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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-19 · Heft 2243 (19.5.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2243 (19.5.1925)
Date
1925-05-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Polen; 2Ö ftroszy 1 m en:. Zum Abholen in der Expedition, IL, Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleissteile (Trafik) monatt. 5 Schillirig Strassenverkäuf. in Wien durch die Kolporteure .der Firma G o 1 d sch mied, I., Wollz^ile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho« Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland; Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei P r e i », erh&hungen vorbehaUcn rener I Preis 20 a l England: Mon. 4 Schilling, Italien: Monatl. 18Lire, Rumänien: Mon. 170Lei, Bulgarien: Mon.iOOLewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II.Taborstr.l Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6*8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. MS Wien. Siemtag. IS. Mai 1925 7. Fahrgang Roüenbauer Nusswaldgasse 5 . Täglich. Musik und Gesang Erstklassige warme Küche Vorzügliche IIVORZÜGLICHEN schwarzen und weissen 40M Ersparnis _ lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll an Kaffeebohnen erreichen Kaffeehäuser, Bars,Hotels etc ||| Hl „ETE |oEFI mit der ETERNA-EXPRESS-KAFFEEMASCHINE“ III OEFIAWERKE A.G..WIEN,1 "KLUL",- Trotzki wieder daheim. -y. Sie«, 19. fflai. D'-r-llruMche RLÄongrch hat in einer MtH'Mchenstaatlichl Ockmmg fei f*Irai@e «Ji em« schließung die innere und äußere Politik der Regierung gebilligt und zugleich für die nächste Zukunft als . Richtlinien vorgezeichnet: , Erneuerung der Industrie auf -zeitgemäßer GruMage, Intensivierung der Landwirtschaft und Erhöhung der wirtschaftlichen Unterstützung. der Bauernschafft rJn diesen sehr vorsichtlg'ftextierten Forderungen drückt sich die Schwenkung aus, die der ^Kommunismus wieder — zum. Avertenmal wahrend seiner Herrschaft — vormmmt. Für diese Mutmaßung spricht übritzens auch die Rückkehr Trotzkis von seinem Urlaub nach.Moskau. Vier Monate war er im Kaukasus gewesen und hatte seine Stunde erwartet. Sie ist früher gekommen, als er angenommen hatte, und der Rätekongreß nahm Trotzkis Wähl ins Präsidium mit demonstrativem Beifall vor. Trotzki, der Revisionist, den die offizielle Rüge bei seiner Verbannung als ein schwarzes Schaf, als ein bourgeoiser Tendenzen verdächtiges Individuum verdammt hatte, ist wieder zur Stelle. Die viel bemerkte und viel dementierte Unterredung, die Stalin mit ihm beim Kommunistenkongrrß sn Tiflis gehabt hatte, verfolgte wohl den Zweck, die goldene Brücke zu bauen. . . Trotzki wird zurückberufen (so wie Josef Caillaux in Paris) und er erhält die Mission des Retters. Der Jude ist aus der Wüste heimgeholt und er tritt an die Spitze des „Rates für Arbeit und Verteidigung", der Kommission, die nicht mehr und nicht weniger zu leisten' hat, als die'Neuordnung der zerbrochenen und verfallenen russischen Wirtschaft' zum soundsovieltenmal zu beginnen. Ob die Zeitumstände den: Beginnen günstig sind, mag bezweifelt werden. Die europäische Wirtschaft hat in der Zwischenzeit rasche Verluste erlitten. Sie ist trotz der Konsolidierung des kapitalistischen Systems, auf die sich Rykow und. Kalium ausredeten, brüchig geworden und der stärkste Beweis liegt Wohl in der Unruhe, diedie kleine Entente erfaßt und den Zwiespalt Anschluß/Oesterreichs oder Donauföderaüonwieder aktuell gemacht hat. Der' finanzielle und damit auch der machtpoliftsche Schwerpunkt hat sich nach Amerika verschoben/und die Außenpolitik der Sowjets kann ihnen in Europa oder in Amerika wohl die, staatsjuristische Anerkennung, aber kein Geld schaffen. Die russische Sanierung kann trotz der Isolierung des Landes und seiner Kordonsperre nicht isoliert bleiben und auch sie ist ein Teil des Problems der europäischen Anämie. Rußlands ist krank, weil ihn: Europa fehlt, Europa siecht, weil ihm Rußland fehlt. In diesem Fehl!rkreis ist jetzt wieder die Reihe an Rußland, aber unter sehr verschlimmerten.Bedingungen. Trotzki soll die neue Aera einleiten. Er ist berufen worden,'weil sein Name noch immer Klang und Glanz hat. Er ist der Schöpfer des Staates gewesen, der Organisator der Armee, die dieser jüdische Ghettclsohn ohne Generalstab aus dem Boden gestampft hat. Er hat die Bedingungen der großen Stege über die Gegenrevolution, die Won den erprobten Generalen des - Zaren geführt war, geschaffen, und, der letzte Ballern- Ae Püßverhandlungen mit Sestmeich. