Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2221 (27.4.1925)
- Date
- 1925-04-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wien: Zum Abholen in det Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Versehleisstelle 'Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma 0 o 1 d sch m 1 ed, ]., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch echo- Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Fres. IS Nadu#nfen bei Pnlt* «r|Shaa|ei verMuliea Sr. 2221 Wiener orgeiyeitung I Preis 20 ul En gl and: Mon. 4 Schilling, Italien: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170Lei, ßni garten: Mott. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, Ü.Taborsir.l Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX, Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Wien. Montag 27. Avril 1925 Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang Präsident Hindenburg Mit etwa einer Million Glimmen Mehrheit gewühlt. Verhandlungen zwischen England und Frankreich. SSr Weimar: 14 Millionen. Segen Weimar: 15 Millionen. Kommunisten: 18 Millionen. B e r I i n, 27. April. HiudenSurg ist gewählt. Seine Mehrheit ist teils aus den gefallenen Zentrumsleuten lm protestantischen Osten, teils ans Bayern gekommen. Die Wahlenthaltung der sächsischen Sozialdemokraten hat ihm sehr viel genützt. 80 bis 85 Porzent des Volkes haben gewählt. Diese große Wahlbeteiligung stärkt selbstverständlich die Autorität des neuen Präsidenten, der mit fast einer Million Stimmen vrehrheit gewählt wurde. Die Wahlen zeigten sich in den großen Städten sehr stürmisch. Am ärgsten ging es am Abend in Berlin zu, wo;twa hundert Personen verletzt Wurden. Die Hakenkreuzler „eranstalteten schwere Exzesse. Polizei und Feuerwehr mußte aufgeboten werden. Im ganzen wurden abgegeben: Für Hindenburg 14,639.927 (am 20. März 10,387.323) Stimmen. Für Marx 13,740.489 (11,669.354). Für Thaelmann 1,789.420 (1,869.553). Sie Wahlergebnlffe. Berlin, 27. April. Um 4 Uhr morgens liegen folgende So Resultate,vor-:' -■ Ostpreußen: Hindenbuvg 575.900, Marx 155,988, Weser-Ems: Hindenbttrg 334-960, Marx 355.104, Lha-clman-n 22.971. ' Lc i p z i g: Hindenburg 331.649, Marx 276.000. Liegnrtz: ,Hm«dcnburg 321.027,. Marx 298.689, Thaelmann 16.647. O b e r b a y e r «n -Sch w a b e n: Hindenburg 630.000, Marx 306.000, Thaelmann 26,509. - Württemberg: Hindenburg 544.122, Marx 587.961, Thaelmann 57.040. 'V''". Zwickau: Hindenlbnvg 490.270, Marx 251.000. Hesfen - Na f f a u: Hindenburg 461.783, Marx 737.330, Thaelmann 95.021. K ö l n - Aachen: Hindenburg 212.000, Marx ,670.000. ' ' ' ■ Baden: Hindcnburg 375.283, Marx 635.773, Thaelmann 41.499. Hesseu-Darmstadt: Hindenburg 274.323, Marx 360.216. K o b l e n z - T r i c r: Hin-eniburg 168.148, Marx 362.724, Thaelmann 13.993: Düsseldorf-West: Hindenburg 253.000, Marx 456.000. Düsseldorf-Ost: Hindenbu rg 408.795, Mar 442.430, Thaelmann 147.530. München: Hindenburg 195.394, Marx 115.01k Thaelmann 13.400. Frankfurt a. d. Oder: Hindenburg 532.77( Marx 368.698, Thaelmann 25.513. Magdeburg: Hindenburg 485.000, Marx 450.00C Breslau: Hindenburg 451.181, Marx 520.66k thaelmann 23.354. Chemnitz-Zittau: Hindenburg 490.272, Mar 284.993, Thaelmann 138.853.; Ostpreußen: Hindenburg 575.900, Mar 155.988. P 0 m m eru: Hindenburg 658.415, Marx 225.87L Thaelmann 42.838. Merseburg: Hindenburg 412.100, Marx 355.104 Schleswig-Holstein: Hindenburg 477.491 Marx 263.252, Thaelmann 36.181. 