Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2237 (13.5.1925)
- Date
- 1925-05-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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SBteit, Mittwoch Wiener Moraenzettuns. _ 13. Mai 1923 Stt. iS8f Volkswirt. ' «MS Bühne und Kunst. »Vergangenheit" <l.e p«ssL). ZGaMiel Madame Simone. — Wiener Stadltheater.) Nach den wirksamen Stücken Henri Bernsteins war das Pariser Sittenstück Georges de Porto-Rrches von der Akademie Franchise ein schwächerer Abend. Die Vergangen-- heit und der vergangene Liebhaber, der diese Vergangenheit aüsgefüllt hat, bcunruhigen die Künstlerin Dominique Brienne. Francois Prieure, der sie vor Jahren verließ, taucht als der Geliebte ihrer Freundin Antoinette wieder auf, Und dieser Mann, von der Art des Ton Juan, dem Llle Frauen verfallen, der immer liebt rrNd sich nie gebuliden fühlt, dem eine Liebe lern Hindevni's für eine neue ist, spielt mit den beiden Frauen, belügt sich und sie, daß sie ihre eigener: Wege vergessen. Sein Spiel ist zu schlecht. Er verliert beide Frauen. Ausgleichende Gerechtigkeit? Die Freundinnen, die einen Moment lang Rivalinnen waren, finden zu ihren wahren Freunden zurück. Prieur geht als Diplomat nach England. Madame Simone gibt mit Geschmack und Takt die Rolle der Dominique Brienne, der Frau, die sich schon vor dom nahen Alter fürchtet, die ängstlich die Zofe und den Spiegel befragt, ob sie noch einen Mann zu fesseln vermöchte. Jean Worms, Paul Daubry, Blanche Martal bemühten sich mit Erfolg. Der Beifall war herzlich und galt in erster Linie den schauspielerischen Leistungen. g.?. Aus den Theater». Bürgt heater. Morgen, 7 Uhr abends, „tß c c r G y n t". Staatsoper. Morgen, 7 Uhr abends, „Die toteStadt*. Atademietheater. Morgen, 7*8 Uhr abends, „DerDamenkrieg." DeuttchesVolkStheater. Sonntag, */a4 Uhr nachmittags, „D erWauwau" mit Pallenberg. Neues Wiener Stadttheater. Heute zum ersten Male „l. rr vierge tolle" („D i e törichte Jungfrau") mit Madame Simone. Morgen „l.s Louturisre ile l.unöviUe" mit Madame Simone. Wiener Komödienhaus. Heute beginnt ein Gastspiel des Modernen Theaters mit der Revue „DiegroßeTrommel". Renaissance bühne. Ab heute beginnen die Abendvorstellungen um 8 Uhr. Lustspieltheater. Ab heute beginnen die Abendvorstellungen um 8 Uhr. _ Für eine» große» Wische» Künstler. Das Schicksal Sem Adlers. Schriftsteller Josef Grob schreibt uns: Sem Adler, der weitberühmte jüdische Schauspieler und langjährige Theaterdirektor, ist ein Sechziger. Heber 40 Jahre gchört er dom jüdischen Theater an, und was er als Schauspieler geleistet, ist in zwei dicken Bänden unzähliger Zeitungsartikel enthalten, aus denen Adlers große- Künstlertalent ersichtlich ist. Bon weit größerer Bedeutung jedoch ist die Wirksamkeit Adlers als jüdischer Theaterdirektor. Ein Zeitgenosse Abraham Goldfadens, war sein Bestreben in erster Reihe dahin gerichtet, Kunstwerke auf die Bühne zu bringen und seine Schauspieler zu Künstlern zu erziehen. Dies gelang ihm insbesondere dadurch, daß er seinen Schülern stets mehr Freund als Theaterchef gewesen ist. Niemals war es ihm um das persönliche Interesse zu tun. Vielmehr bemühte er sich, seiner Künstlerschar eine Existenz zu sichern und sie dadurch zur Entfaltung ihrer Talente anzuspornen. Unter dep vielen jüdischen Theaterdirektoren in Rußland und Amerika ist er auch deshalb als der Vater der Wischen Bühnenkünstler bekannt und seine unzähligen Schüler, von denep viele in der jüdischen Theaterwelt groß geworden sind, verehren und achten ihn wie keinen zweiten dieses Standes. Und nun ist