Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2230 (6.5.1925)
- Date
- 1925-05-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IToIcn; 20 üroszyl Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Qol dschmied, I.. Wollreile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Ts ch ech o-Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei P r ei u erhOhuhgen Vorbehalten «r. 2230 Wiener orgenseitung Me«, Mittwoch, 6. Mai 1929 rucerh das mühelose Parkett- Glanzmittel ErhaUUdi In allen elnfdtlsglgen GefdiSifen I Preis ao^gl England: Mon. 4 Schilling, Italien: Monatl. 18 Lire, Rumäni en: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon.ICOLewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II.Taborstr.l Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg, Steinmann) Oestcrreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Zahrgang Herbert Samuels Nachfolger. Sit Gilbert Klatzton — SberlommWr? Warschau, 8. Mai. „Moment" meldet aus London, daß die Ernennung Sir Gilbert Claytonö zum Oberkommissar von Erez Israel entgegen allen anderen Meldungen als festbehend zu betrachten sei. Die amtliche Verlautbarung der Ernennung Sir Claytons wird bereits für die nächsten Tage erwartet. Samuel fiedelt sich i« gerusalem a». R. Jerusalem, 4. Mm. Wie bereits wiederholt berichtet wurde, verlaßt der Oberkommissar von Erez Israel, Dir Herbert Samuel, Ende Juni sein Amt und fahrt zunächst nach London, um der Regierung einen Bericht über seine fünfjährige Amtstätigkeit zu unterbreiten. Der gegenwärtige Oberkommissär wird daun nach Erez Israel zuückkehren, wo er sich, wie er dies in seinen Reden anläßlich der Universitätseröffnung wiederholt betonte, als Privatmann dauernd niederlafsen wird. Bis zu diesem Zeitpunkte wird auch das Haus, das Samuel für seine Familie . in Jerusalem bauen läßt, fertiggestellt sein. Kino Aassprache der zionistische» Führer i« rel-Awiw. Ein Referat Ruppins über die Organisierung der MnwanberMg. — Mitteilungen Weizmanns über die Jewish Agency. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Am Chol- 'Hamoed des verflossenen Pesfachfeftes fand im Gebäude des Gymnasiums von Tel-Awrw eine Sitzung aller in Erez Israel anwesenden Mitglieder der Zionistischen Exekutive, des Aktionskomitees, des Waad-Haleumi und der verschiedenen z i o n i st i sch enZentralkomitees außerhalb ^Erez Israels statt. In dieser Konferenz resezierte Dr. Ruppin Wer die Aussichten der Emigration und die Ausnahme der Emigranten im Lande. Der Referent befaßte sich ausführlich mit der Frage der Organisierung der Landwirtschaft, der Industrie und -es Gewerbes. Die nächsten Redner, Leon Lewite, Senator Doktor Brande, Deputierter F a r b st e i n und andere, kritisierten die Exekutive und ihr Verhalten gegenüber der Einwanderung des Mittelstandes, um den sich heute eigentlich niemand kümmere. Auch die Bodenspekulation wurde zur Sprache gebracht und mehrere Redner wiesen darauf hin, daß die offiziösen Institutionen, deren Aufgabe es wäre, Boden anzukaufen und an Juden weiterzugeben, nicht genügend energisch ihre Aufgaben erfüllen, wodurch den Spekulanten und Bodenmaklern das Metier erleichtert werde. Auf diese Vorhalte antworteten die Herren N e iditsch und Dr. Ruppin. Sie wiesen darauf hin, daß der neue Einwaudevungsstronr die Zionistische Exekutive unvorbereitet getroffen habe. Der 13 Kongreß habe die neue Einwanderung nicht vorausgesehen und demnach auch in das Budget nicht jene Beträge ausgenommen, die für die Einwanderung des jüdischen Mittelstandes erforderlich wären. Nunmehr beschäftige diese Frage die führenden zionistischen Kreise in außerordentlichem Maße und das dem nächsten Kongreß zur Annahme vorzulegende Budget werde auch entsprechende Posten aufweisen, welche zur Förderung der Kolonisation des Mittelstandes dienen sollen. Diese setze jedoch die Erwerbung von Boden in größerem Umfange voraus, weshalb die zionistische Tätigkeit in allen Ländern