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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-29 · Heft 2253 (29.5.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2253 (29.5.1925)
Date
1925-05-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Wien: Zum Abholen in der Expedition, BL Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Gol dschmied, I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon.Din.6Q. Polen:Mon. 4Zioty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 erbehängen Vorbehalte» Nr. 2283 _ Wiener Mommrettimg lPrals 80 a Engl a n dt Mon.4Schilling. Italien: Monatl. 18 Lre: Rumänien: Mon. 170 Lei Bulgarien:Mon.lOOLewa Schweiz und das übrig, Ausland monatlich Frcs. S Redaktion, Administration Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D, uckerei lg. Steinmann) Me«. Freitag. 29. Mai 1988 " Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Fahrgang Rodenbauer mm Nusswaldgasse 5 506 Täglich Musik und Gesang Erstklassige warme Küche Vorzügliche Weine Jepeschenwechsel zwischen Weizmann und Plumer. Eülonel Stzmes — der Letter der polttifchen Verwaltung. Das Gesetz. —y. Wien, 29. Mai. Die Verfassung des jüdischen Volkes, die in zehn knappen Sätzen formuliert ist, hat das Leben und die Entwicklung aller führenden Nationen befruchtet. Was diese Verfassung über die Rechte des Individuums und seine Stellung zu Familie und Gesamtheit bestiiwnt, ist in die Gesetzgebung aller zivilisierten Völker ausgenommen worden, und alles, was in zweitausendjähriger Fortbildung der rechtspolitischen Begriffe erreicht worden ist, geht vom jüdischen Gesetz aus und kehrt zu ihm zurück. Die imperative Fassung der für die Gesellschaft und für ihre Organisierung grundlegenden Bestimmungen konnte durch keine andere Diktion ersetzt oder verbessert werden. „Du sollst nicht morden!". Du sollst nicht stehlen!", „Du sollst nicht begehren des Nächsten Gut!" — das find einfache und dem Kind wie dem primitiven Menschen verständliche Aufträge, die ihre Begründung in sich selbst tragen. Die Ehrfurcht vor dieser jüdischen Lebensordnung, die durch ihr Alter geheiligt ist, wird noch verstärkt durch den Hinweis auf die Zeit, in der sie entstanden war. Das Sklavenvolk, die Armee der rechtlosen, ausgebeuteten Ziegelstreicher schuf sich, .nachdem es das Land der Fron verkästen hatte, ein Recht, das alle Zeiten überdauern sollte. Was ihm im ganzen und in den Teilen widerfahren war, das wendete es nicht in der ersten Freude der Freiheit auf seine Feinde -an, sondern verdammte es in bindender, unzweideutiger Diktion und wurde dadurch beispielgebend für alle Denker, die das Menschengeschlecht aus .der Barbarei herauszuführen sich bestrebten. Das Beispiel ist aber auf seinen Autor, auf den 'Schöpfer des Gesetzes nicht angewendet worden. Durch Jahrhunderte wurde den: jüdischen Volk, nachdem ihm die Heimat und die Unabhängigkeit geraubt worden war, auch das Recht auf das nackte Leben streitig gemacht. Es wurden an ihm alle Frevel begangen, die es in seiner Verfassung gebrandmarkt hatte, und dieses Massenverbrechen wurde gerade von denen verübt, die die jüdische Ethik zur Grundlage ihrer Gesellschaftsordnung gemacht hatten. Alle Nationen, die der Geschichte des Erdballs ihren Stempel aufgeprqgt haben, nahmen an dieser Verfolgung teil, um so, im Sinne ihrer historischen Entwicklung, dein jüdischen Volk ihren Dank abzustatten für das Gute, das es ihnen geschenkt hatte. Könige und Kirchenfürsten lernten die Bibel auswendig und mordeten das Volk, dem sie dieses Buch der Weisheit und des Gesetzes verdankten. Sie nahmen dem Volk die Luft zum Atmen, mordeten und raubten es aus, verboten ihm Landbesitz, lebten und