Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2219 (25.4.1925)
- Date
- 1925-04-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 Polen:LSdroszyi Wl en: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, Seiner Verschleisstelle ) monatl. 5 Schilling •nverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1 K Wolizeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich i 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Qm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Ntttaahlangea bei Preis« •rhflhaagee Vorbehalten Rk. 2219 wem das mühelose ParketUGlanzmittel ErhUiüch hi allen einfdiligltfen Gtfchlften MAI Keu+uumzmuzet I w flrTnog'\S>l atn ♦ \% iLÜfiOj. d Evlener mg® oratimituim IPreis 80 ul England: Mon. 4 Schilling, Italien: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, ü. Taborstr. t Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrassc 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Kin Duell mit Gott. str. Wie«, 25. April. Wilhelm der Zweite, von Gottesgnaden Kaiser, tzls solcher im Herzen von mehr als fünfzig Millionen thronend und nur durch unliebsame militärische Zwischenfälle zu vorübergehendem Aufenthalt in Holland gezwungen, hat einen Erlaß, und zwar einen sehr scharfen, gegen Jehovah gerichtet. Er bezeichnet den verd.... Judengott, der sich ans dem Alten in das illeue Testament hinüber geschmuggelt hat, als den Urgrund allen deutschen Nebels. Jeden Sonntag den irumben Deutschen in kleineren oder größeren Portionen eingespritzt, wirk: dieser Jndengott wie schleichendes Gift. Er lähmt die Nerven und zehrt an den Muskeln, macht schlapp und feig. Kleinliche Schnüffler bähen ausgetüftelt, daß Ludendorff und Tirpitz den Krieg verloren, daß seiner erhabenen Majestät allzu weit geöffneter Mund, daß Maisbrot und Rübenwasser and die verfluchte Arithmetik mit ihrem „Zwanzig ist mehr als Vier" die Niederlage verursacht haben. Alles Lügen! Der alte Judengott, welchen man dummerweise bor neunzehnhundert Jahren als Kompagnon in die kreue Christenfirma übernommen Hatte, der alte Judengott hat die blonden Köpfe der deutschen Herrenmenschen im Kriege umnebelt, dem deutschen Heldenvolke ein Bein gestellt und den Dolch in den Rücken gestoßen, damit seine beschnittenen Hebräerkmder ihr gutes Geschäft machen. Rrauß mit dem alten Judengott! Majestät befiehlt! Schade, daß Majestät derzeit nicht in Potsdam sitzt. Da hätte man nicht lang gefackelt, hätte ritten Leutnant und zehn Mann geschickt und der freche alte Judengötze wäre im Bogen, hinausgeflogen, aber geschwinde, Ms dem Neuen Testament ins Me. Kern' preußischer Hund hätte aus den Händen dieses Individuums noch einen KUochen genommen. So - aber sitzt Majestät in Holland und muß polemische Artikel gegen Jehova schreiben, wie irgend ein schäbiger Zeitungsprolet. Verfluchte Juden! $ Im Kampfe Wilhelms gegen Jehovah liegt viel preußischer Sinn, Sinn für Organisation der Arbeit, (Sinn für rationelle Kräfteverteilung. Politiker, Zeitungsleute, Hakenkreuzler und die anderen dienstbaren Mannen werden gegen das jüdische Menschengesindel losgelassen. Der Kampf gegen den Oberjuden Jehovah bleibt dem Oberdeutschen Wilhelm Vorbehalten. So kann die dem Gottbegnadeten innewohnende heilige Kraft bei der Judenschlägerei nutzbar verwendet weäen. In die Niederungen der Gummikuüppelei und der Ritualmordfabrikation kann des Kaisers Majestät nicht gut hinuntersteigen. Aber einen Gott zur Strecke bringen e—' wenn's auch nur ein Gott lausiger Juden ist, so doch ein Gott—, das ist ein majestätisches Geschäft. Wenn Jehovah Sinn für Humor und ein zur Heiterkeit neigendes Gemüt hätte, müßte es ihm im Kampfe mit Wilhelm übel ergehen. Lachkrämpfe brächten ihn zu Boden, wenn Wilhelm der Schreckliche als streitbarer Religionsphilosoph in den Ring tritt. Aber der alte Judengott hat immer auffallend wenig Sinn für Heiterkeit gezeigt. Willem, Willen:, nimm dich in acht! * Daß der pudelnarische Wilhelm