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin,,18. Mai. -Im Reichstag Mt Außenminister Dr. Stre.semann eine' Rede, in der er die gesamte politische' und wirbstzaMche Außenposttion darlegte. Er erklärte: Wir werden den Da wes-Plan wie bisher auch in Zukunft durchführen. Cs ist keine parlamentarische Konstellation vorstellbar, die von dieser Richtlinie unserer Politik Mals Mveichen könnte, doch müssen unsere Reparationsgläubi^r' die tu London. übernommenen Verachtungen mit der' gleichen Gewissenhastigikeit Hinhalten wie wir. Nach einer SchÄderung des Standes der Ha ndelsvertrag sv er-. Hand Ilm n g e n, bei denen Deutschland Gleichberechtigung und MchstbegünistWNg allgemein erstrcke, betonte der Minister, daß nicht nur die Nachrichten der Auslaudspresse über geheime Kriegsvorbereitungen lächerliche Erfi-ndungen seien, sondern daß auch die 'Übrigen ausländischen BoUvsirfe dnrchi.vegs gr ob e Uebertreibungen darstellen. Eine dauerhafte zelne Staaten oder Staaiengvuppen durch' das Ue'b ermaß ihrer Rüstungew die Möglichkeit haben, jede politische Aspivatwn .. . l -i ohn^ Pisiku eines wirksachey, Widerstandes .zu. pLvtmvkliWn- AnMsichts. W^WWlMtzgsn Standes der Rüstun-gsvechällinisse iu-Europa" sei Deutschland ä 13 m ili t'är t s ch eit. Fa kt o r v o I l t g a u s g e sch ä U f-et. . V •>-V- > - ' ' ■ (. ' " Dr. Stresemann verwahrte sich entschiedenst gegen die Auffassung eines Teiles der ausländischen Presst, wonach die deutschen Vorschläge eine aggressive Spitze gegen Polen enthielten, und bezeichnete die Behauptung als lächerlich, daß der Vorschlag zum Anschlüsse von Sch iedsv er trägen das Zeichen eines Angriffswillens sei. Unsere Auffassung, sägte Dr. Stvesemann, über die Ostgrenzen, 'haben wir weder in der Oeffentlichkeit noch bei diplomatischen Unterhaltungen jemals verheimlicht. Für Deutschland kann es keine Regelung der Sicherheitsfrage geben, die eine nochmalige Anerkennung der/dem Selb st b e ft i m m u n ,g s recht w i d e r s p r e ch e nden Ost grenzen bedeutete. Eine gewaltsame Aenderung der Ostgrenzen. herbeizuführen, hat Deutschland' Mder die Macht no ch d e in W il le n. Hinsichtlich der Frage des / Eintrittes in den Völkerbund komme es der deutschen Regierung darauf an, die Not-, Wendigkeiten Politisch zur Geltung zu bringen, die sich aus der besonderen Lage Deutschlands ergeben. Eilt gedeihliches Zusammenarbeiten im Völkerbunde ist Nicht möglich, solange akute Differenzen über angebliche Versthlungen Deutschlands in der' Entwaffnungsfrage keine Lösung gefunden haben und die Räumung der nördlichen Rheinlandszone nicht durchgeführt ist. Wie ich noch kürzlich anläßlich der Vorlage des . Zusatzvertrages zum deutsch-österreichischen Wirtschaftsabkommen ausgeführt habe, ist und bleibt es der Leitsatz unserer Politik gegenüber Oesterreich, alles zu tun, um im Rahmen der bestehenden Verträge unsere Beziehungen zu dem benachbarten deutschen Brudervolk so eng wie möglich zu gestalten.