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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-10 · Heft 2234 (10.5.1925) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2234 (10.5.1925)
Date
1925-05-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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SBittt» Sonntag Bühne «ad Kunst. Sddttl, «rüder« .Sr. «ulsiotin". Dr. Guillotin, einpört Wer die in jcineit Tagen noch übliche Art, die Todesstrafe zu vollzichen (SHaberit, Vierteilen u|m.), nnö Werzeugt von der Notiwen>diigkeit> böse Menschen behöMich zu Eben, erftndvt jene rasch Nutz .-schmeeztos" ins 'JenfsitS befördernde Enkh-auptunigsmaschine, die nach ihm benannt und während her französischen Revolution überaus strapaziert wurde. Die schöne Frau Charlotte Guillotin, empört, daß sie Hr Gemahl seit drei Jahren grausam vernaMssig>t, und gar nicht überzeugt, daß seine Evsindung, die Hn von ihr MöNikttz, bvsoiöders wichtig sei — nimmt sich einen Liebhaber. Im zweiten Mt Hinter der Szene tvüten bereits die Jakobiner und die Guillotine „ardoitet" brav) entdeckt der Professor Guillotin, daß er Hahnrei geworden ist und überliefert unvevMich seine Gattin der neuen Hinrichtungs- Maschine. Warum? Du meine Güte, da müßte man einiges über die geistige Fundierung dieses Schauspiels sagen. Man glaube Mir: Die Ueberzeugmrgen des armen Doltvr Guillotin, die ihn zu diesem und späterem .Handeln veranlassen, sind im Drama bloß rcpvrtiert. Es vmß IM. so sein, damit das Stück weiter geht (während das, was der Titelheld diesfalls und späterhin zur Begründung seiner Enstschllüsse vorbringt, ans die Nerven geht). Der Liebhaber Chavlottens, der frisch-fvöhliche Tenor tlerisot, vollbringt ein Hufarenstückchen. Die Gnillotinc soll die süße Frau nicht in den Rachen kriegen. Cr montiert Messer, Gestell und Flaschenzug rechtzeitig ab, führt die Bestandteile Von der Richtftätte zu sich nach Hause und zerstückelt sie mit einer Holchacke. Dr. Guillotin, längst von Gewissensbissen benagt, hat jetzt den brennenden Wunsch, das prompte Fallbeil am eigenen .Hals zu versuchen. Er nimmt das Kapitalverbrechen des OpernfäügerS opfevfrch und — obzwar der andere gestanden hat — erfolgreich auf sich (mit Hilfe des Autors), hat auch noch im letzten Augenblick seine QJattht' von der Hinrichtung errettet (mit Hiffe des Antvrs), und Charlotte kriegt ihren Helden tenor. Einige Sgeiwtt sind frisch und keck gafovmt, die Pointe von ^er gestvihlemn Und mißhandelten Guillotine fomntt Über- ^Mend und hobt den Schlußakt. Um so bitterer ist der Nachgeschmack. Muß denn jeder Hans Müller im Bnrgcheater aüfgeiffchrt werden? Herr Heine spielt den Professor GuillOtin mit sichtlichem Unbehagen. Ein griesgrämiger MenschheitÄbefreier. Lin trockener Märtyrer seiner Idee. Es «st ihm verziehene Wie soll er ausdiesem Ten Jnbrnnst und Helve-ngvöße destillieren? Frau Wohlgemut!) übeitdanert die Schrecken des -in flagranti" und später der Todesnot mit Würde und mit einer roten Perücke, die ihr ausgezeichnet zn Gesicht sicht. Der Heldenttnvr, ein Lebensbajaher, dem die IÄWinerherrschaft den Appetit auf reichliche Mahlzeiten und das ewig Weibliche nicht vergällt, ist Herr Höbling. Ein .glanbmfter Naturbuvsch, aber einer ohne Anmut. (Herr Lreßlcr hätte bcssore Figur gemacht.) Hervorragend in ihren Episoden )ie Heren D >evrien t und Danegger, Frau Devrient- Reinholdt und ganz besonders Herr König, der .in das Machwerk eitteN feinen, stillen, aus der ordinären menschlichen Gesellschaft in die Welt der Töne geflüchteten Musikus hineindichtete. Ludwig Binder konnte wiedechollt für Beifall sanken. Otto Abel es. Mitteilungen aus dem Publikum. Möbelfabrik j. Spira »HUII." . 