Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2234 (10.5.1925)
- Date
- 1925-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang Rette krkliirungen Amerhs. Bevorstehende Rede im Unterhaus. Der britische Kolonienminister Mr. L. S. Amery, btt soeben von seiner Reise nach Palästina und dem Irak zurilckgekehrt ist, empfing am 5. d. den I. T. A.-Bertreter und sprach sich ihm gegenüber über seine Eindrücke in Palästina und über die englische Politik in diesem Lande aus. „Biel kann ich über die Angelegenheit nicht sagen,", begann der Kolonienminister, „da ich die Absicht habe, wahrend der Behandlung des Kolonialbudgets im Unterhaus, die in nächster Zeit erfolgen wird, eine Rede über Palästina zu halten; ich will meinen baldigen Ausführungen im Unterhaus nicht vorgreisen." Der Kolonienminister sprach dann über seine Erlebnisse während'seines Besuches der jüdischen Kolonien in-Pal äst i na und sagte, die Arbeit und der Fortschritt in diesen Kolonien hätten auf ihn einen tiefen Eindruck gemacht, die Leistungen seien lobenswert. Sir Herbert Samuel und seine Untergebenen, sagte Mr. Amery weiter, hätten in den letzten fünf Jahren ein großes Werk getan; die administrative Entwicklung ist st a ü n e n s w e r t. Die Aufrechterhaltung der Ordnung, der Bau der Kommunikationen, wobei die Wegevauten sich aus Hunderte von Meilen erstrecken, die Austrocknung dLr Sümpfe, die Bermehrüng der Kulturslächeu; die Verminderung der Sterblichkeit durch Bekämpfung der Malariaseuche, die Entwicklung des Erziehungswesens und vieles andere — all das kam allen Teilen der Bevölkerung in gleicher Weise zugute. Keinerlei Uebervorteilnng fand statt. Ungeachtet der jüdischen Einwanderung, stellte der Kolonienminister fest, hat die arabische Bevölkerung in de« letzten fünf Jahren faktisch weit mehr zu genommen als die jüdische. Demgemäß haben die Araber aus der Arbeit der Verwaltung für das Land weit mehr Nutzen gezogen als die Juden. Die Resultate dieser Arbeit im Lande machen auf den fremden Besucher einen so'parken Eindruck, daß er für die rein politische Diskussion über den. Zionismus, die in I e r u s a l e m vielleicht noch lebhafter geführt wird als in London, nicht viel mehr übrig hat. Diese Diskussion beschäftigt sich weniger mit dem, was getan wurde, sondern mit eingebildeten Befürchtungen. Man fragt sich, wie eine starke Entwicklung der zionistischen Arbeit auf die Zukunft der arabischen Bevölkerung im Lande einwirken würde. Tatsache aber ist!, daß der Araber an den Ergebnissen der britischen Verwaltung Proportionen mindestens ebensoviel teil hat als der Jude. Ich persönlich, betonte Mr. Amery, habe seit der Kriegszeit und seit den Tagen von Sir Mark Sykes stets die britische Politik in Palästina unterstützt. Ich habe es den Arabern in Palästina offen und unzweideutig gesagt, daß die britische Politik in Palästina unververändert bestehen bleibt. Ich war sehr überrascht, als mich eine Zeitung in England als Pro-Araber bezeichnete; in Palästina nannte man mich e i n e n P r o - I u d e n; in Wirklichkeit bin ich ganz unparteiisch. Auf die Frage, ob er etwas Über den Nachfoltzer Sir Herbert Samuels auf dem Posten des OVerkommissärs in Palästina /agen könne, erwiderte der Kolonienminister, darüber wird erst in einigen Wochen etwas zu sagen sein. Eine Erklärung darüber würde heute noch verfrüht sein.? Sie Demonstrationen in Samasluo gegen Balfour. London, 8. Mai. (I. T. A.) In der Unterhaussitznug vom 4. d. fragte Captain Eden den Kolonienminister, o'b die Palästinavegierung Lord Balfour vor seiner Reise nach Damaskus gewarnt und ihn über die Möglichkeit politischer Unruhen aufgeklärt habe. Der Kolonienminister Mr. Amery erwiderte: Der Qberiöommissär Sir Herbert Samuel teilte mir mit, die Palästinaregterang hätte von der Regierung Syriens keinerlei Warnung erhalten, auch keine Mitteilung über die Möglichkeit politischer Unruhen. Später jedoch erhielt die Palästinaregierung