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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-28 · Heft 2222 (28.4.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2222 (28.4.1925)
Date
1925-04-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Wien: Zum Abholen Inder Expedition, 1L, Taborstr. 1-3, oder ln einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf In Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch echo-Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachsahltwrfen bei Prei«- erhöhanjfen Vorbehalten Nr. 2222 acen> das mühelose Parkett-Glanzmittel Erhältlich ln allen elnkhllßlßen Oefchaften Wiener % 31. DEZjAJ? orgeiyeilung »W»EEW«W»»WW»»»EEWE»EWWEEWE»! Men. Liemtag. 28. Avril 1828 IPrals 20 gl England: Mon. 4 Schilling, Italien: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon. 100 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II.Taborstr.l Telephone: 44-0-38,43*3*19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25*2*82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7.8ahraa«g Mißtrauen in der Mente. Sine krllSrnng Hindenburgs. Hindenburg, der Präsident. —y. Wien, 28. April. Paul von Hindenburg und Beneckendorff ist zum Präsidenten der deutschen Republik gewählt worden und die Politik hat damit zu rechnen, daß die Entwicklung Deutschlands für sieben Jahre auf einen klaren Kurs festgelegt ist. Er ist nicht erfreulich und verspricht nichts Gutes. Aber er ist doch leicht zu durchblicken. Es ist etwas anderes als das bisherige Hin und Her, , als das Schwanken zwischen Republik und Militarismus, zwischen Demokratie und Absolutismus. Vierzehn Millionen Wähler hoben ihr Votum für den Rechtskurs abgegeben, 800.000 Stimmen brachten die Entscheidung. Sie ist die Resultante aus den bisherigen Systemen von Scheidemann bis Stresemann und es ist nur die Pikanterie dieser deutschen Republik, daß das Wahlergebnis nicht so sehr von der Obersten Heeresleitung erzielt wurde, sondern von der Moskauer Internationale. Sie hat die Arbeiterregierung zur Strecke gebracht und sie ebnet jetzt deni Kaiser den Weg in die Heimat. Hindenburg Präsident der deutschen Republik. Das sieht im ersten Augenblick etwas absonderlich aus. Er ist doch der Kandidat jener Parteien, die die Republik abkehlen wollen. Ihre Reden, ihre Aufrufe und Wahlplakate zeigten unverhüllt den giftigsten Haß gegen diese Staatsform. Das deutsche Volk war ganz unverschuldet republikanisck geworden. Eines Tages fuhr der Kaiser davon. Seine Staatsmänner, seine Generäle hatten ihm in Spaa den Rat erteilt. Und da er, noch ehe sichs jemand versehen, in Holland sich befand, so mußte etwas geschehen. Deutschland wurde Republik und es schien in der ersten Zeit, als ob es auch wirklich eine sein wolle. Das dauerte aber nicht lange und nach einem mehrjährigen, aufregungsvollen Hinauf und Hinab geht jetzt wieder der Weg geradlinig weiter. Wohin — das weiß man noch nicht. Aber die Leute, die ihn geöffnet, besitzen den besten Witten und sie machen aus ihren Plänen kein Hehl. Abrechnung mit der Demokratie, mit der Judenrepublik! Sie hätten ja als Feinde der Republik die Wahl boykottieren müssen. Denn, nicht wahr, wenn man einen Präsidenten verabscheut und den Kaiser haben will, dann darf man keinen Präsidenten kandidieren und nicht an der Wahl teilnehmen. Tut man dies, so spricht man doch damit aus, daß man auf dem Boden der Republik steht. Aber da die Politik mit Logik wenig zu tun hat, so sind die deutschen Rechtsparteien nach den Grundsätzen der Politik vorgegangen, die sich im Kriege so gut bewährt hat. Das System der Unehrlichkeit konnte vier Jahre lang sich halten. Dann brach es allerdings in Sünde und Schande zusammen. Aber die Grundsätze der Zweideutigkeit haben das Debakle überstanden. Sie wenden sich gegen die Republik, der sie einen Präsidenten stellen. Wie wird das mit seinem Eid werden? Herr Hindenburg ist sicherlich persönlich ein integrer Mensch. Er hat das Menschenmorden betrieben, weil er eben nichts anderes wußte. Er war dazu erzogen worden, es für eine verdienstliche Tat zu