1-2 (Ecke Karl Sehwelghofefgasse Feine Wohnungseinrichtungen s««t« Schmerzen >vhe«mattscher, gichtischer littb nervöser Art m Hervorrasirnd Vemährt auch Bet Schmerzen in den Gelenken und Gliedern Probepücknng in alle» Apotheken Wieder ,u haben I | WM Irlg. friDz. 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ES Öegr. 1910 KS Tel.45-5-43 jpaMHaaMHaaMBMMMHBaMRaB| I SOEBEN ERSCHIENEN I Felix Salten NEUE MENSCHEN AUF ALTER ERDE Felix Salten schildert in seinem neuesten Werk Palästina dsä ihm zum Erlebnis wurde. Mit hlttfeissender Einprägsamkeit werden die historischen Voraussetzungen bildhaft gestaltet u. die Aüfbaubcwegung organisch entwickelt. Dieses Buch steht über jeder Partei Konfession und Nation als ein rein menschliches Dokument Geheftet S 6.50. Halbleinenband S 8.70 PAtlt ZSOLNAY VERLAG ✓ BERLIN / WIEN I 3 3 «Le secrei.'" („Lar Geheimnis".) (Der zweit« GaftMlabend d«r Dimön«. — Stadtiheattr.) Das „Geheimnis" dieses eminent geschickten, echt fvan- - zösischcn, nur in franMischer Sprache möglichen Stückes: Man kennt einander Nicht, -bleM einander fremd, auch nach Jahren der Liebe und des ZuisammenlÄcns. Im Mittelpunkt ftcht eine Äeine Frau, Gabrielle, die sich selbst ein böses Weib nennt, eifersüchtig auf das Glück anderer ist, besessen von dem Drang, zu intrigieren, und in Tränen zerfließt, wenn sie erreicht hat, was sie wollte. Zur Tragik erhobt sich das Spick in dem Gespräch der beiden Männer, die im Zeichen Augenblick bas gleiche Schicksal erleben, ihre Frauen innerlich zu verlieren; eine schr seine Szene, die nur durch die etwas larmoyante Davstellung zu sehr ins Weibische transponiert ivnrbe. Die Komödie endet mit Verzeihen und in Havinonie, wie -sie in Harmonie begann. Die beiden Frauen, die Feindinnen waren, deren eine die Ehe der anderen zuerst gestiftet hat, tun sie dann den schtversten Belastungsproben «us^nfetzen, gchen vorföhm anseinander und die Männer sind Freunde göivorden. Ein« glänzende Aufführ-uttg. Madame Simone aks Gäbrielle, die Milspislenden durch chre Kunst überragend (ohntz sich vordrängen zu müssen), verstand es, durch Geschmack imd LicbcnsivüMgkeit der im Grunde unsympathischen Gestakt Syinpachien zu erüverben. Voll Verdienst insbesondere Joan de Warm8, Madame Soubridge und Marcel Berg n e. Reicher und herzlicher Beifall nach den MtschlNffen und besonders am Ende bewies, daß Madame Simone und ihre Trüippe die Evwartnngen des Wiener PMikums gerechtfertigt halben. Man kann den kommendn Abenden mit Interesse entgegensehen. g. k. Profestar gullusz Wr li'shn Über neue Mische Musik. Im Rahmen der Kulturabenoe, welche die Zionistische Bezirkssekbion Landstrabe veranstaltet, hielt der bekannte Pianist und Musikschriftstellcr Professor Zuliusz Wolf sühn einen bemerkenswerten Borirag über jüdische Musik. Cr führte unter anderem ans: Bon den schaffenden Ainsikern der älteren Musibgeschichte ist nur der Name Salonwn R o s s i s geblieben, der im Jahre 1628 starb.?lls sich die Tore des Ghettos öffneten, begannen die Juden, die Tonkunst zu