Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2262 (8.6.1925)
- Date
- 1925-06-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. SSW Men, Msniay Mener Msest-nzett»««. Teirte 5 S. $im\ 1925 Meiner Ansicht nach muß rechtzeitig ein Ausweg aus dieser unangenehmen und sch.veren Lage gefunden werden. Ich glaube, der Ausgangspunkt für die kleinbürgerliche landwirtschaftliche Kolonisation heißt nicht Subvention, .sondern Kredit. Die Juden, welche zur Schicht der soge- . nannten ,-Vierten ARjah" gehören und sich auf dem Lande ansiedeln wollen, besitzen kleine oder größere Kapitallien, welche sie im Boden oder in der Wirtschaft investieren. Um die ersten schwierigen Jahve zu übevstehen, benötigen sie nur — Kredit. Es fohlt eine Bank, eine Farmer- , bank, die dem Mann mit Familie, dem jüdischen Kleinbürger, der sich auf seinem käuflich erworbenen Boden ansiedelt, etliche hundert Pfund Betriebskapital gegen mäßige Zinsen mW^leichte 'RückzahlungSbedingumgen leiht. Nicht die GrößeMWSnbventionen darf die Losung für die neue Kolonisanon sein, sondern die Favmevbank. Daher muß vom Kongreß verlangt werden, daß er den .Keren Hajeflod beauftragt, von seinem landwirtschaftlichen Budget eine Summe von mehreren tausend Pfund als Anteil der Zionistischen Organisation an dem privatkapitalistischen Unternehmen, einer Favmevbank, zu investieren. Ich möchte bezügilich dieser Farrnerbank kein Mißverständnis aufkommen lasten. Ich meine damit keineswegs eine Bank, die,von der Zionistischen Organisation gegründet und nach den Methoden und Prinzipien geführt werden soll, nach denen leider alle Finanzinstitute der Zionistischen Organisation geführt «werden. Was ich Vorschläge, ist nur die fi nanzielle Beteiligung der Zionistisch e n O r g a n i s a t i o n an einer Bank, tvelche von den interessierten Kreisen gegründet und auf re in geschastlicherGrundlage geführt tverden soll. Die Beteiligung der Zionistischen Organisation wäre darauf zu beschränken, daß sie materiell und morailffch die jüdische Privatinitiative unterstützt und sie gleichzeitig im Hinblick auf den Nutzen oder Scha-den, den sie dem nationalen Werk bringen kann, kontrolliert. Der Unterschied zwischen dieser -meiner Auffast.uwg und der bisherigen Methode liegt darin, daß ich die Farrnevbank aus den lebendigen, -schon jetzt in Erez Israel kolonisatorisch wirkenden jüdischen Energien und Mittel aufbauen will, während die alten zionistischen Banken nach Theorien arbeiten, die nicht mit dem realen Leben rechnen. Die Anglo-Palestine-Company >rveiß nicht, was sie mit ihren Depositen anfangen soll, obwohl das Land Kredit in tausendevlei Formen braucht und kreditreif ist; die Hypothekenbank hunvpÄt der energischen und schnellen Baubet.oegung im Lande «ach wie ein Invalide einer Sturmtvuppe. Meichzeitig aber vermehren sich und blühen — zum Glück für das Land — die kleinen, mit winzigen, geradezu lächerlichen Summen . gegründeten Banken und Koopevativgenossenschaften. Dos ist die Entgegnung des Löbens «aus Dheorien. Es ist höchste Zeit, daß 'das, was das Leben sagt, richtig verstanden wird. Die Farmerbank muß sich aus die lebendigen I n t e r e s s e n k r e i s e der jüdischen Siedlung stützen. ' Die sind vorhanden und bereits seit langer Zeit wirksam. Sic müssen bloß koordiniert werden. So arbeitet die Zion Commonwoalch schon einige Jahre und hat einen großen kapitalskväftigen Kreis von Klienten, welche jetzt Herzlich kolonisieren. So hat in der letzten Zeit der „Meschok" intensiv zu arbeiten begonnen, der seine Mktionskraft auf knapp 1§00 Juden ans Litauen, Polen, Lettland, Oesterreich und Deutschland stützt und immer mehr erweitert. So kolonisieren einzelne kleinere jüdische Gruppen, welche über ausreichende Mittel, materielle und moralische Verbindungen in den reichsten Landern der jüdischer: Galuth und über kräftigen