- Daß die Verhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich , über die Aufhebung des Visazwanges und der damit verbundenen Gebühren nicht zu einem Erfolg geführt Haben, bedauern wir außerordentlich. Die ö st er reichi -sche Regier u n g glaubte letzten Endes, Bedenken wegen der finanziellen Wirkung der Aushebung der Visagebühren äußern zu sollen. Wir sind der Meinung, daß mit dem Visazwang . auch ( die Visagebühren fallen sollten und müssen. Ich habe hu auswärtigen Ausschuß, als ich auf die 24 Millionen Mark hinwies, die als Einnahme aus den Visag-ebühren eingesetzt sind, i-zum Ausdruck gebracht, daß es keine unproduktivere ' Einnahme gibt als diese Gebühren. Ich möchte 'der Hornung' Ausdruck geben, daß man auch auf österreichischer Seite sich zu demselben Standpunkt entschließt und nicht diesen Schritt zur' Grenzerleichterd dadurch illusorisch macht, daß man fiskalische Gesichtspunkte ins Treffen führt, wo.es sich wirklich um größere Gedaniken ihaudok als um einen winzigen Etattitel der budgetären Einnahmen. Wir sind bereit, mit Oesierreich, mit dem uns ein Handelsvertrag bereits v e r b i n d e t, d i e B e s p r e ch u n g demnächst wieder aufzunehmen, um diesem schwer mn die wirtschaftliche Existenz ringenden Lande alle iErleichterungen zu geben, die die Rücksicht auf unsere eigene Lage nur immer zuläßt. Für die weitere Entwicklung unstves. politischen Verhältnisses zu Italien wird hoffentlich der Geist der V e r st ä n d i g u n g sein, der 'bei den im einzelnen noch später zu erörternden H a n d e l s v e r t r a g s v e r h a n dlungen gezeigt worden ist. Der Reichstag vertagte nach der Rede des Reichsausschußministers die Aussprache über, den Hauchalt des Auswättigelr Amtes auf Dienstag, 12 Uhr. Von den Kom- >inunisten sind Mißtraucnsanträge gegen den Reichskanzler und den' Reichsaußeittn'nüster eingegangen. Das Hans «ahm den Gesetzentwurf betressend Abänderung des Gesetzes über die Echöhung der Pension Hindenbnrgs endgültig an,. junge, der ein Gewehr trägt, fenut den Namen Trotzkis, und deshalb fällt gerade btefetn Mann, die Aufgabe zu, den Frieden mit den Bauern zu machen, deren Hartnäckigkeit. die Sowjetgewaltigen zur Verzweiflung bringt. Die Bauern sind kommunistisch gewesen, da ihnen der Bolschewismus die Stillung ihres Bodenhungers ermöglichte. Sie sind nicht mehr kommunistisch, weil der Mohr seine Schuldigkeit getan hat. Sie haben die Moskauer Herren zur Anerkennung, einer Primi-- tiven Privatinitiative gezwungen. Ja, noch mehr: die Evolution hält bereits bei der Zulassung von Banken, Kreditinstituten und privaten Fabriken. Das liegt nicht im Programm des Bolschewismus. Aber es ist sehr die Frage, ob es einen Bolschelvismus im innerpolitisch-jozialen Sinne des Wortes noch gibt. Was sich heute Bolschewismus oder Kommunismus nennt, ist. eine neuentstandene Gesettschaftsschicht, die ihre eigenen Lebensgesetze sich schafft und, um sich zu halten, Kompromisse eingeht. Sie nmß den durch die Vieh not und durch die Absatzschwierigkeiten verhungernden Bauern — 40 ProMt 'der ganzen Masse! — (&= nährung versorgen und gestattet deshalb die freie, durch Angebot und Nachfrage sich regelnde Lohnwirtschaft. Das heißt, daß der reiche Bauer sich wieder in den Sattel setzt. Sie muß weiter, wie dies jetzt eben Rykow ausführt, die Kapitalsaufspeicherung zum Zwecke der Erhöhung des Volksvermogens mlterstützen. Der Bauer und der Kapitalist als Stützen des Staates — was bleibt da noch vom Bolschewismus und seinen Idealen übrig? Wenn sich die neue Bealntengesellschaft mit den Bauern und den Neichen verbindet, dann ist das Bild der Gesellschaft fertig, die, mit tausend Bannflüchen beladen, durch die kommunistische Weltrevolution in einem grandiosen Blutbad ersäuft werden sollte^ Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo! Es ist noch viel in Rußland zu tun, .um auch nur an den Beginn einer Heilung der Schäden zu gelangen. Aber besser spät als gar 'nicht. Es ist nur merkwürdig, daß Trotzki sich so rasch umstimmen ließ. Sieht er seine Bauern reif und bereit, das letzte Ventil für die kommenden großen Kämpfe aufzureißen? Ist ihnr die Politik, die zu stützen man ihr: holt, Selbstzweck oder Alittel zum Zweck?"' Die Antwort auf diese Frage kann nur er seW geben. / in Regenmänteln, Sommerstoffen, Damen-u. Herrenwäsche, Badekostümen, Teppichen, Vor- > hängen?tc.; zu unerreicht : billigen. Pretsen bei II. Taborstraße 4t Telephon 47-1-7! En gros En dntai

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