Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2267 (13.6.1925)
- Date
- 1925-06-13
- Page
- Seite 5 (sequence 12)
- Language
- German
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Wien, Samstag »lenet 13. Juni 1925 «ette 5 tzerWrsaal. Stt Miersdorfer Skandal vor Gericht. Verschleuderung, Riefenvezüge, Wohnungskauf und Geschenke. Gestern wurde die Verhandlmvg wieder ausgenommen. Es wurde die Besprechung des sogenannten Pappenheim- Bertrages vonr 7. Jänner 1924 begonnen. Der Angeklagte Neuhöfer bezeichnet die Firma Florenz u. Co. als eine Art Dachgesellschaft, in der alle Unternehmungen, an denen die Herren Pappenhcim und Steinfeld beteiligt sind, vereinigt waren. lieber das Geschäft selbst, über das in der Oeffentlichkeit viel gesprochen wurde, und in dem man, wie der Angeklagte selbst sagt, eine umfangreiche Verschleuderung der Vorräte sah, dringt Neuhöfer folgendes vor: In Wölkersdorf hat sich die Fabrikation der MEitionswerke auf Friedenswirtschaft eingestellt und es wurde» wahllos, d. h. ohne sich um den Absatz oder um die Rentabilität zu kümmern, Fabrikate hergvstellt, nur damit Maschinen und Arbeiter Verwendung finden. Es war auch eine Unzahl von einzelnen Dingen vorhanden, die überhaupt nie absetzbar waren. Es hat rnich also als Kaufmann schr gefreut, sagt Neuhofer, als ich eines Tages gelegentlich eines Gespräches mit dem Industriellen Pappen heim sein« Gencigcheit zur UeLernahme von landwirtschaftlichen Maschinen und Metallwaren vernahm. Schließlich kanr mit ihm ein Vertrag zustande. Das diesbezügliche Usbeveinkommen als Vorvertrag habe ich dann den Bnndesvertretern Rücker und Hillln g-o iunterbreitet Ministerialrat Rücker war sich darüber Kar, daß die Preise niedrig waren. Der Vorsitzende hält Neuhöfer die Aussage des, Leiters der Abverkaufsabteilung Major Hausse vor, wonach diesem, als er sich über die zweimaligen Preisnachlässe erstaut zeigte, von Neuhöfer oder von Pappenheim eine Zuwendung «n Aussicht gestellt wurde. Neuhöfer protestiert gegen diese Zumutung. Er erklärt weiters, daß'die Schuldenlast von 30 Milliarden Kosten von monatlich 500 Millionen an Zinsen verursachte, die er durch Abverkäufe abzubürden versuchte, Der Vorsitzende bringt nunmehr die hohen Bezüge der Direktoren sowie die großen Regiespesen zur Sprache. Die Spesen wuvden vom Exekutivkomitee festgesetzt. Futter bezog 8000 englische Pfund, Neuhofer 1800 jährlich. Dem Präsidenten des DerwaltungSrateS P i t t n e r wurden 2000Goldk r o n e n, den Mitgliedern des Exekutivkomitees H i l l i n g e r, Sklarz und Neumann je 1000 Goldkronen monatlich gugebilligt. Allen Direktoren und Verwaltungsräten standen Automobile zur Verfügung. Der Angeklagte berichtet hierauf über seine Bemühungen,,!den Wöllersdorfer Apparat abzubauen. Die Sachverständiigen berechnen für die in Betracht kommende Zeit 27^ Milliarden an Regien. Zuzüglich der löprozentigen Abverkaufspxovisüm ergibt sich die Summe von 35,4 Milliarden. Da der Gesamtertrag der Abverkäufe 65 Milliarden ausmäche, so sei mehr als die Hälfte ohne Zinsen bloß für Regien verwendet worden. Der Angeklagte beruft sich demgegenüber darauf, daß der Apparat sehr teuer gewesen sei. Es wurden zirka 300 Leute beschästW, -deren