Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2258 (4.6.1925)
- Date
- 1925-06-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Polen: 30 flrosay | Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr. 1-3, oder ln einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Gol dachmied, I., Wollzelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei Preis* erhOhnngen Vorbehalten Rk. 2258 Wiener orgenMUiig ra Wien. Donnerstag. 4. 3uni 1925 IPrel« ao a l England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 E re: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien:Mon.lOOLewr. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Tabor str. | Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D uckerei!g. Steinmann) Oesterieichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang VORZÜGLICHEN schwarzen und weissen d40Piozent m Ersparnis an Kaffeebohnen 1 erreichen Kaffeehäuser, Bars,Hotels etc. ||| — mit der „ „ ETERNA-EXPRESS-KAf FEEM ASCHINE" GEFIAWERKE A.G.,WIEN,' 1^=*^=0^=S S^=B^=I J Die Genfer Kur. b. W i e n, 4. Jimi. Der Rat der Gesellschaft der Nationen hält in Genf seine Frühjahrstagung ab. Vor ihm erscheinen auch diesmal die Vertreter der österreichischen Republik, um Rechenschaft zu geben und Rechnung zu legen. Diese recht nüchterne Angelegenheit, an der sich die Leidenschaften kaum zu erhitzen vermöchten, wird begleitet von Zeitungslärm, ja sogar von Erklärungen in- und ausländischer Regierungsstellen, aus denen man eigentlich herauslejen müßte, daß das österreichische Problenr diesmal in Genf wiederum in seinem ganzen Umfange aufgerollt werden soll. Was soll nun beim Bölkerbundrat vorgebracht werden? Die Generaldirektion der Bundesbahnen verlangt von den noch vorhandenen Restkrediten im Betrags von. 42 MllioneN Dollar eins zweistellige Millionensumme zur Fortführung der Elektrifizierungsarbeiten. Die Sache soll bereits entschieden sein und der Generaldirektor Dr. Günther wird in drei aufeinanderfolgenden Jahren einen Betrag von je 6 Millionen Dollar für den angesprochenen Zweck erhalten. Doktor Günther hat allerdings einen Plan ausgearbeitet, dessen Finanzierung einen weit größeren Teil des Kreditrestes verschlungen'hätte, doch hält man in den Völkerbundkreifen eine Währungsreserve für unumgänglich notwendig und will aus diesem Grunde nicht den Kreditrest für eine einmalige Investition verausgaben. Auch das zweite Petitum Oesterreichs, die Völkerbundexpertife, die über die Niederlegung der Wirtschaftsschranken ein Gutachten zu erstatten hätte, war schon erfüllt, ehe noch der Völkerbundrat sich versammelte. Die Exverten Englands und Frankreichs sind ernannt und werden schon in kürzester Frist mit ihrer Arbeit in Wien beginnen. Diese expeditive Art, in der Oesterreichs Wünsche Erfüllung fanden, spricht dafür, daß die kleine Donaurepublik, so sehr man im Ausland ihre politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten ermißt, doch vergleichsweise nicht das große Sorgenkind des Völkerbundes ilt, als das feine verantwortlichen Lenker es geflissentlich hinstellen. Am das zu erreichen, was gewährt war, noch ehe es ausgesprochen wurde, hätte es gewiß nicht eines solchen Aufwandes großer. Worte bedurft, mit denen außenpolitische Aktionen größten Stiles angekündigt wurden, die schließlich und endlich nichts anderes als eine Beunruhigung der Nachbarstaaten zur Folge hatten. Man schlug hier wieder die Anschlußpauke, munkelte sehr geheimnisvoll über die Reise des Außenministers Dr. Mataja nach Italien, machte ein Wesen von Schutzvereinstagungen, ließ die Hakenkreuzler auf die Juden los, drohte nach Nord und Süd, und ge-, bürdete sich als unartiges Kind, da man als Sorgenkind nicht anerkannt war. Das Echo stellte sich auch prompt ein. Alle Staatsrnänner Europas, die sich noch nicht gegen den Zusammenschluß Oesterreichs mit dem Deutschen Reich erklärt hatten, taten es nun. Neue Freunde hat Oesterreich in den letzten