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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-05 · Heft 2229 (5.5.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2229 (5.5.1925)
Date
1925-05-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Wiener MoraemeilnM 8. Mai 1925 M. 2. D. David mit bctt_ Herren seines Bureaus werden bei dieser Feierlichkeit unsere Gäste sein. Die Mitglieder der Kommission, deren Arbeit die Durcbführunq und Vollendung der österreichischen Beteiligung an der großen Pariser Arsstellung zu danken ist, lvaren mehr als 14 Monate mit der Vorbereitung beschäftigt. Der Handelsminister Dr. Schürff reist TKUtc in Begleitung des Sektimrsrates Tr. Dahlen zur Eröffnung des österreichischen Pavillons nach Paris ab. Internationale Gesellschaft für neue Musik. Freitag ffntdet der 6. (letzte) Kammermustkabend in: Konzertsalon .Heller als italienischer Abend statt. Es gelangen Werke der gegenwärtig in. Wien weilenden Komponisten C alella, Labroca, Malipiero rnd Rieti zur Ans- Führung. Hans Rhoden, der treffliche Bonvivant des Kleinen Theaters, erlitt aus einer Motorradpartic vom Semmering nach Wien verflossenen Samstag einen schweren Unfall. Er wurde abseits der Straße bewußtlos auigefunden. Man Zrchtete anfangs um das Leben des beliebten Künstlers. Rhoden mußte operiert werden, befindet sich aber schon ans dem Woge der Besserung, so daß er in den nächsten wagen aus dem Sanatorium in Wiener-Neustadt nach Wien transportiert werden kann. Nadioprogramm. Dienstag den 5. Mai. 9 Ubr: Marktberichte. — 11 Uhr: Bornnttagsmusik. — 1 Uhr 10Min.: Zeitau'abe. — 1 Uhr 15Min.: Wetterbericht. — 3 Uhr 30 Min: Wiener Börse — 4 Uhr: Nachrichtendienst. — 4.10 bis 6 Uhr: Nachmittagskonzert. Gounod: Philemon et Baueis; Strarß (Patern Donau- Lieder; Wagner: Vorspiel zum dutten Akt „Tie Meistersinger"; Mozart: Menuett in G: Offenbach: Musette (Violoncellosolo; Manfred: Ein Opernabend; Komzak: An der grünen Narenda; Richter: Einstens im Mai. Potpourri; Suppe: Die große Unbekannte, Lied und Tanzintermezzo; 1. Schwach: Lovable Epes. — .Halb 7 bis 7 Uhr: Das städtische Bädevwesen in Wien. Bortrag von Stadtbaurat Barousch. — 7 Uhr: Stunde der Frau. — Dreiviertel 8 bis viertel 9 Uhr: Cspercmtokrrs. — Halb 9 Uhr: Konzertakademie. 1. Kammersänger Hans Clemens: Massenet, Arie aus „Manon"; Bizet, Blrineuarie aus „Carmen". 2. Klaviervirruose Dirk-Schäfer (Holland): Chopin. Balfe, opus 70; Chopin, Trois Eeossaiscs. 3. Konzertsängerin Lilly Ulanowsky: Brahms, Dein blaues Auge: Brahms, O wüßt' ich nur den Weg zurück. 4. Opernsängerin Bella Paalen: Meyerbeer, ans der Oper „Prophet"; Brahms, Zwei Lieder. 5. Opernsänger K. Norbert: Goldmark, Arie aus Königin von Saba"; Halovy. Arie aus „Jüdin". 6. Dirk-Schäfer: Liszt. Rhapsodie 13. 7. Konzertsängerin Lilly Ulanowsky: G. Mahler, Ich ging mit Lost durch einen Wald: Phantasie. 