Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2263 (9.6.1925)
- Date
- 1925-06-09
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 6 Wien. Dienstag „ * Ci« ..Jüdisches Haus" in Bukarest. In Bukarest soll ein indisches National-ha-us errichtet werden. Die jüdische Kultusgemeinde hat für diesen Zweck ',nxi Millioucn Lei zur Ber» füguna gestellt. Der Rest wird von einzelnen Organisationen und Persönlichkeiten aufgebracht * Konferenz der jüdischen Kooperativen in Litauen. Aus Kowno meldet I. T. A.: An der fünften Iahrcskonfcren; der jüdischen Kooperativen in Litauen, die drei Tage in Anspruch nahm, beteiligten sich .124 Delegierte aus 94 Kreditgenossenschaften. Die Mitglieder des Berbandskomitees, P o r t und A. Jdelson, referierten über die Tätigkeit der Bolksbanken, deren Mission darin bestand, das jüdische Element wirtschaftlich zu stützen. Das Vertrauen ,zn deu Banken, die ge-genwärtrg auf sich selbst angewiesen sind, wächst von Tag zu Tag. Die Banken vollführen auch eine große Arbeit im jüdischen Wiederaufbau, indem sie die Koopcrativgesellschaften für Anschaffung von Maschinen für Handwerker stützen. Es wurde begrüßt, daß die Zentralbank in Kowno itt. ihr eigenes prächtiges Hans eingezogen ist. Herr Dr. A. R o b i n s o n wurde an «stelle des Dr. Ros'enbanm in die Zentralverwaltung gewählt. * Vorläufige Unterbrechung der Ausnahmen für den Film „Jakobs Brunnen". Wie der „Haarctz" berichtet, hat Dr. M a rkus, der in Palästina die Aufnahmen für den Film „Jakobs Brunnen" leitet, erklärt, daß die Aufnahmen infolge der Gegnerschaft der arabischen Stämme vorläufig unterbrochen werden müssen. Die Araber sollen durch die Behauptung erregt worden sein, daß es sich hierbei um einen zionistischen Propagandafilm handle, was jedoch nicht -den Tatsachen entspreche. * Salzwasser gegen Arbeitsermüdung. In England werden gegenwärtig neuartige Methoden erprobt, die in schmierigen Avbeitsbetrictben zur Bekämpfung der ralch eint-retenden Ermüdung der Arbeiter dienen sollen. In einem Kohlenbergbau, wo die Arbeiter bei einer Durchschnittstemperatur von 27 Grad tätig sein müsseil, sowie in einer Gießerei, wo die Quecksilbersäule des Thermometers nie unter 25 Grad finkt, hat man die Arbeiter zur Erfrischung während der Arbeitszeit Wasser trinken lassen, dom pro Liter ein Kaffeelöffel Kochsalz beigesetzt war. Daibei machte man die Beobachtung, daß diese Arbeiter ungleich leistungsfähiger waren und weniger schnell ermüdeteil als ihre Arbeitskollegen, die kein Da-lzwasser erhielteil. Dieselbe Beobachtung hat Professor Noville Moß von der Universität Bivnringiham bei unabhängig hiervon augOellten Kontrollvers-uchen gemacht. * Alkoholfreies Bier. Wie aus Toronto gemeldet wird, bringen die dortigen Brauereien zum 'ersten Male seit der Zeit der Prohibition seht wiödor Bier zum Ansschank. Es handelt sich nach der Versicherung der Brauereien um einen „Stoff", der die löbliche Eigenschaft hat, nicht berauschend zu wirken. Um dies zu erweisen, haben die Brauereien demjenigen. dom es gleichwohl gelingt, sich mit dem lleueu Bier einen Rausch anzutrinken, eine Prämie von 100 Dollar z-ugctagt. Da bisher niemand "Anspruch aus die Belohnung erhoben hat, so muß man die Behauptung der Brauereieil 'als wahr unterstellen. Der Zuzug von durstigen Amerikanern zu der Bierquelle Kanadas nimmt inl übrigen geradezu ungeheuerliche Dimensionen an. Nach verläßlichen Angaben zählte man kürzlich 75.000 Bürger der Vereinigten Staateil, die der Durst über die kanadische Grenze getrieben hatte. 