dieser Schauspieler, auf »dessen Sprache Jahrzehnte hindurch Millionen Menschen mit Begeisterung gelauscht hatten, stumm. Das heißt, er hört wohl und Würde auch noch sprechen können, wenn nicht eine Lähmung der Stimmbänder eingetreten wäre. Infolge der Kriegsverhältnisse war er gezwungen, aus der russischen Brandhölle zu flüchten, und auf seinen dornenvollen Wanderungen zog er sich seines wie die Aerzte feststellten, unheilbare Krankheit zu. Zwei volle Jahre schon bemühen sich die besten Wiener Aerzte um diesen unglücklichen Menschen, und nun sind sie zu dem Resultat gelangt, daß er unrettbar verloren ist. Jetzt sicht dieser stumme Schauspieler aller Mittel bar da, er möchte nach Amerika zu seinen vielen Freunden und Schülern, die eventuell ihrem bedauernswerten Lehrer und Kollegen helfen würden, zurück, hat aber nicht einmal die Reisespesen und muß an das jüdische Herz appellieren. * Es ist Pflicht aller Freunde der jüdischen Kunst, dem erkrankten großen Künstler nach Kräften zu helfen. Die „Wiener Morgenzeitung" ist bereit, Spenden zu übernehmen und zu übermitteln. ' Gerichtssaal. Me Geschäfte der Hakenkreubank. Die Firma Ingenieur Schleptitzka u. Co. hatte bei der Nordisch-Oesterreichischen Bank ein Barguthaben von 1500 Millionen. Anfangs 1024 wollte die Firma zur Zählung von Löhnen der Arbeiter der Pinkafeldbahn, welche sie im Bau hat, 240 Millionen von ihrem Guthaben abheben. Der Bähnbau ^beschäftigte 100 Arbeiter, deren Löhnung jede Woche erfolgte. Die Nordisch-Oesterreichische Bank konnte, den verlangten Betrag nicht bezahlen und Ingenieur Schleptitzka drohte mit der Anzeige. Die Funktionäre der Bank, der Generalkonsul van Royen und Wald eg«. Erden, sie könnten den Betrag nur dann zahlen, wenn die Firma Schleptitzka «. Co. Wechsel in dieser Höhe ausstelle. Generaldirektor van Royen und W-aldegg versicherten, daß das nur eine Formalität sei und di« Wechsel in kurzer Zeit zurückgestellt lverden würben. Schl-sptihtka mußte, da sonst der Bau eingestellt werden mußte, das Geld haben und daher dem Wunsch der Bank Nachkommen. Dem Verlangen ans Rückstellung der Wechsel wurde nicht Folge gegeben. So lange die Dank bestand, wurde der Wechsel nicht präsentiert. Beim Zusammenbruch der Nordisch-Oesterreichischen Bank meldete sich Graf Franz K i n s k y und verlangte die Zahlung des Wechsels mit der Begründung, daß der Wechsel im guten Glauben erworben, und zwar vom Sekretär der Nordisch-Oesterreichischen Bank, dem Bruder des Generaldirektors van Rohen, der die 240 Millionen der Firma Schleptitzka n. Co. aus den Geldern des Graser: Kinsky bezahlte, t Graf Kinsky klagte nunmehr Schleptitzka u. Co. ans Zahlung des Wechsels ein. Dr. Heinrich Raab, der Vertreter der Bauunternchmuug, erhob gegen der: Zahlungsauftrag Ginwenduna dahin gehend, daß die Bevollmächtigten des Grasen Kinsky schlecht gläubig waren. Die Firma Schlepkitzka hatte kein Darlehen anfgenoinmcn rrnd trollte nur von ihrem Guthaben äbheben. Der Wechsel sei erschlichen »vorden. Gras KinSky habe den Wechsel nach dem Zusammenbruch der Nowflch-Oesterreichischcn Bank erworben. Dr. Raab be- Mchnete bei der vor dem Handelsgerichte unter Vorsitz des Hosratcs Langstein stattgefundenen Verhandlung die Firma Schleptitzka u. Co. o>ls das Opfer eines Schwirrdeluntern ehmens., das den Mut hatte, sich eine Bank zu nennen, und wies auf das anhängige Strafverfahren gegen dre Nordisch-Oestereichische Bank hin. Er stellte insbesondere mit Bezug aus die Person des Vuepräfidenteu van Rogen unter Beweis, daß dieser im Dezember 1923, um -die Bank nach außen mn künstlich solvent