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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-27 · Heft 2251 (27.5.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2251 (27.5.1925)
Date
1925-05-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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|Polen: 20 aroszy j W1 eit: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle rTrafik) monati. 5 Schilling Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Gol dschmied, I.. Wollzeilc 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch echo-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Zeigt en: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei Preiserhfihnngen Vorbehalten Nr. 2251 Wiener das müheiose Parkett-Glanzmittel ErhlUUd» In allen elnfdil&gigen GefchÄfien Morgmrettung IPreis aü mI England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monati. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, BulgaricntMon.IOOLewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frca. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. f Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D. uckerei lg. Steinmann) Oesterrelchisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 SBiett, Mittwoch. 27. Mai 1925 7. Fahrgaag Russi.'che Repressalien wegen Mataja. Stornierung vo« ruffischen Aufträgen. — kine Anfrage im Rationalrat. Der sozialdemokratische Verband wird in der heutigen Sitzung des Nationalrates eine dringliche Anfrage wegen der Rede des Außenministers Dr. Mataja über die inneren Verhältnisse Sowjetrußlands einbringen. Dr. M a t a j a — so wird in der Anfrage ausgeführt — habe sehr scharfe Kritikan den inneren Verhältnissen Rußlands, an der inneren Politik Sowjetrußlands geübt. Ein christlichsozialer Abgeordneter mag zwar in einer Versammlung reden wie es ihm gefällt; die Rede des Herrn Dr. Mataja ist jedoch amtlich verlautbart und in einer Note allen Gesandtschaften mitgeteilt worden; sie ist daher nicht mehr eine Rede des Parteimannes Dr. M a t a j a, sondern eine Rede des Ministers des Aeußern. Sie stellt offenkundig eine Einmengung in innere Angelegenheiten eines anderen Staates dar. Ueberdies hat aber Dr. M a t a j a in dieser Rede Aeußerungen gemacht, die so gedeutet werden können, daß er allen möglichen reaktionären Regierungen ö e g Auslandes Bütteldienste gegen deren Gegner anbiete. Ein solches Angebot muß als h ö ch st b ed e n k l i ch bezeichnet werden, weil es den Verdacht erweckt, daß. der Minister das bisher von der RopuMk alten demokratischen Grundsätzen entsprecheind gewahrte Asylrecht für politische Flüchtlinge in Frage stellen wolle. Es wäre geziemender gewesen, wenn Minister Doktor Mataja sich entschieden dagegen verwahrt hätte, das gewisse ausländische Regierungen in Oesterreich einen förmlichen Spitzeldienst durch ihre eigene Geheimpolizei versehen lassen und dadurch die Hoheitsrechte der Republik verletzen. Die Rede des Bundesministers Dr. Mataja hat bereits schwere Folgen nach sich gezogen. Die derzeit ohnedies notleidende österreichische Metallindustrie hat beträchtliche Aufträge für den russischen Markt besessen, einzelne größere Fabriken arbeiten vorwiegend auf russische Bestellungen. Die österreichische Sensenindustrie, die in 42 Werken rund 3000 Arbeiter beschäftigt, ist mit 90 Prozent für Rußland tätig. In den letzten Tagen sind nun in der Metallindustrie allein Aufträge auf landwirtschaftliche Maschinen, Blechgeschirr und ähnliche Waren bis zu einer Gesamtsumme von mehr als 400.000 Dollar widerrufen, beziehungsweise st o r n i e r t worden. An den Bundeskanzler werden daher die Fragen gerichtet: Was gednkt der Bundeskanzler zu tun, um den Minister für Aeußeres zu veranlassen, daß er nicht durch Einmengung in die inneren Angelegenheiten eines ausländischen Staates die Interessen der Republik gefährdet? Ist der Bundeskanzler bereit, zu erklären, daß das bisher von allen österreichischen Negierungen hochgehaltene Asylrecht für politische Flüchtlinge nicht an ge tastet wird? Was gedenkt der Bundeskanzler zu tun, um den ständigen Verletzungen der Hoheits rechte der Re p u b l i k durch jene ausländischen Regierungen entgegenzutreten, die hier eine eigene Geheimpolizei erhalten? Was gedenkt der Bundeskanzler zu veranlassen, damit die durch die Rede des Bundesministers für Aeußeres herbeigeführte Schädigung unseres Exportes nach Rußland wieder gut gemacht wird und daß die um ihr Brot gebrachten Arbeiter wieder Beschäftigung finden? „WEDO“ LÜNGENBRATENWURST ” IST DIE BESTE! 