8. Södlak-Winkler-Onartett: Schubert, Streichquintett in C-Dur. Gerichtssaal. Die Hakenkreuzbank. Der Prozeß gegen Waldegg. Der Zusammenbruch der Nordisch-Oesterreichischen Bank und die bald darauf erfolgte Verhaftung des verantwortlichen Leiters des Unternehmens, des ehemaligen Feldwebels Otto Waldegg, hat seinerzeit großes Aufsehen in der Oeffentlichkeit erregt. Nun wurde nach Abschluß des Untersuchungsverfahrens für den 18. und 19. Mai unter dem Vorsitz des Hofrates Dr. Dörr die Verhandlung vor einem Schöffensenat gegen den 46jährigen gewesenen Bankdirektor Otto Waldegg anberaumt. Die Anklage wird der erste Staatsanwalt Doktor Nahrhaft vertreten; sie lautet auf das Verbrechen der Veruntreuung, begangen an den Aktionären und Kunden der Bank, mit einem viele Milliarden Kronen betragenden Schaden, aus Betrug und fahrlässige Krida mit einem unbedeckten Defizit von nahezu 20 Milliarden Kronen. Verteidiger fft Dr. Form an e k. Während der Liquidationstagsatzungen ist der in Haft befindliche Beschuldigte mehrere Male zu den Verhandlungen beim Wiener Handelsgericht vorgeführt worden. _ „Die Nationalräte gehören in die Wurst'!" In einer Hansbesitzerversammluug, die am 22. Februar in der Volkshalle des Rathauses abgchalten wurde, harte der ohemalige Hausbesitzer und Gastwirt Anton Tichy nach einer sehr heftigen Kritik der Haltung des Nationälrates in der Frage des Abbaues des Mieterschutzes erklärt: „Das Parlament soll man anzünden und die Nationalräte gehören in die Wurst'!" Gestern stand er wegen dieser Aeußerung vor dem Strafrichter, der Beleidigung einer Behörde nach Art. 5 des Gesetzes vom 17. Dezember 1862 angeklagt. Tichy verantwortete sich dahin, er habe nur zmn Ausdruck bringen wollen, daß in der Frage des Mieterschutzes der eine Teil der Nationalräte versagt, während der andere Teil sogar w i d e r b e s s e r e s Wissen in dieser für die Volkswirtschaft des Staates so wichtigen Angelegenheit vorgeht. „Ich wollte einfach sagen, daß die Abgeordneten nichts wert sind, ich wollte aber nicht das Parlament beleidigen." Ter Richter ließ den angebolenen Wahrheitsbeweis nicht zu und verurteilte Tichy zu einer Geldstrafe von hundert Schilling. Der Verteidiger meldete gtzgen Schuld und Strafe die Berufung an. Die Jungfrauen von Matzen. Bor dem Bezirksgericht in Matzen (Landesgerichtsrat Dr. Oskar Stahl) fand kürzlich eine Verhandlung über eine höchst sonderbare Ehrenbeleidigungsklage statt, die eines gewissen Humors nicht entbehrt. Der Landwirtschastsbesitzerssohn Franz Frohler klagte den Landwirtschastsbesitzerssohn Franz Strauch wegen EhreUbeleidigung, und zwar aui Grund folgenden Vorkommnisses: Bei einer Unterhaltung sagte der Beschuldigte zum Kläger in betrunkenem Zustande vor einigen Burschen: „Hörst, Franz, was glaubst du denn? Glaubst, daß von 'den vielen Mädeln, die da tanzen, noch ane a Jungfer ist? I glaub nit, sicher nii." Der so Apostrophierte gab gar keine Antwort, worüber der andere sich furchbar erboste. „Du wirst doch nicht glauben, daß du der Vater von denl Kind deiner Geliebten bist? Wenn wieder bei ihr was los sein sollte, so bist du wieder net der Vater. G'wiß a ito!" Wegen dieser Aeußerung, die Zweifel in seine Vaterschaft setzte, klagte Franz Frohler wegen Ehrenbeleidigung: Er fühle sich in seiner Ehre gekränkt, daß seine Vaterschaft im Verhältnis zu seiner Geliebten abgesprochen werde. Dadurch sei er dem öffentlichen Spott preiSgegöben. Einen bei der Verhandlung