Wochen gewiß nicht gewonnen, aber alte vor den Kopf gestoßen. Doktor Mataja, der gestern nach Genf abgereist ist, wird dort einiges darüber zu hören bekommen, soferne man außerhalb der Tagung des Völkerbundes überhaupt Zeit und Gelegenheit haben wird, über Oesterreich zu sprechen. Denn die Welt, ist reichlich mit anderen Fragen „befaßt". Wien ist nicht der Nabel der Welt und nicht einmal Mitteleuropa hieher in besonderem Maße orientiert. Me Mordanllage gegen Horthy. Sine öturmsttzims der ungarischen Nationalversammlung Der Fall B e n i c z k y zieht immer weitere Kreise. Hort Hy hat den Ministerrat erst nach langer Ueberredung zu zwingen vermocht, jeden Versuch, die Verlesung der Anklageschrift B e n i c z k y s . gegen Horthy im Parlament zur Verlesung zu bringen und diese dadurch zu immunisieren, mit aller Gewalt nioderzuschlagen. In parlamentarischen Kreisen wird erzählt, daß der Ministerpräsident-Stellvertreter Doktor Bass im Laufe der vorigen Nacht sich mit dem in Genf weilenden Ministerpräsidenten Bethlen in Verbindung gefetzt und von ihm den Auftrag erhalten habe, der Opposition die Möglichkeit zu geben, zu dem Fall B e n i c z k y das Wort zu ergreifen. Ursprünglich habe der Ministerrat in diesem Sinne Vorgehen wollen, doch mußte er sich schließlich vor dem Willen des Reichsverwesers beugen und so konnten die oppositionellen Redner in der heutigen Parlamentssitzung sich bloß durch Zwischenrufe Luft machen. Ueber das weitere Schicksal B e n i c z k y s verlautet, daß er nach Abbüßung seiner vierzehntägigen Haft nicht auf freien Fuß gesetzt, sondern in Untersuchungshaft behalten werden wird. Es sind Verhandlungen im Zuge, um das Erscheinen des „Az Ujsag", dessen Einstellung im ganzen Lande große Beunruhigung hervorgerufen hat, nach einigen Tagen wieder zu ermöglichen. Die politischen Freunde Beniezk.tzS, haben bisher zu dem Vorgehen der Regierung noch keine Stellung genommen. Bekanntlich beruft sich B e n i c z k y in seiner anklagenden Zeugenaussage auch auf den Grafen Julius A n d r a f f y und den Grafen Z i ch y, die in der Lage wären, seine Aussage zu erhärten. Unter solchen Umständen war es nur natürlich, daß die gestrige Parlamentssitzung einen ärrßerst stürmischen Verlauf nahm. * Budapest, 3. Jum. Die heutige Sitzung der Nationalversammlung gestaltete sich überaus stürmisch. Präsident Scitovszky teilte zu Beginn der Sitzung mit, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten Alexander Szabo, Peidl und Hegyinegh- K i s ihn -ersucht haben, vor der Tagesordnung das Wort zu ergreifen, daß er ihnen aber die Erlaubnis verweigert habe. (Lebhafte Zustimmung rechts, großer Lärm links.) Abg. Peidl (Sozialdemokrat): Die Wahrheit läßt sich doch nicht Vertuschen! Abg. Peyer (Sozialdemokrat): Heraus mit den Mördern! (Großer Lärm im ganzen Hause.) Der Präsident erteilte nun dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Dr. Baß das Wort. (Großer Lärm links.) Der Minister wird während seitler Rede fast nach jedem Satze durch stürmische Zwischenrufe von der äußersten Linken unterbrochen. Der Minister führte unter anderem aus, die Zeugenaussage Beniezkys sei eine Angelegenheit, die sich in richterlichen Händen befinde und in die demnach die Politik sich nicht einmischen dürfe. Der Mörder im Honvedminifterimn. Abg. Peyer: Einer von d e n M ö r d c r n i st i m H o n v e d m i n i st e r i u m a n g e st e l l t. Abg. Ruppert (Kossuth-Partei): Wenn man einen Zeugen verhaftet, so ist das nichts anderes als Politik. (Großer Lärm links.) Minister Baß: Bedauerlicherweise ist es nicht gelungen, den Tatbestand aufzuhellen und die Identität dieser niederträchtigen Mörder auszusorschcn. Abg. Peidl: Die Täter sind ausgeforscht! Abg. Peyer: Wir kenne:: sie! Minister Baß: Wenn behauptet wird, daß Mörder in Ungar:: frei umher gehen (stürmische Rufe links und auf der äußersteil Linken: Das ist wahr!), so sind es wahrscheinlich solche, die amnestiert