praßten von seiner ehrlichen Arbeit und fanden immer neue Vorwände für ihre Art der Befolgung der göttlichen Gebote. Die Führer dieses europäischen Haßshstems hatten sich ein eigenartiges Rezept zurechtgelegt. Ihr ganzes Leben, ihre geistige und soziale Arbeit war auf der Gewalt der Faust aufgebaut. Sie standen in ununterbrochenem Krieg gegeneinander, aber sie fanden stets untereinander die Verbindung, gemeinsam am jüdischen Gesetz zu schmarotzen und das jüdische Volk auszuplündern. Daß das jüdische Volk diese Jahrhunderte des blutigen Einerlei, des Permanenten Schreckens überdauerte, ohne in seiner Seele zusammenzubrechen, ist die Wirkung des Gesetzes, das ihm die Achtung vor dem Leben, vor der Arbeit, vor der Freiheit zur zweiten Natur gemacht hatte. Auf die Bibel stützten sich die Männer, die am Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts zu den Massen sprachen, und ihnen das Bewußtsein ihres Wertes gaben. Das jüdische Gesetz erfüllte wieder seine befreiende, bauende Mission und enthüllte die große Lüge, deren Opfer die arbeitende Menschheit in der Unterdrückung durch die Drohnen gewesen war. Der Kampf um die Freiheit begann erst und er ist bis heute nicht beendigt. Es ist eine schrittweise Entwicklung des Nechtsbegriffes eingetreten. Erst fiel die legale Sklaverei, dann die Ä'.'beigenschaft der Einzelnen. Die Völker als solche sind n«rch immer nicht frei, stehen im Banne der Reste der mittelalterlichen Fmdalität, die .unter verschiedenen London, 27. Mai. Der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. W e i z m a n n, richtete an den neuernannten Oberkommissär für Erez-Jsrael, Lord Plumer, ein Begrüßungstelegramm. In dieser Depesche begrüßt Weizmann den neuen Chef der Erez- Jsrael-Regierung namens der Zionistischen Exekutive und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Amtsperiode Lord Plumers eine Zeit den Entwicklung und des Aufblühens des jüdischen Nationalheimes und des allgemeinen Wohlstandes des Landes bilden werde. Lord Plumer dankte in einem Antworttelegramm für die warme Begrüßung. In einem Gespräch mit einem Vertreter der I. T. A. erklärte Dr. Weizmann, daß. die Ernennung Lord Plumers zum Oberkommiffär von Erez Israel für ihn eine Ueberraschung war. Er habe die Ernennung erst aus den Blättermeldungen erfahren. L§mUsn der polnischen Lire- Premiers. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 28. Mai. Der linksagrarische Klub der Arbeit, den: der polnische Vizepremier Thugutt politisch angehört, hat beschlossen, in Opp os i t i ö n zur Regierung Grabski zu treten und daher den Wunsch ausgesprochen, daß Dhugutt demissioniere. Da auch andere Klubs der polnischer: Linkspartei aus Gründen der Taktik verlangten, daß Dhugutt aus dom Kabinett Grabs!: auSscheide, hat der Vvzepwmier heute seine Demission gegeben. Wie bokannt, ist Dhugutt im Kabinett Grabski hauptsächlich mit den Reformen in den Randgebieten sowie mit den Angelegenheiten der M i n d e r h e i t e n befaßt gewesen. __ Rückkehr de« Polizeipräsidenten Schober. Besprechungen mit politischen Persönlichkeiten in Paris. Polizeipräsident Schober, der vorgestern vormittags in Paris eingetroffen und vom Gesandten Eichihoff im Bahnhof begrüßt worden war, hatte im Laufe des Tages Unterredungen mit verschudenen politischen Persönlichkeiten. Der Polizeipräsident, der sich über die Ergebnisse seiner amerikanischen Reise sehr befriedigt geäußert hat, setzte seine Heimreise fort und ist gestern gegen 11 Uhr a'bends mit seiner Gemahlm, Frau Helene Schober, in Wien eingetrofsen. Masken um ihre Geltung kämpft, die sich politisch und sozial ihre Privilegien wieder zurückerobern will. Die Kräfte dieser längst vergangenen