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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-22 · Heft 2216 (22.4.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2216 (22.4.1925)
Date
1925-04-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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GM ss tffif«#, "BIWoH " WlerlS« M ZS. April 1955 ' ' ~~ Nr. MV hören! ... In der Musikschule von Hopenko, wo ich unterrichte, wollen die Knaben und Mädchen dem Besitzergreifen der altncuen Heimat musikalischen Ausdruck verleihen. Es ist schon eine Zahl solcher Lieder und Rhapsodien entstanden." „Wer macht hier ernste Musik?" „Gn essin. Er ist sehr talentiert. Jetzt arbeitet er an einer Oper." ,Hst denn überhaupt eine hebräische Musik im Entstehen? Bon der man sagen könnte: eine palästinensische. Wie Griegs eine norwegische, Verdis eine italienische ist?" „Ja, das gibt Ji schon." „Und ihre Motive . . .?" „Wie die der „Königin von Saba" . . . Hauptsächlich öremalische, mitunter aber auch lyrische. Heiß und aufwirbelnd." „Singen Sie mir doch etwas vor." „Hier kann man nicht . . . Die Schläfer werden erwachen . ., Kommen Sie, gehen wir zu den Orangengärten." Dir verlassen die letzten Häuser und biegen auf die Landstraße ein. Der Himmel leuchtet'mit lausend Sternen. In der Ferne dröhnt das Meer. Aus den Orangenheinen duster es süß. Millet intoniert: „ . . . g . . . a . . . h . . Dann halt er eine Minute Pause und sagt den Titel: „Misrach" von Awigdor Hameiri . . Und dann tönt schon mit voller Kraft die starke Stimme. In Dur. Aus de» Theatern. borgen, 7 Uhr abends, »Die Spielereien einer Kaiserin". Montag „D a S Wintermärchen". Akademietheater. Montag, 7,8 Uhr abends, .Der Onernlan t". V o l k S o p e r. Heute „HoffmannS Erzahl« » g e n". Morgen „Gräfin Mariza". DenticheSVolkStheater. Heute, Freitag und Montag Max Pallenberg als Johannes Zawadil in „Familie Sch i m e V, morgen in ,L i l i om". Die österreichischen Uraufführung von Karl HauptmannS burlesker Tragödie „Tobias Buntschuh" (Titelrolle Max Pallenberg) findet Samstag, 7,8 Uhr chendS, statt. Kamm erspiele. Direktor Geyer hat Gisela Werbezirk für ein Gastspiel verpflichtet. Frau Werbezirk wird am Dienstag die Kathi Pick in „Frau Pick in Audienz" spielen. Modernes Theater. Maria O r S k a tritt heute zum letzten Male in „Schloß Wetter st ein" auf. Freitag Uraufführung von Felix Fischers und Oskar FriedmannS „D i e große T r o m m e l", eine lebende Zeitung in zehn Bildern. Donnerstag bleibt das Theater wegen Vorbereitung zu dieser Premiere geschloffen. Rolandbühne. SamStag, 8 Uhr abends, Erstaufführung von Grünbaums „Rund um den Mittelpunkt". Renaissaneebühne. Morgen, zum 25. Male, „DaS verschlossene Parodie s". Theater an der Wien. Sonntag, 3 Uhr nachmittags, „D e r O r l o w". Bürgertheater. Bis FrÄtag „Ein Herbstm a n ö v e r". Ab Samstag.„Gräfin Mariza". Beginn 7 Uhr. Lustspielthea t e r. - Freitag Erstaufführung des Schwankes „Sie soll deiuHerrseiu" von Alexander Engel. _ Burmester und Friedmann an der Wiener Mufikakademie. Dr. Marx, der Rektor der Hochschule für Musik, ist gegenwärtig bemüht, einige erstklassige Künstler gu gewinnen. Burmester und Ignaz Friedmann häton sich bereit erklärt, einer Berufung Folg.e zu leisten. Mit Professor Sauersind die Verhandlungen noch im Zuge. Felix Weingartner Dirigent der nächstjährigen philharmonischen Konzerte. Das Komitee des Vereins der Philharmoniker teilt uns mit, daß Felix Weingartner sich bereit erklärt hat, sämtliche acht Konzerte in der nächsten Saison zu dirigieren. Das Komitee -hat heute vormittags eine Sitzung abgshalten und mtt größtem Dank zugestimmt. Madame Simone, die bedeutende französische Schauspielerin, eröffnet ab 6. Mai im Neuen Wiener Stadttheater em auf 16 Tage berechnetes Gastspiel. Ihrem Ensemble gehören durchwegs erste Kräfte Pariser Bühnen an. Der Vorverkauf beginnt am 24. d. Commendatore Mattia Battistini wird über Einladung der Leitung der Ravag im Rahmen der heute um halb 9 Uhr ajbends beginnenden Konzertakademie den Radiofreunden seine ydhe, vorbildliche Kunst vorführen. Zum Dovtrag gelangen: Dontzetti: Arie aus Favoritin; Gounod: Arie aus Faust. Am Flügel sein ständiger Begleiter: Erich Meller (Staatsoper). Festakademie. Zu Ehren Bernhard Scharrers, der sich um die Pflege jüdischer Kunst in Wien sehr