Löhne 10 bis 12 Milliarden ausmachten. -Es kommt nun die Frage des Wohnungskaufes für Sklarz zur Sprache. Die Wohnung kostete 1,4 Milliarden. Die Sache wurde im Exekutivkomitee behandelt und man befürchtete, daß dieser WchnungSkauf in der Öffentlichkeit großen Staub auswirbeln werde. Sie mutzte aber gekauft werden, sonst hätte man Hotelspesen für Sklarz zahlen müssen. Der Vertreter der Finanzprokuratur Oberfinanzrat Schwalbe fragt, mit welchem Recht auch noch die Kosten für den Haushalt des Sklarz bewilligt wurden. — Dr. Katz: Lesen Sie den 8 20 der Statuten von Wollersdorf nach. Dort ist es begründet. — Oberfinanzrat Schwalbe: Es ist w i r klich nett, daß der Vorstand nicht beschlossen hat, auch für den B e r l i n e r H a u s h a l t des Herrn Sklarz aufzukommen. — Dr. Fried: Hat Sklarz die Wohnung noch? — Angeklagter: Die Räume sind an ge fordert, die Mlöbel hat er noch. — Bors.: Wir kommen jetzt zu de« Vorschüsse n. In welcher Höhe bekamen Sie Vorschüsse? — St a at sanw.: Ich schicke der Besprechung des Faktums voraus, daß ich mir eine Verfolgung wegen Beru n treu rr n g Vorbehalte. — Der Angeklagte erzählt, daß er bei der Metallum ein Guchaben von 18.600 englische Pfund hatte. Als er nach Wien kam, wollte er sich hier einrichten und ein Haus kaufen. — StaatSanw.: So entnahmen Sie der W. W. A. G. 6,6 Milliarden, trotzdem Wollersdorf damals in großen Geldnöten war. — A n g e kl.: Wöllersdarf hat aber dabei nichts verloren, da der Betrag sofort auf das Konto der Metallum übertragen wurde. — Vors.: Warum haben Sie das Geld nicht gleich bei der Metallum «behoben? — A n g e k l.: Ich gestehe ein, datz ich an der Z i nsend is f er e n z verdienen wollte. Uebrigens ist der Borschutz von mir zurückgezahlt worden, als ich aus WöllerSdorf anSschied. — Oberfinanzrat Schwalbe konstatiert, datz der Porschntz erst geregelt wurde, als Generaldirektor Treüitsch sein Antt antrat. — Vors.: Wir gelangen jetzt zu der Entnahme von 76 Millionen auS dem geheimenDispositionsfonds. Wozu haben Sie das Geld verwendet? — Angekl.: Zu Propaganda- und Geschenkzwecken. Eine nähere Auskunft verweigert der Angeklagte aus Gründen der D i sk r «t i o n. — S t a a t s a n w.: In den Akten befindet sich «ine polizeiliche Note, die kur; besagt: „Neuhöfer allein ist in der Lage, über Mitteilungen qujiem Publikum. 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Das Oberla nde sgeri ch t Wien hat über Berufung des Vertreters der Beklagten, Dr. Heinrich Brüll, dieses Urteil des ZivillandeSgerichtes abgeändert und das Klagebegehren abgewiesen. Nunmohr hat der Oberste Gerichtshof in nichtöffentlicher Sitzung die von Dr. Z a lm a n,n ergriffene Revision zur ü ck ge w iese n. In der U r t e i l 8 b e g r ü n d u n g des Senates, in welchem Senats- Präsident Pascolcto den Vorsitz führte, wird ausgeführl: Der Kläger verfällt in den verbreiteten Irrtum, datz es dem Gerichte zukomme, einen Vertragswillen abstrakt dort zu konstruieren, wo sichtlich kein Zweifel bestehen kann, datz sich der V e r t r a g s w i l l e mit der Frage der Wirkung der Gel dentwcrtung überhaupt nicht befaßt hat. Eine freie Findung eines Parteienwillens ist dom Gerichte verwehrt. Der Wille, der rricht vorhanden