halten, und er hatte einen Eid darauf abgelegt. Den hat er weiß Gott redlich gehalten. Er hat deni König Treue geschworen. Wenn er nun der Republik den Eid leistet, ist damit der Schwur an den König erloschen? Das ist eine kniffliche Frage, aber er wird viele finden, die ihm sagen, daß es eben keine Frage ist. Vor allem wird ihm das sein Herr und Meister Ludendorff beibrinaen, der noch aus der Putschzeit her ein unbeschädigtes Ehrenwort bei sich trägt. Ludendorff übersiedelt nach Berlin, um, wie seine Freunde sagen, darauf zu achten, daß die den Rechtsradikalen gemachten Zusagen auch eingehakten werden. Was ihnen versprochen worden ist, das wird wohl nickt lange fraglich bleiben und das kann man schon jetzt wissen. Es ist der Angriff auf links (mit Ausnahme der Thaelmann-Leute) und auf alles, was linksverdächtig ist. Vor allem auf die Juden. Ludendorff, der geistige Organisator des internationalen Pogroms, der Protektor des Hitler und des Horthy, avanciert von München nach Berlin. Die blaue Brille des Herrn Erik Lundström kann er diesmal in der Tasche behalten. Cs ist kein Risiko bei der Sache. Die Oberste Heeresleitung hat wieder die Sache in die Hand genommen. Wilhelm ist Wilhelm und Hindenburg ist sein Prophet. Die deutsche Republik ist in guten Händen. Berlin, 27. April. (Wolfs.) Präsident Hindcnb u r g erklärte einem Vertreter des „Lokalanzeiger": Man soll sich nur nicht einbilden, daß ich mir jetzt vonirgend einer Partei Vorschriften machen lasten werde. Die Schlacht ist vorbei. Ich bin ehrlich bereit, jedem Deutschen, auch dem bisherigen Gegner, rückhaltlos die Hand zu gemeinsamer Arbeit zu reichen. Die Nachricht von seinem Wahlsiege wurde Hindenburg heute in früher Morgenstunde vonseine m Sohn überbracht. Hindenburg hat sie mit ruhiger Gelassenheit, aber mit großer Freude entgegengenommen und dann im Laufe des heutigen Vormittags sehr interessiert die Wahlberichte durchgesehen. Hindenburg, der gegenwärtig auf dem Schlosse seines Schwiegersohnes in Schwuelete bei Hannover weilt, wird morgen nach Hannover zurückkehren. Irgendwelche Fests.etzungen für seine Uebersiedlung nach Berlin werden erst getroffen werden, wenn das amtliche Wahlergebnis ihm offiziell zur Kenntnis gebracht wird. Doch werden schon die nächsten Tage von Besprechungen und Vorbereitungen für die Uebernahme des Präsidentenamtes ausgefüllt fetr Heute abends bringt der Stahlhelmbund im Verein mit anderen vaterländischen Organisationen dem neugewählten Reichspräsidenten e i n e n F a ck e l z u g dar. Im Laufe, des heutigen Tages hat Hindenburg bereits viele tausende von Gkückwunschdepeschen erhalten. Die Gidesablegung. Berlin, 27. April. (Tel.-Komp.) Die amtliche Ueberprüfung des Wahlergebnisses wird nicht vor anfangs Mai beendet sein. Bis dahin wird der stellvertretende Reichspräsident Dr. Simons die Geschäfte des Präsidenten versehen. Sobald das endgültige amtliche Wahlresultat vorliegt, wird der Reichswahlleiter dem neuen Reichspräsidenten das amtliche Wahlergebnis Mitteilen und von ihm eine Erklärung über die Annahme der Wahl fordern. Generalfeldmarschall v. Hindenburg wird sodann fernen Eid als Reichspräsident in die Hände des sozialdemokratischen Reichstagspräsidenten Loebe oblegen. * Meißner bleibt. Berlin, 27 April. (Tel.-Komp.) Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß Hindenburg einen Wechsel im Stabe der Mitarbeiter des Reichspräsidenten nicht vorzunehmen beabsichtige. Er werde im Gegenteil Wert darauf legen, sich der Mitwirkung des alten, bewährten Personals des Reichspräsidiums, mit dem Staatssekretär Dr. Meißner an der Spitze, zu versichern. Drei Millionen neue Stimmen. Berlin, 27. April. (Tel.