Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2231 (7.5.1925)
- Date
- 1925-05-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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j Polen: 20 flroszy I Wi en: Zum Abholen in dec Expedition, IL Tabors tr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle Hfrafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Qol d s c h m 1 e d, 1„ Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakel: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 r£gyis.MAi §1(1925 Wiener!>Ä\6is31.DE2>/o. ® .VS orgeiyeituna Nachzahlungen bet Prell* erhOhungen Vorbehalten Rr. 2231 .. Wien, Lonnerrtag, 7. Mai 1925 IPraia 20*51 England: Mon. 4 Schilling, Ital i en: Monatl, 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon.ICOLewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, If.Taborstr.f Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Mrgang Die kommunistische zentrale in Men. Klttarungen des österreichische« Gesandte« in Belgrad. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 6. Mal. Der österreichische Gesandte in Belgrad Dr. Hof fing er erschien gestern nachmittags auf Ersuchen des stellvertretenden Außenministers Marko die, im Außenministerium und konferierte mit ihm über die Angelegenheit der angeblichen bolschewikischen Zentrale in Wien. Minister M a r k o v i e drückte fm Laufe der Unterredung den Wunsch aus, daß die österreichische Regierung nichts unversucht lassen möge, um der Tätigkeit der in Wien befindlichen bolschewikischen Emissäre, die eine ständige Bedrohung der Sick er heit derBalkan st aalen bllden, ein Ziel zu setzen. Der österreichische Gesandte erwiderte, daß nach den Informationen seiner Regierung eine bolschewikische Verschwörerzentrale in Wien überhaupt nicht bestehe. Wohl sei es möglich, daß bolschewikische Agenten in Wien von Zeit zu Zeit auftauchen, doch könne es sich höchstens um Kuriere handeln, die Wien als Durchzugsstation Passieren, ohne in dieser Stadt irgend welche propagandistische Tätigkeit zu entfalten oder sonstwie Politisch hervorzutreten. Der österreichische Gesandte erklärte schließlich, daß er die Mitteilungen des stellvertretenden Außenministers zur Kenntnis nehme, um sie seiner R ung zu übermitteln. - Sie englischen soldatenfriedhöfe in SrezAsrnel. In Gaza und Deir-al-Belah. Jerusalem, 5. Mai. (I. T. A.) Am 28. April wurden die Friedhöfe der britischen Kriegsgefallenen in Gaza md Dair-el-Belah, wo etwa 19.000 Kriegstote bezraben find, durch den englischen Bischof in Jerusalem, Or. Renuie M a e I n n e s, eingeweiht. Der Zeremonie vohnten der Nberkommissär Sir Herbert Samuel und ßeldmarschall Lord Allenbh, der Gröberer Palästinas md jetziger britischer Oberkommissär für Aegypten, bei. öovd Allenby, der in Feldmarschalls uniform erschienen war, ägte in seiner Ansprache, die chr i st l i ch e n, m o h a maredanischen und jüdischen Soldaten hätten llle ihre Pflicht bis zum letzten erfüllt. Nach Schluß der §eier kehrten die Leiden Oberkommissäre nach Jerusalem zurück. Lord Allenby ist in Jerusalem Gast Sir Herbert Samuels. Die Friedhöfe tragen an ihren Eingängen auf Grund kines Beschlusses der Beratenden Körperschaft die folgende Anschrift: „Der Boden, auf welchem dieser Friedhof sich befindet, ist ein freies Geschenk des Volkes von Palästina ils ewiger Ruheort der Truppen der Alliiertett, die im Kriege 1914-18 gefallen sind und hier ruhen." Fahnenweihe der Mischen BataKone. London, 5. Mai. (I. T. A.). Wie die Zionistische Organisation in London ntitteilt, hat der König als Ghrenhef der Königlichen Füsiliere die Einweihung und Aufbewahrung der Fahnen der jüdischen Bataillone (38., 39. und 40. Bataillon der Königlichen