Willen und Mische Energien ' verfügen. Das ist die Kreditbasis für die Favmerbank. Auf sie gestützt, wird der Kongreß die Losung ausgeben können, ein Geldinstitut zu schaffen, das mit der Zeit an Zinsen allein mehr in die palästinensische Landwirtschaft investieren wird als die gesamten Subventiottssnmmen betragen, die wir zugunsterr der Kolonisation jüdischer Kleinbürger erlvarten können. Eine neue Zeit ist für den Zionismus und für den Aufbau des jüdischen Heims in Erez Israel angebrochen. Sie erfordert neue Menschen, neue Ideen, neue Wege, neue Methoden. Ich hoffe, daß der Kongreß dem Leben in Erez -Israel nicht nachhinken, sondern sich an seine Spitze stellen . wird. Sommerattion des Keren Kaiemetb «'Israel. Ebenso wie im vergangenen Jahre beabsichtigt der Keren Kajemeth auch Heuer im Sommer eine intensive Propaganda- .täfciglcit in den Bädern uild den Sonvmeofrlschen zu entfalten. . Die Erfahrungen der früheren Jahre haben gezeigt, daß speziell . für den Koren Kaijemeth in einer Reihe von Badeorten günstige Ehaycen vorhanden sind. Ms Veranstaltungen im Laufe der Bade- und Reisesaison sind vorgesehen: 1. Vorführung des neuen Palästinafiktrs. Dieser Film ist in schr wirksamer Weise dadurch ergänzt worden, daß die Eröffnung der hebräischen Universität unter Anwesenheit Lord! Balfours dem vierten Teil hinizugeifügt wrrrde. 2. Vorträge bekannter Redner. 3. Künstlerische und gesellschaftliche BevanstalrungLn. - Um eine wivÄsanre Mrsnützung der vorhandenen Möglichkeiien durchzusühre-rr, ist es notwendig, daß jeder Zionist dem Keren Kajemeth rechtzeitig mitteilt, welchen Badeort er anfjucht urrd zu welcher Zeit er sich dort anshalt. Der Keren Kajemech wendet sich daher an die Zionisten .'mit der Bitte, ihm umgehend die Gesinnungsgenossen bekanntzugebon, die im heurigen Sonrmer einen Badeort aufsuchen .werden, damit er in der Lage ist, sich mit ihnen direkt inS Einvernehmen zu setzen, ' Letzte Nachrichten. Sie polnisch-jüdischen Verhandlungen. Nahurrr Sokolow soll vermitteln? (Eigendienst der „Wiener Morgen zeitung".) Warschau, 6. Juni. Die Verhandlungen zwischen der polnischen Regierung rrnd den: jüdischen Parlamentsklub über die Forderungen der jüdischen Minderheit in Polen werden auch jetzt, nach dem Obstruktionszwischenfall in Sejm, über welchen bereits berichtet wurde, wcitergeführt. Am 4. d. fand eine drei Stunden dauernde Konferenz zwischen dem Außenminister Skrzynski und dem Unterrichtsminister Stanislaw Grabski einerseits und den jüdischen Deputierten Dr. Thon und Dr. Reich andererseits statt. Diese Konferenz soll nächste Woche ihre Fortsetzung finden. Die durch die Annahme der Durchführungsresolution zur Konzessionsverordnung im Sejm hevvorgerufene ungünstige Wirkung auf die Judenschaft Polens hat es an» scheinend bewirkt, daß sogar die polnische Zentralleitung der Agudas Jisroel der: agndistischen Pavlamentsvertvetern bcu Auftrag gegeben hat, bei den von der Agudaleitung begrüßten polnisch-jüdischen Unterhandlungen auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Judenheit Polens hinzuweisen. Es verlautet in parlamentarischen Kreisen, daß der Vorsitzende des Komitees der jüdischen Delegationen in Paris und Präsident der Zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, nach Warschau kommen wird, um zwischen der polnischen Regierung und den Juden zu vermitteln. Das Warschauer Tagblatt „M o m e n t" will wissen, daß die polnische Regierung bereits früher die Absicht kundgegeben habe, Sokolow einzuladen, daß aber vom Zionistischen Qberrat Polens jode ausländische Berrrrittlertätigkeit abgelehnt worden sei. Die Richtigkeit dieser Meldung wird bezweifelt. Es ist nur sicher, daß Sokolow, der gegenwärtig eine kurze Reise nach Rumänien antritt, Mitte Juni in Warschau eintresfen dürste. Kathollsch-sozialiftische Koalition ly Belgien. Brüssel, 8. Juni. Der