pflegen, die einzige Kunst, deren Ausübung der Inden ihre Religion gestattet. Es war zunächst ein Stadium der Nachahmung. Dann versuchten Komponisten, das jüdische Element wenigstens stofflich zu verarbeiten. So entstanden die Oper „Die Jüdin", dos Oratorium „Der Turm von Babel", die Oper „Die Königin von Saba" und andere Werke, in denen synagogalo Gesänge und Wendungen verarbeitet sind, ohne dag man sie als „nationale" Schöpfungen an» sprechen kann. Goldfaden ist wohl nm die Schaffung des jüdischen Theaters sehr verdient, sn der Entwicklung der jüdischen Musik spielt er bloß eine kleine, episodische Rolle. Erst später folgte das Stadium 'der Besinnung auf die jüdische Eigenart, am frühesten in Rußland, wo die vor 30 Jahren erschienenen BolksliedersaMmlungen von Marek und Güns- 10. Mar 1925 6eife f --------n -.< b u v g eine Grundlage für die Erkenntnis dieser Eigertart Aö deien. Es entstanden in Petersburg und Moskau Gesellschafter zur Förderung jüdischer Musik, in deren Rahmen inSbesonderk die Komponisten Julius Engel, Efraim Schkar, Scholitz R e s o w s k i, A ch r 0 n und M i l l n e r wirkten. Ihre Schöpfungen sind für die Entwicklung der jüdischen Musik wertvoll, allerdings ist der russische Einfluß unverkennbar. Mmählick betraten die jungen russischen jüdischen Tondichter eigene Wege insbesondere Aehren, Samlnsky, Gniefsin und andere. Die Komponisten Weprik, Äusberg unld Streicher versuchten, der jüdischen Musik eine atonal-futuristisch, Färbung zu -geben. Im Westen schufen Gustav Mahler utrt Ernst Bloch jüdische Musik. Gustav Mahler unbewußt, Ernf Bloch gewollt. Blochs Rapfodic „Salomo", die Tondichtun- „Baal-Sch.'m" und sein Psalm sind nationale jüdische Werke unt zählen zu den besten Tchöpfungen der Musiklitcratnr. Durch die erwähnten rusisich-jüdischen Tondichter einerseits, Mahlei und Bloch andererseits sind Mi deutliche Richtungen in dei neuen jüdischen Musik gekennzeichnet. Jene geht den Wec Tfchaikowskhs, Griegs und Smetanas, diese Mahler und Bloch geht durchaus eigene Wege. Wolfsohn besprach dann die Entwicklung der neuen Z litt a g o g a l m u f i k und seine eigenen Versuche, mit den melodischen Elementen jüdischer Polfsmnsik die sogenannten technischen Mittel des KomponirreUs zn dnrchtränken. Evdann besprach der Vortragende das Schaffen BraslavSkys «nt die Arbeiten Jd-elfoh n s sowie das in EntstchüNg begriffenc Werk über jüdische Musik von Max Graf. Bisher tvurdrii von den Verlagsanstalten „Julval" und „Jbne" insgesamt 30li Werke neuer jüdischer Musik veröffentlicht. Wolfso'hn erwähnte schließlich die erfreulichen Ansätze zu jüdischer Musik, die sich in vielen Ländern zeigen, und wüLdigte i-nsbefondere die Bearbeitung jüdischer Volkslieder durch den -genialen Franzosen Maurice Rav ei. Die Wege der Neuen jüdi schon Musik divergieren scheinbar, führen aber alle nach Erez Israel, wo die neue jüdische Musik Wurzel schlagen wird. Nach dem Vortrag Wolfsohns, der mit großem Beifall ansgenommen wurde, folgte eine Reihe charakteristischer Mnsikdarbielungen. Herr Karl Scharf spielte jüdische Kompositionen von Achron und GNiessin ausdrucksvoll und mit gwßcr technischer Fertigkeit auf der Geige. Fräulein Betty Fischer, eine begabte Schülerin Wolfsohus, entzückte durch die vollendete Wiedergabe Wolfsohnscher Paraphrasen über jüdische Völkstvcisen und Herr Oberkantor Margulies, von Meister Braslavsky feinfühlig begleitet, riß mit seinem wirklich herrlichen Vortrag ausgewählter jüdischer Volkslieder den dicktgefüllten Saal zu stürmischer Begeisterung hin. An» den Äeatttn. B u r g t h e ä t e r. Morgen, 7 Uhr abends, „W a l lenste i n s T o d". Dienstag, 1/ß Uhr abends «D o k t o r G u i ll o t 1 n". Akademietheater. Dienstag, lj.