussicht. Günstige Lage des Arbeitsmarktes. Nach einem Bericht der zionistischen Palästinaexekutive für März uud April werden neue jüdische Arbeitskräfte schnell untergebracht. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist weiter befriedigend und ans keinem Gebiet ist eine bemerkenswerte Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Dem „So-lel-Bonch" wurde von der Palästinaexekutipe zum Ankauf weiterer Maschinen aus dem Keren-Haieffod-Büdget eine Anleihe voll 1000 Pfund gewährt, wovon das Arbeitsdvpartenwnt 700 Pfund und das Departement für Handel und Industrie 800 Pfund hergab. Die 'Abteilung „Steinbruch" des &okh Boneh wird demnächst in eine G. m. b. H. verwandelt und unabhängig von der Stannnorgattisativn geführt werden. Aufträge in Maschinen. Aus den Geldern des Keren Hajessod sind drei große Dreschmaschinen für die Siedlungen Ain-Charod. Tel-AdaS und. Djinjar gekauft worden, ebenso wurden Aufträge für Erntemaschinen erteilt. Die Heuernte ist jept vorbei. Einige Kolonien hatten sogar noch einen Ueberschuß zum Verkauf und haben sich dadurch gllte Einnchmeguellen gesichert, da Biehfntier hoch im Preise stcht. Fast zehntausend Fremde im April. Einem offiziellen Jernjalenler Bericht von Ende Mai ist zu entnehmen, daß 9099 Fremde — Durchreisende, Touristen und Pilger — tm Laufe des Monats April nach Palästina gekommen sind. Diese Ziffer übersteigt die bisher höchste Zahl um mehr als 1000.

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