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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-08 · Heft 2262 (8.6.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2262 (8.6.1925)
Date
1925-06-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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IPolen: LS grotzv 1 Wlin: <5umAbholcn Inder Expedition, II., Taborstr. 1*3, oder in einer Verschtelsstelle fTraflk) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma G o I d sch mied, i.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch ec ho-Slowakei. Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nichuhlongco bei Preis* erhAhangea vorbehaliea Rk. 2282 Wiener orgenseilung Wien, Mouiag, 8. Juni 1928 IPrai» ao al England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lre: Ru nänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.lOOLew«. Schweiz und das übrige Ausland monailicn Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborsfr. I Telephone: 44*0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX. Universitätsstrasse 6-8 (D uckerel lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693?. Jahrgang Jns neue PalMina Wöllersdorf vor Gericht. Der Prozeß gegen die „Wiener Morgenzeitung". Wie angekündlgt, hat heute um 9 Uhr vormittags dor dem Lanüesgericht 2 (.Hernalsergürtel 6) die Verhandlung Wer die Berufung nuferes verantwortlichen Redakteurs Jakob Krausz gegen das Urteil des Strafbezirksgerichtes 1 begonnen. Herr Kvausz war wegen Beleidigung des Landesgerichtes 1 zu einer Geldstrafe von 10 Schilling verurteilt worden. Den Vorsitz in der heutigen Berufungsverhandlung führt Hofrat Dr. Biziste, die Verteidigung Dr. Leopold Plaschkes. Bei Beginn der Verhandlung zählt Verteidiger Dr. Plaschkes die Gründe der Berufung auf, die sich insbesondere auf die abgewiesenen Beweisanträge bezüglich der Bestellung des Sa chve r st ä ndig e n Ing. Roth beziehen. Ueber den Ausgang der Verhandlung berichten wir m unserer morgigen Nummer. Ser Völkerbund «ud Mitteleuropa. Paris, 7. Juni. Im Zusammenhang mit der österkeichischen Frage bespricht P e r t i n a x im ,Mcho »bc Paris" die Erklärungen Mussolinis und Salandras in der italienischen Kammer. Italien mache sein Recht geltend, bei den Plänen betreffend die wirtschaftliche Reorganisierung der Donaustaaten gehört zu werden, die früher oder später durchgefuhrt werden müßte, um die schädlichen Ausvirkmigen der Zerstückelung der früheren Doll a u m o na r ch i.e zu beheben. Der Völkerbund werde dem österreichischen Vorschlag betreffend eine Wirtschaftseuquete Folge geben und zweifellos auch über Artikel U22 des Vertrages von St.-Germain beraten, der engere Wirtschaftsbeziehungen Oesterreichs, It « garns und >er Tsche cho-Slowakei ermögliche. Italien habe pisiher die Anwendung des Artikels nicht begünstigt. Es sei pr, hoffen, daß es nunmehr seine Durchführung ermögliche. Ls sei bedeutungsvoll, daß Italien die Ansichten der letzten Kchve geändert habe. Bisher habe es bei der Wahl zwischen Annäherung der Donaustaaten und Vergrößerung Deutschlands für letztere Möglichkeit optiert. Nunmehr sei es zu rimer richtigen Auffassung seiner Interessen zurückgekehrt. Da» Urteil in Kairo. Kairo, 7. Juni. (NeuLer.) Alle der Ermordung des Sirdars beschuldigten Personen sind zum Tode verurteilt worden, ausgenommen der Chauffeur des Automobils der Mörder, der zu zwei Jahren Gefängn i's verurteilt wurde. Der Preis für die Entdeckung der Mörder ist einem früheren politischen Gefangenen namens Negoib Hel°- > a w i zugesprochcn worden. Der Preis beträgt 10.000 ägyptische Pfund. _ Rückkehr der Aventinopposttion. Rom, 8. Juni. In den kurzen Ferien der Kammer bereitet sich IvahrscheuAich die Rückkehr der Aventinopposition vor. Die Opposition will sich an der Debatte über die Gesetzesvorlagen zur Säuberung der Bureaukratie und die gesetzgebenden Boll- M achten der Regier u n g beteiligen. Hin Aestaurationrversuch in Konftanttnopel. Konstantinopel, 8. Juni. Hier sind etwa 60 Personen verhaftet w ox de », die beschuldigt werden, an einem Anschlag beteiligt zu sein, durch den der frühere Sultan wieder eingesetzt