verstärkt werden müsse, denn es sei die Schaffung einer Bodenreferve für eine neue, umfangreiche Kolonisation unerläßlich. Zum Schlüsse machte Dr. Weizmann informative Mitteilungen über den gegenwärtigen Stand der Erweiterung der Jewish Agency nach den Beschlüssen, die in Amerika gefaßt worden seien. Cs verstehe sich von selbst, daß die Zionistische Organisation darauf besteht, daß die in der letzten Sitzung des Aktionskomitees beschlossenen Grundsätze, wie das Recht der h ebräischen Sprache und btö Prinzip der jüdischen Arbeit, in vollem Umfange respektiert werden. Die in Amerika gefaßten Beschlüsse werden dem Kongreß zur genehmigenden Kenntnisnahme vovgelegt werden. Dr. Weizmann betonte die von uns bereits wiederholt registrierte Feststellung, daß der Rat der Jewish Agency zur Hälfte aus Vertretern der Zionistischen Organisation und zur Hälfte aus solchen anderer Körperschaften bestehen werde. Der Präsident und demnach Vorsitzende in den Verhandlungen der Jewish Agency wird ausnahmslos und ständig 'der Präsident der Zi onistischen Organisation sein. Dieser werde auch die politische Arbeit leiten. Ser 1. Mai in Zemsalem. SR. Jerusalem, 4. Mai. Der 1. Mat vertief in ganz Erez Israel völlig ruhig. In allen Städten und Kolonien ruhte an diesem Tage die Arbeit. Die Arbeiter veranstalteten allerorten s r i e d l i ch e U m z ü g e, die ohne Störung verliefen. ■ Geringfügige Zwischenfälle ereigneten sich in Haifa, wo eine Gruppe von Arbeitern kommunistische Flugblätter verteilte, wobei Jß zu Verhaftungen kam. Unter den Arvetierteat befinden sich astch viele, Araber. Wahllrawalle in Sra«. Paris, 5. Mai. (Havas.) Wie di>e Blätter aus O r a n (Algier) melden, kam es dort -infolge der Mahl' der antisemitischen Liste zu Zusammenstößen zwischen Spaniern und Juden. Die Räumilichkeiten eines Blattes wurden zerstört. Es sollen z w e i P e r s o n e n g e t ö t e t und mehrere verwundet worden sein. Truppen und Gendarmerie stellten die Ordnung wieder her. Die Tel.-Komp. meldet über diese Borgänge aus Paris: In O r a n in Algerien kam es zu Zwischenfällen, weil bei den Gomeindewahlen die antisemitische L i st e gesiegt hat. Mehrere hundert Juden zogen vor die Redaktion der Zeitung „Sk Petit Oranais", j die gegen die 'Juden besonders agitiert hatte, und zerstörten die Wureaiuräumlichkeiten. Im Verlause des H a n dge men ge's toud>ett zwei Personen getötet und 50 mehr oder weniger schwer vorletzt. Sie englische« Liberalen gegen die Schntzzoll- Politik. London, 5. Mai. Die freihandlerischen Keife Englands bereiten eine große Kampagne vor gegen die neue Wirtschaftspolitik der Regierung, die sie als einen Bruch der Wahlversprechungen der Konservativen bezeichnen. Die liberale Parier hat zwei Speziallomitees unter dem Vorsitze von Sir John Simons und Sir Alfred Mond gebildet, um den Kampf gegen den halbe n Prote ktionismus Churchills im Parlament aufzunehmen. _ Horthy ermahnt. Zn Religion, Eintracht, Arbeit. Budapest, 6. Mai. (U. T.-K.-B.) Horthy nahm heute in Mezötur an der Installierung seines Bruders, Generals Horthy, zum weltlichen Präsidenten des reformierten Theiß-Distriktes teil. Nach der Begrüßung durch den reformierten Bischof Baltazar sagte der Rcichsvevweser: Die Heldentngende n der Borfahren haben da's Vaterland erobert, der Versals dieser Tugenden hat den schmählichen Zusammenbruch hevbeigesührt. Die Minierarbeit verdächtiger E l emente hat 'das Land mit Gift st o f f verseucht und Gegensätze und Haß auch unter den christlichen Konfessionen geschürt. Schließlich ermähnte der Reichsverweser zur Religiosität, Vaterlandsliebe, Eintracht, Arbeit und Sparsamkeit. Limderlampf Lesterreich—Ungarn. flellemWi liegt 3MM ZV.000 Zuschauer. ,WEDO 9 Orig. ongar, DEBRECZINER für Wiederverkäufer III., Heumarkt 6,Tel 9543P Die Ausländsdeutschen. —y. Wien, 6. Mai. Der Bund der Ausländsdeutschen hielt am Sonntag in Berlin eine Versammlung ab, aus der verschiedene, sehr bemerkenswerte