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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-15 · Heft 2239 (15.5.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2239 (15.5.1925)
Date
1925-05-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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IPolen: aOaroszyj Wien: ZumAbholen in der Expedition, II.. Taborstr. 1-3, oder in einer Verseht eisstelle oder in einer Verseht eisstelle (TranK) monaxi. o aemmng Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Ool dsehmied, I.. Wollzeite 11 Mit Postversand für Wiett und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 6V. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mort. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon, Fr«. 18 Nachzahlungen bei Prell* erbOhantfen Vorbehalten meem Wiener das mühelose Parkett-Glammittel Crhllillcb In allen ein/chiagigen Qeftfcaltea orgenfettung iPrafs aoT England: Mon. 4 Schilling, Italien: Monati. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon.IOOLewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Fr«. 5 Redaktion, Administration: Wien, Ü.Taborstnl Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Slr. 2239 äBien, Stettin, lg. Mai 1928 7. AaHrgang Rücktritt Wamberlains? Amerd gegen den bisherige» Kurs. — Lord Mrkenhead künftiger Avßenminifter. Ngendkvfi der „Wiener Morgemeitung".) London, 14. Mar. In konfierüativon, der Regierung naHeftshCnden Kreisen erhält sich heute abends hartnäckig das Gerücht, Latz Austen Chamberlai als Außenminister zurücktreten und durch Lord Birk ruhe ad «werde ersetzt werden. Die Politik 'Ehamberllaiins gegenüber Frankreich und Belgien werde von der Mehrheit des Kabinetts mißbilligt, und insbesondere der Kolonienminister Amerh ivende sich offen gegen sie. Außerdem sei das Prestige ChambeMvins durch die ' Enthüllungen der „New°-Z)ork World" -erschüttert. Im Foveigne Office weigert mm sich, zu diesem Gerücht irgendwie Stellung zu nehmen. Keine Wettnbvüstungskonferenz. London, 14. Mat. Im Unterhause fragte heute abends ein Abgeordneter der Arbeiterpartei, ob die Regierung die Absicht habe, die Initiative zur Einberufung einer WeltaVrüstungskonferenz zu ergreifen. Baldwirs erklärte, daß dis Frage der Abrüstung "gegenwärtig von einem Sonderkomiiee des Völkerbundes behandelt werde, und dätz eine Initiative Englands unter wiesen Umständen nicht vorteilhaft sei. Deutschland und die Alliierten. London, 14. Mar. Eine Mitteilung des Reüterschen Bureaus besagt, daß die Noten Frankreichs betreffend die Abrüstung und den Sicherheitspakt noch nicht eingelangt seien. Offiziell wird hinzugefügt, es sei wahrscheinlich, daß vor Wer.definitiven Regelung aller mit diesen Noten .im Zusammenhang stehenden Fragen die Ae kufsifchen Jevots in Belgrad. Eine Note Rußlands an Serbien. Belgrad, 14. Mai. (Tel.-Komp.) Gestern traf hier lm Außenamt eine radiotelegraphische Depesche aus Moskau ein, in welcher der Vollskommissär für Aeußeves Litwrnow " bei der fugoflatwischen Regiemng Protest dagegen echebi, daß sie Wertgegenstände aus den Depots der Petersburger Pfandleihanstalt, die sich gegenwärtig in Belgrad befinden, an ihre'früheren Besitzer ausfvlgen lasse, obgleich . diese Depots von der Sowjetregierutttz nationalisiert wurden. Die Sowsetregiewng fordert die unverzügliche Rückerstattung der in Belgrad befindlichen Gegenstände aus diesen Depots. Die jugoslawische Regiemng sicht demgegenüber auf dem Standpunkt, daß es sich Lei diesen Depots» die während der russischen Revolution von Petersburg nach Südrußland gebracht und dann mit der Wrangel-Armee über Konstantinopel und Dalmatien nach Belgrad gekommen waren, um Privateigentum handle, das jederzeit dem Besitzer, sofern dieser sich genügend legitimiert, ausgefolgt werden müsse. Thorttefnttate. Bolton Wanderers—Vienna 4:2 (1:0). Sparta (Prag)—Uruguay 1:0 (0:0). Einberufung einer interalliierten Kom ferenz, auf der au ^Deutschland vertreten s e i, notwendig sein werde Eine Rede Birkenhead s. London, 14. Mai. (Tel.