werden sollte. Der Anschlag soll durch den früheren Sultan, der sich in San Rento befindet, grganvsiert worden sein. Einer seiner Adjutanten befindet sich unter den Verhafteten. Sie werden vor ein Revolution g e r i ch t in Angora gestellt werden. Die Mangankonzelstonen im. Kaukasus. Moskau, 7. Juni. (Wolfs.) Harri mau hat sämtliche Bedingungen der Sowjetregierung betreffend die Ma nga nkonz e ss i o n Tschiatury augenommeu, sich zur sofortigen ' Zahlung von vier Millionen Dollar bereit erklärt und auf eine Entschädigung für den Fall, daß das Unternehmen mit Verlust arbeite, ver- Sic Einwanderung im Mai. 2900 Personen. Jerusalem, 5. Juni. (I. T. A.) Im Monat Mai dieses Jahres sind 2 9 0 0 Personen in Palästina eingewandert. (Die Einwandererziffer im April betrug 2500, die tut März 3300.) _ Die ürnteamfichken in Palästina. Günstiger Stand infolge des Spütregenö. Trotz des Regemnangels im Februar und März, der der ganzen Ernte bedrohlich zu werden schien, stcht die Somme r- und Weizenernte laut APril-Mai-Bericht der Kolonisationsalbteilung der Palästinaexvkutive befriedigend. Die Re gen fälle anfangs April bedeuteten die Rettung sitr die Weizenernte. Die Landwirte, besonders im Nuriskomplex, in Nahalal.und der Gegend von Haifa, die Keren-Hajessod- Siedlungen auf dem Boden des Keren Kajemeth in Ejn Gharod, Tel Josses und andere können auf eine beträchtliche Einnahme aus der Ernte rechnen. Der vielversprechende Tabakbau wird m vielen Siedlungen fortge-führt, wenngleich der vorjährige Vorrat noch nicht abgesetzt ist. Auch den A n p f l a n z u n g e n war der Regen sehr nützlich. 70 Prisent der von der landwirtschasklichen Abteilung neu eingeiführten Da t-tc-lpalmenfetzlinge sind aufgegangen. Die Transshilvan'ische Kolonie in Tel Adas pflanzte 22.000 Bäume an, aber infolge des Regenmangels mrr mit teikweisem Erfolg. In Kiriath Anawim erzielte man bessere Erfolge. Die Orangengärten in Dagania entwickeln sich befviedigend. Der Wein steht, wie der Bericht des KolonisationZdepartements ausführt, gut, an vielen Orten sogar ausgezeichnet, besonders in den Kwuzoch Giva, Beth Alpha, Zerifim. Schafzucht in Erer Israel. Bon Dr. Anselm Stromwasser (Tel-Awiw). Au der shri sch-palästinensischen Grenze, in der Nähe des Ortes, wo Trmnpeldor und feine Kameraden im Kampfe um unsere Scholle den Heldentod.fanden, liegt das jüdische Gebirgsdorf Kfar-Gileadi. In den grünen Triften grafen 800 Schafe, die denk Gdud Awodah gehören und ausschließlich von j üd i f ch e n S cha fhi r t e n bewacht werden. An der Spitze der kleinen Hirtengemeinde steht der Oberhirte Dow, genannt „Kosatschok", Werl er vor oiwigerr Jahren während einer Unterhaltung in einer Kwuzah im Emek auf einem Tische zwischen Tellern und Gläsern den russischen ,^ofak" tanzte. Ein stäuiliuiger Bursche mit einem großen Haarschopf, feurigen Augen und immer freundlich lächelndem Munde. Stets im bloßen Hemd, mit anfgeschürzten Aermeln, will er nie einen Rock traget:, weil ihm das ganz überflüslsig erschoint und ihn au städtische Manieren erinnert. Nur einige wenige Bekannte kennen feinen Fainiliemtamen und wissen, daß er aus einer Wehten Grenzstadt der ehemaligen österreichisch e u Monarchie stammt. Die Stadt Tet-Awiw sah er jetzt erst zum ersten Mulle, wielvohl er schort fünf Jahre irrt Laude weilt. Die schörrett Straße»! und Häuser wollen ihnr nicht gefallen und er meint, das verderbe »mr die Menschen, die ilts Land gekomrtlelt find, tun wieder das alte jüdische Volk von ,giriert und Ackerbauern" zu werden. Seirt einziger Weg, den er mit seiner Herde zu geiherr gewohnt ist, ist die Jordansen-ke von der syrischerr Grenze bis an dir Südgrenze Palästinas. Vor einigen Jahren hat er als Schafhirt bei arabischen Beduinen gedient und, luie jene, lange Zöpfe und arabische Kleider getragen. Als der Gdud in Kfar-Gileadi die Schafzucht entführte, hatte er als der beste jüdische Kenner dieses Zweiges in Palästina die Stelle des Oberhirten übernommen und seiner großen Ausdauer, feilten Fachkeuutuissi'n uud Liebe zur Sache ist es zu da ulken, daß in den wenigen Jahren eine vorzügliche Rasse und eilt Stand von 800 Schafen ausgezüchtet