sein Pudelnärrischestes Mätzchen gerade während der Präsidentenwahl vorführt, erfüllt die Republikaner mit Behagen. Genauer und/vorsichtiger gesagt: Die Leute, welche für Marx und gegen Hindenburg sind, denn bei der Verleihung des Titels „Republikaner" an Deutsche kann man nicht zurückhaltend genug sein. Diese Leute glauben,, daß die Kapriolen des kaiserlichen Herrn dem kaiserlichen Diener Hindenburg Stimmen rauben, daß einigen Leuten die Augen aufgehen werden. Sie täuschen sich. Narrheit und Gemeinheit des Monarchen hat der monarchistischen Stimmung nie Abbruch getan. Wenn dem so wäre, gäbe es ja keine monarchistische Idee mehr. Und bei deutschen Monarchisten spielt die Geistes- und Gemütsverfassung des Kronenträgers schon gar keine Rotte. Der Deutsche zieht den Hut vor der kaiserlichen Kutsche und vor dem kaiserlichen Palast, auch wenn niemand drin sitzt, wenn die Herrschaften, auf Reisen sind. Er braucht den Stiesel im Nacken. Der Stiefel ist die Wir«. Samstag, rs. April 1925 Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. ffahrgang Deutschland im Wahlfieber. Die letzte« Rede» der Kandidaten. (Eigendienst der „Wiener Morgevzeitung".) Berlin, 24. April. Die beiden Kandidaten für die Roichspräsidontenwahl, Hindenburg urü> Doktor Marx, hielten heute abends im Rundfunk Reden, die über ganz Deutschland verbreitet wurden. Als erster sprach Hindenburg, der seine Rede von seinem Arbeitszimmer in Hännober hielt. Er führte unter anderem aus: Die letzten .Jahre hätten leider nur immer Trennendes und nichts Einigendes gebracht, und doch tue dem deutschen Bolle nichts so not wie Einigkeit. „Dem deutschen Bolle ift", fuhr Hindenburg fort, „der Glaube an sich selbst verloren gegangen. Wir dürfen uns aber dieser Stimmung des Verzichts nicht hingeben. Im großen Wettstreit der Böller um die Förderung ud Veredelung der Menschheit darf keine Nation freiwillig ihren Platz verlassen. Wir wollen die Kräfte -der Nation sammeln und einsetzen, um durch diese wieder hochzukommen. Deutschland ist in der großen Entscheidung des Weltkrieges unterlegen. Das ^deutsche Voll ist entschlossen, dieser Tatsache Rechnung zu tragen und die daraus entstandenen Folgen auf sich zu nehmen, bis zu der Grenze, die d u r ch dieunbedingten Lebens not Wendigkeiten seiner selbst gezogen ist. Durch die internationalen Vereinbarungen der letzten J-aihre ist eine Grundlage geschaffen worden, aus der. versucht -werdenmußden PerMchtungen Deutschlands aus dem verlorenen Kriege gerecht zu werden. Erweisen sich im Verlaufe der lommonden Jahve die üibevnommenen Verpflichtungen als u ndurchführbar, so werden wir in friedlichem Zusammenarbeiten mit anderen Nationen nach besseren Lösungen zu suchen Hafen. Wenn bei allen Böllern der Erde ruhige Ueberl-egmig zu ihrom Rechte kommt, wird und muß cs möglich fein, in friedlichen Vereinbarungen Lösungen zu finden. Ich erkläre vor der ganzen Welt, daß es immer mein heiligstes Bestreben fein wird, neueKriegssch recken fern zu halten und den Kriegsopfern der Vergangenheit nach allen Kräften zu helfen." Eine Stunde, nachdem Hindenburg gesprochen hatte, kam um 9 Uhr abends, von Nürnberg, der frühere Reichskanzler Dr. Marx zu Worte. Er führte au": ,Zur nationalen und wirtschaftlichen Erholung des deutschen Volles■ gehört eine friedliche Entwicklung Europas. Die Wohltat einer stabilen Wahrung, einer neuen Anknüpfung internationaler Wirtschaftsbeziehungen, kurz alles, was immerhin nach dem furchtbaren Ruhrka-mpf langsam erreicht worden ist, war nur durch eine friedliche Entlastung der europäischen Politik möglich. Das Deutschland der nationalen Demokratie, das -neue Deutschland hat diese Fortschritte erzielt, und ein gewisses Vertrauen, das wir nichtleichtfertig aufs Spiel setzen dürfen. Die demokratische Staaisform verhindert, daß die eine Klasse durch die ändere unterdrückt werde. Wir brauchen zu unserer wirtschaftlichen Erholung den Beistand mächtiger auswärtiger