ang.'botenen Ausgleich lehnte der Kläger ab. Der Verteidiger Tr. Ludwig B o n d i führte aus, es sei durchaus nichts Ehrenrühriges, wenn einem unehelichen Vater die Vaterschaft abgesprochen werde. Etwas anderes sei es vielleicht mit dem Mädchen. Wenn man dieser den Vorwurf machen würde, das Kind stamme nicht von ihrem Geliebten, sondern von einem anderen Mann, könnte man eine Ehrenbeleidigung begreifen. Aber zu einer solchen Klage sei Franz Frohler nicht legitimiert. Der Richter schloß sich dieser Anschauung an und sprach den Beschuldigten Franz Strauch von der Ehrenbeleidiauna irvi. Volkswirt. Ser Leidensweg der Aktie. Von Dr. Heinrich Schreiber. Die Aktie war wohl von jeher ein zwar bekanntes, aber vicilifach verkanntes Gebilde. Selten aber war die Gelegenheit so reichlich günstig, sich mit der Aktie bekannt und vertraut $tt machen, ohne sich die Mühe geben zu müssen, auch in ihr Wesen cinzUdrmgen, wie zur Zeit der Inflation und des mit ihr einher-gehendtn Hausse- und Liebhabertaumcl s. Da wurde die Aktie mit leichtem Flitter behängen, da hat sie sich wie ein eitler, aufgeblasener Pfau stolz gebläht und hat ihren Bewunderern die Kopse verdreht, die Sinne verwirrt. Die Haft dieser Bewegung war umiso bedenklicher, als die Aktie aller Welt Liebirud Schoßkind wurde. Jeder haschte und geizte nach iihr, jeder hätschelte sie und spielte mit ihr. Alles verstand sich auf sie, es gab lauter profunde Sachkenner, die mit der Aktie und ihren Tips auf dem' Dutzfuße standen, die in den Spalten des Kursblattes ans und ein wußten und darin wie zu Hause waren, die so taten, als ob sie das Aktienwesen, das sich eigentlich zu einem Aktienuuwesen auswuchs, wie ihre Westentasche kannten. Da wurde mit den technischen Begriffen nur so hernmgoworfen wie mit Sportausdrücken ans dem Turf oder beim Fußballspiel, und der Vergleich hat um so mähr für sich, als der Effekteuhcmdol zu einer Hasaröpartic ansartetc. Da lärmte man von alten und jungen Aktien, von Stückelungen und Zusammettte.gnngett, Zertifikaten, Internnsschcinen, Dividenden und Dnbstanzwerten, Aufwertung, rrnd in erster Linie war das Kapitel der ständigen Kapitals- Vermehrungen mit ihren Optionen, Syndikaten und Bezugsrechten das ständige Tagesgespräch. Das stand als gewürztes Horsd'oeuere auf jeder Speisekarte, nach dem es den Mund lüstern wässerte. Und'es war zumeist nur Wasser, das aber gleichwohl den Gaumen täuschend reizte. Dann kam die Magenverstimmung, es kam die Uobersättigung und der Widerwille, und als die Deflation und die Stabilisierung sich als ernste Mahner zeigten, da wurde die Platte, auf der die Aktien aufgetragen wurden, stehen gelassen und abscrviert. Man hatte genug von ihr und wandte sich degoutiert ab. So hoch die Aktie in der Wertschätzung gestiegen war, so tief war ihr Fall in der Geringschätzung, so empfindlich und beschämend der Rückschlag, den sie erleidet. Die Aktie ist zu Boden gestreckt, von ihrer Anhängerschaft leichts-ertig verlasse:!. Diese hat sich rasch verlausen und aller Liebe Mühe ist umsonst, sie ivieder ,51t sammeln, zu ralliiercn und die Aktie in die frühere -Stellung einzusetzen. Noch kürzlich jung und verführerisch, ist