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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-26 · Heft 2220 (26.4.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2220 (26.4.1925)
Date
1925-04-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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April 1925 7. Jahrgang Marx oder Hindenburg. Bor -er kntscheidung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berli n, 25. April. Am heutigen letzten Tage vor der Keichspräsidentenwahl steht die ReichShauptfiadt vollkommen im Zeichen der Wahlpropaganda. Die Fluten der . riesigen Wahlplakate, die noch bei den letzten Wahlen alle freien Wände, Mauern, GartenzSune und sogar Fensterscheiben bedeckten, sind in^ diesem Wahlkampf stark zurückgegangen. Nur noch an den Anschlagsäulen sieht mau diesmal solche Plakate. Ab und zu sieht man in den Fenstern das Bild eines Kandidaten, umrahmt von den Zahlen, die der Parteizugehörigkeit des Kandidaten entsprechen. Neuartig ist diesmal ein regelrechter Flaggentvettkampf, per in ganz Berlin ausgetragen wird und bei dem sich Hausbewohner gegenseitig durch sch w arz-w ei tzrot e, beziehungsweise schwarzr o t - g o l d e n e Fahrten bekämpfen. Bon den Fenstern und Balkonen flattern irberall grShere und kleinere Fahnen in großer Anzahl. Die Siratzenpropaganda hat ihren Höhepunkt erreicht. Bon zahlreichen Personen- und Lastkraftwagen werden Tausende von Flugblättern unter die Stratzenpassanten geworfen. Wieder sind ebenso wie beim letzten Wahlkampf die Hauptverkehrsstraßen und die Plätze unter einer wahren. P a p i e r f ln t begraben. In den Abendstunden durchzogen alle möglichen Trupps, namentlich jugendlicher Leute, Pie Straßen unter Mitfiihrung zahlreicher Fahnen und unter Absingung politischer Lieder. Honte abends findet noch als letzte Parteikundgebüng eine vom B o l k s b l o ck veranstaltete Massenversammlung im Sportpalast statt, an die sich ein Massenzug des Reichsbanners ichwarz-rot-gold anschließen wird. Revolver-Agitation für Hindenburg. Eine blutige Schlägerei in Berlin. Berlin, 26. April. (Wolfs.) Heute mittags kann es in Schöneberg zu einem Zusammenstoß zwischen einem Plakatträger der deutschnaiionalen Partei und Angehörigen des Reichsbanners, die sich aus einem mit Plakaten beklebten Möbel wagen befanden. Als die Angehörigen des' Reichsbanners den Planträger, de>m Landwirt R.h e n t g, das vom chm getragene H i n de nburg-Bild entreißen wollten, gab er zunächst einen Warnungsschuß ab. Als man werter aus ihn eindvang, gab er noch zwei Schüsseab. Ein Angehöriger des Reichsbanners namens Erich Schulz, wurde getötet, ein anderer schwer verletzt. Der Täter wurde verhaftet. Die Untersuchung ist im Gange. Nach einer Meldung des „Lokalanzeigers" aus Dortmund ist bei einem Zusammenstoß zwischen Angehörigen des Jungdeutschen Ordens und Mitgliedern des kommunistischen JungsturmeS der jungdeutsche Ordensmann Heinrich Keller durch einen Schuß getötet worden. Zwei der Tat verdächtige Kommunisten wurden verhaftet. Lndendorff an der Spitze der MordverbSnde. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 25. April. Im Zusammenhang mit der Nachricht, Ludendorff habe die Absicht, nach Berlin zu übersiedeln, falls Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt würde, will das „8 - Uhr - Abendblatt" hören, daß die Führer der völkischen Bewegung beabsichtigen, die völkische Bewegung nach Berlin zu zentralisieren und wieder vollkommen auszubauen. Die Verlegung der völkischen Zentrale nach Berlin hänge mit der beabsichtigten Uebersiedlung Ludendorffs zusammen, da Ludendorff glaube, daß er als der kommende einflußreiche Berater des Reichspräsidenten die Hakenkreuz l e t Organisationen neu und ganz anders werde organisieren und leiten können. Es sei, so berichtet das Blatt weiter, den unterrichteten Stellen nicht entgangen, daß in den letzten Tagen die vö.lkische Bewegung einen neuen Auftrieb dadurch erhalten habe, daß die Hakenkreuzlerführer' von den befreundeten deutschnationalen Organisationen, b e st im mte Zusi ch e ru ng e n erhielten Die deutschenationalen Bruderparteien hätten den Rechtsradikalen für den Fall eines Sieges HindenVurgs große Versprechungen bezüglich des Wiederaufbaues der rechtsradikalen Organisationen gemacht. Vorkehrungen in Berlin. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 26. April. Zur möglichst schleimigen Bekanntgabe der Wahlvosnltate bei dev morgigen Präsidentenwahl sind auch diesmal wieder die umfassendsten Maßnahmen getroffen worden. Alle technischen Hissmittel, vor allem die Radiotelogvaphie mit rissigen Lautsprechern, dann aber auch die Lichtreklame und die Kinematographie werden in feen Dienst der Nachrichtenbokanntgabe gestellt. > - Die einzelnen Zeitungen halben nicht nur vor ihren Verlagshäusern, sondern auch auf einer ganzen Anzahl öffentlicher Plätze riesige mit Leinwand-überzogene Transparente errichten lassen, aus denen mit Hilfe von Scheinwerfern die Einzelresultate bekanntgegeben werden. Die Polizei hat einen umfassenden Sicherhertsdienst organisiert und auf den großen Verkehrs- Plätzen einen besonderen Krimina'lbeamtendienst eingerichtet, um irgend welche Ausschreitungen, die sich unter Umständen an die Bekanntgabe der Wahlergebnisse knüpfen könnten, im Keime zu ersticken. «□■□«□■□■□■OBOMamoMoaaaoaoaiEiiHiiiaaHaHaM 8 BERLINER 8 ' STADTHÄUSER 8 zum sofortigen Abschluss zu kaufen gesucht. Q □ Grösse, Friedensmiete, Lastenangabe erforderlich □ 5 I. 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Mehr als 2000 jüdische Manifestanten waren zu seiner Begrüßung am Bahnhof erschienen. Auf eine Frage erklärte Lord B a l f o u r: Mein Besuch in Jerusalem hat mich .mit Vertrauen in die Zukunft des Zionismus erfüllt. Das Problem ist jetzt in eine praktische Phase getreten. Wenn sich die Agitatoren ruhig verhielten, so könnte man rasch zu ein< Einigung gelangen. _ Aotiernng der russischen Papiere in Paris. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 25. April. Seit einiger Zeit sind a>n der Pariser Börse Bestrebungen im Gange, die Kurse der ru s s i s ch e n Wertpapiere wieder zu notieren. Man nimmt' an, daß hinter diesen Bemühungen die Sowjetboischaft.steht. ' Der Verband der Rußlandgläubiger 'hat aus diesem Grunde einen Brief an den Finanzminister gesandt ungleichzeitig eine Untersuchung gefordert. Es wird erklärt, daß in Frankreich vier Millionen Inhaber von russischen Werten vorhanden seien und daß es sich somit um eine Frage von nationaler Bedeutung handle. Beschränkte Zulassung der Privntindnftrie in Rntzland. Moskau, 2«. April. (Russ. Tcl.-Ag.) Dirussisch- R-. gierung hat einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der die Gründung privater Jndustrieunternehmungen mit nicht mehr als 200 Arbeitern zuläßt. Bei Abschluß von Konzessionsverträgen werden mit Erlaubnis der Gouvernementsbehörden mehr als 200 Arbeiter zugelassen. Sie Annullierung der SachaNuMommen». Moskau, 24. April. (Rufs. Tel.-Ag.) Die Siüelair- Naphtha-Gesellschaft hat gegen das Urteil des Moskauer Gouvernementsgerichtes, daS den Vertrag über das Sachalin-Abkommen annulliert, Berufung eins gelegt. Keine Räumung Kairos. London, 24. April. (Wofff.) Der diplomatische Kor» refpondenten des „Star" erklärt, o f f i z i e l l e r m ä ch t i g t zu sein, die in London veröffentlichte Meldung, wonach die Räumung Kairos durch die Engländer ins Auge gefaßt sei, zu dementiereu. > Lie Lemisssion des PMVenten von Portugal. Lissabon, 25. April. (Havas.) Der Kongreß hat mit 106 gegen 14 Sttmmen einen Antrag der Partei der republikanischen Aktion angenommen, worin dom Präsidenten Texeiva Gomoz die Shmpathien. des Kongresses ausgedrückt toerden. Eine Parlamentarische >. Abordnung drang in -ihn, s e i n e D e m i s s i o n zurückzuzuziehe n. Der Präsident erklärte, daß er dem Willen des Parlaments entspreche, SCHLOSS- Schönster Ausflugsort Wiens! ERÖFFNUNG 1 MAI t

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