Staaten, wir brauchen einen europäischen Friede«, damit uns die Luft zum Atmen bleibt. Das gesamte politische und ' wirtschaftliche Denken dieser Länder", fuhr Dr. Marx fort, „ist geradezu gewohnheitsmäßig demokratisch. Wir dürfen in dieser Welt nicht wie ein Fremdkörper da» stehen. Wer über Deutschlands xukunft mit heißemt Herzen, aber gleichzeitig mit kühlem Kopfe sich eine Meinung bill-en will, kann keine berauschenden Worte machen. Er kann nur wiederholen, daß wir Gegensätze auegleichen müssen, -was vor allem auch auf konfessionellem Gebiet gilt. Die übergroße Mehrheit unseres Volles will in de. sonnener Arbeit neueWege suchen zu neuen Zielen für Deutschland und für Europa." Die Wirkungen der Kandidatur Hindenburgs. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 24. April. Im Zusammenhang mit öem Wahlkampf veröffentlicht die „Bossische Zeitung" unter der Ueberschrift „Heraus mit der Wahrheit" eine Mitteilung, wonach dem Auswärtigen Amt seit einigen Tagen höchst interessante Berichte der Vertreter des Deutschen Reiches im Ausland vorlägen, die sämtlich darin übereinstimmen, daß die Ausstellung der Kandidatur H i n d e n b u r g s' die schwerste Gefährdung der gesamten deutschen Außenpolitik dafftelle und eine Wahl Hinidenburgs einer Katastrophe für das deutsche Voll gleichkäme. Die Berichte lauteten gleich Pessimistisch aus allen Ententestaaten, aus der Schweiz, aus Wien, Budapest, Warschau, Stockholm. Das Blatt fordert, daß diese Berichte von der Regierung der Oeffentlichkeit übergeben werden. An zuständiger' Stelle wird erklärt, es -seien allerdings ungünstige Berichte eingelausen, daneben aber viele andere, die über einen günstigen Eindruck der Kandidatur Hinden- Lurgs berichten, je nach der parteipolitischen Einstellung -des betreffenden Gesandten. Christlich und antichristlich. Berlin, 24. April. Die dem Rechtsblock nahestehenden Blätter veröffentlichen ein Schreiben des früheren Reichskanzlers Dr. Enno, der die Ruhrokkupation provoziert hat, an Dr. I a r r e s über die Präsidentschasiskandidatur Hin-» denbuvgs. Cuno evklätt darin: So wenig Wasser mit Feuer gemischt werden könne, so wenig könne er, Cuno, sich von einem Zusammengehen einer christlichen und einer antichristlichen Partei Gutes Versprecherl. Der Umstand, daß Marx nur gewählt werden könne,, wenn zwei Drittel seiner Stimmen ihm aus dem sozialdemokratischen Lager zufielen, würde zu einer dauernden Abhängigkeit seiner Politik von sozialdemokratischen Wünschen führen. Cuno bezeichnet es deshalb als G e w i s s e n Zpflicht eines deutschen Katholiken, die Stimme Hindenburg zu geben. _ Rußland liißt feinen Waffenhandel nicht kontrollieren. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Rom, 24. April. Wie die offiziöse Agenzia di Roma meldet, hat T s ch i t s ch e r i u dem Völkerbund telegraphisch die Weigerung Sew jetruß lands übermittelt, an der bevorstehenden Konferenz für die Kontrolle des internationalen Waffenhandels teilzunehuven. Das Telegramm erklärt, Rußland könne die Autorität des Völkerbundes bei seirrer jetzigen Zusammensetzung nicht anerkennen und mit ihm in einer Frage nicht Zusammenwirken, die die Einmischung in die inneren 4 Angelegenheiten der Sowjetrepublik bedinge. Hauptsache, wer drin steckt, ein Held oder Gauner, ein Genie oder ein Tölpel,, das ist ihm nicht wichtig. Ein Stiesel muß es sein! Wilhelms Possen werden Hindenburg auch nicht eine Stimme rauben. Die Marx-Leute täuschen sich arg. Ui>ü auch die hinter ihnen stehenden deuffchen Juden tauben sich, wenn sie damit rechnen, daß durch die überlebensgroßen Dummheiten des Antisemiten Wilhelm dre antisemitische Reaktion selbst kompromittiert und geschwächt wird. So dunnn war noch kein Kerl im Deutschen Reiche, als daß er nicht Beifall gefunden hätte, wenn er gegen Juden losgegangen ist. Mag er sich dabei noch so albern gebärden. Frühjahrs-Neuheiten lim Schiffmann II. Taborstraße 4S Telenhon 47»l»7f* En gros Bn delaü