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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-23 · Heft 2247 (23.5.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2247 (23.5.1925)
Date
1925-05-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sk. 5547 SBteit, SamStag Wiener W^r-enreltuntt 23. Mar 1925 Seite 8 SEMMERING GRANDHOTEL PANHANS In 1040 m Seehöhe VöBkOtnmea reorganisiert und modernisiert - Erstklassige Küche * Vor* zflgticher Keller 500 Zimmer und Appartements ■ 200 Badezimmer Dat ganze Jahr geöffnet Erstklassige Heilanstalt WlMterarEffnung End« Juni IMS Neue Leitung, Generaldirektor H. Ekler HOTEL ERZHÜZOG JOHANH Sport* und Famitienhotel in nächster NShe der Sportplätze das Wort „deutsch" nur mit .Hatz und Spott aussprechen Md dabei nur an das eine Wort denken können: aN das gottverfluchte Hakenkreuz"! Sie hassen dieses Symbol wie der Satan das Kreuz wie alle Dunkelmächte das Sicht Haffen! s Mit dem richtiggehenden Instinkt des Niedrigen Pöbels, des ausgesprochenen Rassegesindels der Großstadt, verbünden sie sich mit dem größten Feind aller lichten, schaffenden und ordnenden Menschen — mit dem Judentum! Die Folgen dieser Sprache können nichts anderes sein, M was Mittwoch nachts in Mödling sich ereignete. Eine Anfrage im Nationalrat. Der Hakenkreuzlerüberfall in Mödling kam auch gestern fort Nationalrat zur Sprache. Abg. Richter hatte .eine Anfrage erngebracht, in der an die Regierung folgende Fragen gestellt werden: Ist die Regierung bereit, die st r e n g st e Untersuchung gegen die Mödlinger Revolverhelden Lurchguführen, alle gesetzlich zulässigen Schritte gegen jene bekannten Organisationen zu unternehmen, die erfahrungsgemäß mit jedem Frühjahr eine Serie von blutig verlaufenden Ueberfällen veranstalten, dafür zu sorgen, daß die hakenkreuzlerischen Mord- Huden endlich mit ihren: Hauptquartier aus dom staatlichen Gebäude auf dem Schillerplatz verschwinden, und zu untersnchen, warum die Erlässe der Landeshauptleute von Niederösterreich und von Wien über das Ausrücken bewaffneter Formationen nicht gehandhabt worden sind? Abg. Richter hielt zunächst seinem Parteifreund, dem bei dem Uoberfall erstochenen Mödlinger Gemeinderat Müller, einen ehrenden Nachruf, der v o m ganze« Hanse stehend angehört wurde, und gab sodann eine ausführliche Darstellung des Sachverhaltes. Danach hatten die a u f dem Lastauto befindlichen Personen, wann sie nicht die Absicht gelhabt hätten, planmäßig einen Aeberfall durchzuführen, in die Gegend, wo der Uoberfall erfolgte, überhaupt nicht kommen können, denn an der Mordstelle führt keine Verkehrsstraße nach Wien vorbei. Um die Zeit, da sich der Vorfall zugetragen hat, ist im Arbeiterviertel niemand mehr anf der Straße zu treffen gewesen. Drei' oder vier Passanten sind dreißig oder vierzig w o h l b e w a f f n c t e n Leuten gegenübcrgestanden. Einer von den drei Unbewaffneten, die die Flucht ergriffen haben, Gemeinderat Müller, das unglückliche Opfer jener Schießerei, ist von den Bewaffneten erreicht, zu Boden geschlagen und durch Beilhiebe und Bajonett st i ch e ü bei z it gerichtet worden. Nach den eigenen Angaben Müllers wurde dieses Vorgehen mit antisemitischen Rufen, Rufen gegen die Inden, gegen die roten Hunde usw. begleitet. Ein Erlaß des Landeshauptmannes von Niederö st c rreich u n d jenes von W i e n b e s a g t, daß alle Formationen nach Waffen untersucht werden sollen. Was haben die Behörden getan, u tu dies e n E r l ü s s e n Geltung z n v e rs ch a f f e n? In Wien ist von: Schillerplatz^ von einem Ministerialgebäude aus e in La sta u tom