war, kann arrch nicht geschaffen und nicht anSgel-egt werden. Die „arischen" Aktien der Hakenkreuzbank Das Handelsgericht unter Vorsitz des Hofrates Dr. E n g e l beschästigre sich Mittwoch mit einer Klage der .Konkursmasse des verstorbenen Dr. Hans Hedenigg gegen Samuei Brauner ans Ung ü l t i g k « i t s e r k l ä r u n g eines > S ch i e d ü v e r t ra g e S. In der vom Konkursmasseverwalter Dr. Robert Gr übel vertretenen Klage wird ausgeführt, der seinerzeitige geschäftSführcnde Verwaltungsrat der Deutschen Bodenbank Dr. -Hans Hedcnigg (der bekanntlich in Wien verhaftet wurde und Selbstmord begingt habe im Juli 1923 430 Stück Aktien bev Deutschen Bodenbank um 7.880,000.000 K. an Samuel Bronner als angeblichen Bevollmächtigten einer reichsdeutschen arischen Gruppe verkauft. Nachher habe jedoch Samuel Bronner erklärt, daß er die Aktien für s ich und seinen Bruder Jacques Bronner in Berlin erworben habe. Dr. Hedenigg war daher bestrebt, di« 430 Stück Aktien der Deutscher! Bodenbank zurückzubÄommen. Am 22. Dezember 1963 — wie in der Klage behauptet wird, zu einer Zeit, wo Dr. Hedenigg nicht mehr zurechnungsfähig war — kam eine Vereinbarung zwischen ihm und Samuel Brbnner zustande, wonach Samuel Bronner an Dr. Hedenigg die 430 Stück Aktien um 21,6 Milliarden verkauft. Da überdies Dr. Hedenigg sich verpflichten mutzte, ein Konto „Dr. Kaser" (Decknahme BronnerS) bei der Bodenbank pro 9 Milliarden zu übernehmen, wofür er nahezu wertlose austro-polnifche Aktien bekommen sollte, hätte Dr. Hedenigg für 430.000 Bodenbank-Akrien, die im Juli 7,83 Milliarden gekostet hatten, jetzt 90,6 Milliarden bezahlen sollen. Am 10. Mai 1924 sei nun zwischen Dr'. Hedemgg und Samuel Bronner ein „Sch iedSvertrag" zustande ae kommen, während beide Teile sich dem Schiedssprüche des Börsenrates Ernst Straffer unterwarfen. Da aber. Dr. Hedenigg damals unzurechnungsfähig gewesen scr,^ müsse die Konkursmasse die Ungültigkeitserklärung dieses Schtcdsspruches verlangen. Der Geklagtenvertreter Dr. Josef Ellen-- bogen bezeichnet« die Darstellung der Klage als nur ich 1 ig. Der wahr« Grund für die Rückerwervung der Aktien der von Dr. Hedenigg erhoffte Gesamtnntzen von 3440 Mrllionen aus Transaktionen anläßlich der von ihm beabsichtigten Erhöhung des Aktienkapitals der Deutschen Bodenbank nnd die von ihm gleichfalls beabsichtigte Fusion der Deutschen Bodenbank mit der Brud«rbank gewesen. Dr. Hedemgg sei zur Zeit des Abschlusses des SchiedSvertrages, am 10. Mai 1924. voll zurechnungsfähig gewesen, ebenso wie vorher zur Zeit des Rückerwcrbes der Wtien. Der Senat beschloß, den Strasakt gegen Dr. He>denigg zn requirieren, nnd v e rtagte zu diesem Zwecke die Verhandlung. Volkswirt. Lefternichischr Kreditanstalt Kr Handel «nt Gewerbe. Dividende 9o00 Kronen. Die Oesterreichische Kreditanstalt für Handel und Gewerbe veröffentlicht heute ihre Bilanz für das Jahr 1924. In ihren Dimensionen gewähren die einzelnen BilairzMern dieser Großbank,.welche'zu den seriösesten Oesterreichs gehört, denselben Eindruck wie. die einzelnen bereits veröffentlichten BUlanzziffern der Bodeukreditanstalt nnd der Niederöstcr. reichrschen Eskomptegesellschast, wöbet betot werden muß, daß die Stellung der Ocsterreichischen