Kenntnis darüber, daß in Haifa Gerüchte umlaufen, es seien gegen Lord Balfour während seiner Anwesenheit in Syrien, namentlich in Beirut, Angriffe geplant. Die französischen Behörden in Syrien wurden sofort von diesen Gerüchten in Kenntnis gesetzt, sie versicherten daraufhin, es seien alle möglichen Maßnahmen getroffen worden, Lord Balfour könne ganz sicher sein. Der Kommunist Saklatvala fragte, -was mit den während der Anwesenheit Lord Balfours in Palästina verhafteten s e ch z e h n K o m m n n i st e rt. geschehen .sei. Mr. Amery antwortete, die verhafteten sechzehn Personen feien bereits aus der Haft entlassen worden. Bolton Wand-rerr—Hakoah 2:1 (1:0). SevLes Spiel dev englischen Professiorikls. 35.000 Znschaneu. Meder Anschläge gegen Stznagogen und Friedhöfe in Deutschland. B-rlI«, 9. Mai. (ß. T. St.), Aus Schlochau wird gemeldet: Nach einer Hindenburg-Feier in Schlochau zogen Deutschvölkische zur Synagoge und warfen mit Steinen sämtliche Fensterscheiben ein. Aus Köthen berichtet das „Israelitische Familienblatt": Eine unerhörte Roheit verübte der Gärtnerlehrling K. Auf dem neuen Gemeindefriedhof und dem an diesen grenzenden israelitischen Friedhofe beschädigte er etwa 30 Gräber durch Umstürzen u n d Z e rtrümmern der Grabdenkmäler. Dann entfernte sich der Bursche aus seiner Lehrstelle und ist seitdem verschwunden. _ Der neue Riidamm vastendet. Berlin, 9. Mai. (Tel.-Komp.) Nach einem Londoner Telegramm des „Berliner Tageblattes" ist der riesige N i l st a u d a m m, eine dev größten Taten der modernen Technik, vollendet worden. Der Damm, der den blauen Nil bei M a e w a r durchschneidet, bringt eine der wichtigsten ökononrischen Fragen Englands, nämlich die vom Auslande unabhängige B a u m w o l l v e r s o rgung der englischen Baumwollindustrie, zur Lösung. Durch die Vollendung des Dammes wird es möglich sein, die weite Ebene zwischen den: blauen und weißen Nil durch künstliche Bewässerung zu einem der ergiebigsten Baumwollgebiete der Welt zu machen. Die Größe der Anbaufläche beträgt 300.000 Acres. Die Kosten des Baues sind ungeheure. Die Fertigstellung war nur durch weitgehende finanzielle Unterstützung der englischen Regierung möglich. Man 'hatte die Kosten ursprünglich auf vier Millionen Pfund 'berechnet, tatsächlich haben sie sich-jedoch auf über nenn Millionen Pfund gestellt. □ y B BERLINER STADTHÄUSER zum sofortigen Abschluss zu kaufen gesucht. Grösse, Friedensmiete, Lastenangabe erforderlich L HYPOTHEKENKAPITAL nur für GROSS-BERLIN günstig zu vergeben 1 BENNO STAHL & SOHN Berlin SW. 68, Markgrafemirasse 56 Telephon: Dönhoff 4727/29. 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Der Selbstmord erregt in der Londoner Gesellschaft ungeheures Aussehen. Die Beweggründe der Tat sind vorläufig gänzlich unaufgeklärt. Sir Francis Lascelles hat sich im Jahre 1923 Mit Prinzessin Marie vermählt. Der Ehe, die für überaus glücklich galt, sind zwei Kinder entsprossen. Viscount Lascelles iweilte vor kurzem mit Lord Balfour in Erez Israel und nahm an der Universttätss-eier in Jerusalem teil. __ Amundsens Flug verschoben. Berlin, 9. Mai. Aus Hamburg berichtet die „Deutsche Allgemeine Zeitung": Amundsen ist durch schlechtes Wetter und Schneegestöber genötigt, seinen Aufstieg zum Nordpol zu verschieben. Dar Schachtnrnier in Baden-Baden. Baden-Baden, 9. Mai. (Wolfs.) 18. Runde: Rots ge« wann eine englische Partie gogen Carl, T r e y b e l eine sizilialnsche Partie gegen Mieses, Niomzowitsch verlor gegen Bogoljngow, Colle gewann ein DanreNbauernspul gegen Grünfeld, Aljechin gewann ein Damengam'bit gegen Marshall, Sämisch gewann eine stzilianische Partie gegen Spislmann, Aates verlor eine spanische Partie gegen RNb instein. Remis wurdet: die Partien te Kolste—Roselli und Tarrasch—'Tartakoiver. Die Partie Thomas—Räbmew lisch wurde a h g e b r o ch e n. Tvrre war spielfrei. H. Hübners Schloss-Hote , COBENZL eröffnet! Konzert / Feinste Küche •s