Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2256 (2.6.1925)
- Date
- 1925-06-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang „W EDO»- KABANOSSEN sind die besten SOMMERWÜRSTE I Erhältlich in jeder besseren Lebensmtttelhandlang Benefch in Paris. Paris, 31. Mai. (Havas.) Ter tschecho^lv watsche Außenminister Dr. Benefch ist in Paris cingetvoffen. Er halte mit Philipp Berthe!nt im Ministerium des Aeußcrn eine Besprechung. $ Set Mörder Hortdd und seine Helfershelfer. Die Aussagen Beniezkys über den Redakteurmovd. — Bcniczky verhaftet. Budapest, 1. fluni. (11. T.-K.-B.) Die Polizei hat heute den gewesenen Minister des Innern Edmund Bcniczky (Loaitimist) in Haft genommen und der Staatsanwaltschaft cingeliefert. Die Verhaftung istwegen „falscher Anschuldigung", Beleidigung des Rcichsvcrwc'crs und Verletzung des Amtsgeheimnisses erfolgt. Beniczky, der vom Rcichsverwefer der W a h r u m g d e s A m t Z g e h c i m n i f f e s entbunden worden war, damit er vor dem Honvedgericht darüber ausjsagen könne, Ivas ihm als fernerzeitigen Minister des Innern über die Ermordung der Redakteure Somogyi und B a c s-o der „Ncpszava" amtlich zur Kenntnis gelangt war, hat feine Aussage schriftlich abgefaßt und ein Exemplar dem Militärgericht, ein anderes aber dem Blatte „Az Ujsag" übergeben. Gegen den „AZ Iljsag", der in seiner Nummer vom Pfingstsonntag die Aussagen Beniczkys in einem neun Spalten umfassenden Artikel veröffentlichthat, ist mit Rücksicht darauf, daß das Gesetz die Veröffentlichung von Daten einer 'im.Zu^''v^Miihen-.U«tertzD^Wt^^. sagt, wegen verbotener' Veröffentlichnngen das Bevfchrmt eingeleitet worden. r:.C' . Die Verhaftung Beniczkys, der am 6. Juni vor dem Mrlitäranwalt hätte erscheinen sollen, war schon für S v n nt a g geplant, und deshalb 'hat sich Beniczky beeilt, feine- Er-? klävungen zu veröffentlichen. - 7' : Mir bringen hier die wesentlichsten -Punkte der Aussage des Ministers: „Als ich Ende August 1919 im Kabinett Friedrich die. Leitung des Innenministeriums übernahm, wollte ich den sich immer wiederholenden Gewaltakten einzelner un-- verantwortlicher Militärpcrsonen ein Ende bereiten und suchte zu diesenr Zwecke in Begleitung der Gmsen Julius Änd r a s s y '.und Josef 51 a r o 1 h i Stofau B e t y 1 e n, den daniatigen Oberbefehlshaber der nationalen Armee, Nikolaus von Horthy, in seinem Hauptquartier auf. Wir. setzten, ihpn auseinander, wie sehr die vevschivdenen <Ästvallakte gerade in der Zeit der Frie.densverhandlu,ugen dem Lande schaden, und baten ihn, dahin wirken zu wollen, daß dieses Treiben von seiten des Militärs endlich aufhöre. Horthy.war wegen unserer Borsprachc sehr nervös und schrie zum Beispiel den Grafen Bethlen mit folgenden Worten an: „S o g a r d «u w endestd i ch g.e g e n mich?" Ueber seinen bevorstehenden Einzug in Budapest gab uns Horthy zwar die Versicherung, daß es k e i n cn Pogrom geben werde, bemerkte aber zugleich, haß einige Personen „baden" würden, wobei er f verlas und folgende Drohung ausstieß: „Me, die - gleich einen Artikel des Redakteurs Emmerich Roboz solche Sachen schreiben, und auch der, der diesen ArliM geschrieben hat, werden baden." Er versprach hierauf, daß er ohne - mein Wissen und meine..Züstiurnmng nichts mehr unternehmen würde. Dennoch ereignete es sich bald, daß von Siofok zwei Mi- Utärpcrsoneu in Zivil nach Budapest kamen,, um den Redakteur Rodoz und seinen Bruder aus höheren B ca fe h l z u v e r h asten und nach Siofok zu bringen. Dies, gelang ihnen zwar nicht, denn Roboz stand damals unter dem Schutze der rumänischen Besatzung, aber unterwegs habest sie einen gnderen „Angeklagten" in Hast genommen. W üvar dies der gewesene OberPxofoü H a y d c n, der ans Siofok geflüchtet war und über seine Erlebnisse in der ,^lltzpszetva"zwei Artikel veröfsentlichen ließ. Als die beiden Offiziere Hmthi) nreldeten, daß sie den Verräter selb st hinrichten wollen, antwortete er ihnen: ,^JHr habt. s.ch.pu auswärts gen u g geschwelgt,'laßt uu'S. f o ke r-n auch etwas ü b r ig." n; Sfc-i einem.Abe u b c [f