erscheine,i zu lasseii, einen Scheck von iMl Millionen vor der Bilanz in die Kassa einlegte, nur sie zu „frisieren" und nach Erstellung der Bilanz den Scheck sofort wieder aus der Kasse nahm. Bei der Verhandlung waren vom Beirat Vizepräsident van Rohen, dessen Schn Dr. van Rohen und der <nls der Haft vorgesührte Gras Wald egg als Zeugen geladen. Es kam jedoch nicht zur Vernehmung, da unter Intervention des Vorsitzenden ein Ausgleich abgeschlossen wurde. Prelstreibereigesetz und Ratenhandel.. Ein bemerkenswertes Urteil fällte gestern beim Strafbezirksgericht 1 Oberlandes gerichtsrat Dr. Weiß in einer Strafsache, in welcher der Ratenhändler Rudolf Morgenstern wegen Preistreiberei, angeklagt war. Dem Beschuldigten lag zur Last daß er ftlr einen im November v. I. dem Kellner Rudolf K r a u t auf Raten verkauften Schirm, der im Einkauf 108.000 K. gekostet 185.000 K. aufgerechnet hatte Der Kellner hatte eine Anzahlung von 50.000 K. geleistet, hatte dann durch zwei Monate keine Raten gezahlt, schließlich über wiederholte Mahnungen eine weitere Rate von 50.000 K. geleistet und gleichzeitig die Anzeige wegen Preistreiberei erstattet. Den Restbetrag von 85.000 K. hat der Kellner bis heute nicht bezahlt. Die Prelsprüfungsstelle hatte deii erwähnten Berkaujspreis für den Schirrn als übermäßig hoch bezeichnet, da nach einem allgemeinen Gutachten der Preisprufungsstelle aus dem Titel des Ratenhandels zu den Einkaufspreisen höchstens ein Zuschlag von 60 Prozent, in welchem sämtliche Aresen sovxe auch der Gewinn einzurechnen sind, zulässig sei. Der angeklagte Ratenhandler, verteidigt von Dr. Bertihold Kohn. legte eine ausführliche Kalkulation vor, um darzutun, daß der Verkaufspreis von 185.000 K. ein angemessener sei. Me Pveisprüfungsstelle lasse das Risiko, welches der Ratenhändler infolge der Saumseligkeit -der Kunden, die oft die Raten überhaupt nicht bezahlen, habe, außer Betracht. Ebenso müsse der Raterchänd- -ler außer der Ageutenprovisron, den allgemeinen Regwspesen und ernem bürgerlichen Gewinn von 6 Prozent noch andere Spesen, wie Zinsenverlust und dergleichen, einkalkulieren. Ter Angeklagte gab an, daß er in seinem Ratengeschäft monatlich einen Umsatz von 90 Millionen Kronen habe. Auf die Frage des Richters, ob der Ratenhändler «ine Konzession haben müsse, erwiderte der Angeklagte, daß der Ratenhandler. kleine Kon- Mion haben müsse. Der Richter sprach den Angeklagten von der Preistreiberei frei und führte in der Urteilsbegründung im wesentlichen aus: Das Risiko des Ratenhandels ist heute ein viel g r v ß e r e s als zu der Zeit, in welcher die Preisprüfungsstelle das ^allgemeine Gutachten über den erlaubten Zuschlag rm Ratenhanoel abgegeben hat. Diese Verhältnisse beweisen, daß «S einen für alle Verhältnisse gültigen Zuschlag nicht gibt. Mit. diesem Urteil, Hab der Richter hervor, soll jedoch keineswegs der Ratenhandel propagiert werden. Nach Ansicht des Gerichtes ist der Ratenhcmdel mit Rücksicht auf die durch diesen bewirkte Verteuerung der Waren ein Krebsschaden der Wirtschaft. So lange jedoch der Staat den Ratenhandel wogen seiner vnrtschaftlichen Schädigung nicht verbietet, kann der Ratenhändler nicht anders und nicht ungünstiger beurrerlt werde» als jeder andere Kaufmann Eine lauge Nase als Amtsehrurbeleidigung. Der Kaufwann Hermann Später sollte knrnlich im exekutiven Wege delogiert werden, da dir Partei, öer der er rn Uniexmiete wohnte, rechtskräftig gekündigt worden war. Als die Räu» mungskommission unter der Leitung des ExekrttionSbealnreir Karolus erschien, um die Delogierung vorzunehmen, stmd sie die Wohnung, vor