Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2240 (16.5.1925)
- Date
- 1925-05-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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iPolcntflOflroszyi Wi en: Zum Abholen in der Expedition, 11., Tabor str. 1*3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monati. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma ü o 1 d sch mied, Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch echo- Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Qm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. IS Nachzahlungen bei Freia* erhShuogeu Vorbehalten «k. 2240 timt leitet orgen;eitung I Praia so o England: Mon. 4 Schilling II al i e n: Monati. 18 Liru Rumäni en: Mon. 170 Lei Bulgarien: Mon.IOOLewa Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Frcs. £ Redaktion, Administration: Wien, tl.Tabontr.l Telephone: 44*0-38,43-3-1! Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-83 IX., Universitätsstrasse 6-2 (Druckerei lg. Steinmann! Oesterrelchlsches Postsparkassen-Konto Nr. 150.692 Wien, Samstag, 16. {PU&1925 7. Jahrgang Waffenhandel und vaskrieg. Sie Genfer Konferenz. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Genf, 16. Mai. Die juristische Kommission der Internationalen Konferenz für die Kontrolle des Waffenhandels beriet heute über den Antrag des Delegierten von Uruguay, der einen Artikel in den Konventionsentwurf einschalten will, durch den sich die Signatar- -taaten verpflichten, keinerlei Ausfuhr von Waffen, Munition und Kriegsmaterial irgend -welcher Art zu gestatten. Der Antrag rief eine lange Diskussion hervor, in deren Verlauf sich verschiedene Delegierte, insbesondere die deutschen und die ungarischen, gegen den Antrag aus sprachen. Die Beschlußjajfuttg der Kommission wird am Montag erfolgen. Die Unterkommission zur Beratung des amerikanischen Antrages betreffend den chemischen Krieg fat ihre Arbeiten wieder ausgenommen. Der amerikanische klntraig will jegliche Ausfuhr von Giftgasen und ähnlichen Mitteln verbieten. Es ist wahr- Horste hat Selbstmord begangen. Berlin, 16/ Mai.. (Del.-KvwP.) Der frühere Reichs-- poistminvster.Dr. Hoefle. Hat tatsächlich durch Selbstmord geendet. Zu diesem' Schluß kommt. das G u tachten des mit der Ermittlung -er Todesursache .tzoefles: betrauten Aettztekollegiums. Unterdrückung der Feimaurerei in Ztalie«. Rom, 15. Mai.' (Tel.-KomP.) Mus s o l i n i hat wider Erwarten. beschlossen, das Gesetz gegen die Freimaurerei und alle anderen geheimen Verbände sofort von die Kammer zu bringen. Der mit der Vorbereitung des.Gesetzes beschäftigte Kammeransschutz hat die Vorlage noch verschärft und das Verbot aller-geheimen Verbände und Gesellschaften in das Gesetz ausgenommen. Danach werden keinerlei Bereinigungen mehr geduldet, die der Polizei nicht -in bestimmten Zwischenräumen alle ihre Mitglieder beka-nntgeben. In parlamentarischen Kreisen erwartet man, daß die Opposition durch diese. Vorlage veranlaßt werden wird, wieder.in die.Kammer zurückzuLe ihren, um dort das: Gesetz mit allen Mitteln zu bekämpfen. Ludendorff über Mchenrrs Tod. Berlin, 16. Mai. (Tel.-Konrp.) Wie das berliner Tageblatt" autz London meldet, äußert sich General Ludendorff -in einem heute im Verlage John Lane erschienenen Buche: ,^D io Wahrheit über Kitchen e r", über - dessen Tod. Bekanntlich ' hat die Verscn'ung' des Kreuzers „Hampshire" anr 5. Juni 1916, bei der Lord Kitchener ums Leben kam, zu einer heftigen Kontroverse geführt. In dem erwähnten Buch ist mvn ein Brief Ludendorffs abgedruckt, in dem dieser erklärt, der geheimnisvolle Tod Lord Kitcheners sei nicht das Werk einer' deutschen Mine oder eines, deutschen Torpedos gewesen. Am Tode Kitcheners seien diejenigen Mächte schuld, die unter Kitcheners Führung keine Erholung der russischem Arme-e wünschten, da die Z erstörung des zaristischen Rußland beschlossen worden sei. Die offizielle Meldung über den Tod Kitcheners hatte als erwiesen angenommen, daß die //Hampshire" auf ei-ne Mine ausgelaufen Ivar.