Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2265 (11.6.1925)
- Date
- 1925-06-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPolen: 10 groszy | Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, öder in einer Verschleisstelle fTrafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien , durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch e ch o-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei Preis- Erhöhungen vorbehalien Wiener orgenreitung iPreis 20 a England: Mon. 4 Schilling, Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien? Mon. 170 Lei. iv ''; a r i e n: Mon. 100 Lew?. Scnwciz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone : 11-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Univcrsifätsstrassc 6-8 (Di uckcrci lg. Slcinmann) Ocsterrcichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Rr. 2265 Wien. Sonnerstag. 11. gnni 1925 ummmsommm 7. Jahrgang Sarantiepaktfieber. Re Allianzen und die Schiedsgerichte. — Borstchtige englische Snterpretationen. (Eigendienst der „Mener Morgenzeitung".) London, 10. Juni. Hier herrscht ebenso wie in Paris Befriedigung über die zwischen Eihamverlai-u und Briand erzielte Einigung über die Gegenvorschläge ans Strese-- rnanns Garantiepaktentwurf. Man verhehlt sich jedoch nicht, daß die Schwierigkeit der Durchführung nicht so sehr in Berlin als vielmehr bei den sogenannten mittleren nnd Neineren Alliierten liegt. Das Foreign osfiee beeilt sich denn auch, gewissermaßen zur Beruhigung der Verbündeten aus Kategorie B und C ausklärende Erörterungen zu dem in Gens erzielten iUebereinkommen zn geben. Zunächst' wird eine Art Stützungsaktion sür die durch 'den Garantiehaktvorschlag einigermaßen erschütterten Position des Völkerbundes unternommen. Die 'halboffiziellen Darlegungen des Foreign office betonen, daß die Mitgliedschaft Deutschlands im Völkerbund eine Bedingung des Paktes ist und weisen daraus hin, daß unter dem Bölkerbundstatut weder Frankreich noch Deutschland eine Aktion über die Rheinzcme hinweg vornehmen dürfen, bevor sie nicht den Fall dem Bölkerbundrate vorgelegt haben. Es wird ferner betont, daß der Pakt unter den Auspizien des Völkerbundes a ngenommen und unterschrieben werden soll, Weshalb eben Deutschland vorher Völkerbund'MMied werden müsse. Der in der britischen Politik ganz neue Umstand, daß Großbritannien eine kontinentale Bindung eingeht, wird vom Auswärtigen Amt mit der beschwichtigenden Erklärung motiviert, daß nicht die Absicht bestehe, in Konflikten Zu intervenieren, an denen England kein reales Interesse hat. i Tn die Adresse der sogenannten kleinen Verbündeten ist die Erklärung des Foreign ossice gerichtet, daß, im Falle als die östlichen Alliierten Frankreichs, zum Beispiel Pol e n, das Opfer eines deutschen Angriffes werden würden, trotz dem Abkommen, daß deutsch-polnische Zwistigkeiten durch Arbitrage geregelt werden sollen, Fra n k r e i ch berechtigt sein würde, die entmilitarisierte Rheinland Zone als Operationsbasis zu benützen, um den östlichen Alliierten zu Mse zu kommen. Der T s ch e ch o - S l 0 w a k e r wird eine Art sepairaier Garantiepakt zu ihrer Sicherung vorgeschlagen. Bei den Besprechungen, welche Ghamberlain gestern in Gens mit Dr. Benesch über den Sicherheitspakt hatte, wurde der eines separaten Schiedsöertrages zwischen Deutschland' nnd der Tschecho-Slowakei erörtert. Inzwischen' vnoldet sich auch ibtui gewissermaßen mittlere Verbündete Ital-reu mit den Ansprüchen aus die Sicherheit seiner Grenzen. In Gens hat der italienische Bertreter im Völkerbund S c i a l o j a erklärt, Italien beabsichtige, da es an der Sicherung der Nheingrenze nicht direkt interessiert sei, dem englisch-sra nzösisch-belgi schdeutschen Garan,t>üepakt nicht beig-utreten. Die