Füsiliere) in der großen Synagoge zu London am 24. d., dem Tage des Zusammentrittes der britischen Reichskonferenz, sanktioniert. Auch hat der König die eventuelle Ueberführung der Fahnen des 40. Bataillons nach Jerusalem genehmigt. Es wurde ein spezielles Komitee gebildet, welches die nötigen Arrangements zu treffen haben wird. Die Fahnen werden in einer Prozession vom Hause der Zionistischen Organisation durch die Straßen Londons zur großen Synagoge getragen werden. Ein Ehrenbataillon samt Militärorchester wird voranmarschieren. Der Oberrabbiner von England wird gemeinsam mit dem Oberfeldprediger Michael Adler und Feldprediger Red. Walter L e v e n e die Zeremonie leiten. * kinberufung der Völkerbundes. Genf, 6. Mai. Der Präsiden^ des BMerbundrates, der englische Außenminister Austen Chamberlain, hat entsprechend den Artikeln 1 und 3 der. Goschäftsordnung >der Völkerbundverfammlu'Ng, die nächste Versammlung des Völkenbundes für Montag den 7. Sepie mbe r d. I., 11 Uhr vormittags, nach Genf einbemfen.. Aus der vorläufigen TäWsordrmng ist ÄS' einer der Hauptpunkte die Beratung über das .Genfer Friedens Protokoll zu erwähnen. Außerdem stehen auf der Tagesordnung die Berichte der Bolkerbundo-vglanisationen, die Einführung eines neuen Verteilungsschlüssels für die Kosten des Völkerbundes, ein Gericht des Generälfekrelariats über die Propaganda des Welts.ried-ensgodcm-- kens unter der Jugend aller Länder sowie die Frage des Unterrichtes über'das Ziel und den Zweck des Völkerbundes an den U n i v e r s t täten und Schulen aller Länder. Sozialdemokratischer Protest gegen die Wahl Hindenburgg. Berlin, 6. Mai. Die sozialdemokratische Partei hat offiziell Einspruch gegen die Gültigkeit der Reichs- Präsidentenwahl vom 26. April erhoben. Der Einspruch wird mit zahlreichen W a h l u n r e g e l nr ä ß i gkeiten begründet, die zusammengenommen geeignet seien, die vom Reichswahlausschuß für den Kandidaten des NeickMlocks fostgesiellte relative Mehrheit von 904.151 Stimmen zu erschüttern. Dementsprechend 'beantragt die sozialdemokratische Partei, die Wahl Hindeuburgs als ungültig zu erklären. Sie Kämpfe im irauzöfischen Marokko. Paris, 6. Mai. (Wolfs.) Ter Korrespondent des „Petit Journal" in Fez berichtet über die Lage in Marokko, die französischen Truppen hätten eine regelrechte Front gebildet. A b d e l K r i m verfüge über modernes Kriegsmaterial. Eine 50 Manu starke Abteilung französischer Truppen sei durch eine starke Abteilung von Rifleuten, .die über vier Kanonen verfügte, allerdinigs vergeblich belagert worden. Es fei das erstemal seit dom Jahre 1907, daß einaeöorne Aufrührer sich einer Artillerie bedienten. Die französischen Truppen hielten sich tapfer, aber es werde vielleicht noch viel Zeit zur Uutevdrückuug des Aufstandes notwendig sein. Marx — preußischer Ministerpräsident. Berlin, 6. Mai. (Tet.-Komp.) Dem „Lokalanzeiger" znfolge wird in den Kreisen des Preußischen Lattd- Eages damit gerechnet, daß Ministerpräsident Braun in den nächsten Tagen znrücktreten und daß der frühere Reichskanzler Dr. Marx die Bildung eines großen K o a l i t i o n s k a b i n e t t s in Preußen übernehmen werde^ Man hält es für wahrscheinlich, dciß bi« von Braun goführchn Verha'ndklngen zur Regierttugsblldung orsolglois verlaufen werden. Hakenkrrnzler grge« einen Mischen Leichenwogen. Berlin, 6. Mai. Nach einer Breslauer Meldung des ,-Berliner Tageblattes" begegnete auf einer Straße an der Peripherie von Breslau ein jüdischer Leichenwagen einem von S tahlh e l m l en t e n besetzten Automobil. Die Stahlhelmleute begannen sofort, als sie den Leichenwagen erblickten, Beschimpfungen auÄzrlstoßeu, bespuckten den Wagen und bedrohten sein Personal mit ihren