^_ Abzeichenverbot für Mittelschüler in Preuße«. Berlin, 16. Mai. (Tel.-Komp,) Der erste Schritt zur Entpolitisierung der S chu l j u g emd. ist. von de>m ProvMzialschul'kollfHiüm her Provinz Brandenburg unter- .lwmmen worden.. Das Kollegium hat. beschlossen« särntlichen Schülern das T r a g « n i r g e n d w e l ch e r A b z e i ch e n zu verbieten..Auch das bloße Mitbringen, solcher Abzeichen in die Schulen ist untersagt. . ' scheinlich daß die Kommission beantragen wird, die Giftgase zu den Waffen zu zählen, deren Anwendung völkerrechtlich v e r b o t e n ist. Die allgemeine Kommission setzte heute die Beratung, des Artikels 5 des Entwurfes fort, -durch den die Kontrolle der Waffensendungen in den Transitlandern vorgesehen wird. Der französische Delegierte wandte sich gegen den britischen Zusatzantrag, der ein verstärktes Kontrollrecht des Transits für Waffensendungen, die ' nach den Kolonien des Kontrollandes bestimmt sind, vorschlägt. Sodann setzte die Kommission die Beratung von Artikel 6 fort, der den Export von solchen Waffen und solcher Munition behandelt, die nicht direkt zu Kriegszwecken bestimmt sind, aber -dazu gegebenenfalls verwendet werden können. Der Entwurf sieht keine Verpflichtung -der Signatarstaaten zur Ausstellung von Ausfuhrbewilligungen vor. Nach längerer Debatte sprach sich die Kommission mit Mehrheit für die Ausstellung von ExportbewUigungen auch für diese Kategorie von Waffen und Munition aus,' v Lek Rordprozeß Lederer. Pronah olP Zeuge. — Konfrontierung fceS Mö^erpnares. v * - <Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Btldapest, 15. Mai.- Heute wurden die Zeugenverhöre fortgesetzt. Paul Pronay, in dessen Detachement Lederer gedient hat, wurde, als Zeuge verhört. Pronay erzählt, daß er den Lederer anfangs als einen pflichtbewußten Menschen kannte, den ihm der .Hauptmann Magashazy (Horthhs' Adjutant) empfahl. Später hat er Lederer ijn Kaposvar öfters getroffen, weil er der Verpflegs- \ affigier seines Detachements war. Lederer war in Kaposvar beschuldigt, Kassafälschungen begangen zu haben, was Lederer entschieden in Abrede stellte. Der nächste Zeuge ist ein Gefangener, der mit Lederer am Magaretenring in benachbarten Zellen eingesperrt war, und der.sich mit Lederer durch das Ofen loch verständigte. Lederer erzählte ihm, wie er den'Kodelka ermordet habe, daß ihn die Frau dazu bewog und er den Kodelka aus Eifersucht im Schlaf ermordete. Dann haben sie die Leiche hjnausgetragen, die Frau brachte ihm die Messer, anfangs hat er sich nicht getraut, die.Leiche zu zerstückeln, worauf die Frau ihm Borwürfe machte/daß er ein feiger Soldat sei. Dann habe er die Leiche geschunden und zerstückelt. Der Zeuge sagt weiters, Lederer habe sich ihm gegenüber in der Zelle geäußert, wenn alle Stricke reißen, werde er Geistesstörung simulieren. Dann wurde Lederer wieder verhört. Er schilderte ruckweise und unter Tränen die Vorgänge, die zum Morde führten. Er will glauben machen, daß ihm über das Treiben seiner Frau schließlich die Augen aufgegangen seien. Er habe eingesehen, daß sie für Geld zu allem fähig sei. Als er ihr Verhältnis mit Kodelka klär erkannt habe, wollte er erst mit seiner Frau abrechnen. Auf die Frage des Richters, woher er die Uebung nahm, so fach technisch bei der Zerstückelung der Leiche vorzugehen, antwortete er, daß er in -W e st u n g a r n, als er Verpflegsoffizier war, ö f t e r z u gesehen habe, wie die geschlachteten Tiere zerstückelt wurden. Auf eine andere Frage erklärte er, daß er nie eiver Biehschlachtüng beigewohnt habe, weil der Anblick ein schreckliches Gefühl in ihm' auslöste. Es folgte sodann-die Konfrontierung Lederers mit seiner Frau, die zu