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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-13 · Heft 2237 (13.5.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2237 (13.5.1925)
Date
1925-05-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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[Polen; aOflrowl Wien: Zum Abholen ln du (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporienre der Pfrma Gol dsehmied, l, Wolteelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tech echo* Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Motu DIn. 80. Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland: Mdn. Qm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 NachMhltmsea bei Preta* erhOhtmsea forbebiUta Nr. 2237 Wiener racerti das mühelose ParketUGlammiüel Erhältlich In allen elnfchiaatien QefchÄften orgensettung I Praia 20*~fll England: Mon. 4 Schilling, Ital i en: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon.iOOLewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, Ü.Taborstr.1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Me«. Mittwoch. 13. Mai 1325 7. Mrgaug .WEDO 9 Orlg.ODgar. DEBRECZINER für WiederverkBufer III., Heumarkt 6,Tel. 95483 Der Parteiprafideut. —y. Wien, 13. Mai. Die Kabinette von Paris, London und Rom haben beschlossen, an Hindenburg keine Glückwunschtelegramme zu nchten und ihn nur idurch die diplomatischen Vertretungen in der üblichen kollektiven Form begrüßen zu Lassen. Das ist ein sehr wichtiger polnischer Akt. Er beweist, wie sehr durch die Aufstellung des Marschalls als Nachfolger Eberts die Autorität des deutschen Reiches gelitten hat. Die politische Oeffentlichkeit dieser Staaten hat auf den in Deutschland vollzogenen Akt sehr scharf reagiert und hat erkennen lassen, daß sie bei aller Achtung vor der Entschlußfreiheit des fremden Staates doch diesen Vorgang als eine höchst peinliche Erinnerung an die Zeiten des Krieges empfindet. Die Erfahrung, daß es den deutschem Politikern unmöglich ist, die psychische Wirkung ihrer Taten auf das Ausland zu ermessen, mutz hier beiseite bleiben. Der Beschluß der deutschen Rechtsparteien, Hindenburg aus feiner Hannoveraner Muße zu reißen und in das grelle Licht der Weltpolitik zu schieben, ist eine bewußte Provokation gewesen, die es auf die Empfindlichkeiten der Entente, abgesehen hatte. Gegen Hirwenburg hatte sich der Präsident Wilson gewendet, Hindenburgs Auslieferung war von.Frankreich verlangt worden. Nur durch die noble Haltung Lloyd Georges war diese Forderung, die überall als eine skandalöse Lleberschreitung des Siegerrechtes empfunden worden war, hintertrieben worden. Der Rechtsblock hat' es fertig gebracht, alle günstigen Stimmungen^ die sich seit dem Einsetzen der Arbeit Mae Donalds für Deutschland zeigten, in das Gegenteil zu wandeln. Hindenburg trifft persönlich keine Schuld. Er hat güte'Haltung bewahrt und mehr Takt 'gezeigt als seine Freunde. Aber er ist das fast wehrlose Opfer ihres Zynismus und der erste Gruß des Auslandes, die Unterlassung der konventionellen Höflichkeit, trifft ihn unverschuldet. Freilich gilt diese Haltung in diesem Falle dem Mann und dem Amt. Zwischen beiden ist eine unheilvolle Verbindung hergestellt worden, die sehr schlimme Befürchtungen wecken muß. Es ist nur eine Fiktion gewesen, daß es sich bei der Wahl um eine innere Angelegenheit Deutschlands handelte. Die Ententestaaten haben in kühler Korrektheit Zurückhaltung bewahrt. Sie haben es aber tvoAem nicht an Warnungen fehlen lassen' und alle deutschrn Auslandsvertreter mußten über den üblen Eindruck berichten, den die Kandidatur des Marschalls hervo^erufen hatte. Es war deshalb zu erwarten, daß die Wahl zu schweren Konsequenzen führen müsse und die ersten Zeichen der Verschlimmerung sind auch bereits eingetreten. In der Welt der internationalen Politik spielen die Formen eine sehr große Rolle und es ist ein schweres Symptom, daß dem großen deutschen Reich in einem