o b il, vollgepfropft mit Menschen, weggefahren, die . mit Stahlhelmen, Ochsenziemern, Spaten und Revolvern ausgerüstet waren, nun an jener Feier toilzunchmen. Was hat die Polizei in Wien, was haben die politischen Organe Niederösterreichs veranlaßt, nur den Erlässen der Landeshauptleute von Men und Nied emsterreich Geltung zu verschaffen? Der Redner berichtete hierauf über die Erregung, welche die Mödlinger Vorfälle n>nter der' "Arbeiterschaft hevvorgemf-en haben, und erklärte zum Schluß, d a s B e rhalten der Regierung werde ausschlaggebend sein für das Tempo, in den: jene Erregung sich anslösen lvird. Bundeskanzler Dr. Ramek sprach namens der Bttndesregiernng fein Bedauern über die Adödlinger Borfälle aus und versprach die st r e n g steUnters u ch t: n g. Die bisherige Untersuchung hat auch scholl fast alle Teilnehmer aus Wien festgestellt und es wurden bereits n e n n Verhaft u n gen vorgenonrmen. Das Material, das mir von der niederösterreichischen Landesregierung und der Wiener Polizeidireltion zur VerfügUW gestellt worden ist, ist überaus reich h a l t i g, bringt aber irr seinen Details Verschiedenes und Widersprechendes. Die Feststellung des Sachverhaltes muß daher dern S t r a f g e r >i ch t ü b e r l a s s e n rverden. Im Rahmen, ihrer Bewmszwecke und ihrer Statuten können sich alle OMmsationen frei betätigen. Wir rverden aber dafür Sorge tragen, daß der Vereinszweck «Mt MMrittM werde. Mnn um irgend welche Indizier: einer Uebevschreitung des statutarischen Rahmens sich zeiget: und hieraus die Möglichkeit einer Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Ordnung oder dev körperlichen Sicheriheit sich ergeben Mute, so werde ich alle gesetzlich zulässigen Maßnahmen crgrciferr, um Vorfälle, wie sie sich vorgestern abgespielt lhabetr, zu verhindern. In: Zusammenhang mit der Untersuchung gegen den Verein Rheinland rverde ich auch an die Prüfung des Mietvertrages diese's Vereines betreffend seiner Räume im Schillerhof schreiten. Ich meine, wir alle lhaben ganz andere Sorgen und schwerere Sorget: um unser Volk als die Betätigung vot: Bercinsanfgäben, die, um nicht eit: härteres Wort zu gebrauchen, ungesetzlich sind. Es sprach noch Abg. Dr. Deutsch, der unter anderen: sagte: Wenn wir Blutopfer um Blutopfer zu beklagen haben, dann bleibt uns freilich nichts anderes übrig, als der Gewalt, die uns angetan wird, die Gewalt des Proletariats entgegenzusetzen. Die Arbeiterschaft. Die sozialdemokratischen Abgeordn c t e n hielten gestern im Parlanwnt eine Sitzung ab und beschlösset: die Einleitung einer Parlamentärischen Aktion. lieber eine Beratung der n i e d e r ö st erreichtschen Lau de'sparte iv e rtre tung, die geistern stattfaud, wird durch die Sozialdemokratische Korrefponldenz folgendes - mitgeteilt: „Die niederösterrerchische Landesparteivertretung hat an: Freitag in einer Sitzung, an der namens des Parteivorstandes Dr. Bauer, Doktor Deutsch und Paul Richter teilnahwen, zu den Vorgängen in Mödling Stellung genommen. Der Uebersall der hake nkreuglerischen Mörderorganisat i on auf die fried'ticlbende Bevölkerung Mödlings, der sich in der Nacht vom 20. auf den 21. d. äbgefpielt hat, wurde nur möglich durch die Nichtbeachtung des Erlasses der Landesregierung,' wonach im Lande austvetende bewaffnete Formationen durch die Gendarmerie entwaffnet werden müssen. Obwohl den amtlichen Stellen der Erlaß bekannt seit: muß, wurde gegen die vollkommen bewaffnete Hakenkreuz-, lerische Formation, die an der Eichkogel-Feier ieilnahm, nicht einge sch ritten. Festgelegt ist auch, daß die Bezirkshauptmannfchaft