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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-10 · Heft 2264 (10.6.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2264 (10.6.1925)
Date
1925-06-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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j Polen: 30 groszyl Wien: Zum Abholen in det Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder In einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Gol dschmied, I.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutscht-and: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei Prelü erhOhungen Vorbehalten «r. 2264 Wert, Wiener das mühelose Parkett-Glanzmittel ErhXlilich In allen einfchllglgea Qerdilften Morgen;ei1ung Me«. Mittwoch. 10. Juni 1929 iPreis 20 gl England: Mon.4Schilling, Italien: Monatl. 18 L're: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.lOOLew?. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: *14-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Univcrsitätsslrassc 6-8 (D. uckcrei g. Steinmann) Oesterrcichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang F einste Wurstwaren I ,WEDO‘, Wien, 111. HeumnrRt 6 LAN ■ Die Kriegsgaranlie. —y. Wien, 10. Jrmi. England garantiert die Rheingrenze, so wie sie im Versailler Vertrag festgesetzt wurde, und anerkennt das Recht Frankreichs, die Gebiete seiner mitteleuropäischen Verbündeten in ihrer heutigen Abgrenzung mit allen ihm entsprechend erscheinenden Mitteln gegen alle Angriffe zu schützen. Das ist der kurz gefaßte Inhalt der gemeinsamen englisch-französischen Antwort auf die Stresemannschen Vorschläge, zugleich auch der Inhalt —des neuen englisch-französischen Abkommens. Dieser Vertrag, der von Frankreich schon in Cannes gefordert und von Lloyd George wogen seiner Gefährlichkeit verweigert worden war, ist die Antwort der beiden führenden Staaten der Entente auf die Rechtswendung in Deutschland. Die Vorschläge Stresemanns hatten sich gegen den Versailler Pakt gewendet. Die englische und die französische Regierung stellen sich mit deutlichster Betonung auf den Boden dieses Friedensvertrages und binden alle Abänderungsbestrebungen an den vorbehaltlosen Eintritt Deutschlands' in den Völkerbund. Sie sind mißtrauischer denn je. Daraus erhellt, daß sich die Situation des Kontinents in keiner Weise gebessert hat und daß die Entwicklung der Verhältnisse wieder dort steht, wo sie vor dem Einmarsch der französischen Truppen in das Ruhrgobiet angelangt war. Sie ist bei dem Punkt stehen geblieben, wo der neue Kurs Deutschlands mit der Ermordung Rathenaus einsetzte. Es ist sicher, daß die deutsche Frage in den weltpolitischen Kalkülen Frankreichs und Englands nur die untergeordnete Stelle eines Kompensationsobjektes einnimmt. Sie ist davon abhängig, wie diese beiden ^Staaten im fernen Osten, im Orient, in ihren kolonialen Differenzen miteinander stehen. An dieser Tatsache ist eigentlich so recht die furchtbare Schuld der deutschen Kriegsparteien zu ermessen, die sich in erster wie in letzter Linie gegen ihr eigenes Volk und ihren Staat wendet und die politische Autorität Deutschlands in dem blutigen Hasard des Krieges verspielt hat. Die ethische Seite des Gewaltprinzips ist aus den Erwägungen der angewandten Politik ausgeschaltet. Hier erkennt man die praktische Seite, die unmittelbaren Folgen des bedeutungsschweren Entschlusses Deutschlands, seine Lebensfragen mit dem Schwert zu verfechten. Durch den Dawes-Plan, den es zu seinem Glück auf sich genommen hat, ist es unter Kontrolle geraten. In der weiten Welt hat es mit seinen Kolonien auch die Geltung eingebüßt, seine Bundesgenossen sind ins Unglück geraten. Freilich sind die Sieger keine Sieger, ihre Wirtschaft und die Grundlagen ihrer Existenz schwanken bedenklich. Aber es ist ein schwacher Trost, wenn ein Bub, der mit einem Loch im Schädel heimkommt, der Mutter versichert, der andere habe auch eines gekriegt. Das ist kindliche Anschauung, die allerdings das Um und Auf des heutigen Deutschland ausmacht. Jeder Akt der deutschen Politik sieht so aus, als wäre er nur darauf abgestellt, daß man sich in London und in Paris dariiber ärgert. Dieser