Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2245 (21.5.1925)
- Date
- 1925-05-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^PolemaOftroszyl Wien: /.um Abholen in der I.xpedition, 11,, Tabor str. 1-3, oder in einer Verschleisstelle Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, I.. Wollzeilc 11 Mit postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch cch o-Slowakei: Mon. K 22. J u g o s 1 a wi e n: Mon.Din. 60. Polen: Mon. 4 Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei Frei u crhOhungen Vorbehalten Wiener Morgenxeüung |Pr«ii 20 g England: Mort. 4 Schilling Italien: Monatl. 18 Liu Rumänien: Mon. 170Lei Bulgarien: Mon.IOOLewi Schweiz und das übrig, Ausland monatlich Frcs. 1 Redaktion, Administration Wien, n.Taboritr.1 Telephone: 44-0-38,43-3-1! Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-8! IX., Universitätsstrasse 6-1 (Druckerei lg. Steinmann Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.69.' Rr. 2245 Wie«. Donnerstag. 21. Mai 1925 7. Fahrgang SSS5SSS £ ZSEm , . — I — —1- VORZUUlillllEN schwa KAFFEE VORZÜGLICHEN schwarzen und weissen 40Pirat! Ersparnis an Kaffeebohnen erreichen Kaffeehäuser, Bars,Hotels etc. mit der „ ET ERNA-EXPRESS-KAf FEEMASCHINE" GEFIAWERKE A.G., WIEN,1 "ÄVÄ _ %===,- Vom Haag nach Gens. -y. m t c n. 21. Mai. In diese Woche, fällt ein Erinnerungstag, der nicht unerwähnt vorbeigelassen werden kann. Es ist ja richtig, daß jeder Tag, der an die Vorkriegszeit anknüpft, ein bedeutsames Datum ist. Wenig Termine aber gibt es von so eindringlicher Warnung, das Spiel mit dem Kriege zu betreiben, wie den 18. Mai, an dem vor 26 Jahren die Vertreter von 26. Regierungen auf 'Anregung des russischen Zaren zur ersten Friedenskonferenz zusammentraten. Die Tagung geschah im Haag und diese Stadt war damals der Brennpunkt hochgespannter Hoffnungen. Was den Zaren bewog, das berühmte Fricdensncanifest zu erlassen, war damals nicht verborgen und ist es heute nicht. Er war kein Pazifist und gedachte die Türkei int Frieden zu verspeisen. Seine freundlichen Tendenzen fanden volles Verständnis. Alle Staaten waren begeistert, alle Regierungen brachten neue Armeeforderungen vor ihre Parlamente. Alle waren einig darin, daß der Gegner von morgen lieber schon heute äbzgrüstest, habe. Alle wetteiferten in schönen Reden und priesen den'Frieden als das. höchste Gut. Die verbrecherische Doppelzüngigkeit des Unternehmens hat sich, furchtbar gerächt. Der Zar ist ermordet, sein Staat bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Ueber Europa ist der Krieg gegangen und kein Land und kein Volk ist verschont geblieben. In seinem von Murawieiw gegengezeichneten Briefe hatte der russische Monomach gewünscht, „die Konferenz werde mit Gottes Hilfe ein günstiges Vorzeichen für das kommende Jahrhundert sein, sie werde in einem mächtigen Bunde die Bestrebungen aller Staaten vereinigen, die aufrichtig bemüht sind, den großen Gedanken des Weltfriedens triumphieren zu lassen über alle Elemente des Unfriedens und der Zwietracht". Demgemäß verlief diese erste Konferenz. Sie stürzte schon nach den ersten Sitzungen in sich zusammen, schleppte sich fast zehn Wochen hin, um die inneren Unmöglichkeiten zu vertuschen, und ging schließlich, fast schon vergessen, auseinander, nachdem ihr die schroffe Stellung Deutschlatlds gegen die Verminderung ider Flottenrüstungen das Konzept zerrissen hatte. Am 29. Juli war alles vorbei: Das Resultat: ein Abkommen gegen Dum-Dum- Gesrhosse und Giftgase, schlief bis zum großen Krieg in den Archiven und sank dann in das Massengrab. Sie Morottosrage. — Ae Kölner Sone. (Eigcndicnst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 20. Mai. In der