keinerlei Vorkehrungen getroffen hat, um im Falle eines Ueberfallcs die friedliebende Bevölkerung zu schützen. D e r G e n d a r m e r i letz osten wurde nicht verständigt und auch sonst keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen, die sonst in anderen Fällen, wo es sich um Arbeiterovganisatiotten handelt, angewendet werden." Die Landesparteivertretung fordert: 1. Die strenge Einhaltung des Erlasses der Landesregierung, wonach in Niederösterreich auftretende bewaffnete Formationen entwaffnet und zur Anzeige gebraucht werden müssen. : 2. Bei der Bundesregierung dahin zu wirken, daß die im Lande bestehenden hakenkreuzlerischen, Mörde rorganifationeni und. Geheimbünde sofort aufgelöst werden. 3. Alle jene Vorkehrungen zu treffen, die die Voraussetzung! dafür bilden, daß Leib und Lebet: der ifriedliebenden Bevölkerung Niederösterreich geschützt wird, ._> Steine Einladung Mussolinis un Hitler. Rom, 21. Ntar. (I. T. A.) Der „Meffaggero" dementiert kategorisch das aus München kommende Gerücht, wonach M u s s o l i n: H i t l e r aufgefordert hätte, nach Rom zu kommen, um mit ihm in Besprechungen über den i nternationalen Ausbau des Faszismus einzutreten« _ Sie Repressalien an der Wiener Technik. Die ZjMsHen Hörer; veriit Nektör. Mittlvoch mittags sprachen bei«m Rektor der Technik, Hofrat Seliger, die Vertreter der jüdischen Stüde n t e n s ch a f t vor. Die Studentendelegation stand unter Führung des Präses der „Juäa". Die jüdischen Vertretcr legten Protest gegen die letzten Vorgänge an der Techwik ein. Sie verwahrten sich dagegen, daß durch das . unverantwortliche Vorgehen einer Studentengvuppö Znstände an der Hochschule geischaffen wevden, die die Aufrechtevhaltung und Fortführung eines geregelten Lernbetrivbes unnlöglich machen. Sie wiesen auf das schärffte zurück, daß als Bortwand für dieses Verhalten Vorgänge genominen tvevden, die völlig außerhalb des Hochschulbereiches liegen. Die Verbreitung von Flugzetteln und Pamphleten mit gehässigem Inhalt und antisemitischer Literatur au der Hochschule, die stillschweigend geduldet wird, trägt nur zur Verhetzung der Studentschaft bei und bewirkt Vorfälle, wie wir sie in der letzten Zeit erlebt haben. Die jüdischen Vertreter verlangten daher wirksamen Schutz gegen diese BorMe, Abstellmig des Mißbrauches und A u Wendung d e r D i s z i p l i n a rge Walt seitens des Rektorats gegeEbex den Angohörigen der randalierenden SwdenkengrMev^ 80. Ktmstauktion von Albert Kende, Wien, /. Montag, den 25. bis inkl. Donnerstag, den 28, Mai ab 3 Uhr nachmittags im Auktionssaale, Wien, 1., Kärntnersir. 4 Telephon 76=3*78 VERSTEIGERUNG wHHuw oticc uno nriicrrr wrciiirr. ionuarcur, »nninturen, TintUlttt« täten, Silber, Teppiche» Kunstmobiliar, Ridtnger-Sammlnng (205 Blatt) Alt-Wiener Ansichten aus Wiener Privatpesili. Eine große Bibliothek (Bücher aus allen «-bieten des Wissen?, 675 Nummern), zum Teile Nach, läffe der Baronin Anna Schnltes-Klrinmayru und Viktor Silbcrcr, Wien Freie Besichtigung HEUTE Samstag, den 23. und morgen Sonntag, den 24. Mai von 10 bis 6 Uhr Der Rektor Hofrat Sali ge r versprach, den Wünschet: der jüdischen Studentenschaft volle E v f it 11 u n <* zukommen zu lassen. Die Aussprache -dauerte übcr clH't Stunde. Starke Worte und keine Tat. Im Nationalrat interpellierte gestern Abgeordnete: Dr. Renner die Regierung wegen der Vorfälle an der Technik. Die Anfrage:: lauten: „1. Was ist gegen Hofrat Kobes, Professor an der Technischen Hochschule in Wien, veranlaßt worden, der sich erfrecht hak, feine Vovtesttngen zur politischen Agitatiott gegen eine Partei zn mißbrauchen, eine Partei, der die überwältigende Mehrheit der Bevölkevu>ng Wiens a.ngehört? 