Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2252 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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fPolen: 20 gi osay | Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle ''Trafik) monatl. 5 Schilling Straisenverkaul in Wien durch die Kolporteure der Eirma Gol dschmied, Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Pres. 18 Nachzahlungen bei Preis« erhöhungen vorbebeUe» Wiener orgeiyeitung Ipreis 30 q England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lre, Rumänien: Mon. 170 L i, Bulgarien :Mon.lOOLewa, Schweiz und das übrige Ausland monailicn Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II, Taborsir. 1 Telephone: M-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX. Univcrsitiitsstrassc 6-8 (D uckerei 'g. Stcinmami) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 2252 Me«, Lonnerrtag.' 28. Mai 1925 7. Jahrgang Me Ernennung Lord Plumers. Sine Wendung in der britischen Politik r London, 26. Mäi. W. T. A.) Die a ntizio'nisti-> sche ,Morning Post" schreibt Kur Ernamumg des Foldm-arscholls Lord Plumer zum Oberkommisjär Palästinas: Bei denjenigen n ich tsionistischen Kreisen, bei denen ein Interesse für Palästina besticht, hat die Evnemmng Lord Plumers Befriedigung imd sm Vorgefühl -der Erwartung hervovgerusen; das BorgeifiiM nämlich, daß diese Ernennung eine Modifizierung der britischen Politik betreffend die Errichtung des Jüdischen Na-tion-alche'vmis einleitot. Dagegen konnte «man ans den zionistischen Kreisen, so auch aus dem sHaulPltibuveau 'der Zionistischen Organisation keinerlei Meu ßerung für die PMikaiion erhalten. Gewiß ist, daß die Ernennung de's Feldmarschalls Lord Püuner zum Nachfolger Sir Herbert Samuels Gegenstand einer außergewöhnlichen Diskussion H-r«^er den Kulissen war. Die Ereignisse in PaWstma und in Syrien zur Zeit des.Besuches Lord Galfonrs in diesen Lander» gaben vielen Mitgliedern des Unterhauses sowie der Mehrheit der 120 Pablamonßavvev, die sich zur Mi t-telo st gruppe zuisammonschlosfert, Anlaß zu mancherlei Erwägungen. Es scheint, daß die allgemeine Ansicht dahin ging, daß eine Modifizierung der Ostpolitik notwendig sei, um die arabische Empfindlichkeit zu schonen. Es ist M verstehen, daß diese Erwägungen die Minister dazu beiwogerr Haben, don Pasten Lord Plwrner anWbiotein. Man Erwartet, daß Lord Plrwrev die Araber dazu, wird bewegen Onnen, in einem, höheren Maße als bisher Mit der Regierung zusammen zu arbeiten. Man kann sve-Mch noch nicht sage», nach welcher Richtung Und mit welchen Mitteln der neue High-Emmnifsioner diese Linie der Politik verfolgen wird, evident ist aber, daß schon dieser .Gedanke gewisse Befürchtungen unter den eifrigeren Zionisten geweckt lha-L Man muß zngeben, Mioßt „Morning Post", daß Sir Herbert Samuel seine außerordentlich schwere Aufgabe vorzüglich erfüllt hat. Er hatte sich einer dofinr'tiven Politik anzupassen. Gur Oberkommisfär, dem Takt und G eduld nicht in dom gleichen Maße zur Verisügung sichen, kann -in diesem heißen Rass-en!ka>mps leicht verwirrt werden, zum Nachteil der Administratlou und zur Desorientierung der Zentvalregierung. tz-rne OberhauSdebatte über: die Bodenfräse. In der Sitzung! des engl «scheu Oberhanseis vom 20. Mai richtete Lord Raglan an die Regierung div Frage, wie groß in Palästina der anbaufähige Boden ist, wieviel von demselben von den Arabern und wieviel von den Judenbearbeitet wird? Wie groß endlich ist die für die jüdische Siedlung noch zur Verfüg u u g st e h e n d e Fläche? Es sind mancherlei Gründe vorhanden-, führte Lord Raglan weiter aus, weshalb die Regierung diese -Informationen geben müsse. Mehrere aufoinauder folgende Minister ha'ben erklärt, daß Juden nach Palästina nur gemäß der Aufnahmefäh>igkeit des Landes heveingelassen werden foll-sn. Dessenungeachtet sind ln deu letzten fünf Ja-Hven 35.000 Juden ins Land gekommen, -Von denen sich aber nur 2000 bis 3000 -auf dein Lande niede vließe», während der Reist in die bereits überfüllten jüdischen Bier-tol von Haifa, Jaffa und