Reden gehalten wurden. Der Gedanke der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammengehörigkeit aller Deutschen trat sehr stark hervor. Es wurde betont, daß von hundert Millionen Deutschen vierzig Millionen im Ausland leben, daß also jeder dritte Deutschs sich außerhalb des Reiches befinde. Diese Deutschen leben teils in geschlossener Siedlung, wie in Oesterreich, der Tschecho-Slowakei, in Polen, am Rande des kleindeutschen Reiches, teils zerstreut in aller Welt, teils in geschlossener Siedlung eingesprengt in fremdes Volkstum, wie in Siebenbürgen, an der Wolga, im Baltikum, in Südamerika, in Nordamerika und in den ehemals deutschen Kolonien. Die große politische Aufgabe der Zukunft sei die Zusammenführung von Staatsdeutschtum und Volksdeutschtum zu rnniger Zusammenarbeit, um so die alten Fehler, die sowohl den Heimatdeutschen wie den Ausländsdeutschen anhaften: Kastengeist und Uneinigkeit der Stämme, der Konfessionen und der Vereine durch einheitliche Grundgesinnung zu. überwinden. - Gegen diese Auffassung läßt sich schlechterdings nichtseinweniden. Es ist eine selbstverständliche, naturgegebene Entwicklung, daß die Deutschen. zusammenstreben. Daß sie ihre Zusammengehörigkeit nach Sprache und Volkstum über alles stellen und zu einer Einheit, wenigstens im kulturellen Sinne des Wortes, zusammenwachsen wollen, ist ein Bestreben, das überall nur Sympathie und vollstes Verständnis erwecken muß. Wer sein eigenes Volk liebt und in der Zugehörigkeit zur Volksfamilie die Weihe des eigenen Lebens erkennt, der muß den gleichen Tendenzen bei anderen Völkern mit höchstem Respekt begonnen. Das Auslandsdeutschtum hat seit dem Krieg eine ganz andere Bedeutung erhalten als früher. Der Ausfall des Krieges hat viele, sehr hochgespannte Hoffnungen vernichtet und in weite, große Teile des deutschen Volkes das bis dahin unbekannte Exilsempfinden gebracht. Der Wechsel des Geschickes trat jäh ein. In den Kriegsjahren war der Weltherrschastsgedanke zu einer tiefgehenden Manie geworden. Wo Deutsche wohnten, stieß sich ihr bis zur Fieberhitze gesteigertes Nationalgefühl an den realen Tatsachen. Die Wahrheit über den Stand der Dinge auf den Schlachtfeldern erfuhren die Ausländsdeutschen nicht. Der konservative Führer v. Hehdebrand hatte beim ZusammeKvuch im Reichstag ausgerufen: „Wir sind belogen und betrogen worden!" Das galt noch in weit höherem Grade für die Deutschen außerhalb des Reiches und deshalb traf sie die Katastrophe mit noch schlimmerer Kraft. Sie waren durchaus auf die Monarchie, den Glanz des siegreichen Heeres und das Arbitrium mundi eingestellt; das Schwinden dieser Momente nahm ihnen vielfach die Besinnung und verstärkte bei ihnen. die seelische Disposition, für den Medergang der Heimat die Schuld dort zu suchen, wo sie ihnen von den Schuldbewußten souffliert wurde. Die Ausländsdeutschen sind fast in der Gänze antisemitisch. Unter ihnen hat die nationalistische Hakenkreuzagitation feste Wurzel gefaßt und unter ihnen befinden sich die stärksten Bekenner der Lüge von der jüdischen Schuld. Sie lesen fast ausschließlich die Pogromliteratur, die, von dem Gedanken der jüdischen Einheit ausgehend, die Theorie von dem jüdischen Staat im Staat geprägt hat. Wenn nun heute jemand den Ausländsdeutschen mit genau denselben Worten, wie sie die Ludendorfs und Fritsch gebrauchen, ihr Streben zur geistigen Verschmelzung als einen politischen Angriff auf den jeweils vorgeschriebenen Staatspatriotismus auslegen würde, welcher entrüstete Lärm würde sich da erheben) Wir wissen es, daß das nationale Bekenntnis nirgends gegen Staatstreue und Mitarbeit am öffentlichen Wohl verstößt. Das Judentum ist ein Opfer des national:, stischen Staatsfetischismus, und die.schärfsten Angriff, gegen uns unter diesem Titel sind gerade aus dem deutschen Lager gekommen. Als das Judentum des Westens die Exzesse des Zarismus als sein eigenes Leid empfand, da wurde es zuerst in Deutschland, uzH