-Komp.) Der Unterstaatssekretär für Indien, Lord Birkenhead, hielt auf einer Versammlung der Trade-Unions einen Vortrag, in dem er eine erhöhte Tätigkeit Lolschewikischer Emissäre voraussagte und die Gewerkschaften zur Abwehr aufforderte. S i n o w j e w mache, so führte Lord Birkenhead aus, kein Hehl aus seiner Absicht, sein Tätigkeitsfeld von Deutschland nach England zu verlegen, da er England für dasjenige Land halte, in dem gegenwärtig b'e kommunistische Propaganda am erfolgreichsten durchgeführt werden könnte. Die Trade-Unions, schloß der Vortragende, müßten sich nun entscheiden, ob sie mit England gehen oder die Befehle eines Mannes ausführen wollten, dem an England nicht das geringste gelegen fei. Michael Karolyr in Paris. ,, Paris, 14. Mai. (Tel.-Kornp.) Der frühere Präsi«. denk dev ungarischen. Republik, Graf Karolyi, ist ein Paris eingetroffen. Er wird von Caillaux und andere:» Politikern empfangen werden. Ford will die Handelsflotte Amerikas kaufen. New-Jork, 14. Mai. (Tel-Komp.) Henry Ford, ist mit der amerikanischen Regierung in Unterhandlungen wegen Ankaufes einer Flotte getreten. Er beabsichtigt, von den während des Krieges von der Regierung gebauten und seither nur ungenügend ausgenützten Schiffen zunächst 400 zu erwerben. Me in politischen Kreisen verlautet, dürfte die Note Litwinows von der jugoslawischen Regierung nicht beantwortet werden. Attentatssorgen in Belgrad. Belgrad, 14. Mai. (Del.-Komp.) Der Polizei sind' eine Anzahl von Schriftstücken und Briefen in die Hände gefallen, die Anhaltspunkte dafür bieten, daß von kommunistischer Seite Attentate gegen hervorragende journalistische Persönlichkeiten, darunter gegen den Ministerpräsidenten Pa sie und gegen den Unterrichtsminister Pribicevie sowie auch gegen die Mitglieder der sich in Belgrad aufhaltenden russischen Emigration geplant feien. Infolgedessen sind feit gestern verstärkte Gendarmerieposten vor dem Gebäude des Ministerpräsidrums, vor der Skupfchtina und vor dem Palais der früheren russifchsM Gesandtschaft aufgestellt. Palästinas ««teil an der ottomanische« Staatsschuld. Genf, 13. Mai. (I. T. A.) Prof. Barel, der WM BiMv'bundrat zmn Schiedsrichter in Sachen dev ottomanischen Staatsschuld eingesetzt worden ist, hat den Appell der Palästinavegievung gegen die Heranzichung 'PaWinas zur Zahlung eines Schuldanteils für die Ausgaben der Hedschaseisenbahn verworfen. Dagegen hat der Schiedsrichter den für Tnmsjovdanien fixierten Schuldanteil herabgesetzt. Die von Palästina zu zahlrende Sumnre wurde bekanntlich mit fünf Milliomn türk. Pstmd fixiert- Die Dreihundert. -y. Wien, Mal. Die Dreihundert leben noch immer, die dreihundert Inden nämlich, die nach einer Aeußerung Rachenaus sich in die Weltherrschaft geteilt haben. Rathenau hat diese Aeußerung niemals getan. Er hat den so berühmt gewordenen Satz nie geschrieben. Die Dreihundert snw das Erzeugnis eines alldeutschen Sudlers und Henry Ford hat sie in dem auf sein Geheiß geschriebenen „Internationalen Juden" in das Pantheon der unsterblichen Lügen eingeführt. Die Dreihundert tauchen eben jetzt wieder aus und sie bilden die Zentralsonne, um die die geschwollenen Hoffnungen der Hakenkreuzsippschaft kreisen. Hindenburgs Sieg befruchtet wie der Frühlingsregen den mageren Äcker der gestorbenen Gedanken. Die im Krieg und nach dem Krieg zurückgedrängten Helden rüsten zu neuen, großen Taten und lern Geringerer als der Baltikumgeneral von der Goltz kürwet das neue Hindenburg-Programm. Das alte, das im Kriege die Bauern und Junker zu einer anständigen und ehrlichen Ablieferung der Lebensmittel veranlassen sollte, fuhr an dem Wucherfrnn der Patrioten schmählich auf. Mit dem neuen, so hoffen diese Freunde eines guten Geschäftes, wird es besser gehen, zumal sie selbst Pie Aktiven dabei sein wollen. Der General dekliniert die alte, aber deshalb durchaus nicht wahre Lüge von der jüdischen Schuld am Kriege und am Kriegsende. Der Weltkrieg, schreibt er in der „Deutschen Zeitung", war nötig, weil die Dreihundert die Weltherrschaft antreten wollten. Die alldeutschen Schmierer pflegen Rachenaus Aeußerung in das Jahr 1907 zu verlegen, also sieben Jahre, vor dem Kriegsausbruch, Hier stock' ich schon. Wenn sie zu diesem Zeitpunkt bereits sich in die Weltherrschaft teilten, also sie schon in ihren jüdischen Händen hatten, wozu sollten sie dann den Krieg entfesseln? Das würde schlecht zu der so bejammerten jüdischen Gescheicheit stimmen. Es ist ja wahr, daß in der Jnkubattonsfrist das Wort von der Weltherrschaft fiel. Aber keiner der Dreihundert sprach es, sondern Wilhelm von. Hohenzollern, des deutschen Reiches Kaiser, der damals auch noch die Hunnenrede sowie einige andere schöne Sprüchlein in die Welt setzte. Die Dreihundert hätten also die Weltherrschaft nicht. Sie strebten sie an. Gut, das läßt sich hören. Sie machten also den Weltkrieg. Wie? Saß einer von ihnen im Potsdamer oder Schönbrunner Kronrat? War der deutsche Generalstab, dessen Himbeeraufschläge in den Straßen Berlins mit dem Absingen des „Deutschland über alles" bejubelt wurden, jüdisch? Die Deutschen verneinen das mit Entrüstung. Dann waren es also Dummköpfe, die den so gescheiten und listigen Dreihundert auf den Leim gingen. Zugleich aber gingen ihnen auch, immer nach von der Goltz, die Engländer und Amerikaner auf den Leim. Wenn das richtig wäre, so müßte man sich über die Dreihundert sehr wundern. Wozu ließen"^ dann England seinen Vermittlungsvorschlag machen und Amerika durch Wilson die „guten Dienste" anbieten? Wäre dies gelungen, dann hätten sie. doch den so heiß ersehnten Weltkrieg, nicht gehabt!- Wobei noch die Frage offen bleibt, ob der belgische Vertrag von den Dreihundert oder von Moltke zerrissen wurde. Wir glauben, eher das zweite annehmen zu können. Moltke aber war kein Jude. Wir beschwören es. Die Dreihundert haben das alles, was von der Goltz aus den „Vorposten" und ähnlichen Erzeugnissen der Buchdruckerkunst gelernt hat, getan, erstens wegen der Weltherrschaft, zweitens aber, weil sie das Kaisertum vernichten und die Republik herausführen wollen. Ein Kaisertum ist frei und wehrhaft, eine Republik wahrscheinlich nicht. Wie steht's nun mit Amerika? Ist dieser Staat frei? Ist er wehrhaft? Sollte von der Goltz darüber im Zweifel sein, so möge er den Ludendorff fragen, dem General Persching alle Knochen im Leibe zerdroschen hat, und zwar mit einer kaum ausgebildeten Rekrutenarmee. Sie siegte, weil sie aus freien Männern bestand. Der ganze Iaatsphilosophische Exkurs des Grafen- Generals ist. nur geschrieben, um das auszusprechen, was sich die Leute seiner Couleur von dem neuen Kurs erhoffen. Die Rede« Hindenburgs und sein Verhalten bei der Vereidigung tragen erfreulicherweise ein ganz anderes Gepräge. Aber, sagt Kipling, Reden ist eines und Tuu ist ein anderes. Mau hat gewiß kein Recht, bei dem asten Manu. Zweideutig?'.-»r zu suchen. Aber seine -n" der Goltz, glauben, daß die Bäume in den Himmel wachsen. Sie kundigen denr Judentum den Krieg an. 1914 hatten sie die französischen Flieger, 1925 die Protokolle der Weisen von Zion. Bon einer Lüge zur anderen. Sie brauchen diese Lüge, ivett ihnen angst und bange ist vor der Wahrheit, die nun kommen muß, vor der Erkenntnis, daß auch Hindenburg nichts anderes tun kann als Ebert, daß die versprochene Aera des Revanchekrieges noch im Entstehen zerbricht und daß Deutschland Frieden halten muß. Sie suchen sich den Blitzableiter schon jetzt und darum muß dieser Landstnechtgeneral die Schatten der Dreihundert wieder zitieren. Aber er beschwört mit chnen den Geist Rathenaus herauf und das sollte ein so guter Patriot nicht tun. Denn man würde doch darüber Nachdenken, wie anders es gekommen wäre, tvenn Rathenau seinen Plan der Versöhnung mit Paris hätte ausführen können, wenn nicht die Parteigenossen.des Grafen von der Goltz ihn ermordet hätten. Das sind die Dreihundert, die die Weltherrschaft wollen.

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