Jerusalem zog. Die Informationen sind aber auch aus einem anderen Grunde erwünscht: m Süde u r o p a studieren Juden die L a n d w i r t s ch a f «t, um sich dann in Palä-sti-na di-ostm Zweige zu widmen. Wenn auch Palästina landwirtschaftlich so dicht wie etwa 'J o rkshire besiedelt wird, so wird es nur noch ettva 150.000 Landwirte aufnchmen können. Lord Stanhope erwidert i,m Namen der Regsteru-ng: Palästlua mißt insgesamt 27 Milliouen Du'nam; davon entfallen auf die südliche Wülste 7 Millionan Duuam, etwa 7,5 Millionen Dunam uMtltiv'ierten Landes 'werden für Städte, Dörfer, Eisenbahnen und Wege abzurechuen sein, so daß nur 12,5 Millionen Dunam für Kultivierung UeMelben. Bon diesem Boden bearbeiten die Araber etwa 9 Millionen Dunam, wovon ein Drittel eigentlich unbebaut bleibt; 850.000 Dunam bearbe-iten die Juden, 150.000 Dunam Angehörige anderer Nationen. Es verbleiben demnach etwa 2,5 Milliolnen Dnnam unkMiv'ierten Bodens, van welchem wahrscheinlich nicht mehr als 1,5 Millionen der jüdischen Siedlung w Zukunft zur Verfügung stehen lverden. Es soll aber bemerkt werden, daß es loegen des Fehlens genauer Berichte unmöglich ist, siche re Ziffern zu nennen; -was demnach mit Bezug auf das freistehende -AnsiedlungiÄand gesagt worden ist, beruht lediglich auf Vermutungen. Die politische Arbeit der Araber. Jerusalem, 26. Mai. HI. T. A.) In den Kreisen der arabischen Führer Paläistinas wird eine Aktion geplant, die zum Ziel haben solst zwei Weltorganisationen zur Unterstützung des Arabertums in Palästina ins Leben zu rufen. Die eine Organisation soll alle moslemitischeu Länder zum Schutze des Islam in Palästina vereinigen, die andere Organisatiou soll sich den Schutz der Christenheit in Palästina angelegen sein lassen. Bureaus dieser Organisationen sollen in allen -Ländern der Welt eingerichtet werden. Herbert Samuels Abschied. Ein Ritt von Dan bis Berseba. K. Jerusalem, 26. Mai. Der Qbevkomnnssär ist soeben nach Jerusalem zurückg-Ächrt von einem Ritt, der ihn von Del-eil-iKadi, dem alten Dan, im äußersten Norden Palästinas bis nach Berseba gesülhvt hat. Die'Reisestrecke betrug 260 Meilen und unterwegs besuchte der High Cvumnisswner die Städte Safed, Lhdda, Ramllich und Berseba und 26 arabische und 6 jüdisch« Dörfer sowie 3 Boduiuenlager. Während des letzten Teiles seiner Reife -war Sir Herbert Samuel der Gast verschiedener Beduin-enstämme. Er wurde überall herzlich empfangen. In Tel-el-Kadi waren alle Scheichs der Hule-Gbene, ungefähr 200 Reiter, versammelt, um ihn zu begrüßen. Mancherorts wurden Äfftritliiche Empfänge veranstaltet und Ansprache,» gehalten, es gab -Tanzfestlichkeiten am Abend usw. Der High Commissioner nahm die Gelegenheit wahr, dom Volke Lebewohl z u s a g e n, nachdem seiine AmtZperiode Ende. Juni Mausen lvird . __. Vor einem Wechsel im syrischen Lderkommissariat. Statt Sarrail — Debeney. Paris, 37. Mai. (Wolfs.) Wie der ,Molair" meldet, soll das Kriegsiministeviunr die Absicht haben, den General 'Rollet zum Chef des Gemralstabes an Stelle des Generals Debeney zu ernennen. Letzterer werde den General Särraill als ObeMmnmMevenden in Syrien - ersetzen. Sarrail seinerseits soll §UW Mlitärgouverneur von Paris ernannt 'werden! i - Re gudenpM« kn Rußland. . Eine bemerkenswerte Rede Larins.! Moskau, 26. Mai. (I. T. A.) Das Mitglied des Zentralexekutivkomitees -der Sowjets Lar i u, der seit dem Tode L e n i n s als die wichtigste Persönlichkeit im jetzigen Rußland betrachtet wird, hielt anr 20. d. aus der allmssischen Konferenz der Sowjets eine Rede über die Politik gegenüber den VoWwinderheiten, die großes Aufsehen erregt hat. Er kritisierte scharf die national-autonom e u Republiken innerlhallb der Sowjetunion, die die nationalen M'mdecheiten in -ihrem Bereiche ungerecht behandeln. Er führte unter anderem die folgenden Tatsa-che>n an: In den Dörfern WerHrußlanids macht die jüdische Bevölkerung 7,6 Prozent der GesamGevdMvnng aus, in den -lokalen Sowjets sind die Juden aber nur inr Verhältnis von 3,7 Prozent vertveiten. In der Ukraine ist die jüdische Vertretung in