Aeußerungen Scialojas uuiisen daraus hin, daß Italien einen allgemeinen europäischen! Pakt wünscht, der auch, wie Scialoija sich ausdrückte, „gewisse andere Grenzen" (gemeint ist die Bre u ne rg re n ze, die im Falle eines Anschlusses Oesterreich au Deutschland oder einer deutschösterreichischen Allianz gefährdet wäre) garantieren -würde. Ciuem solchen Pakt würde die italienische Negierung beitreten. Diese diplomatische Aeußernug des 'italienischen Vertreters beiin BMevbunde läßt trotz ihrer vorsichtigen Fassung erkennen, daß man in Italien über die neueste Phase der Sicherheitssrage ziemlich stark verschnupft ist und ist ein Symptom dafür, daß die so viel gepriesene Lösung des Sicherheitsproblems, die eigentlich auf Treu und Glauben basieren müßte, von deni Geiste des allgemeinen Mißtrauens beherrscht wird, der, mögen auch noch so viele Garantie^ patte geschlossen werden, den Frieden Europas nicht sichern kann. Die Schtedsvcrträge und der Völkerbund. Genf, 10. Juni. (Havas.) Der Bertreter der Agonee Havas ist in der Lage, anitzuteiilen, daß die französische Note, die von England vollständig gebilligt wurde, wahrscheinlich Freitag Deutschland übermittelt werden wird. Bevor mau jedoch in den Verhandlungen über den Pakt werterschreite, sei e's notwendig, zu wissen, ob Deutschland geneigt fei, die Verpftichtung Zu sichern, indem es unter den im Schreiben des Bölkeribnudrates vom März dieses «Jahres angeführten Bedingungen in den V ö l k e rbund erntritt. Der Abschluß des Sicherhcktspaktes mit Deutschland dürfe keine Neuerung in den Rechten und Verpflichtungen des Versailler Vertrages, dessen sämtliche Bestimmungen respektiert würden, nach sich ziehen..; Frankreich nehme das deutsche Angebot, mit allen Staaten, die dazu geueigt seien, namentlich mit Polen und der Tschecho-Slo wakei, Schiedsve'rträge abzuschließen, zur Kenntnis, doch dürfen diese Verträge nichts enthalten, was den aus dem Vertrage von Versailles den Alliierten Anstehenden Rechten und den Verpflichtungen Deutschlands Abbruch tue. Die-setz System der allgemeinen Sicherheitsgarantie Würde selbstverständlich nur dann von Wert sein, wennalle ins Äuge gefaßten U e b e r e i n ko m m e n g leichzeitig in Kraft treten. Diese Uebereinkomimn würden vom Völkerbund registriert, unter seinen Schutz genommen und für jedermann offen sein, der daran teilnehmtzn wollte, auch für die Bereinigten Staaten. Die Militärkontrolle. Genf, ftOl Juni. (Del.-Komp.) Der Völkevbundrat hielt heute vormittags eine Geheimsitzung ab, in der er sich mit den gesetzlichen Maßnahmen beschäftigte, die in den besiegten Staaten zur Ermöglichung der Militärkontrolle des Völkerbundes getroffen.werden müßten. Der Rat beschloß', sich aus Artikel 231 des Versailler Vertrages zu stützen, wonach diese Länder sich zu jeder Nachforschung, die der Völkerbundrat, mit Gtimmen!- mehrheit sür notwendig erklärt, bereitzuhalten haben. Damit überläßt es der Rai den einzelnen Staaten, ob und welche Aenderungen ihrer Gesetzgebung sie für notwendig erachten, um den militärischen Koutvollkommissionen des Völkerbundes die Erfüllung! -ihrer Ausgabe zu ermöglichen. Der Rat beschloß, in diesem Sinne ein Schreiben an die Regierungen Deutschlands, O e st e r r e i ch s, U ngarns und Bulgariens zu richten. Bezüglich der Ausübung der Militärkontrolle durch Organe des Völkerbundes in Deutschland, Oesterreich, Ungarn und Bulgarien wurde beschlossen, die Frage aus die Septembersesfiouzu -verschieben. Nach Schluß der Geheimsitzung des Rate's hatten Briand und Dr. Benesch eine Unterredung, in der die österreichische Wirtschaftsexpertise und -der zwischen der Tschecho-Slowakei nnd Deutschland abzuschließende Schiedsviertrag besprochen wurde. Die Tagung des Rates wird' morgen mittags geschlossen. VORZÜGLICHEN schwarzen und weissen l(,40M ,B Ersparnis an Kaffeebohnen KAFFEE ■ miiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiNiiiiiini 1 erreichen Kaffeehäuser, Bors,Hotels etc. II m mit der sv I „ETERNA-EXPRESS-KAf FEEM ASCHINE“ GEFIAWERKE A.C., WIEN,1 "".'