wurde:!. (Großer Lärm.) Abg. Klarik (Sozialdemokrat): Die Zeugen werden verhaftet und nicht die Mörder! Abg. Stephan Farkas (Sozialdemokrat): Wir wollen über diesen Gegenstand sprechen. Warum machen Sie uns mundtot? Abg. Klarik: Und Sie dürfen die Mörder verteidigen? (Großer Lärm rechts und im Zentrum.) Der Präsident ruft den Abgeordneten Klarik zur Ordnung. (Andauernder riesiger Lärm auf der äußersten Linken.) Minister Baß: Die Regierung war, als sie die Enthebung Beniezkys vom Amtsgeheimnis erwirkte, von dein Wunsche beseelt,, den Fall Somogyi« zum Abschluß zu bringen. (Großer Lärm.) Ich will nicht ausführlich erörtern, ob durch die Aussage Beniezkys neue Beweise geliefert wurden. Die Sache befindet sich in den Händen des Gerichtes und wie das Gericht die Beweise einschätzt, bleibt abzuwarien. Abg. Peyer: Weshalb hat man dann den Zeugen verhaftet? Minister Baß: Wenn sich Beweise erbringen lassen, so wird die Gerechtigkeit auf die Täter niedersauscn. Abg. Estergalyes (Sozialdemokrat): Die Täter befinden sich bereits in Südamerika. Rufe links: Oder sie werden amnestiert! Minister Baß: Nein, sie werden keine Amnestie erhalten. Tatsache ist aber, daß noch nicht ermittelt ist, wer die Täter sind. (Stürmischer Widerspruch links.) Das Schwergewicht der Weltwirtschaft und der Weltpolitik hat sich stark nach dem Westen verschoben,' für ihn, der in Kontinenten denkt, ist das Kleinstaatensystem am Mittel- und Unterlauf der Donau, wie es durch die Friedensverträge geschaffen worden ist, eine res judicata. Das war auch einer der Gründe, warum sich die Nachfolgestaaten in der kleinen Entente zusammengefunden haben, um als Staatenblock sich irgendwie im Konzert der Mächte bemerkbar machen zu können. Aus ähnlichen Ursachen unterstellt sich die große Entente immer mehr der Führung Englands und gerade die letzten Tage haben die Westmächte zu einer ganz einheitlichen Auffassung über den . sogenannten Sicherheitspakt geeinigt. Wenn in,der Diskussion darüber Oesterreich überhaupt evwähnt wurde, so geschah es nur in dem Sinne, daß an den bestehenden Staatsverträgen, die den Zusammenschluß mit dem Deutschen Reiche verbieten, nichts geändert werden darf. Doktor Benefch, der in Paris Wohl als Sachwalter der kleinen Entente auftrat, hat sich und damit der von ihm vertretenen Staatengruppe ebenfalls die englische Auffassung zn eigen gentacht und bei dieser Gelegenheit seine alte Idee von der Wirtschaftseinheit der Donaustaaten wieder präsentiert. Chamberlain und Briand, die Außenminister Englands und Frankreichs, lverden in Genf einander treffen, um den Entwurf der neuen Note an Deutschland mit dein ettglifchen Memorandum in Einklang zu bringet:. Es soll sich nur mehr um eine Art Schlußredaktiott handelt:, über - alles Wesentliche herrscht bereits Ueberetnstimmung. Wettn je in Wien sich die Hoffnung at: de:: Gedanken klamntern konnte, daß Frankreich und England in der.Anschlußfrage geteilter Meinung seien, daß selbst in: englischen Kabinett Staatsmänner säßen, die ben Zusammenschluß der beiden deutschen Staaten Mitteleuropas tolerieren würden, so ist sie an dieser Tatsache zuschanden geworden. Wozu also der Lärm? Oesterreich hat bitterböse Worte hören müssen, man hat es wie eit: ungezogenes Kind behandelt, das ungebärdig war uni) nach seinem großen Brüder rief. Seitte Schmerzen wird man durch erfahrene 'Aerzte des Wirtschaftslebens untersuchen lassen. Went: es sich dann im Herbst zeigen sollte, daß Oesterreich selbst alles erfüllt hat, was es in: September des Vorjahres versprochen hat, u::d daß auch dies nich! zu seiner Gesundung attsreicht, so wird man eben eine neue Kur beginnet:, die von den: Konsilium der Völkerbundexperten verordnet werden wird. Die Zustimmung des Patientet: zu dieser Kur wird dabei stillschweigend vorausgesetzt. Regenmäntel in grosser Auswahl zu besonders billigen Fabrikspreisen IM Schiffmann II. TaborstraOe 4k Telephon 47«1»76 En gros En detail i