Nachinittagssitznug des nhanses teilte Außenminister Chamberlain mit, daß Lord Al'lcnby als Oberkommissär für Aegypten zurückgetreten fei und durch Sir George Lloyd ersetzt Iverde. Diese Ernennung ändere nichts an der Politik Englands in Aegypten und im Sudan C h a m b e r l a i n erklärte weiter, daß keine B e rha nd l n nge n mit der französischen und spanischen Regierung bezüglich des Krieges in Marokko stattgefundon 'hättetr und keinerlei Abkommen mit diesen Mächten getroffen worden sei. Ferner versicherte Chamberlain, daß die britische Regierung kein Glück w u n s ch t e l.e g r a m nt a n H i n d e n bürg gesandt habe. Diese Erklärung des Außenministers rief ein gewisses Aufsehen hervor, da sie mit einer Erklärung des Unter staatssekretärs im Foreign Office, Mac N e i l l, vom letzten Sonntag in Widerspruch steht, wonach die 'llliierteri sich geeinigt hätten, Hindenbnrg zu seiner Wahl zu beglückwünschen. Der Abgeordnete Kenworchy (Labonr-Partci) fragte, weshalb die englische Regierung Hindenbnrg nicht be.Anckwünscht liabe, während sie es seinerzeit im Falle Eberls getan habe. Chamberlain antwortete, er erinnere s i d) it idjt m e h r, toas sich anläßlich der Wahl Gberts zum Reichspräsidenten ereignet habe. Kenworthy und Wedgwood Beun fragten darauf, ob die Regierung die Absicht habe, die Note der Alliierten c>" Deutschland über die Entwaffnung und die Kölner Zone zu veröffentlichen. Der Außenminister antwortete, daß cs ihm unmöglich sei, zu sagen, ob und wann diese Veröffentlichung erfolgen werde. Sie werde geschehen, wenn die Note im Besitz der deutschen Regierung sein werde. . Zer neue Sberkommissör von brez Israel. Marschall Plumer. London, 20. Mai. (Reuter.) Mmschall Plumer ist zmn Oberkommissär und Obcrkommandänten in Erez Israel an Stelle Sir Herbert Samuels ernannt worden. Aus dieser Mitteilung ergibt stch, daß die oberste zivile und militärische Gewalt in der Hand eines Offiziers vereinigt wird. Der französische Kolonialkrieg. Paris, 20. Mai. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung aus Tanger sind die Djeballaistchmme von den Spaniern abgefallen und zu Abd eX Kr tm übergegangen. Abd el Krim hat einen Aufruf an alle Stammeshäuptlinge gerichtet, sich entweder seinen Truppen anznschließen oder ihn wenigstens ditrch Geld und Lieferungen zu ilntevftützen, widrigenfalls er das Vermögen der Häuptlinge konfÄzieretr und unter ihre Stammes«tlgchörigen verteilen werde. Der Anschluß der Djeballa ist die erste Frucht dieser Drohung. Die Kabhlen haben die Grenze zwischen Spanischultd Französisch-Mavokko in einer Breite von 200 Kilometer und in einer Tiefe von 30 bis 50 Kilometer in südlicher Richtung überschritten. Dadurch ist ihnen ein fruchtbares Gebiet tu die Hände gefallen, das die Franzosen im vorigen Jahre besetzt hatten. In der französischen Presse erhält sich hartnäckig> die Behauptung, daß zahlreiche deutsche Offiziere unter Abd el Krim Dienste genommen hüben, und es lverden auch Namen, allerdings von oft abenteuerlichem Klang, angeführt. Ein Dementi. Paris, 20. Mai. (Havas.) Das Ministerratspräsidinm erklärt alle ausländischen Meldungen über angebliche französische Schlappen in Marokko für ' b öswillige Lü gen.. Das Einlangen neuer Verstärkungen für die Besatzungstruppen der bedrohten Gebiete 'hat die aufständische B c w e g u n g eingedämmt. Im Gebiete von Djeballa soll die allgemeine Mobilisierung angeordnet werden. Der Kriegszustand im Rifgebiet, von wo die Saisonarbeiter nicht heimkehren können, hat eine Notlage he rvorge rufen. Der Mißtraaensaatrag gegen Luther abgelehnt. 