Kongreß der Arbeiterpartei hat mit überwiegender Mehrheit sich für die katholisch-sozialistische RegievungskoalitioN ausgesprochen, so daß die Regierungskrise als beendet angesehen «werden kann. Irr Aosstand auf Samos. Athen, 8. Juni. Die Aufständischen auf Samos sind im Besitz der vollen .Herrschaft. In einem -Manifest verlangen sie die sofortigen Neuwahlen. Nach einem Gerücht hat die Aufstandsbewegung auch auf die von Italien be-- setzten zwölf Inseln übergegriffen. Die Kämpfe ln khina. London, 8. Juni. Mch den letzten Meldungen aus Schanghai scheint sich das Schwergewicht der (Äeigniste nunmehr nach Kanton vevlegt zu haben, wo die Kämpfe bereits begonnen haben. Die Garnison von Kanton hat Barrikaden errichtet. Ein amerikanischer Torpedobootzerstörer ist in Dschekiang eingetroffen. Unter den chinesischen Studenten sind wegen der VerteAnng einer von der Sowjetregierung gesandten Summe von 6000 Pfund Streitigkeiten ausgebrochen. Ein Teil der Studenten veröffentlicht ein Manifest, worin es heißt: „Unsere rvahren Mörder sind nicht die ausländischen Imperialisten, sondern die Sowjet- Sie Hitzewelle in «merlla. Rrw-Dork, 8. Juni. Während hier die Temperatur 96 Grad Fahrenheit nicht übersteigt, hat sie in Washington bereits 109 Grad erreicht. Aus bor. Westei.rden mehrere Todesfälle gemeldet. Bar Kkdbebea in Japan. Tokio, 7. Juni. (Wolfs.) Nach einer von der japaik'^ schen Regierung veröffentlichten Statistik über das letzte Erdbeben sind 361 Personen getötet und ss81 Personen verwundet worden; 29 werden vermißt. 2160 Häuser sind«vollstäudig und 1919 teilweise zerstör^ worden. Sie Berschwörerproreffe in Bulgarien. Sofia, 7. Juni. (Bulg. Tel.-Ag.) Bor dem Kriegt., geeicht in Sofia hat gestern der Prozeß gegen Miltenow und neun andere Angeklagte begonnen; unter den letzteren befinden sich einige Offiziere, die an der Ber-- schwörerovganisadion lellgenommen hatten, und eine Frau Angelova, die den Führen: der Verschwörung Jankow und Mrnkow ihre Wohnung zur Verfügung gestellt hatte. Erschienen sind bloß der Hanptangöklagte Mrltenow, der in seiner Eigenschaft als Wevkstättenchef der Genietruppen enge Beziehungen zu den agrarischen Verschwörern unterhalten und Waffen und Explosivstoffe geliefert hatte, sowie Grudow und zwei andere Teilnehmer, die beschuldigt werden, ein Versteck errichtet zu haben, wo die anderen Hauptverschwörer ein Asyl fanden. Alle anderen Angeschuldigten sind nicht erschienen. Auf Verlangen des Staatsanwaltes hat das Gericht für das Verhör Mlltenows und die Zeugenaussagen hinsichtlich der gegen ihn erhobenen Anklagen eine geheime Sitzung angeordnet, im Prinzip aber die Oeffentlichkeit der Verhandlung aufrechterhalten. Als Zeugen sind der Kriegsmimster, der Minister des Innern und mehrere andere Persönlichkeiten geladen. Der König hat das Todesurteil gegen Pertschenliew bestätigt, dessen Hinrichtung in ewigen Tagen stattfinden wird, und die Todesstrafe für Frau Nicolova und Leger in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt. Wien, 8. Juni. f * Die neuen FunsschMinanoten. Im Lause dieser Tagtz sollen die neuen Fünffchillingnoten in Unrlaulf gesetzt werden, Die Ausgabe beginnt heute. * Theaterskandal in Berlin. Aus Berlin, 7. d.,.wird ge^ meldet: Im Lessing-Dheater kam es honte mittags während der Matineeaufführung des Bronnenschen, Lustspieles ,ß>\t Exzesse" zu einem großen Skandal. Grelle Wisse und Pfuirufe ertönten von der Galerie und drohten die Weiterführnna deS Stückes unmöglich zu machen. Durch das geschickte Auftreten der Künstler 'konnte die Unruhe auf kurze Zeit unterdrückt werden. Dann aber brach der Skandal von neuem bis. Wredev schrille Pfiffe und demonstratives Klatscher:, das sich verstärkte, als der Dichter auf der Bühne erschien. Ein Teil des Publikums wandte sich jedoch gegen die Ruhestörer und hauptsächlich gegen einen