6096 Erhältlich in jeder besseren Lebensmitielhandlnng Der Staat in Gefahr. -y. Wien. 27. Mai. Benesch kommt nicht nach Wien. Er fährt direkt nach Genf. In der ans Prag eingetroffenen Verständigung wird gesagt, daß der tschechische Außenminister ohnedies in Genf mit den Vertretern Oesterreichs das Notwendige besprechen könne. Das ist eine peinlichhöfliche 9Nitteilnng, die in den europäisch gerichteten Kreisen Oesterrcicbs sehr unangenehme Empfindungen erzeugen muß. Man konnte irr Prag nicht die Sicherheit gewinnen, daß der Minister in Wien unangefochten bleibt, und man wollte es vermeiden, daß die österreichische Negierung zum Schutze dds Gastes etwa an die Polizei appellieren muß. Einer solchen Eventualität mußte ntan schon im Hinblick auf die Aufrechterhaltung gutnachbarlicher Beziehungen Vorbeugen. Trotzdem bleibt genug Verbitterung auf der einen Seite, Beschämung auf der anderen Seite übrig, und es ist leides sicher, daß die freundschaftlichen Gefühle des tschechischen Ministers für die österreichische Republik sehr beeinträchtigt worden sind. Benesch fährt nach Genf und es wird sicherlich nichts Gutes sein, was er den Vertretern Oesterreichs dort eröffnen wird. Und da nun einmal der tschechische Minister in Europa mehr Autörität besitzt als die österreichische Delegation, so wird sich seine Stimmung auch auf die übrigen, für uns sehr bedeutsamen Mächte übertragen. Die Position Oesterreichs ist sehr schlecht geworden und es ist nicht bloß die wirtschaftliche Seite der Angelegenheit, die das österreichische Komitee interessieren wird, sondern es tritt diesmal der politische Zug viel stärker hervor. In der unklugsten Weise ist die Anschlußsrage aufgerollt worden als das Propagandamittel einer an der Regierung verantwortlich beteiligten Partei, die das Staatsinteresse den Ambitionen ihrer Radikalen gegenüber in den Hintergrund geschoben hat. Sie hat eS fertig gebracht, den Staat nach allen Seiten zu isolieren und alles Wohlwollen, das im Aus-' land bestand, zu verscherzen. Ein gewichtiges politisches Kapital ist vertan worden. Von allen Seiten regnet es Anschlußverbote und zornige Warnungen, und die österreichische Politik steht heute dort, wo sie nach Schobers Rücktritt sich befand. Zu allem Ueberfluß hat sich der Minister des Aeußern noch auf das brüchige Eis der Weltpolitik gewagt und den Zorn der Moskauer Diktatur auf sich geladen. Die österreichische Industrie, die durch die Schutzzollpolitik der deutschen Zucker- und FabrikSherren aufs ärgste bedroht ist, siehtauch noch die Gefahr, daß sich die Tore nach dem Osten wieder schließt. Sie steckt ohnehin in einer Krise und der Konflikt mit den ausgesperrten Textilarbeitern hat einstweilen das Arbeitslosenkonto des Staates um nicht weniger als 15.000 Bedürftige erhöht. Unter diesen für Oesterreich absolut nicht erfreulichen Aspekten tritt die Genfer Konferenz zusammen. Rach Berichten ans Paris soll im Völkerbund eine Verschärfung der Kontrolle über Oesterreich verlangt werden. Das wäre ein bitteres Resultat der im April von Oesterreich mit so stolzen Hoffnungen eingeleiteten Aktion. 'Es. ist immerhin möglich, daß dieser Antrag nicht gestellt wird. Aber von einem Ende der Aufsicht kann jetzt weniger die Rede sein als früher. Gibt es noch jeinanden, der dies glaubt? Wenn ein solcher Optimist hier lebt, so möge er sich nur vor Augen halten, Ivas in den letzten Tagen hier geschehen ist. Die explosive Stimmung greift immer tiefer, jeder Tag bringt neue Attacken des staatsfeindlichen Nationalismus, der seine Provokationen unbeirrt fortsetzt. Gestern mußten zwei Hochschulen nach Tumulten gesperrt werden, für heute sind neue große Stürme, wieder der Studentenschaft, angesagt. Es ist doch nicht zu verhindern, daß dieser Zustand auch außerhalb Oesterreichs bekannt wird und daß man draußen zu der Ansicht kommt, daß die Bundesregierung nicht mehr imstande ist, den Berwnltungsapparat in Ordnung zu halten. Es ist sehr traurig geworden, und wenn sich die Regierung nicht . bald dazu entschließt, die Autorität des Gesetzes herzuj /teilen, wird es noch trauriger werden. ( Benesch' Wiener Reife verschoben. Für eine politisch ruhigere Zeit. — Nach der Genfer Tagung. Prag, 26. Mai. (Tschech. P.