c» im Mi niste r -p r ä s i-! diu m, bei dem auch Horthy zugegen, 'war, kam später diese! Angelegenheit zur Sprache und man suchte den Oberbefehlshaber davon zu überzeugen, daß dieser frevelhafte Mord nicht ungesühnt bleiben könne. Horthy gab auch das Versprechen, daß er alle Schuldigen bestrafen lassen würde, a u ch w e n n e s s e i u e „1 i e b st e n Offiziere" wären. Er hielt jedoch sein Wort auch dies- .m a l nicht. Trotzdem festgestellt werden konnte, daß an der Mordtat Offiziere des Detachements Ostenburg beteiligt ivaren und daß zur Verschleppung der beiden Redakteure das Automobil des Detachements benützt wurde, war nicmalsgegendieOfsizie reein Verfahren c i at geleitet w o r d e n. Der Bruder der Braut Ostenbuvgs, Graf Johann Esterhazy, behauptete, zu wissen, daß Ostenburg eincu Brief Horthys in der Tasche trage, worin c r kl ä r t wird, daß i h m wegen dieser Mordtat nichts geschehen könne. Der Verhaftete wurde.daher mit seiner Frau nach Siofok gebracht. Von hier gelang cs H a y d e u, zu fliehen, während seine Frort den erlittenen. Mißhandlungen erlag. Ms dann die nationale Armee nach Abzug der Rumänen in die Hauptstadt cinmarschierte, wurde die Wohnung des Redakteurs Somogyi-von einigen Offizieren widerrechtlich beschlagnahmt und Somogyi gezwungen, alle seine Habseligkoitcn und. Vorräte zuhinterlassen und die Wohnung zur Lumen. Es gelang mir jedoch, die Wohnung für Somogyi zu'retten, so daß er seine publizistische Tätigkeit auch weiterhin unbehindert ausüben konnte. Er schrieb dann auch eine Reihe von Artikeln, in Sie rabayroduMo«. : In Anbetracht des wichtigen Platzes, bcu der Tabakbau in der Palästina-Aufbauarbeit einnimmt, ersuchte der J.T.A.- Vertreter den bekannten Berliner Tabakindustriellen Herrn Gamuel Lublin er um seine Meinungsäußerung über die Aussichten der palästinensischen Tabakproduktion. Herr Lubliner hat sich die gesamte Tabakproduktion von Galiläa gesichert -und vr,r kurzem zwei große Zigarettenfabriken, die eine in Tel- A w i w, die andere in New - Aork, errichtet, die ausschließlich Palästinatabake verarbeiten. Außerdem läßt er in seinen Fabriken in Deutschland drei bereits sehr populär gewordene Zigareticnsorten aus Palästinatabaken Herstellen. Herr Lubliner teilte folgendes über seine Unternehmungen und Erwartungen mH: Es ist mein Streben, aus den Palästinatabaken eilt besonders delikates Fabrikat herzustellen und zugleich einer großen Zahl von Menschen in Palästina Existenzmöglichkeit zu verschaffen. Sollte mein Plan gelingen — es hängt sehr viel von dem breiten jüdischen Publikum ab —so ist cä möglich, daß Palästina in den kommenden fünf Jahren 3 bis 3 Millionen Kilogramm edelsten Tabakes produzieren Wird, wobei 60.000 bis 60.000 Personen in cher Tabakindustrie direkt beschäftigt werden würden. Es wird mit der Zeit nröglich sein, 16 Prozent der gesamtett Palästinabevölkerung in der Tabakindustrie eine gute Existenzmöglichkeit zu schaffen. Man muß aber bei der Produktion sehr sorgfältig zu Werke gehen und nur die edelsten Tabake der Welt produzieren. Herr Lubliner, der beu Kolonisten von Galiläa die gesamte Produktion abgekauft und ihnen Vorschüsse für später gegeben hat, holte die besten Fachleute des Orients zwecks fachlicher Ultterweisltng der Pflanzer heran und finanziert 16 Persuchsstellen, in denen das gesamte Problcul der palästinensischen Tabakkultur unter Aufsicht der ziottistischeu Versuchsstation studiert wird. Die bisherigen Resultate, sagte Herr Lubliner, sind dazu angetan, alle Freunde des jüdischen Ratlonalherrnes mit Genugtuung zu erfüllen. Es hat sich nänckich herausgestellt, daß, wenn man in Palästina türkischen Tabaksamen sät, die Pflanze dann ein weit edleres Produkt darstellt,'als es der türkische Tabak atts gleichem Samen ist. Der Boden uub die Sonne Palästinas geben dem Produkt ein spezifisches Aroma uub einen Geschmack, wie sie in keinem anderen Lande erreicht werden. Palästina eignet sich nicht für Massenproduktion, da die Well an billigen Tabaken übersättigt ist. In Palästina ziehen wir nur c b c 1 ft