Knüppeln. VORZÜGLICHEN schwarzen und weissen an Kaffeebohnen I erreichen Kaffeehäuser, Bars,Hotels etc. ||| m mit der m „ETERNA-EXPRESS-K AFP EEMASCHINE" ||| GEFIAWERKE A.G.,W1EN,' "ÄrJ Der österreichische Dualismus. —y. SB i e n, 7. Mai. Der Generalkommissär des Völkerbundes Doktor Zimmerman reist in der nächsten Woche nach Warschau. Der für den gleichen Termin angesetzte Besuch Benesch' in Wien ist deshalb verschoben worden, da doch der tschechische Minister, wenn er Oesterreich besucht, nicht bloß mit >dem Bundeskanzler, sondern viel mehr mit dem Vertreter des Völkerbundes über die Sanierungsfrage sprechen will. Aus dieser Frage ist nämlich plötzlich wieder ein politisches. Problem geworden. Sehr gegen den Willen der österreichischen Bevölkerung, die von der Aufrollung der politischen Seite der Frage sicherlich wenig erbaut ist und im gegenwärtigen Augenblick unter ganz anderen Sorgen lebt. Es ist auch Micht^ richtig, - wenn im - Ausland angenommen wird, daß in Oesterreich gerade jetzt ein neues Aufflammen der Anschlußbegeisterung erfolgt ist. Von einigen fleißigen Zeitungskorrespondenten und den von ihnen informierten Berufsanschließern abgesehen, denkt kein Mensch hier an diese Frage, die schon darum inaktuell ist, weil ja die innere Politik Deutschlands für lange Zeit hinaus von Unruhe erfüllt sein wird, die für Oesterreich wenig Verlockung enthält. Die österreichische Politik, die schön zu den Zeiten der Monarchie für den Fremden ein siebenfaches Rätsel bildete, ist heute so unverständlich wie nur je. Sie ist auf keine allgemein durchsichtige Formel zu bringen, schon deshalb nicht, weil die Leiden Teile der/Regierung an verschiedenen Strängen zerren. Die Christlichsozialen sind entschieden für die Völkerbundpolitik, die Großdeutschen ebenso entschieden dagegen. Dieser Zwiespalt, diese Polarität von Ordre, Desordre und Contreordre ist die österreichische Politik, nämlich die offizielle. Die inoffizielle, unverantwortliche, unfaßbare ist Hakenkreuz. Sie regiert an der Universität, bei Gericht, in den Amtsstuben. Wir sind wieder beim Dualismus angekommen. Aber der flinken Artikelschreiberei ist es gelungen, dem Ausland weiszumachen, daß sich in Oesterreich große Dinge vorbereiten. Es kann eigentlich niemand den Inhalt dieser vagen Ankündigungen in präzise Worte fassen, aber es ist doch erreicht worden, daß die kleine Entente sich beunruhigt zeigt und aufmerksam nach Wien sieht. Sie hat sogar die österreichische Frage auf die Tagesordnung ihrer Bukarester Konferenz gesetzt. Auch die große Entente mußte sich mit Oesterreich beschäftigen. Sie hat nichts Positives getan; sie hat die Genehmigung für eine Elektrifizierungsanleihe versagt und ist im übrigen den österreichischen Vertretern mit einem nassen Schwamm übers Gesicht gefahren. Es ist anzunehmen, daß von der Station Bukarest aus ein neues Anschlußverbot verlangt werden wird, unnützerweise, und daß vielleicht für die im Hochsommer angesetzte Völkerbundexpertise neue Fragen ausgearbeitet werden. Das wäre höchst langweilig. Um also auch etwas für das Gemüt und das Bedürfnis des Zeitungslesers 311 tun, wird man über die in Wien angeblich bestehende Kommunistenzentrale einige scharfe Beschlüsse fassen. Diese Zentrale ist eine wundervolle Erfindung. Sie liefert Prachtvolle Ausreden, um nichts tun zu müssen und allen weiteren Diskussionen über das Thema Donauföderation oder Zollunion ein radi« kales Ende zu machen. Dabei ist Oesterreich natürlich in dieser Frage ein unschuldiges Lämmleiu. Die Kommunisten führen hier ein rubelloses, ärmliches Dasein und ihre ewigen ge- Frühjahrs -. «T-»1« Btt Schiff mann E -1 1 ,, IIIHI Wim UHU. . II. TaborstraOe 48 Telenhon ,4M*7S in grns in tfntail 23 2