16419*™ 2--Weser: Hindenburg 334.960, Mar Westfalen (Süd): Hindenburg 471.783, Mau 737.230, Thaelmann 95.021. Barmen: Hindenburg 55.673, Marx 33.469 Thaelmann 10.456. Pfalz: Hindenburg 166.818, Marx 179.425, Thaelmann 22.195. Berlin: Hindenburg 384.000, Marx 654.000, T haelmnnn 164.800- Hamburg: Hindenburg 294.506, Marx 281.624, Thaelmann 68.804; ' ' Thüringen : Hindenburg 620.907, Marx 392.406, Thaelmann 110.146. . , . . . . . Rechts und Iftite. Berlin, 27. April. Obwohl anläßlich der gestrigen Wahl sämtliche Blätter Extraausgaben veranstalteten, wird das Wahlergebnis nur von' wenigen Zeitungen besprochen. Dabei zeigt sich in den Organen der Rechten natürlich großer Siegesjubel. So ruft der „Lokalanzeiger" aus: „Ein überwältigende Ergebnis, ein Ergebnis, an das man doch gar nicht zu denken wagte, ein Sieg, der feine ungeheure Zukunftskraft für Deutschland erweisen wird. Aber jetzt heißt es nicht, sich in Siegesjubel W verlieren, sondern den Tatsache« in ihrer Gesamtheit ins Auge zu schauen. Wir wollen keine SiejMsanfaren blasen. Wir wollen uns klar darüber sein, daß dieser neue Sieg der nationalen Sache für uns nur die Grundlage zur Weiterarbeit am Wi.eüeraüfbau des BlaLerlandes An darf." ■ v/* -;/t ‘ ■ Dis „Deutsche Zeitung" meiyt: „Mit' vtelchM Stolz das Nationale Deutschland die ' WahlHindenburgs äirfgenommen hat, vermag man mit Worten kqum auszüdrücken. Mit der Reichsprästdentschast " Hindenburgs beginnt für Deutschland tatsächlich e r n e n e n e Z e i t." In der „Zeit" S t r e s e m a n n s heißt es: „In demselben Maße, in dem Hindenburg in die Oeffentlichkeit getreten ist, hat sich das Ausland davon überzeugen muffen, daß die Linkspresse mit ihrem verantwortungslosen Tun und Treiben ein ganz falsches'Bild dieses Mannes zeichnete. Hindenburg hat' sich unzweideutig auf den Böden der bisherigen Außenpolitik gestellt, so daß man im Ausland von der Weiterführung der bisherigen Linie auch unter Hindenburgs Präsidentschaft durchaus überzeugt sein kann." Der „Vorwärts" nimmt für seinen Artikel die Ueberschrift: „Von Thaelemanns Gnaden." Das sozialdemokratische Zentralorgan schreibt: „Arme Reichsregierung! Armer Stresemann! Arme Bolkspartei! Kommunistenverrat an der Republik!" Bestürzung in London. Paris, 27. April. Der „N-w-Zork serald meldet aus London, daß die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten eine wahr« Bestürzung hervorgemfen habe, und zlvar nicht nur beim Publikum, sondern auch im Auswärtigen Amt, wo man allgemein an den Sieg Marx' geglaubt hatte. Die Regierung habe die Absicht, unverzüglich mit der französischen Regierung in Verbindung zu treten, -um die durch die Wahl geschaffene Lage einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Painleve und Briand kommen «ach London. Par i s, 27. April. Die Pariser Ausgabe des „Daily Mail" veröffentlicht ein Interview mit Painleve, der erklärt, daß er den lebhaften Wunsch hege, sich demnächst nach England zu begeben. Auch Briand werde nach London kommen. Die franzMche Prelle. Paris, 27. Apvvl. Die Wahl H i n de n b u r g s 5 n m Reichspräsidenten hat hier allgemein überrascht, oblvohl man in den letzten Tagen mit einem Vorsprung Hindenburgs gerechnet hotte. Man hat sich darüber Rechenschaft gegeben, daß der et-was mystische Nimbus des Siegers von Tannenberg eine einzigartige Werbekraft darstellt, die insbesondere bei den romantischer veranlagten Frauen gewirkt hat. Die Wahl Hindenburgs wird denn auch außer der k 0 m m un i st i is ch e n Diversion vor allem de» beut s ch e n W ä b l e r i 1111 e n ungeschrieben. OJulmrAiiAwi * MÄH* bllllgltl! beenwaren m««»»»«« VW1WU ■* *** wu Telephon 95-4-38 5096 Die nationalistische Presse sieht bereits die Rückkehr des Kaisers voraus. Die Linkspresse ist etwas zurückhaltender, zeigt aber doch starken Pessimismus. Einzelne Blätter weisen-darauf hin, daß