66 (Stimmen Regierungsmehrheit. Berlin, 20. Mai. (Wolfs.) Der sozialdemokratische M i ß» trauenSantrag ist vom Reichstag in namentlicher Abstimmung mit 214 gegen 129 Stimmen bei 25 Stimmenenthaltungen abgelehnt worden. Benesch und Lefterreich. Genf, 20. Mai. (Tel.-Komp.) Der tschecho-slowakischo Außenminister Dr. B e n e s ch äußerte heute im Gespräch mit österreichischen Delegierten, daß er an der Aufrechterhaltung eines lebensfähigen Oesterreich außerordentliches Interesse nehme und daß er alles tun wolle, um Oesterreichs wirtschaftliche Daseinsü k ii i tt imt iu erweitern. Im Jahre 1907 gab es dann wieder eine Friedenskonferenz im Haag. Am Tage ihrer feierlichen Eröffnung, noch während im Rittersaale die Regierungen einander bekomplimentierten, rief rnan draußen die Extrablätter mit den Nachrichten vom Bombardement Casablancas aus. Und auf dem zur gleichen Zeit tagenden Zionistenkongreß rief Max Nordäu den Friedensdelegierten zu, daß ihr Kongreß eine Farce r leibe, solange es eine Judenfrage gibt. An keinem anderen Problem ist die Heuchelei so klar zu erkennen gewesen wie an diesem. Alle Staaten und Völker waren Mitwisser dieser größten Niedertracht, alle duldeten, daß der rechtliche Sinn Europas vom Judenpunkt her angegriffen und zerstört wurde. Alle waren in die Lüge verstrickt, verloren das Gefühl für die Moral der Zivilisation und damit die Widerstandskraft gegen die nationalistische Bestie, die ihnen dann im Jahre 1914 an die Kehle sprang. Dieser Urgrund des Verderbens ist auch heule noch nicht erkannt. Die antijüdische Kanaille, identisch mit den: Todfeind aller Demokratie und alles Friedens, ist nicht beeinträchtigt. Sie lebt und brüllt auf allen Straßen nur) darum ist auch heute, nach den Erfahrungen der Friedenskonferenzen und ihrer Fortsetzung „mit anderen Mitteln" der Krieg so aktuell wie am ersten Tage. -r- Gerade in diesen Tagen ist als eine Art Jubiläumsfeier dieses zaristisch-lvilhelminischen Kongresses die internationale Konferenz zur Kontrolle des Waffenhandels in Genf zusammengelreten. Sie zieht kein pazifistisches Brokatkleid an. Sie gibt sich schlicht und einfach als ein Komproutiß mit denr Kriegsprinzip. Die Konferenz sagt: Den Krieg kann man nicht ausrotten; da aber die Rüstungsindustrie ein volkswirtschaftliches Interesse von hoher Bedeutung ist, so möge sie ungestört bleiben, aber kontrolliert werden. Das ist die Mentalität Nikolaus des Zweiten und alle Lobredner des Stahlbades akzeptieren gerne.die These. Es sollen Waffen erzeugt und gehandelt Iverden. Aber die Regierungen wollen wissen, wieviel erzeugt und wieviel gehandelt wird. Sie sind für die Abrüstung der anderen. Sie wollen nicht die Erzeugung verbieten. Ach neitt. Die Volkswirtschaft — lies Schwerindustrie — ist dagegen. Und von dieser Schwerindustrie leben die Zeitungen, die den Ruhm und die Gefahr des Vaterlandes verkünden, leben die Tausende von Lumpen, die den Haß predigen und bald den inneren Feind, bald den äußeren denunzieren. Die Schwerindustrie bezahlt gut, die Regierungen, die . beim Gegner das Feuer, unterhalten wollen, an dem sie sich selbst entzünden, bezahlen auch gut. Es lebt sich herrlich von der Volkswirtschaft. Man kann Waffen schachern und denen zufpielen, die sie wollen, und es gibt ja immer Rotstocks, die Revolver brauchen. Die Genfer Konferenz weiß das und sie hat auch für gewisse Fälle vorgesorgt: sie hat die Ausfuhr von Kriegsschiffen, schweren Geschützen und Tanks untersagt. Für die Pistole ist die Bahn frei. Das ist eine sinngetreue Feier des ersten Friedenskongresses im Haag. Pfingst Sondarangsbots in Reg«nmänteln, Sommerstoffen, Damen-u. Herrenwäsche, Badekostümen,' Teppichen, Vorhängen etc. zu unerreicht billiffcn Preisen bei M Schiffmann II. TaborstraBe 45 Telanhon 47-1* 76 En arei Sn detail