ß Uhr abend«, „D e r L i e b h a b e r". StäatSoper. Morgen, 7 Uhr abends, „D e r BarbiervonSevilla" Und „D o n I u a u". Theater i m R e d o n t e n s a a l. Morgen, 7 Uhr abends, „FtgaroSHochzei t". DentfcheSVolkSth eater. „DieSchlachi beiWaterloo" von Melchior L e n g y e l mit Max P a ll e n b e r tz wird heute, Dienstag und Mittwoch wiederholt. Kammerspiele. In der kommenden Woche täglich, halb 8 Uhr: ,/Frau Pick in Audienz". Abends 10 Uhr: „Jama. die Last er grübe". Raimund-Theater. Dienstag den 12. d. 100. Vorstellung bott „A n t ö n i a" Mit Säri F e d & t Kleiner Theater in der Annagassc. Als nächste Novität wird die Tragigwteske „Ja oder neinV von Friedrich Lichtne^er zur Uräufführung vorbereitet. Theater in der Josefstadt. Als letzte Novität vor Beginn der Sommerspielzeit wird .^Juarez und Ferdinand". dramatische Histovie von Franz Mensel in der Inszenierung Max Reinhardts vorbereitet. Neues Wiener S t a d t t h e a t e r. Heute Erstausführung des Pariser Sittenftückes „Le Passe" (Die Vergangenheit) von M. Georges de Porto-Riche. Morgen einpialtge Wiedecholung. Modernes Thoat er. Ab Dienstag wird die lebende Zeitung „Die große Trommel" durch zwei neue Bilder aktuellen Inhalts bereichert, und zwar durch d'ie Bilder ,^Jwdex minus 2" und „Die Nackttänzerin Odys verhaftet" mit der Tänzerin Odys. Carl-Theater. Die hentige Nachmittagsvovstellung findet nicht statt. Komödienha ns. Morgen wirb die Posse mit Gesang „Das Madel vom Alsergrund" van Bleier- Grohmann gBpivlt. Rena iss a n e ebüh n e. Dienstag ErstaNffuhrnna der Komödie „Bon Tisch und Bett" von Dr. Michael Feuerstein mit Charlotte Ander. Als nächste Novität wird „D c r spr echende Affe" von Fancheis zur AiMhrnng gelangen. Akademie für Musik und darstellende Kunst. Morgen, 7 llhr, Verdis „Maskenball" im MademieHeater. Schönbrunner Schlohiheater. Die Eröffnungsvorstellung findet Sonntag den 31. d. statt. Zur Ausführung gelangt „Xerres" oder der verliebte König („Serse"), heitere Oper in drei Akten, Musik von G. F. Händel (1783). Dirigent der Oper ist Generalmusikdirektor Dr. Ernst Kunwald. Die Regie führt Rainer Simons. Vom Jüdischen Verlag. Herr Dr. Martin Buber (Heppenheim) teilt uns mit, vaß er in freundschaftlichem Ein vernehmen ans der Leitung des Jüdischen Verlages aus geschieden sei. Zuschriften und Sendungen in Verlag« anaelegenheiten sind daher fortab nur mehr an die Adresse dos Indischen Verlages, Berlin, NW. 7, Dorotheenstraße 35, zn richten. Das Warschauer Jüdische Kunlttheater in der Roland- Bühne. Die Direktion der Lstvlaiü)->Bühne hat das Erste Warschauer Jüdische Kunsttheater unter der Leitun'g Ether Rachels, Jda K a m i n 8 k a s und Siegmund Turkows zu einem längeren Gastspiel für Ende Mai vevpißsichtet. Lyoner Seidenhaus MORITZ KRAUSZ jun. WIEN I. Kohlmessere. 7 iSeldenbourette tn neuen Modefarben . . M| 4.2- H R«hield«i rayl, 85 ein breit. §•— V SliantiinSi echt, in allen Modefarben .... WM W.—. > 4219175327 C9--8C

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