der Später stand» verschlossen vor. Der Beamte Karolus forderte Herrn Später aus, die Wohnung zu öffnen, woraus ihm Später als Erwiderung eine lange Nase drehte. Wogen dieser Geste wurde gegen Später die Anklage wagen Amtsehrenbeloidigung erhoben. In der gestern vor dem Bezirksrichter Dr. Neudeck, Strasbezirksgerrcht 1, stattgehckbten Bevbandlung erklärte der Angeklagte, daß er allerdings eine Geste, die einer langen Nase schr ähnlich sah. gemacht habe, -daß sich jedoch diese Geste nicht auf den Exekutronsbe amten bezogen hatte. Der Angeklagte erklärte, daß er über die Vornahme der Delogierung, die von der Kommission sehr hastig voraenommen wurde, sehr ausgeregt war, da sein Anwalt damals bereits die Sistierung des Räumungsauftrages erwirkt hatte, der schriftliche Bescheid hierüber jedoch noch nicht in Händen des Exekrttwusbeamten war. Nachdem der Beamte Karolus sowie drei weitere Zeugen bestätigt hatten, daß die lange Nase dem Erekutionsorgan gedreht worden war, verurteilte der Richter den Beschuldigten im Sinne der Anklage zu einer Geldstrafe von 50 Schilling, eventuell zu 48 Stunden Arrest. Der Verurteilte.meldete gegen Schuld und Strafe, der staatsanwaltschaftliche Funktionär wegen Nichtverhängung einer Arreststrafe die Berufung an. Der Prozeß Kozda. Die Verhandlung gegen die Milliardenbetrüger Otto und Ernst Kozda wurde gestern, am siebenten Derhandlunastag, vertagt, um den Geiste szustand Otto Kozdas untersuchen zu lassen. Otto Kozda begann in öfferitlicher Verhandlung plötzlich zu schreien und seinen Verteidiger zu beschimpfen. Es >wuvde sestgestellt, daß sein Oheim geisteskrank war und er selbst an Lues Mitten hat. Gleichzeitig mit der Beschlußfassung über Psychiatrierung Otto Kozdas wurde mit Zustmimung des Staatsarrwattes Ernst Kozjda auf freien Fuß gesetzt. Die Bechäudlung dürfte in etwa vier Wochen vor demselben Schüffensenat statoflndeu. Der Prozeß gegen de» Mörder Codreanu. Der Prozeß «gegen den Mörder des Präfekten von Jassy, M a n e i u, Celea Codreanu, wird am 20. d. in Turu-Severin beginnen und etwa sieben Tage dauern. Unc ähnliche Vorkommnisse, wie in Focsani, zu vermeiden, wurden umfassende SicherheitSnraßnahmen getroffen, Politische Wirtschaftswoche. (Von üns'erenr polnischen M.-S.-Korrespo ndiettlen^) Die polnischen Aktierrgesellschasten lha.'ben sich doch nun icntschlossr'ir, in einem schnelleren Tempo die U'Mwevtirn<g der Kapitalien! und die Valorisierirng der Aktien^ vorzunehmen. Nach der H y p o t h e k e n b a n k laut die Bank MaloPolski nn die Rc'cho. Das Aktienkapital wurde ans 3,000.000 Zloty uinigewertet» aufgeteM auf 300.000 Aktieir zu« je 10 Zloty Nonritialwert. De.r Austausch erfolgt zu dorr SchMsserr 20:1. Bon dem neuen Mtienkapital erfolgt bereits auch die Ausschüttung der Dividende für das abgelaufeue Geschästsja'hr in der Höhe von 10 Prozent. Die Aktiengesellschaft Foresta in Lemberg hat ihr Aktienkapital auf 220.000 Zloty umgewerdet. Die neue Attie hat eilten Nominalwert dorr 100 Zloty am3> wird im Verhältnis 1:200 zrt.samme«gelegt. Auch die Naphtha A.-G. 