wurde. Er wurde jetzt Re Fragen des 14. z'onistenkongreffes. Siehe Seite 2 ff.; diese Rubrik erscheint jeden Montag. als Sachverständiger zu den kompetenten Stellen berufen, um an einem neuen Plan für eine großzügige Schafzucht mitzuarbeiten. Trotz seiner Jugend — er ist 23 Jahve alt — und feiner Weltabgeschiedenheit, versteht er es ausgezeichnet, die Rentabilität einer pr iv a t wi r ts chuf tl i ch betriebenen Schafzucht zu beweisen. Seine Ausführungen über diesen Gegenstand sind von allgemeinem Interesse. Die Aufstellung einer Herde von 1000 Schafen ev fordert nachstehende Jivvestievtmgen: 1000 Schafe ZUM Preise von 1 Pfund 50 Piaster pro Stück. » » . 1500 Pfur 1 Schafhürde. , , •••••<• 300 „ Moikereieinrichtung .... » , ....... 100 „ 8 Baracken für Personal . . . . .100 „ 1 aroße Baracke für Lämmer ► * « » * « ^0 ^. Tränke. Transportspesen, Unvorhergesehenes . ....... 120 „ Zusammen 2200 Pfund ‘ Die Schafe werden in Kurdistan, Io lau und Aleppo gekauft, zum Teile auch m Süd Palästina, Iwo sie nur 1 Pfund 30 Piaster kosten, da sie eine schwächere Zucht darstellen. ' Ein Schaf liefert durchschnittlich 60 Liter Milch pro Jahr, die für einen Piaster pro Liter verkauft wird; somit im Jahre 60 Master pro Schaf. Ferner.wirft jedes Schaf im Durchschnitt ein Lamm jährlich, das um 1 bis 1,2 Pfund verkauft wird. Die.Wolle eines Schafes bringt 20 Piaster, jedoch wird dieser Betrag von der Kooperative der Züchter nicht ausbezahlt, sondern wie folgt verteilt: 5 Piaster für Steuern, 5 Pmister für Medikamente und 10 Piaster für das Personal. Somit verbleibt eine Bruttoeinnahme von 1,60 Psunld pro Schaf jährlich. Auf 1000 Schafe gerechnet ergibt sich eine Bruttoeinnahme von 1600 Pfund im .Jahre. Hiervon sind in Abzug zu bringen: 10 Prozent Verluste (durch Krankheiten, Tod, Verlaufen u. dgl.), das find 160 Pfund, ferner wird ein Drittel der Lämnter zur weiteren Aufzucht zurückbehalten was durchschnittlich einen Verlust am Remgewinn von 350 . Pfund ausmacht, und schließlich muß in Betracht gezogen werden, daß nur 90 Prozent der Schafe Milch Xieferat, so -daß «weitere 60 Pfund entfallen. Hiernüt sind von der Brutoeinnahme abzuziehen: 10 Prozent Verluste 160 Pfund, ein Drittel d>es Lämmerstandes 350 Pfund und 10 Prozent von der Milchlieserung 60 Pfund, zusamnten 750 Pfund. Es ergibt sich daher ein Nettogewinn von 1030 Pfund, also 1000 Pfnnd jährlich/ Somit kann sich «das angelegte Kapital von 2200 Pfund in zwei bis zweieinhalb Jahren amortisieren und es ist, eine für palästinensische Verhältnisse immens hohe Einnah ms quelle gesichert. Gewiß muß man damit rechnen, daß in utanchen^ Jahren infolge ungünstiger Wttterungsverhaltnisse etwas kleinere Einnahmen zu gewärtigen sind, dagegen können in anderen Jahren höhere Gewinne erzielt werden und der Stand der Herde vergrößert sich von Jahr zu Jahr. Der großen Wert der Schafzucht für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes braucht nicht erst betont zu werden. .Es ist zu bedauern, daß unter den vielen Aufgaben, die wir im Lande zu erfüllen haben, diese so tvenig Beachtung findet. Es ist nicht außer acht zu lassen, daß bei einer im größeren Mntzstabe betriebenen Schafzucht die Wolle und die Häute industrielle Verwertung finden können. Die größte Schwierigkeit bietet die Frage eines größeren jüdischen H i r te n sta nde s. Das beschwerliche, entsagungsreiche uud mitunter gefahrvolle Nomadenlloben, wie wir es bei den alten Beduinenstämnten sehen, setzt eine alte Tradition voraus. Diese liegt bei uns viel zu weit zurück als daß wir an sie anknüpfen könnten. Nun zeigt uns aber das gegeni.värtige Leben in Erez Israel vieles, tvas unbegreiflich und rätselhaft ift. Warum nicht auch die Umschichtung unserer Jugend in Schafhirten? Meint doch unser Hirte Dow, daß diese Frage absolut keine Schwierigkeiten machen dürfte, daß es nicht an jungen Burschen ntangelu werde, für die das freie Leben in der Natur das ersehnte Ideal bedeutet. Vom wirtschaftlichen Standpunkt hängt der Erfolg von dem guten Willen und der Energie ab, mit der die Siche m die Hand genonrmen wird.

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