50.000 kamen allein aus der Gegend von Detroit. In den großen Restaurants der Niagarasälle kauften die Amerikaner die Plätze der dort befindlichen kanadischen Gäste zu hohen Preisen ab. Angesichts dieser Verhältnisse sahen sich die dort befindlichen Brauereien bereits genötigt, ihre Tageserzeugung zu verdoppeln. In Windsor wurden beispielsweise an einem Tage in 16 Restaurants und einigen Klubs 18.000 Flaschen Bier verbraucht. In einom einzigen Hotel wnrdell 46.800 Flaschen vertilgt. Man hat berechnet, daß die amerikanischen Gäste an dem betreffenden Tag rund 152.000 Dollar für Bier verausgabt haben. Radroprogramm. Dienstag den 9. Juni. 11 Uhr: Vormittags-inustk. — 16 Uhr 10 Min.: 2!achnlittagskonzevt. — 17 Uhr 30 Min.: Die Wiener Sagen. — 18 Uhr 30 Min.: Vortrag; Hygiene des Herzens. — 19 Uhr: Esperantokurs. — 20 Uhr - Schubert- Strauß-Lanner-Abend. Vereine, Bortröge und Versammlungen. Zionistische Sektion Prater. Samstag den 13 d., pünktlich 1/39 Uhr abends, zweite Versammlung mit der Tagesordnung: Probleme des XIV. Zionistenkongresses. Redner: Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Josef Löwenherz. Anschließend Diskussion. Bühne und Kunst. »Hoffmanns krzöhlungen" im Schönbrunner Schloßtheater. In den Erzählungen E. T. A. Hoffmanns, des großen Phantasten und Romantikers, verfließen die Grenzen zwischen Phantasiewelt und Wirklichkeit. Hier kündet sich kein Einzelschicksal, sondern es symbolisiert sich gleichsam der tragische Konflikt zwischen dem Künstler und dem ihn beherrschenden Dämon, es sind in Nacht getauchte, bange, spukhafte Visionen einer Künstlerseele! Von all dem ist in der Inszenierung Rainer Simons' nichts zu spüren. Mit einer Unbekümmertheit, die mit seinem Versprechen, „sorgfältige Inszenierungen" zu bringen, in schärfstem Widerspruch steht, bietet er ältestes Provinztheater: Das Kellergewölbe ist von einer langweiligen Nüchternheit, das Zauberkabinett — an sich kitschig — wirkt noch öder durch den Hokuspokus, wie Olympia durch eine Art Motor (?) in Bewegung gesetzt wird. Die venezianische Nacht bleibt die Gondel schuldig, und die dritte Erzählung, in welcher die Erscheimlng der verstorbenen Mutter in voller Leibhaftigkeit herumspaziert, ist von dem balladesken, grauenvollen Milierl, das die Todesdämonie in sich trägt, himmelweit entfernt! Rainer Simons mag aus der Inszenierung Professor TurnauS an der Musikhochschule lernen, wie anders man den „Hoffmann" auch mit geringen Mitteln, freilich mit richtigen Regieinfällen, herausbringen kann. Wie die Szene, so die Sänger! Am besten noch der stimmkräftige Herr Max Klein in der Rolle des Bösen, ganz gewandt Ilse Goltz-Kick als Olyinpia und Rose Mathe als Niklas, zu operettenhaft Olga Türk-Rohn als Antonia, und ganz unmöglich Frau B ü r g e r st e i n als Giulietta, noch recht unpersönlich und unausgeglichen Herr Owen H e w i t t als Hoffmann. Alles in alleni — auch in den: von Dr. Ernst Kunwald geleiteten Orchester gab es kleinere Entgleisungen — begabte Anfänger, die kaum gutes Provinzuivxau wahren mtb erst ein Ensemble werden müssen. Was man sah und hörte, waren irgend welche Iahrmarktsgeschichten eines Philisters, aber keineswegs E. T. A. Hossrnanns Phantastereien. ilb. _Miene» Wwiini|tHw|,_ «US Den Theatern. Burgtheater. Morgen, 1/28 Uhr abends, .Der SchleierderBeatrtee". A k a d e m i e t li e a t e r. Morgen, */,8 Uhr abends, »Soll man es sagen?" Staatsoper. Morgen, V»7 Uhr abends, „D! e Walküre". Deuttckies Volkstbsater. Morgen den 10. d. zum ersten Male NestroyS GesangSvosse „E u l e n s p i e g e l" oder „Schabernack über Schabernack". K a m m e r s p i e l e. Morgen. ifß Uhr abends, gelangt das Lustsp'el „Der Myrtenkranz" („L c 11 e u r d’o r a n g e r") von Birabeau und Dolley, deutsch