'hat ihre Bilanz auf die Goldbasis umgestellt, verzichtet jedoch aus die neuerliche Zusamntenlegung der Aktien und setzte derenneuen Nominalwert mit 10 Zloty fest. Die Lage auf den polnischen Effektenplätzen blieb auch in der Berichtsw>ochc unverändert. Nur die Zahl der Transattiolnen hat neuerlich abgenonmreu. Da's Interesse für die Börsen schrumpft immer weiter ein. Zrrr in-ouerr Schwächeperiode kam: die 'nette Verordnung des Finauzmttlisteriums führen, aus Grund welcher^ Ausländern wie auch den a-usländiischeit! Finan,ziu>stitnten, schließlich auch solchen Ausländern, die selbst in Polen wohnen, beim Anlkaus von polnischen Effekten Schwierigkeiten bereitet lverden. Für das Verhältnis des Anbotes zur Nachfrage und die jetzige Lage der Börsen ist die letzte Kursabschwächung der Aktie der Bank Polski, die für eine nur achtmonatige Tätigkeit eine Dividende von 3 Zloty ausgezahlt hat, ein gründlicher Beavers. Die Wiener ^lrbitragewerte konnten sich in der Berichtswoche fast durchwegs aus ihrem Kursnivean behaupten. Nur Galt zische Montan ermäßigten sich aus 3.60 Zloty, Ehodorow auf 3.85 Zloty und Warschauer Diskontobanik auf 6.60 Zloty. Hypothekenbank blieb bei der Notierung von 0.49 Zloty, Lembevger Bräu bei 7.60 Zloty, Depege bei 1.20 Zloty. Dagegen erholten sich Jelenelvski ans 11.10 Zloty, Rakczawa aus 1.20 Zloty und Chybie aus 4.30 Zloty. Bomerikeniswert ist die Flauheit der Petroleum werte, troßdenr sich die Lage der polnischen Petroleuiwindustrie ziemlich gebessert hat und auch die letzthin erzielten Bohrerfolge zufriedenstellend sind. Während der Budgetberatung im Sejm hielt der Abgeordnete Michalskr eine Rede, in welcher er ans die Fehler der Wirtschaftspolitik hinwies. Die Prodüktions-- kosten .sind bereits so in die Höhe gegangen, daß die Konkurrenzfähigkeit der polnischen Jndüstrie erheblich geschwächt ist. Die Zahl dev Arbeitslosen steigt trotz des Frühjahres ständig. Frankreichs Finanrreforme». Die Pläne Caillaux'. Paris, 12. Mai. (Tll.-Krmrp.) In der FinLnzkommission der Kammer gab heute nachmittags Finanizminister Caillaux nähere Einzelheiten über seine Finanzpläne bekannt. Eaillaux schätzt allein die innere Schuld Frankreichs aus 280 Milliarden Franken, wovon 159 Milliarden in konsolidierten Renten und 130 Milliarden in kurzfristigen Verpflichtungen von verschiedener juristischer Form bestehen. Auch bei weitestgchender Einschränkung der Ausgaben verbleilbt noch ein Defizit im Staatshaushalte von 3,5 Milliarden Franken, das aus den Erhöhungen der Stenern gedeckt Werder: muß. Caillaux kündigte eine Echöhrrng der Einkommensteuer auf Einkommen über 25.000 Franken an. Ferner ninrmt Caillaux eine Beteiligung des Staates an gewissen Jndn° striemonapolen in Aussicht. Enteignungen sind nicht beabsichtigt, doch sollen gewisse industrielle Uelbergswinne in die Staatskassen gelenkt werden. Weitere Einzelheiten des Sanievungsplanes wird das Fnranzministevium erst bekanntgeben, wenn das Ausland die Uoberzeugung gewonnen hat, daß das französische Budget sich endgültig im Gleichgewicht befindet, und wenn das Problem der interalliierten Schuldnr seinem Lösunlg zugeführt ist. Die Banken und das Geldeinlagengesetz. Die Haltung der Banken gegenüber den Bestimmungen des Einlagengesehenitwupfes, wonach das Fmanzministerimn im Einvernehmen mit dem Bundeskanzleramte für jedes Bundesland im Verordnungsweige Richtlinien für die Festsetzung des Ein- 'lagenzmsfußes fan Bucheinlagengchchäfte — es soll auch das Einllagengöschäift in lärmender Rechnung eibeuso behandelt werden — anfstellerr kann, eine äblchnende. Man ist sich aber bewußt, daß doch eine gewisse Vereinheitlichung der Zinssätze erforderlich ist, und will Gegenvorschläge erstatten, wonach die Bestimmung des Ernlagsnzmsfußes auif au toll o m e x Basis seitens der Kreditinstitute unter F ü h r u n g der National'bank erfolgen soll. Begründet wird die Stellungnahme damit, daß der Zinsfuß, den ein Institut vergütet, eben nicht von dem Kredite, den das betreffende Institut genießt, unbeeinflußt bleiben kann. Man verwirft begvrifkicher- Der Zionistenkongreß kommt. Kaufet den Schekel!