den Sowjet nur ein Drittel fo groß, als sie sein Müßte. Besonders griff Larrn die Krim-Regler -u ug an, die den jüdische rr Kolon isten verbietet, ihre FanMenaugeihörigen aufs Land zu v-riingen, wenn diese nicht gleich ihnen schon am 4, März sich auf dem neuen Boden erngeifundetr haben. |1 VORZÜGLICHEN schwarzen und weissen i KAFFEES Sl ■ millllllllilllllllllllllllilllllllllllllllllllllll an Kaffeebohnen 1 erreichen Kaffeehäuser, Bnrs.Hotelc etc. m mit der „ETERNA-EXPRESS-KAFPEEMASCHINE“ ^GEFIAWERKEfl.O.,WIEN,’ S BersSumnifse und ihre Folgen. —y. Wien. 28. Muk. Die ununterbrochenen Reizungen der Oeffentlichkeit durch die studentischen und nichtstudentischen Hakenkreuzlerverbände haben einstweilen zu zwei Resultaten geführt, die in gleicher Weise beschämend für den Staat uüd seine Hauptstadt sind. Das eine ist die Absage des Besuches des tschechischen Außenministers Benefch, die ausschließlich wegen der Besorgnisse für seine persönliche Sicherheit erfolgt ist. Herr Mataja hat dies zwar gestern im Nationalrat dementiert, es gibt aber keine andere Erklärung für diesen Entschluß der Prager Regierung. Die Demonstrationen waren in der präzisesten Vorbereitung begriffen und man hätte das Schauspiel erlebt, daß die Wiener Polizei am Freitag abends den Ballhausplatz hätte räumen und absperren müssen. Es ist gut, daß dies unterbleiben kann. Es ist aber nicht gut, daß derartige Pläne auftauchen konnten. An -dieses Ergebnis der rlationalistischen Hetze schließt sich als zweites, nicht minder unwichtiges, die gestern abgehaltene Konferenz der Rektoren, welche endlich so etwas wie einen Ansatz zur Energie gegen die schändlichen Vorfälle an den Hochschulen ergab. Zwei Wiener Lehrstätten wurden geschlossen, eine dritte ist wegen des famosen Streiks der Völkischen gegen die Aufnahme von Auslandsjuden gesperrt, an allen übrigen ist der Legitimaüonszwang verfügt worden. Diese Maßnahmen gehören mit in das Bild, das sich der Genfer Konferenz bietet, wenn sie in der nächsten Woche ihre Beratungen über Oesterreich aufnimmt. Die Bevölkerung Wiens verdient es nicht, daß ihr guter Ruf durch solche Ausschrertuugen angegriffen wird. Sie ist gastfreundlich, liebenswürdig und fleißig. Sie kennt die Stellung und die Pflichten einer Großstadt, die zwischen dem Osten und den: Westen zu vermitteln hat und sowohl als bedeutende Kulturstätte wie als ' großer Warenumfchlagsplatz weltpolitische Funktionen besitzt. Die Bedeutung der Donau-Metropole konnte trotz aller Wirren der Umsturzzeit nicht erschüttert werden und alle Anstrengungen der Sukzessionsstaaten, die Gesetze der Verkehrsgeographie umzuleiten und den veränderten Grenzen anzupassen, scheiterten an nichts anderem als dem guten Namen Wiens. Die alten Beziehungen zur weiten Welt wurden ausrechtgehalten, nicht zuletzt durch die Tüchtigkeit der Mischen Kaufleute. Aber es ist heute fraglich geworden, ob diese freundliche Stimmung weiter bestehen kann. Der Fremdenhaß der Bureaukratie, verstärkt durch beit offiziellen und nichtoffiziellen Antisemitismus, die Provokationen der bewaffneten Formationen und die Professorenhetze gegen die jüdische Geistigkeit haben üble Wirkung getan und den Staat, der auf das Wohlwollen der Welt angewiesen ist und sich ohne Sympathien im Ausland kernen Tag halten könnte, in die Isolierung geführt. Das fällt in besonders fühlbarer Weise ans Wien, dessen Bevölkerung in der übergroßen Mehrheit die nationalistischen Roheiten ablehnt, aber doch schließlich nervös werden muß, wenn sie sieht, daß niemand sich für die Verteidigung der Rechtlichkeit bereit findet. Wien ist, wie die Wahlen seit der Revolution immer wieder zeigen, in der Mehrheit sozialdemokratisch. -Die Herrschaft über die Stadt und über das Bundesland Wien ist fester Besitz der Partei der Arbeiter. Aber von seiten der Führer dieser zweifellos freiheitlich und st-Sonderangeliote in R«9«nnt8nt«ln, Sommerstoffen, Damenu. Herrenwäsche, Badekostümen, Teppichen, Vorhängen etc. zu unerreieht billigen Preisen bei 1 Schiffmann II. Taborstraße 48 Telephon 47-1-7 Bll gros kn