von Berta Zuckerkand!, als Gastspiel des Theaters inderJosesst a d t zur Aufführung. Raimund'Tbeater. Dienstag den 16. d. beginnt das auf zehn Tage berechnete Gastspiel von T a i r o f f S M o Skauer Kammertheater mit „Q r r o k l L — Q 1 r ok 1 a" von Lecoe. R e n a i s s a n c e b tt b n e. Heute, 8 Uhr abends. Erstaufführung der amerikanischen Mtlliardärskomödie „S a m F o x" von Frank Roland. Johann-Strauß-Theater. Vom 1. bis 31. Juli Ferien. Bis dahin täglich „Die große Unbekannte". Lustspieltheater. Heute tritt Hanst Niese in „Die Näherin" auf. Die Künstlerin spielt diese Rolle vor ihrem Urlaub noch morgen und Donnerstag. Freitag Premiere der Schwanknovität „DassilberneKani n ch e n". Keine „Carmen"-Aufführungen auf der Hohen Warte. Die „Sise" (Italienische Gesellschaft für Opernaufführnngen im Ausland) hat die Nachricht nach Wien gelangen lassen, daß sie sich durch die hier herrschenden wirtschaftlichen Verhältnisse gezwungen sieht, die für den Sommer geplant gewesenen ,,Carmen"-Auftührungeu auf den nächsten Sommer zu verschieben. ' Palästinareise Alexander Moissis. Alexander Moissi tritt dieser Tage eine Orientreise an, die ihn auch nach Palästina führen wird. Moissi, der einen besonderen Ruhm als Bibelrezitator genießt, äußerte sich, er freue sich, in das Land der Bibel zu kommen, und hoffe, dort entscheidende Eindrücke zu erhalten. Das Londoner Pavillon-Theater in Wien. Ab Samstag den 13. d. findet täglich ein kurzes Gastspiel der englischjüdischen Künstler vom Pavillon-Theater in London im Variete Reklame, 2. Bez., Praterstraße 34, statt. Zur Aufführung gelangen die neuesten amerikamsch-jüdischen Sensationsstücke. Näheres in den Plakaten. Eintritt frei. Sollen Sie der jüdischen Sache dienen, dann verlangen Sie überall in allen Hotels, Cafes, Restaurants, bei allen Zeitungsständen, die HSÜiener ZMorgenzeitung Schreiben Sie uns, wo Sie das Blatt nicht 4 erhalten konnten, wir werden sofort für Zustellung sorgen Gerichtssaal. Von Hunden zerfleischt. Der furchtbare Tod des Mjähriqen Lehrlings Otlhmar Grus ch, der tu der Nacht vom 23. Oktober vorigen Jahres im Garten des RestaiuraintS Tivoli von den H u n den des Restaurateurs Rudolf L e h n c r überfallen und 8 e r,f il e i >s ch t wurde, beschäftigte gestern einen Schöffensenat unter Vorsitz des Hofrates Doktor R a -m saue r. Der schreckliche Fall hat. wie eri-rm-erlich, großes Aussehen erregt. Er gab damals den Hakenkreuzlern Anlaß zu einer schamlosen Ritualmordhetze, so daß sich der Staatsanwalt bemüslsigt sah, die Deutsche Arbeiter-- presse" zu konfiszieren. Wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Löbens hatten sich gestern der Restaurateur Löhner und der Nachwächter Johann Böhmel zu verantworten. Der Nachtwächter hatte den Auftrag, zur Nachtzeit, nach Schließung der Gartentore, mit einom kleinen Wachthund den Garten zu durchstreifen und dann erst die scharfen Hunde l-oszulassen. In der kritischen Nacht hatte Böhmel, ohne den vorgeischriebenen Kontrollgang zu machen, sogleich die vier scharfen Hunde losgelassen, die sofort in eine Ecke des Gartens stürmten. Fvichmorgens fand Böhmel im Gebüsch die nackte Leiche eines Knaben. Die Obduktion stellte fest, daß der Tod einzig nnd allein durch Hu nd eb i ss e erfolgt war. Der Lchrling Grüsch war anscheinend über die Einfriedung -geklettert, von den Hunden angefallen und zerfleischt worden. Der Gerichtshof sprach die beiden Beichnidigtell von der Anklage frei mit der Begründung, daß man dem Gastwirt Lehner das Recht einräumen muffe, zum Schutze seines Eigentums auf dem sehr ausgedehnten Grundstück, wo wiederholt Einbrüche -vorige-tommen -seien, Hllirde zu halten. Er hat außerdenl alles vorgokchrt, um Unschuldige zu schützen. Der Nachtwächter hat sich zwar am fraglichen Abend einer Fahrlässigkeit dadurch schuldig gemacht, daß er -den anbefohl-enen Rundgang nicht gänzlich durchführte. Doch waren dem Gerichte keine Tatsachen bekannt, die erhärtet hätten, daß der verunglückte Knabe schon vor dom Rundgan-g aus dem Grundstück gewesen wäre. Arierparagraph mtb Oesterreichischer SchulbUcherverlag. Wir haben seinerzeit über einen ‘ Ehrenbeleidigungsprozeh berichtet, den die Leiter des Oesterreichischen Schulbücherverlages Dr. W o t t a w a (der Obmann der großdeutschen Bolkspartei) mtb die Familie Drechsler gegen den Sportschriftsteller Entil Peege erhoben hatten, weil dieser in verschiedenen Eingaben an Ministeriett von Mißwirtschaft und Hakenkreuzlerei im Schulbücherverlag sprach. Peege ist Herausgeber des Jahrbuches für Wintersport, das er int Oesterreichischen Schulbücherverlag verlegen läßt. Er tritt m dirjrm Buche gegen den im Sport _9. Juni 1925_Nr. «88 immer mehr einreißenden Arierparagraphen auf und bezeichnet diesen als ernste Gefährdungdes internationalen Sportes. Deshalb machte man Peege, wie er behauptet, im Schulbücherverlag allerlei Schwierigkeiten,. die ihm empfindlichen materiellen Schaden brachten. Begründet würde diese Stellungnahme mit kaufmännischen Rücksichten, die es nicht opportutt erscheinen ließen, ein Buch gegen den Arierparagraphett erscheinen zu lassen, da die überwiegende Mehrheit tm Sport eben f ü r den Arierparagraphen sei. Die erste vor dem Oberlandesaerichtsrat Dr. Fuchsig beim Straslandesgericht 1 durchgeführte Verhandlung wurde zur Erbringung des Wahrheitsbeweises, den Peege in umfangreichem Maße angcboten hatte, vertagt. Heute und morgen tvird nun der Prozeß durchgeführt, zu dem eine Reihe von Fachleuten atts allen Sportzweigen als Zeugen geladen sind. Wir werden über den Ansgang des Prozesses berichten. Die Harter Bergwerkskatastrophe. Aus Wiener-Neustadt wird uns berichtet: Das hiesige Schöffengericht unter Vorsitz -des Oberlandesgerichtsrates Dr. Schulhof beschäftigte sich in einer für drei Tage anberaumten Verhandlung mit der Änklaige, welche die Staatsanwaltschaft gegen den Bergwerksdi>- rektor der Harter Kohlenw-erke, Ingenieur Dr. Ernst Ludwig, ferner gegen den Betriebsleiter Ingenieur Karl Tausch und gegen den Schichtmeister des Bergwerkes Josef Tremmel wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens wegen der entsetzlichen Katastrophe im Braunkohlenwerk Hart, welche den Tod von 29 Bergarbeitern zur Folge harte, erhöbe« hat. In der Anklage wivd ausg-esührt, daß i-n der Nacht vom 17. Mai vorigen Jahres im Braunkohlenbergbau Hart durch Selbstentzündung der Kohle ein Grubenfeuer zum Ausbruch kam. Der Umsaug der Katastrophe wurde dadurch weseutlich vergrößert, «daß der Luftkompressor nicht sofort abgestellt wurde. Die sofortige Wstellung des Kompressors wäre Sache des Schichtmeisters Tremml gewesen, der a-m kritischen Tage, da der Betriebsleiter Dr. Ludwig in Wien, sein Stellvertreter Tausch auf Urlaub war, allein mit der Betriebsleitung betraut war. Berg-werksdirektor Dr. Ludwig und Ingenieur Karl Tausch verantworteten sich dahin, es sei auf keinen Fall vorauszusehen gewesen, daß durch Eindringen der Luft in den Brandherd jene giftigen Gase entstehen, und zum Austritt gelangen können, durch welche das Leben der Arbeiter gesährdel werden konnte. Trenmil bestreitet, -einen diesbezüglichen dringenden Auftrag erhalten zu haben. Wir werden über den Derlauf und Ausgang der Verhandlung berichten. Volkswirt. Reichsbankpröstdent Dr. Schacht in Wie». Der Präsident der