c Sorten, die sich für den Tabakbauer finanziell attch besser rentieren. Palästina soll dem Weltmarkt 3 bis 5 Millionen Kilogramm edelsten Tabakes für die verwöhnte'- t Raucher zuführen. Es muß eilt Tabak produziert werden, .er ebenso berühmt wird wie das Land, das ihn erzeugt. Herr Lubliner schloß: Zu meiner Arbeit in Palästina hat mich nicht das geschäftliche Prinzip geführt. Ich toisi mein Teil denen er die Ucbergriffe geißelte, doch wurden diese Artikel von der Zensur unterdrückt. Einer dieser Artikel wurde im Bürstenabzug im Mllitärkasnro verlesen. Bei dieser Gelegenheit war auch Horthy anwesend. Als jemartd bemerkte, daß es schon höchste Zeit wäre, diesen „Schurken Somogyi" in die Donau zu werfen, bemerkte Horthy: „Mau sollte weniger sprechen und lieber handeln! Einige Tage später fhtb dann Somogyi und Baeso unter den bekannten Umstanden v c r s ch w u n d e n. Die Täter wurden seinerzeit von der Polizei ausgeforscht. Es sind dies der Oberleutnant Emil Kovarcz, der Leutnant Ladislaus Megah, Oberleutnant Arpad Szaka-cs und der Marinefähnrich Krtzah Lehrer. ‘ Es ist möglich, daß an der Tat auch eine fünfte Person beteiligt Ivar, an deren Namen ich rnich jedoch nicht mehr erinnern kann. Von den Tätern haben Szakacs und Lehrer seither Selbstmord verübt. Die Polizei hat die auf die Mordtat bezüglichen Akten dem Militärgericht übergeben und die Verhaftung Megays und Kovarsz verlangt. Gegen diese wurde dann auch das Verfahren eingeleitet, jedoch nicht unter dem Verdachte des ALordes, sondern taetl sie ein Militärautomobil, das die Nummer A 3—36 trug, in dem Somogyi und Bacso verschleppt wurden, unbefugt an fremde Personen vermietet haben. Hiefür wurden sie zu 30 Tagen Zimmerarrest verurteilt. >Damit ivar die Sache für das Militärgeri,cht a lb g e t a tö.Md man erklärte, daß ura r der Täter uicht Habhast werden Iöitue,., haben an dem Aufbau des Landes, dem ich nicht nur Kapital, sondern auch meine 30jährige ErsaZMug in der Tcchakproduktion zur.Verfügung stelle, > 2er Louriftenftrom nach PMftina. Der März vxrr nicht rmr ein Rckordmonat für die Einwanderung nach Palästina, sondern auch für den Touristenverkehr. Nach den offiziellen Berichten kamen in diesenr Monat 8003 Besucher, Durchreisende und Pilger nach Palästina. Außerdem kchrten 1757 PaläjstinensMe Einwohner M diesenr Monat in chr Land zurück. Diese großen Ziffern sind natürlich ans die Eröffnung de-° Universität und die Ztzesiachfeiwta-ge surüchzuführen. Hebraifferung Wischer Namen in PMftina. Das Amtsblatt vour 16.' März veröfifentlicht eine Lifte von -Namensätldermtgen, die bei der Regierung eingetragetr und für die Zertifikate ausgestellt sind. Die nreisten Rauten wurden ins Hebräische übersetzt, Sv wuvde der alte Pamre Edel in Adini, Krupernik in 'Kemach, Jsraeleüvitsch in Jsraely, KahaneMM in Kcchani, Holovchiner. in Rosch, Seelensrennd ü"- Jchidia mrd G.reetffpon m JoÄi uurgewandelt, Grobe Spende Scholiens für den Keren Kaiemeth. Herr S. S ch v ck e n jun. hat seine im Aufträge der Zion'u stischen Exclutwe, des Fin-atrz- und Wirischaftsmtes und des Keren Kajemech uirternornmenen Untevsuchungerr in Palästina abgeschlossen mtd ist nach Europa zurückgeDchrt. Bor seiner Ab-, reise hat er den: äderen Kujemeth eine Stiftung von 2000 Lgypt, Pfund übevwiesett. Herr Schocken ist bekaimtlich einer der Direktoren t>/ Keren Kaijemeth 1'Israel. Polen bleLbt weiter an der Spitze der Nationalfon-Seinnahmen«. Polen hat im Monat April insgesamt 6496 ägypt. Pfurtd an den Keren Kajemeth abgeliefert und bleibt damit weiterhin an der Spitze aller Länder, Amerika mit inbegriffen, das im April 6267 ägypt. Pfund einbrachte. Bon den Gesamteinnahmen des Keren ätajemeth l'Jsrael in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres (Oktober bis April), die sich auf 133.707 ägypt. Pfund beziffern, entfallen auf Polen 33.507 ägypt. Pfund. Den bemerkenswerten Fortschritt dieses Landes kann man feststellen, wenrc man diese Zahl mit dev des Vorjahres vergleicht, die nur zirka 3100 ägypt. Pfund füv den gleichen Zeitraum ausmacht.