sie jetzt bläßlich, runzelig und zum abschreckenden Beispiele geworden, das geächtet und gemieden wird. So rasch schwindet und wechselt die frivole Volksgunst, sic transit gloria mundi, und alle Versuche, diese rühm- und glorreiche Vergangenheit zurückzugewirmen und zu erneuern, s-iud bis nun fehlgeschlagen. -Heute wird die Mtic nicht sehr beachtet und geachtet, und sie, die füglich als Schatz und köstliches Gut gehütet wurde, wird als lästiger Ballast empfunden nnd demnach recht wegwerfend behandelt. Die schönen Tage der Aktie sind nun vorüber; ihre Hochkonjunktur -ist vorbei und hat abgerissen; sie führt ein künftiges, trübes Dasein und sie wartet auf bessere Zeiten, wie einst im Mai, in denen die Aktie als aussichtsvoller Besitz geschätzt und hochgehalt-en wurde. Die Hoffnungen ans eine „Renaissance der Aktie", di« noch immer gehegt und immer wieder genährt wurden, sinken in sich zusammen; der Markt will nicht daran glauben, will nichts davon wissen und grollt der Aktie, die als Prügelknabe mit ihrem Rücken herhälten muß, um die Schläge aufzufangen, die der wirtschaftliche unfo finanzielle Zusammenbruch ans den Effektenhandel nicderfausen läßt. Wahrlich, sie hätte ein besseres Los verdient nach den blendenden Erfolgen, die Ähr beschiedcn waren, als sich unter den Streichen leichtherziger Ueberspekulation zu verbluten. Das bißchen Leben, das die Aktie noch durchflutet, ist in Gefahr, zu verhauchen. Die Mtie ist gestürzt und matt läßt sie rücksichtslos liegen; kein Finger rührt sich, sie aufzulesen und ihr auszuhelsen. . Im Gegenteile, man kamt sich in Schmähungen und Zurechtweisungen, an Zuchtm-ittoln und Strafdrohungen nicht genug tun. Und doch holt man — les extremes se touchent — in einem Zuge wieder damit aus, die Aktie in die Tracht enter kühnen und t i e f >g r e i f e n d e n Reform zu stecken, sie umzubilden und ihr treue Farben atffzulegeu. Man will also der ausgepowerten Aktie, dem scheinbar degenerierten uttd dekadenten Gerippe, die Fähigkeit und die Kraft zutrauen, sich in neue Abenteuer zu stürzen uttd sich als Versuchskaninchen für eine tteue Inzucht des Rechtsgebildes gebrauchen zu lassen. Ja, noch ntelhr; auch die Goldb ikanz ie rung, die bevorsteht, geht ihr hart zn Leibe, weil sie die Aktie Spießruten laufen läßt, sie bloßlegt uud zerlegt, um sie auf Herz und Nieren zu Prüfen, was sie wiegt und wie viel sie wert ist, um sie in einen iteugoleimten Rahmen verfassungsmäßiger Aupassnitg an deit ttmgerechneten Vermögensstand einzufassen. Dies vor altem soll die Aktie aus der Niederung, in der sie verschmachtend vegetiert, heraushoben und irr eirre reinere, gesündere Lilftschichte verpflanzen. Mag sein, daß ihr das wohl befommen und ihrer Rekonvaleszenz förderlich sein wird. Allein sicher ist, daß die Festigung der Wirtschaftslage und des Kapitalsmarktes den wahren Gesundbrunnen für die Aktie erschließt, weil das die Elemente siild, irr betten die Aktie schwimmt und lebt, die Heilkräfte, die sie erfrischen und ihren Anwert wiederherstellett köitnen. Dazu aber ist es nötig, daß der Aktie das überschüssige, schädliche Wasser abgezapft wird, daß der Aktieuiuflation nicht bloß eine Stabilisierung folgt, sondern daß sie von einer währen Deflation abgelöst lvird, welch« die fluktuierenden Massen abschöpst und das Akttenntaterial derart austrocknet, daß S u b st a >tund E r t r a g, die verwaschen uttd verwischt itrtter der Oberfläche veischwmtden waren, Wiebe« zmn Vorschein kommen, und zlvar beide Mammen, nicht "" .