Zweck wird denn auch pünktlich erreicht und die Westmächte sind in ihrem neuen Pakt zu dem Einvernehmen gelangt, Deutschland sich selbst zu überlassen und die Vorteile des Friedensvertrages sorgsam mit Wall und Graben einzuhürden. Die Sprengung der Entente ist wieder vorbeigelungen. Die Mächte sind einig, freilich in einer Ausdehnung, die die schwersten Bedenken Lloyd Georges — man erinnere sich, daß Briand nach Cannes stürzte — gerechtfertigt erscheinen läßt. Was der liberale Premier damals verhüten wollte, daß nämlich England auf dem Kontinent bindend engagiert wird, ist nunmehr Tatsache geworden. Chamberlain hat das Prinzip der Bewegungsfreiheit geopfert. Vielleicht war er gezwungen, diesen Preis zu bezahlen, um die Marokkoküste gegenüber Gibraltar nicht in französische Hände fallen zu lassen und die Einfahrt ins Mittelmeer, den Weg nach Suez und Indien, unter englischer Kontrolle zu behalten. Vielleicht schien ihm auch die Besiegung der französischen Quertreibereien in Mossul, Mekka und Angora ein wertvolleres Resultat. Das Fazit ist, daß England wieder eine Kontinentalmacht ist, was in Anbetracht der Schutzzollbestrebungen in England und in Deutschland keine erfreulichen Hoffnungen für die Zukunft weckt. Ob. die englischen Dsminions diese Wydungen der Horthy rüstet. Truvvenverschiebungen vor Budapest. — Bemczly bleibt in Hast. Klebelsberg der lammende Mann? (Eigendienst der „Mener Morgenzeitung".) Budapest, 9. Juni. „A Bilag" meldet, >daß in den letzten Tagen namhafte Truppenverschiebungen der'nationalen Armee in und bei Budapest durchgeführt worden sind. Der Anklagesenat de's Budapester Strafgerichtes befaßte sich gestern abends mit dem Rekurs der Verteidiger des verhafteten Edmund d. Beniczky gegen den Beschluß des 'Untersuchungsrichters auf Verhängung der Präventivhast über den gewesenen Innenminister, Der Anklageseuat hat, wie nicht anders zu erlwarten war, den Beschluß des Untersuchungsrichters gutgeheißen, und hat erkannt, daß Edmund Beniczky wegen Beleidigung de's Reichsverwesers, Verletzung des Amtsgeheimnisses und verbotener Veröffentlichung in Pratz entivhast zu nehmen sei. Verwirrung und Pogrorntzeher. Budapest, 9. Juni. Die Opposition ist entschlossen, die Beniezkh -So mogyi-Asfäre im Parlament nicht mehr zur Ruhe kommen zu lassen und alles aufzubieten, damit Horthy nicht ans seiner Verantwortung für die Ermordung Sowoghis entschlüpfen könne. Der Regierung 'hingegen geht es weniger um die Rettung der Mörder als um die Ehrenrettung des Anstifters der Mörder, .des Reichsverwesers Horthy. Um dies zu erreichen, läßt ine Regierung zu gleicher Zeit mehrere Versuchsballons aufsteigen, um die Opposition zur Aufgabe ihres Kampfes gegen Horthy, den Haup'tschüldigen an allen Greueln in Ungarn, zu veranlassen. Die Regierung führt mit den Vertretern des Linksblocks Kompromißverhandlnngen, die den Zweck haben, die ganze Angelegenheit der Oesfen'blichkeit zn entziehen und in die schalldicht abgeschlossenen Untersuchungsraume der Militärgerichte zu verlegen; gleichzeitig läßt sie alle Schutzgavden Horthys, die Erwachenden Ungarn, Rafsenschützler und Jrredentisten, den Beschluß fassen, and f e s e m Donnerstag aus die Sttgße zu gehen und durch einen Massenaufmmsch zu demonstrieren, daß sie bereit feien, für ihren Sjchütz-- Patron, wie einist im Mai I960, das Leben aller aufs Spiel zu fetzen, die noch nicht 'daran glauben wollen, daß der ungarische Reichsverweser auch dann sakrosankt sei, wenn er gemeine Morde begünstigt und anftiftet. Welche Richtung eine solche Bewegung nehmen mußte, ist ja klar. Die rassenfchützlerischen Matter Hetzen schon seit Tagen in unerhörter Weise z« Judenpogromen, und die Regierung lehnt sich ostentativ aü die rechte Seite an, 'was sogar zu den Gerüchten Anlaß gab, daß Bethle ns Stellung erschKttert und ein äußerst rechts orientiertes Kabinett, mit dem Grafen IK l e b e l s b e r g an der Spitze, in Sicht fei. Horthys Organ, „Szoszat", fordert indirekt zu einem militärischen Staatsstreich auf. Das Blatt befaßt sich heute an leitender Stelle mit dem gestrigen Besuch des Armeeoberkommandanten, General Paul N a g y, im Parlament und dementiert die Version, wonach der