Zeit streben wieder hinauf und sie haben den großen Haßbann wider das jüdische Volk wieder aus ihrer Rüstkammer herausgeholt. Das jüdische Gesetz, das den Mord verbietet und das Eigentum achtet, ist ihnen ein Dorn im Auge, und nachdem es offenbar geworden ist, was das Abirven von diesem Gesetz an Schaden stiftete, die Seelen und die Menschen verdarb, soll das jüdische Volk daftir bestraft werden. Wir haben uns entschlossen, das unsere zu tun, diesen Zustand zu beenden. Wir wollen die Rechtlosigkeit der Helotennation nicht mehr tragen und wir wollen unser eigeil Recht auf unserem eigenen Boden. Merkwürdigerweise hat auch dieses Streben den alten Unmut nicht abgeschwächt. Der Judenhaß greift auf dieses Ge- Eine militärische Ernennung. Jerusalem, 27. Mar. Die hebräische Presse des Landes bespricht lebhaft die Ernennung Lord Plumers zum Oberkommiffär von Erez Israel. Es wird im allgemeinen der Meinung Ausdruck gegeben, daß diese Ernennung vonmilitärischenRücksichtendikt i e r t worden sei. Marschall Plumer werde offenbar zum Generalissimus der britischen militari^ scheu Kräfte, im nahen und mittleren Asien werden. Die politische Verwaltung von Erez Israel werde in den Händen des gleichfalls jetzt ernannten neuen Generalsekretärs der Erez-Jsrael-Regierung Colonel Symes liegen, der als Freund des Zionismus bekannt sei. Namens der Zionistischen Exekutive in Erez Israel sandte N a h u m S o k ö l o w ein Begrützungstelegramm an den neuen Oberkommiffär. Ermiißignng der Bisageblihren imösterreichM deutschen Reiseverkehr. Ai 1. Juni. Berlin, 28. Mar. (Wolisf.) Auf GrunÄ der Vereinbarung zwischen der deutsche n und der ö st e r r e i ch is ch e u Regierung werden die von den beiderseitigen Staatsangehörigen zu erhebender: S i ch t v e r m e r k g ebiiihreu v om 1. Iuitiancrmäßigt Sie betragen künftig je nach der Häufigkeit des GvenMertrittes eine beziehungsweise fünf oder zehn Reichsmark. Haftentlassung zweier Brüder Kntisker. Berlin, 28'. Mai. (Tel.-Komp.) Auf Grund der wieder* holten Hastentlassungsanträge und nach eingehender Besprechung mit dem Generafftaatsanwalt hat der Untersuchungsrichter honte beschlossen', die Brüder Alexander und Max Kn t ist er gegen eine Gesamtkaniion von 60.000 Mark aus der Untersuchungshaft zu entlasse n. Der Hauptbeschuldigte Iwan Kutisker befindet sich weiter in der Charite und dürfte vorläufig n i cht auf freien Fuß gesetzt werden. Die Regierungskrise in Belgien. Max legt die Kabinettsbildung zurück. Brüssel, 28. Mn. (Tel.-Konch.) Der Brüsseler Bürgermeister M a x teilte heute dem König mit, daß er den Auftrag zur Bildung des Kabinetts zu rücklegen müsse, weil die Katholiken und die Sozialisten die vor: ihn: vorgeschlageue Lösung a b g e l e h n t hätte::. biet über und er will sich mit vertausendfachter Wut auf das Volk werfen, um eS ganz zu vernichte«. Es ist keil: Sinn in diesen: Treiben und deshalb wird es mißlingen. Für uns aber ist dies ein Beweis, daß wir auf den: rechten Wege sind. Wix Haber: unser Schicksal selbst in die Hand genoinmei: und wir bleiben dabei, daß das jüdische Volk nur durch die jüdische Arbeit erlöst werden kann. Wir lasser: uns durch nichts stören, wir machen unser Geschick nicht abhängig vor: politischen Konstellatioiteit, von Launen der Parteien und der Menschen. Das Iudentuu: entscheidet selbst über sich und baut sich seine Heimat. Finden wir redliche Mithilfe, so sind wir ihr dankbar. Wird sie uns verweigert, so wird uns auch das nicht hindern. Wir sind mündig und innerlich frei geworden. Das Vertrauen ans unsere Kraft ist die Feuersäule, die in der Wüste dem Zug der zehneinhalb Stämme voranging.

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