> "■■■- . v voneinander getrennt. Mit der Sonderung des Aktientheorien nach Substanz und Ertrag mutz gebrochen Werben; jede für sich ist eine HaiMhett und sin« Irrung, e r st beide z u s a m nt e n bilden die Wahrheit und rundert sich zur Vollständigkeit, die bis zur BoMommetcheit sich austveiten uttd erblühen kamt. Was hat denn auch ein« Kapitalsbilduitg, die sich int Wege der KaPitalövemtshnMg dttrch Ausgabe neuer Aktien vollzieht, in einer rationellen Wirffchtfftspflege für einen Siiut, wenn damit höchstens ein« scheinbare Vermchrung der Mitten und nicht zugleich auch eine S t e i g e r n n g des Ertrages eitchergcht, gaschtveige wenn keiner dieser beidett Effekte däbei heranslschant und nichts davon erzielt wird. Substanz und Ertrag m üsseit s i ch e r gänzen, sie müssen zusanvmenwirken nnd sich gegenseitig die Wage halten, sie müsscit senkrecht und wagrecht den Aufbau der Aktie cchöhcn und vevbreitern, Wenn ihr Postament gestützt, ihre Position gefestigt werden soll. Keines der beiden Lcbcnsclcmente der Aktie darf aulf Kosten des anderen hintangesetzt und mttercrnährt werden. Sie machen das Wesen der Aktie aus tlnd jede Bceinträchti. gung einer dieser Stoffe stört den gesunden Kreislauf und macht das davon betroffene Lebewesen hinsälllg und .schwach. Die Krankheit der Aktie, die ihren Leidensweg durch« fftrcht, war die ü b e r t r i c b e n c Schätz n tt g bei S n b st a n z und die gerings ch ä tz i g e A ch t u n g de-' Ertrages. Erst jenes Kalkül, das solange verrtachlässigt wurde und das sich von diesem Fchlschlusse sreimacht, freilich auch voi dem Ertrage allciu uicht in blinder Verehrung erstarrt, son. dern Berutögen ttnd Chance, die sich aus Arbeit und Expansion ergeben, gleichartig aus die Schale legt, wird sich als bat! richtige Heilmittel erweisen und bewähren. Die Llktie bcdavj dieser Injektion, damit sie aus der Ohnmacht, in die sic gesunken ist, erwacht, ihre Augen, lvelche das harte Leid getvübl hat, wieder aufschlägt, die zermürbten Glieder aufreißt lmü frisch im Wirtschaftsleben rührt. Las Echilkfal der Depositenbank. Die Haftung der Großba»tken. Für den 8. d. waren vor einem Senat des Hanvel^ gerichtes unter dem Vorsitz des Hofrates Felix eine Reiht von Prozessen zttr Verhandlung ausgeschrioben, welche teilZ Einleger, teils Kantokorreiitgläubigcr der zusammengobrachencn Dvpositcubank gegen die fünf Großbanken augestrengt hatten- Die Kläger vertreten den Standpunkt, daß di< süuf Großbanken, welche anfangs Mai 1924 für die Sanierung der Dcpositettbank cingetreten waren und durch ein Commnnique die Uobernahmc der Geschäftsführung bekannt, gegeben hatten, dann über Ende Juni von dom Sanierungs. werk zurückgetreten waren, sowohl den.. alten Einlegern wie auch den neuen Einlegern und den anderen Gläubigern der Depositeubank haftpflichtig