mit Hinzuzählung der kommunistischen Stimmen sich doch eine «deutliche Mehrheit des deutschen Volkes für die Republik entschieden Hab und daß dieser Umstand es Hindenburg verbieten müsse, sich in abenteuerliche Experimente zu stürzen. Deutschland mache nunmehr mit Hindenburg 'dassolbe Experiment durch, wie seinerzeit die französische Republik m i t d e ni General Mac Mahon. Wenn man auch nicht unmittelbar äußere Komplikationen befürchtet, so hott man es doch nicht für unmöglich«, daß die «deutschen Monarchisten unter Berufung aus ihre große Stimmenzahl zu neuen Provokationen schreiten würden. ,Mcho de Paris" bezeichnet es als naiv, wenn man Hindenbu r g schlechtwegs als Symbol des Krieges und Marx als das des Friedens bezeichnet. Beide seien in gleicher Weise vom Revancheg e danken beseelt und stellen lediglich verschiedene Methoden dar: Doch bedeute die Wahl Hindenburgs die Abkehr vom Sozialismus, dessen Mißwirtschaft die Reaktion begünstigt habe. Man müsse jetzt aufhören, noch weiter von einem deutsche« Garantieveptratz zu sprechen. Äotah gegeu Fraukreich. " :i Rew-Aork, 27, April. Senator Bor ah, der Borsitzend der' Autzenkommission des Senats veröffentlicht einen Artikel über die ff r a nzosischen Kr U gS schuld eit, in welchem er sich gegen jedk AnnuMerung oder Herabsetzung ausspricht. Frankreich befinde sich.in einer besseren wirtschaftlichen Lage als irgend eine andere europäische Ration. Cs habe keine Arb e i t s l «o s e n nnd seine Bevölkerung sei nn allgrmeinc>- woWabeüd. ' - Sefterreich «ud drr BMerbuud. Paris, 25. April. In Besprechung des bevovstehenden Bölkerbündgutachtens über'die Wirtschaftslage Oesterreichs und die Notwendigkeit einer Verbesserung >des Güteraustausches in M itteleuropa erklärt heute die Agency H a v a s, die Strmnren, die ln der Tschecho-Slowakei gegen diese neue BAkerbundaktLonlaut geworden seien«, fänden durchaus nicht allgemeine Gefolgschaft. Es gebe^ genug Wirtschaftspoliitiker in der Dschecho-Slowaker, die eine Verbesserung der wirrschaftli chen Beziehungen mit Oesterreich auf das lebhafteste begrüßen. Man erwarte, däß der Besuch des t s ch e ch o - s l o -w okischen Auhenministers Dr. Benesch in Wien, der binnen kmzem erfolgen soll, sehr günstige Wirkungen zeitigen werde. Es sei zu hoffe«», daß Dr. Benesch, der die Lage richtig beurteile, und wohl wisse, daß die Existenz Oesterreichs für die Nachbarn eine Garantie des Friedens bedeute, mit seiner hervorragenden Autorität die Opposition dertschecho-slowakffchsn Großindustrie und ihre Presse aufklären und überzeugen werde. Ernste Schwierigkeiten drohen noch von u n g arischer Seite, doch sei anzunehmen, daß man in Bu- «dapest nicht rnn allzu hochgespannter i nd ustriell ei Aspirationen willen den Ausbau d^r mitteleuropäischen Wirtschaftsmöglichkeiten werde stören wollen. Die Agvnce Havas bezeichnet es als besonders glücklich, daß der jugoslawische Außenminister N in eie fiir bal enge wirtschaftliche Zusammenwirken der kleinen Staaten Mitteleuropas smtrete. Das großzügige Werk, das >der Völkerbund murineh» zu voMbingen haben, fährt die Agence HavaS fort, sei vor größter Bedeutung und müsse günstige Folger zeitigen. Dem Völkerbund sei eS gelungen die fi«nanzielle Sanierung Oesterreichs und Ungarns zu vollbringen. Nun sei er seine Aufgabe, das wirtschaMche Gle lüge wicht in Mitteleuropa 'herzustellen.^ Es geh» um die Autorität und daS Prestige dei Völkerbundes. Es sei Mlbed'vngt geboten, daß all' Länder, die tn Genf vertreten find, sich von der kapitate, Wichtigkeit des WirtschastSProbbems, mit dem sich d« Völkerbund im Interesse ganz Mitteseuro^iö zu b» fassen hat, Rechenschaft