2. Was ist gegen Hofrat Saliger veranlaßt wovdetr, der unter Mißbrauch der ihm anvertrauten 9!ekt§rswt'trde verbrecherische Exzesse einer mißleiteten Jugend nicht nur duldet, sortdern durch sein parteiisches Verhaltet: geradezu fördert? 3. Was ist gegen jene Exzedenten an der Technischen Hochschule veranlaßt worden, die sich am 19. d. so flagrant gegen das Strafgesetz und gegen den Erlaß des Rektors vom 29. April vergangetr haben? 4. Ist die Bundesregierung der Meinung, daß es angeht, Zlvbeiter in den Kerker zn werfen, während eine vot: gewissentofen Professoren nach der Art des Herrn Kobes und vot: schlecht erzoge>nen Pvofefsorensühnchen zn Gewalttätigkeiten verleitete akademische Jugend ungefühnt jedes Verbrechen begehen darf?. _ Sie Rehen Genfer Gesetze. Im Nationalrat wurden gestern von der Regievung jene Gesetzentwürfe eingebvacht, deren Verabschiedung teils Verpflichtungen der früheren Regierungen aus dein: Wiedevaufbaugesetz, teils der gegenwärtigen nach dem Wbkommen von Genf aus dem September des Vorjahres davftellen. Es sind dies Resovmgssetze, die eine Vereinfachung der Verfassung und der Verwaltung in den Ländern und die Regelung der finanziellen Verhältnrsfe der Länder zum Bund beinhalten, insgesamt fo'lgende sechs Vorlagen: Die vierte A b g a b e n t e i l u n g s n o v e l l e, die dritte F inanzverfassungsNovelle, ein Gesetz, betreffend die Einrichtung und Gefchästsführung der Landesregierungsämter, das Rechnungshofgesetz, eine Uebergangsnovelle, eine BundesverfassungsgefetzNovelle u:td ein Gesetz, .womit grundsätzliche Anordnungen hiNsichMch der Landesatwl> Gemeindeabgaben erlassen werden. Ueber diese sechs Gesetze wird am Dienstag eine erste Lesuing dttrehgeführt werden. . '; ~ , Außerdem brachte heute der AckevbNumitrister B uchinge r die ebenfalls zu den Genfer Gesetzen zählende Vorlage über die Kommerzialisierung der Bund es forste im Haufe ein, ans welchen: Anlaß er eine längere Rede Hielt. Er verspricht sich von den: Gesetz keine goldenen Berge, doch fei es eine Notwendigkeit, daes aus die Dauer nicht angehe, bei der Foristverwaltung auch in Ankunft mit soltcher: Defiziten zu arbeiten wie in den v>e:Mngenen Jahren. Ar: die Ausfühvungen des Ministers schloß sich die eriste Lesung des Geisetzes, in der Redner aller Parteieir g e g e u d i e K o ntm e r z i a l i j i e r u n g der B u n d e s f o r st e Bedenken äußerten. Im Einlauf der Sitzung befanden sich noch tt. a. zwei Uebe re inkommen mit Rumänien über die Rückstellung der Bergegüter aus der Bnkotw i n a und betreffend die Regelung der auf alte österreichisch-ungarische Krotlei: lautendeir Schulden u:id Forderungen, ferner eitle Anfrage der Sozialdemokraten wegen der DuvchMhruug von Geldsatumlu-ttgetr für der: von einem Bankrotteur geleiteten Deutschett Schul- Verein Südmark. Nächste Sitzung Dierlstg den 26. d.,. 3 Uhr nach mittags. Ans dem Wiener Landtag. Auf der Tagesordnung der gestrigen Sitztting deS Wiener La::dtages standet: drei Auslieferttngsbegchretl gegen Aiandatare dieser Körperschaft. Die AtMliesernttg der Gemeinderäte Dr. Plaschkes und Professor Doktor Fränkel (Gozialdenvokrat) tvegen Ehreirbs'leidignttg wurde beschlossen. Der Antrag anf Auslieferung des soziatdettwkratischen Gemeindera>tes Kurz wegeiv öffentlicher Gewalttätigke'it wurde gegen die Stimmen der Op- Pvsitiot: abgelehnt. Im Anschluß an die LaMagssitznng fand eine Utrze Geschäftssitzung des Wiener Gerneinderatcs stat^

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