Herrn im Parkett, der Äs der Urheber des Skandals bezeichnet und als Dramaturg eines anderen Theaters entlarvt wurde. Er erhielt im Verlaufe eines Wortwechsels eine OHrfeige. Auch nach der Vorstellung setzten sich die er-, regten Szenen fort. i * Lüftspieltheater. Heute letzte Aufführung der Posse „Di4 Frau des Debütanten". -I * Eine ganze Familie ermordet. Der mit seiner ftanrlid verfeindete Korbmacher Wilhelm Brückner in Hassenberg bet Koburg 'hat gestern nachts seine Frau» seine Mutter, seinen Schwager, seine Schwägerin und deren fünf Kinder durch Beilhieibe auf den Kopf und Durchschneiden der Kehle ermordet unif sich hieraus erhängt. Fußball. D. F. C.—Amateure 2:1 (1:0). Glücklicher Sieg. Amateur-Platz. Schiedsrichter Kaufmann. 13.000 Zuschauer. D. F. C.: Korvin; Änchynka, Jimmy; Randnitz, Steffl, Mchrer; Bobor, Patek, Leß, Kvompholz, Woi-glhofer. Amqtenre: Lohvmann 1; Schneider, TaMer; Geyer, Reiterer, Brrza; Cutti, HM, Sindelar, Wieser, Daniczek. Die Gäste konnten den ersten Erfolg Prags in Wien in dieser Saison erzielen. Sie boten jedoch nicht die orwarettv große Leistung und hatten Mühe, den Sieg an sich zu reißdn. Beide Mamvschaften traten mit Ersatz an. Der D. F. C. forcierte sofort ein mächtiges Tempo, dem er nach der Pause selbst zum Opfer fiel. Seine zwei Tore erzielte der alte Leß. Mir die Amateure war Sindelar erfolgreich. Das von: Schiedsrichter Kaufmann geleitete Spiel wird von den Anrateurei, eröffnet, einige wechselnde Angriffe und schon in der zweiten Minute geht Letz von der Mitte durch, gelangt ungehindert vor das Tor und die Prager find auch schon mit 1:0 in der Führung. In der 10. Minute hat Wieser eme schöne Chance, doch verschießt er im entschelwnden Moment. Dre 13. Minute bringt einen Corner gegen die Amateure, der von den Pragern nicht verwertet wird. Einige Minuten später erreichen auch die Violetten eine Ecke, die aber wieder mit einem Fchlswuß Wiesers abgeschlossen wird, auch einem Freistoß der einige Minuten später gegen D.F.C. gegeben wird, bleibt das gleiche Schicksal Vorbehalten. Einen Alleingang Krompholz bringt Loyrmann durch rechtzeitiges Herauslaufen zum Ltakau. Einige Zeit später geht ein Boinhenschuß Weigl- - Hofers aus eknem Freistoß a»r die Stange. Tandler benahm sich vorher nüht korrekt rmd mußte sich auf Weisung des Schiedsrrchters bei seinem Gegner entschuldigen. Zn der 40. Minutv endet em gefährlicher Angriff Bobors mit einem Fehlschuß Krompholz'. Ba-L nach Beginn machte sich eine merkliche Uebevlegenhe>it der Amadeure geltend. Der Angriff wird vor: den Halves imch vorne gedrückt, das Zuspiel ist allerdings nicht immer genau und wrrd so eine Beute der gut verteidigenden Prager, die nun Mährer in die Mitte der Ha>lvesre'che stellen. Wleiser hat m der 11. Minute die Chance eines Freistoßes, doch vergibt er auch diese Gelegenheit. In der 12. Minute wehrt Koren» ernen Schuß Danrceks schwach ab, Sindelar ist zurStello g5elcht mit s'charfem Schuß aus. Wieser hat in der 29. Minute emen Solovorstoß unternommen, gelangt bis knapp vor das gegnerische Tor, sein Schuß geht auch diesmal daneben. Glücklrcher ist der D. F.C., der aus einer einfachen Kombination! Patek-Leß vor das Amateurtor gelangt, wo Leß in der 36. Dtrnute für seinen Verein abermals die Führung erringt, die die Prager nun mit allen verfüg, baren Kräften verteidigend auch bis zum Schlußpfiff beibehalte- - Me Melfterschaft. Rapid—Admira 3:0 (0:0). Die Hütteldorfer besetze» den zweiten Platz. Amateur-Platz. 16.000 Zuschauer. Schvedsvichtor Grün» bäum. Rapid: Janeik; Solil, Regnart; Richter, Bvandstätter, Nitisch; Wondvak. Uvidrl, Kuthan. Baller, Wessely. Ad m ir a: Fran«!; Byzi, Janda; Schn-aübÄlt, Koch, Wostrak; Siegst. Schott, Klima, Weiß, Schierl. Die Hütteldorfer, die wieder mit chrxm alten ehemals so berühmten Anarm antraterr kmmteo de» Siea durch zw ex t