Generäl den Präsidenten des Hauses ermahnt hätte, die Regierung möge im Parlament Ordnung machen, sonst Werde das Militäer selbst nach dem Rechten sehen. Das Blatt fügt aber diesem Dementi folgendes hinzu: ,Mir wären glücklich gewesen, «wenn der Herr Armeeoberkommandant eine solche Sprache mit dem Präsidenten der Nationalver- Politik gutheißen werden, ist noch die Frage. Denn dieses Verlassen des Jnsularstandpunktes ist die Rückkehr zur Ratlosigkeit Bonar Laws, der Beginn schwerer innerer sozialer Krisen. Die Furcht vor dem Krieg, die durch Kriegsverträge bekämpft werden soll, ist der schlechteste Ratgeber. Sie erzeugt immer nur Böses. Der Garantiepakt ist die Garantie des Krieges. s a m m l u n g ge fü h r t hätte. Wir würden ein energisches Vorgehen der Armee gegen die destruktiven Elemente i m P a r la nr e n t begrüßen und keinerlei Versassungswidrigkeit darin erblicken. Die neuerliche Ralliierung der Weißen Terrororganisationen erfolgte diesmal auf Wunsch und unter der persönlichen Kontrolle Horthys selbst. In der Kabmettskanzlei Horthys fanden in den letzten Tagen unausgesetzt Konfer e n z e n mit den Führern der Rassenschützler statt, in denen beschlossen wurde, alle Elemente, die sich irgendwie zu Horthy in Gegensatz gestellt oder nch durch ihre eigene Ungeschicklichkeit unmöglich gemacht haben, abzuschütteln, auch wenn sie sich in früheren Zetten als w e i ß te rro r i st is che M ö r d e r verdient gemacht haben. Zu diesen gehört auch der berüchtigte Oberstleutnant Paul Pronay, der seinerzeit an der Spitze seilt es Detachement's unzählige Morde verübt hat «und jetzt gezwungen wurde, seine Vizcpräsidentenstelle im Verband der Erwachenden Ungarn niederzul-egen. Niemand zweifelt heute -mehr an der Blutstchmld Hortt h h s, Die wenigen, die in ihrem Urteil über die Ehrenhaftigkeit des ungarischen Staatsoberhauptes noch schwanken mochten, wurden dur-ch den Neinwaschuugsversuch des Leibovganes Horthys, ,/Dzozat", ein- wandfrei darüber belehrt, daß Horthy der Anstifter der Terrovmorde ist. Ein Mitglied der nächsten Umgebung Horthhs in seinem Siosoker Hauptquartier veröffentlicht in dem genannten Blatt die Photographie der folgenden „Instruktion au die Propaganda- Patrouillen" der nationalen Armee: Als Lettprinzip diene den Patrouillen, daß die ungarische nationale Armee bisher von einem legendären Nimbus umgeben war, j>ed-er gutgesinnte Ungar Mit Zuversicht ans sie geblickt, v-on ihr die Befreiung erwartest, sie als die Verkörperung aller typischen guten Eigenschaften der ungarischen Rasse betrachtet hat. Dieser Ruf darf nicht getriibt werden, weil sonst auch die Sympathie rasch abnehmen werde. Jede Selbstjustiz ist absolut zu vermeiden, sonst riskieren wir den Gestand der. Armee. Wenn irgendwo das Volk die Verhaftung von Missetätern fordert, so erledige -das die Gendarmerie, oder man reiche eir Motiviertes Gesuch an das Armeeober, kommando in Siofok ein. Die Hauptaufgabe der Patrouillen ist: 1. Die Gerüchte zu zerstreuen, als ob die Mitglieder der nationalen Armee morde teil und raubten; 2. kundzutun, daß diese Gerüchte von denen verbreitet werden, die die Erstarkung der -nationalen Armee fürchten; 3. derartige Freibeutertrupps, von denen kein ein- ' ziges Mitglied der nationalen Armee angehörte» haben wir festgenommen; 4. hauptsächlich ist das Volk zu überzeugen, daß die Schicksale des Landes von der Armee abhäugen, o L w i r U n g a r n b -l e i b e n oder Judenknechte werden soll e n. Darum schließe -sich -mit Begeisterung jedermann an, der sich rein fühlt; 6. jedermann erachte es als die höchste Ehre, Mitglied der nationalen Armee zu werden, dem: Leute, auf deren Ehre ein Makel haftet, -dulden wir nicht; " 6. wir führen die Armee nicht auf die Schlachtbank, vielmehr' wird sie die Hüterin der e h r l i ch e r. r a s s e n m a g h a r i s ch e n -n a%i o n alen Ni ch? tnng sein; 7. je mehr sich zum Dienste melden, desto rascher schicken wir die Eingerückten nach Hanse; 8. wir wissen, daß e's schmerzlich fällt, nach fünf- ' jährigem Kriege die eigene Wirtschaft und Familie wieder zu verlassen, doch wird das bloß kurze Zeit fonum. , Kez.:

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