einer-erregten Szene Anlaß bot. Lederer erklärte, seine Frau habe ihm die Werkzeuge gegeben, mit denen er die Leiche zerstückelte, wobei sie ihm behilflich gewesen sei. Frau Lederer leugnete dies und behauptete, sie habe bloß ihrem Mann ein Beil gereicht. Auch leugnete sie, entgegen der Behauptung ihres Mannes, ihn zum M o r d e u f g e r e i z t z u h a b e n. Die Berhändlung wird morgen fortgesetzt werden. WEDO<(-KABAHOSSEW sind die besten SOMMERWÜR8TH I Erhältlich in jeder besseren Lebensmtttelhandlung Cafe Heinrichhof Bes.: Adolfine Prohaska so, I. Opernring 3 — 5 (gegenüber Staatsoper] Vornehmstes Frfihstüdes- und Famiüencaft VORZÜGLICHEN schwarzen und weissen im,40M unQ Ersparnis j an Kaffeebohnen jj erreichen RnffeeMiiser, Burs, Hotels .& mit der „ETERNA-EXPRESS-KAFFEEMASCHINE“ ^QEFIAWERKE A.G., WIEN, I Ring des 12.Rovember Nr 10 Benefch' Besuch. —y. W i e n, 16. Mai. Oesterreich hat eine neue Welle nationaler Begeisterung zu verzeichnen. Sie äußert sich in mehrfacher Gestalt, und, wie billig, stehen ' auch jetzt maßgebende Persönlichkeiten des politischen und. geistiger 'Mens en der Spitze, einer tatenfröhen Jugend. Ein Professor der Technik rühmt m einem Vortrag über theoretische Maschinenlehre das Dreinschlagen und den >Stechschritt der magyanscheir, -serbischen und bulgarischen Soldaten. Der großdeutsche Parteiführer Ding- Hofer erklärt in einer Versammlung, „wenn Benesch bei seinem Wiener Besuch versuchen sollte . . - dann . . Dem ebenso - großdeutschen Frank „treibt es das Blut in die Wangen," was Benesch in einem Interview über Oesterreich gesagt hat. Das Interview ist dementiert worden, und zwar so zeitgerecht, daß dies Herr Frank noch vor seiner Versammlungsrede erfahren mußte. Die Bo>dentulturstudenten treten in den Streik, weil im nächsten Semester ein starker Zustrom von „Auslandsjuden" befürchtet wird. (Diese Erklärung findet sich in dem Regierungsorgan „Die Reichspost"). Das sind so einige Perlen-aus der Seelena-ufschwungsbewegung binnen zwei Tagen. Erste und nächste Folge: Benesch verzichtet auf seinen Wiener Besuch. Jn lvelcher Verhüllung sein Beschluß dom Kabinett Ramek mitgeteilt wird, ist nebensächlich. Vielleicht ist man in Prag höflicher und wird irgend eine Entschuldigung ausschreiben. Die Tatsache besteht, daß. im. Zuge einer einzigartigen Hetze das Gastrecht gebrochen wurde, und das gegen einen Mann, der sich um Oesterreich immerhin redlich gemüht hat. Er ist einer der wenigen mitteleuropäischen Politiker/die daran glauben, ,daß Oesterreich lebensfähig ist und daß es sich durch Kredit, Arbeit und Ordnung aus der Not lösen kann. Vielleicht ist dieser Gedanke des Prager Ministers falsch. Das brauchte ihm aber nicht in der Form mitgeteilt zu werden, daß ihn die Hakenkreuzler von heute und die von morgen anspucken und vor der ganzen Welt zeigen, daß sie aus einer schlechten Kinderstube kamen und daß ihnen der Sieg Hindenburgs die Besinnung geraubt hat. Wie steht doch dieses Oesterreich heute da! > Der Affront des tschechischen Ministers — an sich schon ein Symptom polizeiwidrigster Dummheit — ist außerdem auch vom Standpunkt der Staatsräson verwerflich. Benesch ist der leitende Minister eines Staates, de.r mit Oesterreich in Frieden und Freundschaft lebt. Er wird auch noch für absehbare Zeit hinaus am Ruder stehen, und so sehr ihn die nationalistischen Demokraten befehden, so sind sie doch in der österreichischen Frage bisher immer mit ihm gegangen. In Fragen des äußeren Prestiges sind . Nationen immer sehr empfindlich, und die Hetze, die gegen den Gast des Staates inszeniert wurde, wird auf die gesamte tschechische Öffentlichkeit wirken. Man rechne hinzu, daß die tschecho-slowakische Regierung in dem maßgebenden Ausland sicherlich in Damen- und Herrenstoffen zu sehr billigen Preisen Del II. TaborstraSe 48 Teleuhon 47*1*78 Bn gros in tfataU i I