Deutschen Reichsbank Dr. Hjalmai Schacht ist gestern in Wien eingetroffen und wird sich hier drei Tage aufhalten. Sein Besuch gilt in erster Reihe dery Präsidenten der Oesterreichischen Nationalbank, Dr. Reisch. Doch soll bei dieser Gelegenheit auch mit den anderen österreichischen Wirtschastsfaktoren Fühlung genommen werden. Gestern empfing Präsident Dr. Schacht die Vertreter der Wiener Presse, welchen er Aufklärungen über die Ursache seines Besuches und über die Stinnes-Affäre gab. Dr, Schachs erklärte unter anderem: Ich bin hiecher gekommen, um den Berliner Besuch des Präsidenten der Oesterreichischen Nationalbank Reisch zu erwidern. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Oesterreich und Deutschland sind sehr innig. Steht doch in der Ausfuhvstatistil Oesterreichs Deutschland an erster Stelle. Neben den wirtschaftlichen bestehen auch enge soziale, kulturelle und familiäre Bezichungen zwischen der österreichischen und deutschen Bevölkerung. Nicht eine akute Frage, sondern die Gleichheit der Wirtschaftsinteressen hat mich hiehevgeführt. Die Verhältnisse bei der österreichischen und deutschett Notenbank sind fast dieselben. Auf beiden Ländern-lastet aber die politische Unvernunft der Zeit, die sich in neuen Schikanett und Querelen, Ungewißheiten und Ueberraschungen austobt. Die Zentralbankleiter sind keine Politiker sondern Wirtschaftler.. Europa kann nicht zur Ruhe kommen, wenn neben den wirtschaftlichen auch die militärischen VerMtnisse einwirken. Die Stinues-Angelegenheit ist in den ausländischett Blättern mit einer ungeheuren Tragweite ausgestattet worden, die ihr gar nicht inncwohnt. Was die Folgen auf die österreichlschen Bezichungert des Konzerns betrifft, möchte ich bemerken, daß die Stinnes A.-G. mit der Alpinen nichts zu tun hat. Die Alp in e ist mit der Rhein- Elbe Union verbunden, die ihre eigene ntaßgobende Verwaltung hat. Die Schwierigkeiten der Familie Stinnes beruhen darauf, daß die Finanzierung der Firma mit allzu kurzfristigen Geldern vorgenommen wordett ist. Die kurzfristigen Kredite sind aber eine Folge der jetzigen Wirtschaftsverhäl-tnisse. Die ganze Aktion der deutschen Banken für Stinnes bestcht lediglich darin, die kurzfristigen Kredite aus längere Zeit zu befristen, um die erforderlichen Gelder zur Verfügung zu stellen, damit die Firma Stinnes ihre Verpflichtungen prompt eittlösen kann und Zeit hat, durch Abstoßung der tlicht unntitte-lbar zum Kottzern gehörigen Betriebe sich in hittreichendettt Grade liquid zu haltett. Auf alle Fälle zeigt aber gerade der Vorfall der letzten Zeit, daß trotz der Uttvernunft der Entente die deutsche Wirtschaft bei allett Schwierigkeiten niemals aus dem Auge läßt, daß sie unter allen Umständen die ihr gewährten Kredite z u r ü ck z a h l e n kann und für d i e s e K r e d i t e a u ch Sicherheiten gewährt. Die deutschen Wirtschaftsführer sehen ihre Aufgabe darin, den Rrvf der deutschen Kreditwürdigkeit und der Verantwortlichkeit aufrecht zu schalten. Dies hat sich im Falle Stinnes bewährt. Infolgedessen ist auch kein ' Grund zu einer Beunruhigung vorhandett. Auf die Frage, ob au eine Kooperation der Notenbanken gedacht werde, erklärte Präsident Schacht, daß ihm derzeit derartige Mtionen nicht bekannt sind. Auf die Frage, ob sich die Zusammenarbeit mit der Oesterreichischen Nationalbank n»r formal oder auch materiell ge-stalten werde, erklärte der Präsident, daß selbstverständlich, im Falle es die Verhältnisse es als notwendig erscheinet« lassen, nicht nur dieselbe Devisen- und Diskontpolitik, sondern auch sonst zwischen beiden Notenbanken ein Zusammenarbeiten in die Wege geleitet werde, wtttm