-Komp.) Eine Analyse der Wahlziffern zeigt, daß Hindenburg volle 4 Millionen Stimmen mehr auf sich vereinigte als Dr. Jarres. Rund 3 Millionen 'buban sind überhaupt neue Stimmen, die bei der Wahl vom 29. März gar nicht abgegeben worden Ivaren. Die Wahlbeteiligung ist also auf Seite des Re ichsblocks um über 25 Prozent gestiegen. In dem stark protestantischen W ü r t t e m b e rg hatte der Volksblock am 29. März rund 585.000, der Reichsblock 361.000 Stimmen erhalten. Gestern erzielte der Bolksblock nur 527.000, der Reichsblock dagegen rund 550.000 Stimmen. Der Volksblock hat also 68.000 Stimmen verloren, der Reichsblock nicht weniger als 190.000 Stimmen gewonnen. In dem protestantischen Sachsen erzielte der Bolksblock gestern rund 320.000 Stimmen weniger als am 29. März, der Reichsblock dagegen um 300.000 Stimmen mehr. Dev Glückwunsch des Reichskanzlers. Berlin, 27. April. (Wolfs.) Reichskanzler Dr. L u.t h e r hat an Hindenburg nach Hannover anläßlich seiner Wahl zum Reichspräsidenten ein Telegramm gesendet, worin er seine aufrichtige Hoffnung ausdrückt, daß unter Hrndenburgs Reichspräftdentschaft das deutsche Volk durch wachsende Einigkeit im Innern erstarke und damit auch sein Wiederaufstieg im Kreise der anderen Böller auf der Bahn einer friedlichen und gerechten Entwich lung entscheidende Fortschritte mache. Stresemann ist kvank. Berlin, 27. April. (Tel.-Komp.) Reichsaußenminister Dr. Stresemann ist an einer Angina erkrankt und gezwungen, das Bett zu hüten. Er war für die heutige Sitzung des Barmat-Ausschusses des preußischen Landtages als Zeuge vorgeladen, konnte aber der Ladung nicht Folge leisten. Sitzung des preußischen Landtages. Berlin, 27. April. (Tel.-Komp.) Ebenso wie der Reichstag wird morgen auch der preußische Landtag seine Sitzungen wieder aufnehmen. Heute vormittags fand eine interfraktionelle Besprechung der drei preußischen Regierungsparteien statt, in der die durch den Ausgang der, Präsidentschaftswahl geschaffene Lage erörtert wurde. In der morgigen Sitzung loird der neue preußische Ministerpräsident Otto Braun eine kurze Regierungserklärung abgeben und sodann die Vertrauensfrage stellen. , Begeisterte Wähler. Berlin, 27. April. (Tel,-Komp.) Zu den Z u», sammenstößen und Raufexzessen in der Nacht vor der Präsidentenwahl werden noch folgende Einzelheiten bekannt: In der Berlinerftraße in Charlottenburg stieß eine Gruppe von D e ul s ch wö l k i s ch e n mit Reichsbannerleuten zusammen. Es entwickelte sich eine Prügelei, in deren Verlauf einige Deutschvölkische aus Bierflaschen Salzsäure auf die Reichsbannerlente ausgoßen und dadurch sechs der letzteren schwer verletzten. Aber nicht nur zwischen den männlichen Wählern, sondern auch zwischen Frauen, und unter ihnen zwischen sehr gut gekleideten Damen, haben sich Prügelexzesse abgespielt. Wiederholt rissen sich Frauen gegenseitig die Hüte vom Kopf, zerrte neinander an den Haaren und bearbeiteten sich mit Händen und Füßen. In der Kaiserallee in Wilmersdorf rauften zwei Damen so lange miteinander, bis sie nur noch i m H e m d dastanden. Das Gelächter der Zuschauer brachte sie schließlich zur Besinnung, und als sie erkannten, in welchem Aufzug sie sich den Blicken der Menge darboten, rannten sie unter Zurücklassung ihrer Kleider in wilder Flucht davon. Weniger harmlos verlief ein Kampf dreier Frauen auf dem Kurfürstendamm. Die drei bearbeiteten einander so lange m i t i h r e n H u t n a d e l n, bis einer von ihnen ein Auge aus gestochen war. ie Wahlkralvalle. Berlin, 27. April. Der sehr unruhige Verlauf des gestrigen Wahltages erforderte in Berlin das Eingreifen der Schutzpolizei in weit über 1000 Fällen, namentlich inr Westen, Zentrum und Norden der Stadt. Rund 250 Pevsonen wurden wegen verschiedener Vergehen und Verbrechen in -Haft genommen. Nur wenige sind bisher entlassen worden. Eine große Anzahl wird noch im Laufe des heutigen Tages dem Untersuchungsrichter Vorgefühl werden. Gin Todesopfer. Durlach, 27. April. (Wolfs.) Bei dem gestrigen Zusammenstoß Mischen Reichsblock- Md Reichsbannerleuten am Eingänge dev Stadt ist der 17jährige Fritz Gräber durch einen Steinwuvf getötet worden. Drei Persone»' wurden schiver, etwa sechs bis acht leicht verletzt. Eine mysteriöse Verhaftung. Mannheim, 27. April. (Wolfs.) Samstags gegen 6 Uhr wurde im hiesigen Parkhotel der Neffe des früheren Frühjahrs'Neuhaiten » Schiffmann II. TaborstraSe 48 Teleahon 47«1« 76 Engros En detail EEBHBHHHH^'' *

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