.t“«,'"? %==sa=====a====a=ig^=a55s==a^=y Huldigung für Horthtz. —y. Wien, 11. Juni. Horthy mobilisiert seine Getreuen. Er will sich heute vormittags in den Straßen Budapests huldigen lassen und der Welt die Komödie Vorspielen, das; er die Liebe der ihm anvertrauten Nation besitzt. Die Sozialdemokraten drohen Gegenkundgebuugen an, und wenn die Regierung nicht mit einem Verbot dazwischenfährt, kann die Hauptstadt heute schlimme Stunden durchleben. Der Sinn der von dem Kreise Horthhs angeordneten Ovation ist nicht ganz klar. Was soll sie beweisen? Der gewesene Innenminister Beniczky hat vor denr Untersuchungsrichter ausgesagt, daß' Horthy den Befehl zur Ermordung der sozialdemokratischen Journalisten Somogyi und Bacso erteilt hat. Beniczky hat dies zu beweisen oder der Staatsanwalt hat die Unschuld Horthhs festzustellen. Es ist demnach ein schwebendes Gerichtsverfahren, in dessen Gang niemand eingreifen darf. Die magyarischen Justizbehörden haben stets diese Ansicht vertreten, so oft von jüdischer oder anderer oppositioneller Seite Anklagen gegen Mörder erhoben wurden. Die Leute, die der Horthy zu einem Massen-Eljen ausbietet, können das endgültige Resultat der Untersuchung, wenn sie einwandfrei durchgesührt wird, heute noch gar nicht wissen. Wofür oder wogegen sollen sie also demonstrieren? Gegen den Ankläger Beniczky doch nicht, zumal ihn ja Horthys Behörde in den Kerker gesteckt hat. Auch nicht gegen die Anklage und ihren Inhalt, weil doch die Untersuchung noch im Gange ist. Sie demonstrieren für Horthy gegen die Toten, für den Mörder gegen die Opfer. Dieser Horthy gehört zu ihnen, zu den Rassenschützlern, die mit der Bombe, mit dem Numerus clausus, mit dem ärgsten und unverhülltesten Terror die Reinheit der magyarischen Nationalidee nachzuweisen bestrebt sind. Es ist unrichtig und grundfalsch, in ihr Treiben einen sozialen Sinn zu legen, es ist unwahr, daß diese Gesellschaft, wie ihre Exponenten und ihre im Auslande bezahlten jüdischen Propagandisten es darzustellen pflegen, gegen den „Marxismus" kämpft. Es ist auch unwahr, daß sie für die Terrorakte der Kunschen Kommune Vergeltung übt. Aus den Memoiren Aladar v. Boroviczenys weiß inan, daß Horthy nach seiner letzten Audienz bei Kaiser Karl im Herbst 1918 erklärte, er gehe nach Ungarn, um die Juden sür die Karolyische Revolution zu bestrafen. Das war vor der Zeit Bela Kuns und aus den vorgestern von einem Freunde Horthhs publizierten Instruktionen an die Propagandapatrouillen ist es ersichtlich, daß diese Strafaktion keine Handlung des Affektes, sondern ein wohlvorbereiteter kalter Akt antijüdischer Niedertracht war. Horthy kann und will sich von seinen Propagandisten nicht lossagen. Er war, ehe er sich von seinen Brachialoffizieren zum Reichsverweser ernennen ließ, ihr Bademeister, der sie die Kunst lehrte, gefangene Juden (nach Leerung der Taschen natürlich) mit hinten gefesselten Händen im Wasser zu ersäufen. Aus seinem eigenen Kreise sind die Beweise gekommen, und so ist es nur recht und billig, daß sich Meister und Schüler, -Admiral und Mannschaft im hellen Tageslicht gegenseitig Treue geloben und einander des Vertrauens und der Liebe versichern. Sie haben ja miteinander und durcheinander verdient, und nur jüdische Moralfexen können sich darüber mokieren, daß der angewandte Merkantilismus sich patriotisch und volksgetreu aufspielt. Kieider-Voile ara wr 19.800 Hier Schiffmann MWWMWWWWIWWVIWWWWWIWWWWIM II. Taborstraße 48 Telenhon 47-1-78 En gros En detail *