solchen Augenblick eine Höflichkeitsbezeigung, verweigert wird. Der Feldmarschall beherrscht nicht das Arsenal der Politik, er unterliegt persönlichen Stimmungen und Verstimmungen. Er ist weiches Wachs in der Hand seiner Partei, und seine Umgebung, die Generale und Bureaukraten, werden jetzt alle Hebel ansetzen, um die Wunde noch tiefer zu legen und den Riß zu verbreitern. Wie man in den Wald ruft, so hallt es zurück, und der Rechtsblock ist der gewesen, der gerufen hat. Die Rechtspresse hat. wochenlang das Thema von der Wacht am Rhein abgewandelt. Sie hat stolze Hoffnungen erweckt und so getan, als trüge sie schon die Mobilmachungsurkunde in der Mappe. Die Diskussion über den Sicherheitspakt, über den Eintritt in den Völkerbund und über die Ostgrenzen riß plötzlich ab. Die Kriegsbegeisterung war wieder da, die Werwölfe und Jungholeute, die sonst nur jüdische Friedhöfe schänden und an die Synagogenwände das Hakenkreuz malen, sahen mutig und siegesbewußt in die Welt. Der Gmmniknüttek regierte die Stunde und überall wehten Standarten und E ahnen. Nun ist die Enttäuschung da. Aber nur für die ügend, die ihren Enthusiasmus wieder einpöckeln muß, nicht aber für die Politiker der Haßparteien, die sehr wohl wissen, daß ein Krieg unmöglich ist, weil er das Ende Deutschlands wäre, daß die Verstärkung der Revanchebataillone durch Oesterreich ausgeschlossen ist und-daß überhaupt vieles wieder in das Archiv der Wahlagitation wandern muß, was sich an Hügsn und Der ftanzSstsche Kolonialkrieg. Militärrensm. — BerstSrlungen «ach Marotto. (Cigendienft der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 12. Mai. Unter dom Vorsitze des Präsidenten der RopMvk beriet heute der Ministermt über dieLage in Marokko und Wer die an Deutschland zu sendenden Antwortnoten. Zunächst legte Briand den Text der beiden Noten betreffend den deutschen Garautievorschlag und die Entwaffnung Doüchschkands vor, die beide vom Ministerrat angenommen wurden. Die erste Note wird den alliierten Regierungen übermittelt, die zweite.wird der Botschafterkonfevenz, die Freitag Zusammentritt, vorgelegt werden. Sodann berichtete Pamleve.über die Lage in Marokko, die er als befestigt lbezeichnete. Immerhin sei die Qperation'sfront sehr ausgedehnt und ein.Angriff der Riflen t e auf Fezzan zu befürchten. Man müsse sich aber davor hüten, die Ereignisse so auifzulbauschen, wie es in manchen Zeitungen geschehen sei. Der Ministerrat beschloß sodann, für alle Nachrichten ans Marokko die Militärzensur ornzufühven. Verschiffungshäfen, Zahl und Beivasfnung der einge>schifflen Truppen dürfen nicht m e h r v e r ö f f e n 1licht werden. Alle Telegramme über die Operatiouen in Marokko >sind ve rbot en. .Schließlich 'Unterzeichnete der^PräsidM^ /-das Dekret, Mit ivelchem der Abgeordnete Viol e tte zum Gouverneur' von Algerien ernannt wird. Deutsche und ruffische SWere. Paris, 12. Mai, Offiziell wird mitgeteilt idaß verschiedene Truppenkörper den Befehl erhalten haben, sich zur A L f a h r t n a ch M a r o k k o vorzubereiten, besonders die Einheiten des 11. schweren Artillerie-Regiments. Die Truppen, die den Einbruch in das französische ,Gebiet unternommen haben, lbestehen ungefähr aus 15.000 regulären Soldaten, die ausgezeichnet diszipliniert sind und von deutschen und russischen Offizieren kommandiert werden, die früher in der französischen Fremdenlegion dienten und dann zu Abd Ä Kerirn übergegangen sind. DieRifleulverfügen ferner ' über Flugzeuge, die von deutschen und russischen Piloten geführt werden. Me diese Nachrichten lassen erkennen, daß Frankreich genötigt ist gegen die Riflente einen entscheidenden Schlag zu führen. Franchet d'ksperetz nach Sran abgereist. Paris, 11. Mai. (Tel.-Komp.) Mavschall Franchet d'E s P e-vschüst heute morgens nach Oran abgereist. In Marseille wurden mchrere Bataillone K o I** nialtruppen nach Marokko eingeschffst, Me der Waffenkonferenz. Gegensatz zwischen Amerika und Europa. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Genf, 12. Mai. Die Konferenz über die Kontrolle des internationalen Waffenhandels ist an einem kritischen Punkt angelangt. Italien sowie die N aHb alest' a a t e n R u tz l a n d s, die auf der Konferenz vertreten sind, Vox allem Polen und Rumänien, lehnen mit der Begründung, daß Rußland auf der Konferenz fehle, das in dem Borentwürf ausgestellte Prinzip der Publizität aller Waffenlieferungen entschieden ab, während die A m e r i k an e r diesen Grundsatz eher noch ausgedehnt sehen möchten. Die amerikanischen Delegierten haben auch bereits eine deutliche Warnung an die Konferenzteilnehmer ergehen lassen. Unter diesen Umstanden erscheint ein Erfolg der Konferenz äußerst zweifelhaft, auch wenn es dem Präsidenten der Konferenz Carton de Wiart gelingen sollte, die Gegensätze irgendwie zu überbrücken. Borah für de» Weltgerlchtrhof. Washington, 12. Mai. (Del.-Komp.) Senator Bora h, der Präsident der Außenkommission des Senats, hielt gestern in B o st o n eine große Rede, in der er von neuem für den Eintritt Amerikas in das Haager Schiedsgericht eintrat. Er erklärte, Amerika müsse sich entscheiden, ob ihm wirklich an der Aufrechterhaltung des W e l t f ri edens etivas gelegen fei oder nicht. Der Beitritt Amerikas zum Haager Schiedsgericht würde wir- Lungslos. sein, »wenn er mit zuviel Vorbehalten pmgeben Erde. Jüdische landwirtschaftliche Siedlung in Süd. weftsrankreich. (Eigmdi-nst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 12. Mai. Die j ü d i s ch e W e l i Hilfskonferenz befaßt sich gegenwärtig eingehend mit dem Plan, eine Ansiedlung jüdischer landwirtschaftlicher Arbeiter in den südwestlichen Departements Frankreichs durchzuführen. Die Ansiedlung soll mit Hilfe des Staates erfolgen. Wie nun bestimmt verlautet, hat das französische Ackerbauministerium seine prinzipielle Zustimmung za dem Plan, den Herr Andre Spire initiiert hat, ausgesprochen. Ae Untersuchung gegen Barmat. Berlin, 12. ALai. (Tel.-Komp.) Die Voruntersuchung gegen die Gebrüder Barmat und gegen Kutisker ist nunmehr abgeschlossen worden. Die Allen werden jetzt der Staatsanwaltschaft zur Erhebung der Anklage zugestellt. Die Haftentlassungsanträge für Kutisker wurden endgültig abgelchnt. Die Prozesse gegen die Barniats und Kutisker dürften mH vor den Gerichtsferien stattfinden. Ae Jntellektuellenkommlsston desBölkerbundes. Paris, 11. Mai. (Havas.) Die vom Völkerbund ins Leben gerufene internationale Kommission für geistige Zusammenarbeit ist heute unter Vorsitz Prof. Bergsons zusammengetreten. Sie hat die Grundsätze erörtert, die als Grundlage für die Einrichtung und die Arbeiten des internationalen Instituts f ü r g e i st i g e Zusammenarbeit, das Frankreich in Paris zu schaffen sich erboten hat, dienen sollen. Der Kommission gehört bekanntlich auch Albert Einstein an. Erfindungen trefflich hatte brauchen lassen. In die Ecke, Besen! Nur die Audenhetze bleibt, aber mit ihr ist vor Kulturvölkern kein Staat zu machen. Damit kann man nur in Budapest und in Mistelbach imponieren, viel' leicht von Ford Geld locken, aber man kann mit ihr politisch nichts erzielen. In der nächsten Dukunft wind es darauf ankommen, ob der Eid Hindenburgs vollgültig ist und ob er die Kraft hat, das Programm, ein Präsident aller Deutschen sein zu wollen, zu verwirklichen. Vorläufig tragt der Präsident, wahrscheinlich gegen seine bessere Einsicht, das Zeichen der Rechtsparteien. Bei seinem Einzug war er ziemlich einsam. Die Demokratie und .die Arbeiterschaft blieb ferne, was ja die gleiche Demonstration tvar wie die Haltung der Entente. Das ist kein gutes Prognostikon für die innere Entwicklung, und die kalte, nichtssagende Proklamation Hindenburgs an das deutsche Volk, die irgend ein schreibkundiger Monokelmensch entworfen hat, muß die Verstimmung, verschärfen und das Mißtrauen, das sich in der ganzen Welt kundtut, noch gefährlich zuspitzen. * i

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