KrcditaNisialt insofern eine andere ist, als sie mit der Industrie und dem Handel viel inniger verknüpft ist und. auch gleichzeitig eilt verzweigtes TätigkcitSge'biet ftKvohl im Inals auch im Ausland besitzt. Fast alle Konten zeigen trotz des Krisenjahres ein erhebliches Wachstum. Die Oesterreichische Kreditanstalt hat es verstanden, die aibnormalon Vechältnisse des Vorjahres vollkommen zu bcherrfchen. Dies ist Ovelfellos einerseits auf die in früheren Jahren äußerst vorsichtige und großzügige Geschäfts- Politik, als auch ihre inrüge Vevknüpfunig mit einer Reihe gewichtiger, externer Unternchmnugen zurückzuführen. Ter ungünstige Goschästsgang des Vorjahres zeigt sich nur in dem verminderten Reingewinn. Dieser hat gegenüber dem Jahre 1923 um 12.664,390.000 K. abgenommen und beträgt 63.186,104.000 K. Es ist dies eine Abnahme um ztrla 18 P r o z e u t. Die Bank hat es abgesehen, heuer mit Rücksicht auf die bevorstehende Umwandlung in die Goldbikanz gröbere Rückstelllmgen für den Roseivesonds vorzunehmcn. .Dieser Umstaird hat ihr gestattet, wieder eine Dividende von 9000 K. wie im Vorjahre zur Verteilung zu bringen. Bei den einzelnen Posten des Gewinn- und Verlustkontos zeigt nur der Gewinn ans dem Effekten- und Konsonial. goschäft eine erhebliche Abnahme, um 56.713,370.400 K. Er beträgt nur 32.459,173.300 K. Es ist also das Erträgnis aus diesen Posten weit über die Hälfte gesunken. Darin äußern sich am deutlichsten die Rückgänge des Geschäftes im Vorjahr. Mit Rücksicht auf das verringerte Börsengeschäft ist der Gewinn an Effekten ein viel kleinerer gewesen. Ebenso haben sich die Konsortialgaschäfte unvechältnislnätzrg stark verringert. Hingegen zeigen die Erträgnie aus dem Zinsenkonto eine Erhöhuitg im 33.867,835.900 K. Sie betragen 112.633,530.300 St. Diese Vermehrung um ein Drittel ist auf die erhöhten Zinssätze im vorigen Jahre znvückzuführen. Bei den Provisionen ist ein Plus um 67.805,912.300 K. aus 172,509,114.300 St. zu verzeichnen. Ebenso haben die Lasten erheblich zugenommen. So haben sich die Gehalte um 43.809,841.500 K. vermehrt und betragen jetzt 179.115,294.500 K. Darunter betragen die Abfertigungen 12,5 Milliarden. Hervorhebung verdient der Umstand, daß im Jahre 1922 2300 Angestellte zu verzeichnen waren, während sich jetzt di« Zahl der Angestellten auf 1942 vermindert har. Dies ist gegenüber der Friedenszisfer eine ziemlich hohe Zahl, da im Jahre 1919 m allen zur Kreditanstalt gehörigen Filialen, welche jetzt in eigene Banken umgewandelt find, sich im ganzen 1610 Angestellte befanden. Bemerkenswert ist die Verminderung der Steuern, die jetzt nur 62.332,683.200 K. betragen. Dies ist auf die Praxis der Kreditanstalt zurückzusühren, jeweils die Steuern für Pas betreffende Jahr auch schon gleich zu verrechnen. Da die Erwerbssteuer eine erhebliche Minderung erfahren hat, ist auch die Stcuc>" summe eine wesentlich niedrige. Im Bilanzkonto lveist das Effektenportefeullle ein« Zunahme um 32.423,033.900 Kronen auf und beträgt 221.437,158.300 K. Diese Bermehrnug ist in erster Linie auf oie Mitwirkung beim Stützungskomitee und Uebernahme von.Effekten aus dem Besitze derselben zn- ^ückzWhre», In diesem MeLterlPoxteseuille bchnden sich 92096199