sind. lieber drei 5Aagen, welche von nenen Einlegern, bczichungsweise von Gläubigern, deren Einlagett ihrer Behauptung nach erneuert worben waren, herrührten, fand bereits vor zwei Monatett eine Berihandlung statt, in welcher zunächst Über die Borgeischichte des Eintretens der Großbanken für die Sanierung eine Reihe staatlicher Funktionäre, so der Präsident der Nationalbank und der O b in a n n des Bankeuvepbandes, als Zeugen einvernommen lvnrdcu. Schließlich wurde die Verhandlung zrrr Vorladung einer Reihe weiterer Zeugen, nuter denen sich nahezu sämtliche früher maßgebenden Funktionäre der DepüsiteUbank, so die Geueraldiroktoren Goldsteift und R itscher bäfinden, vertagt. In der Zwffchen-zeit würden sämtliche beim Handolsgericht in verschiedenen Abteiluttgeit anhäugigen Prozesse in der gletchon Augelegeühott der von Hoifrat Felix geleiiteten Abteilung zngekeilt. Am 8. d. hätte in sämtlichett Prozesseu die Enffchoibung des Handelsgerichtes gefällt werden sollen. Die Vechandlnng mußte jedoch vertagt werden, da die angeordnete Einveruahme der in Berlin jetzt wohtchaften Zeugen Goldstein und Ritscher bisher noch nicht erfolgt fft. Als Termin der nächsten Bechandltmg wurde der 4. Juni bestimmt. Die Verschiebung der Ausgleichstagsatznug. Die für den 11. d. aUberaumte Ansgileichstaglsatzuitg der Depositeubank findet erst am 8. Imti statt. Wie der Korrespondenz Hevwei von Vertretern der Gläubigerschaft mitge-- teilt wirb, erweist sich die Verschiebung des Tcrmines dev Llusgleichstagsatzttng als uübedingt notwendig. Die Regiornug hat ttoch keinett Vorschlag über die Art der Liquidierung diciser Bank gemacht, da sie über dieise Frage noch nicht schlüssig geworden ist. Di« Gläubigerschaft hinwieider ist mit dem - Ansgleichsantrag durchaus nicht einverstanden und erhöbt eine Reihe Forderungen, die sie in einem Abänderungsantrag nioderlegeit tvill. Schließlich erklärt auch die Schweizer Gruppe, daß sie genügend Zeit braucht, um den Status der Bank überprüfen 511 können und das; es ihr ganz und-gar mnnöglich sei, bis zum 11. d. einen Bescheid zu geben. Aus all diesen Gründen sicht matt f'd) genötigt, die Ausgleichstagsatznug der Depositeubauk aus den 8. Juni d. I. zu vevschieiben. Für die Aufhebung des Preistreibereigesetzes. Die wirtschaftlichen Spitzenkörperschasten, die sich bereits ieit Jahren Wiedeüholt für die Ätotloendigkeit der Aufhebung des Preist r e i b e r e i g e s e tz e s auslgefpvochen haben, siich uniier dom Eütdruck des Urteiles im letzten Preistreibereiprozeß zusaumtengetreten und häbett feststellen utüsseu, daß die. Urieilsbeg-rüttdulttg Grundsätze entwickelt, lvelche in eklotantom Widerspruch mit den Prinzipien der gellenden Wirtschaftsordnttug stehen. Die Kaittnter für Hattdel, Golvevbe und Indttstrie, der Haupt- Verband der Industrie Oesterreichs, der Haupwerbaud der österreichischen KauifntanUschaft und die Stättdige Dolelgat>ton des Golverbes haben daher ettthellig beschlossen, Somttag den 10. d. eilte BerfaiunAung eiuzuberusen, i-n welcher nvu/erlich die unverzüglich>e Attshebung des Preistrerbereiglesetzes gefordert werdesoll.

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