-B.) Die „Prager Presse" meldet: Nach vorausgegangener Verständigung mit der österreichischen Regierung ist festgesetzt worden, daß die beabsichtigte R e i s e des Ministers Doktor Benesch wird in Genf Gelegenheit haben, wahrend wirklicht werden soll. Es ist notwendig, zunächst verschiedene politische Beratungen zum Abschlüsse zu bringen, die die bevorstehende Tagung des Bölkervundrates betreffen, gelegentlich welcher auch die Frage O e st e r r e i ch s zur Verhandlung gelangt. Doktor Bene sch wird in Genf Gelegenheit haben, während einer ganzen Woche mit dem österreichischen Minister des Aeußern Dr. M a t a j a gemeinsam die Sache vorzubereiten und sich mit ihm zu einigen. Die Reise nach Wien wird gleichsam den A b s ch l u tz dieser Beratungen bilden und zugleich in eine politisch bereits ruhige r e Z e i t fallen. Frankreichs MarottovolMk. Der Bericht über die Verhandlungen Malvhs in Madrid. Paris, 26. Mai. Im Ministerrat erstattete heute B r i a n d Bericht über die Mission M a l v y s in Spanien. Der Ministerrat beschloß, Malvy den Dank der Regierung ansznsprechen. Die von Malvh angebahnten Verhandlungen erstrecken sich auf die folgenden drei wichtigsten Punkte: 1. Konzentrische Angriffe gegen die Aufständischen von der Küste her. 2. Erweiterung der Flug grenze für die französischen Flugzeuggeschwader, wenn sie zur Entwicklung ihrer Aktionen spanisches Gebiet überfliegen müssen. 3. Die Möglichkeit der Uebernahme des gesamten Oberbefehles sowohl an der französischen als auch an der spanischen Front durch einen französischen General. Die französischspanischen Verhandlungen werden auf diplomatischem Wege weitergeführt werden Ministerpräsident Parnleve empfing heute eiitv Abordnung der Kartellsraktionen, die ihn über die Absichten der Regierung in Marokko befragten. Painleve betonte den rein defensiven Charakter der französischen Aktion in Marokko und fügte hinzu, daß die Regierung bereit sei, in Unterhandlungen über die endgültige Beruhigung des Landes einzutreten, sobald nur den Rifkabhlen die Uebcrzeugung beigebracht sei, daß Frankreich auf keines der ihm vertraglich zustehenden Rechte verzichten werde. Die Abordnung nahm die Erklärungen des Ministerpräsidenten mit Befriedigung zur Kenntnis. Die Poincare-Gruppe hat beschlossen, die Aktion der Regierung in Marokko zu unterstützen. Die Operationen in Marokko. Paris, 26. Mai. (Wolfs.) Wie die Blätter aus Casablanca melden, sind gestern in Marokko bedeutende Operationen eingeleitet worden. Drei französische Gruppen gehen konzentrisch gegen die Rifleute vor. Ein politisches Attentat in Paris. Paris, 26. Mai. HHavas.) Der Kassachef dos wallt* lia'llstischen Blattes „Aobian Fva>nca>i>se", Berger, wurde heute in der Mhe des Bahnhofes Sa>int-Lazare vor: einem n nbeikcmnten Mann durch, R e v o >l v e r s ch ü s 's e l e b e n s g e f ä lh r l i ch v e r w n n d e t. Berger ist abenld» seinen Verletzungen erlege n. Die französische Botschaft beim Batikan. Paris. 26. Mai. <Tel.-Kom«P.) Die ftntaittffcmtmiffiov des Senates nahm heute auf Vorschlag des früheren Landwirt« schaftsmintsters Henri E h e r o n einen Antrag an, wonach die Kredite für die f r a n z ö f i sch e B o t s ch a f t am Vatikan im Budget des Außc Ministeriums wieder herzu-- st e l l e n seien. Der Beschll'' wurde mit 30 gegen 3 Stimme^ gefaßt. Revington gestorben London, 26. Mai. (Wolfs.) Gestern abends ist tto feiltet Wohnung in Hove der bekannte Militärschriftsteller Oberstleutnant Repington an einem Schlaganfall gestorben.

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