verdient, gemacht hat. findet in den Kunstspielen, 1. Bey., Riomergaffe 11, am 33. d. eine Festakademie unter Mitwirkung hervorragender KunstkMe statt. Karlen im Vorverkauf: Bücherstube Rath u. Präger, 2. Bez., Taborstraße 20 a. Gerichtssaal. Ser Aukerbrotvrozeß. Der zweite Verhandlungstag. Am ersten Verhandlungstag hielt der Vorsitzende deni Angeklagten den Punkt der Anklage vor, daß ein Posten Getreidevorräte in der Höhe von 6,2 Milliarden auf der Aktivseite «icht vorkam. Generaldirektor Fried erwiderte darauf, daß sich dies tatsächlich als ein Irrtum bei der Bilanzierung hsrausgestellt habe, den er dadurch erklärte, daß das Getreide noch nicht ganz geliefert war. Im übrigen sagte der Angeklagte, bin ich ja kein Buchhalter und habe die Sachen nicht buchhalterisch überprüft. Den Reingewinn von 78 Milliarden bezeichnet Fried als unrichtig. Dieser vermeintliche Gewum verteile sich aus 2 0 Monat«. Hiervon seien noch 40 Prozent an Steuern abzurechnen. Es kommt zu einer Kontroverse zwischen Verteidiger und dem Vorsitzenden bezüglich der Notwendigkeit der seinerzeitiperi Inhaftnahme des Angeklagten. Der Angeklagte meint, daß durch seine Verhaftung, wie er gehört habe. ei» Druck aas die anderen Brotfabriken ausgeübt werben sollte, «m die Preise heräbzusetzen« Äcn begann die Zeugeneinvernahme. Bocher hatte der Wer die von Dr. Benedikt gestellten Beweisanträge entschieden. Ein großer Teil der Anträge wurde abgewiesen, hauptsächlich wegen Unerheblichkeit. Bei einigen Anträgen hat sich der Gerichtshof die Beschlußfaffmvg Vorbehalten Zugelassen wurde lediglich der Antrag ans Einvernahme von Sachverständigen ans deni Backereifache über die Lagerung des Mehles, ferner auf Einvernähme des Dr. Siegfried, Türkei und der Zeugen Schl ade r und Schwarz, weil sie ohnehin geladen wurden. Es folgte die Eröffnung des Bcweisverfahrens. Zunächst wurde das Verhörsprotokoll mit Fritz Mendl verlosen. Dieser sagte unter anderem aus: Ich bekenne mich nichtschuldig. Ich habe früher mit der Festsetzung des Brotpreises nie etwas zu tun gehabt. Als die kollektive Festsetzung kam» hatte mein Schwager Fried die Berechnung über. Eigentlich habe ich den Breis von 8000 K. nicht festgesetzt. sondern nur mein Einverständnis mit diesem, von Prosesior Ziegler nachgeprüften Preis erklärt. Die späteren Preise von 8500 und 8700 K. wurden ohne meine Einflußnahme bestimmt. Dabei sagte mir mein Schwager, daß das «och zu billig tväre. Ich selbst Iverde eine Verantwortung nicht übernehmen und trage mich sogar mit dorn Gedanken, daß, tvenn nienrand die Verantwortung für die Preisfestsetzung übernehmen will, ich den Betrieb sperre. Den Berechnungen der Herren Schlader, Braun. Schwarz und Ziegler glaubte ich vertrauen zu können, da sie kein Interesse hoben, die Direktorerr falsch zu unterrichten. Dr. Gr über ersuchte, auch den letzten Absatz des Protokolls zu verlesen (der auf die Vorgänge nach der Verhaftung Bezug rrimmt). Energische Ablehnung des Vorsitzenden. Das habe mit der heutigen Strafsache nichts mehr zu tun. Doktor Benedikt: „Es handelt sich darum, wie damals die Herabsetzung des Brotpreises ,, Dr. Mravlag: .. erpreßt wurde!" Vors.: Der Senat zicht sich zur Beratung zurück, um einen Beschluß über diese Aeußerung des Verteidigers zu fassen! Nach wenigen Minuten verkündet der Vorsitzende die Ablehnung des Antrages auf Verlesung des erwähnten Protokollteiles. Ueber Dr. Mravlag verhängte der Gerichtshof wagen der Aeußerung, die Herabsetzung des Brotpreises ser erpreßt worden, die Strafe eines Verweises. Als erster Zeuge wurde der Vorsitzende der Preisprüfungsstelle Hofrat Kamillo W i n d t einvernommen. Hofrat Windt erzählte, daß das Fach'blatt der Bäcker „Austria" eine verbilligte Brotabgabe als „Schmutzkonkurrenz" verurteilt hat. So ist Wetter verteuert worden. Von uns haben die Fabriken keine Richtlinien verlangt. Staatsanwalt: Haben Sie den Angeklagten nicht auf die Folgen der Brotpreiserhöhung aufmerksam gemacht? — Zeuge: Gewiß, das war ja der Ziveck der Verhandlungen. Ich habe ihn auch auf die Gefahren von Unruhen aufmerksam gemacht. Der Vorstand der Wirtschaftspolizei, Hofrat Raimund Z o r n, wird Mer die Unterredung mit den" Vertretern der Broterzenger, die bei ihm am 1. April 1924 vorsprachen, befragt. Es waren drei Herren, unter chnen der Angeklagte. ■ Zeuge: Die Herren haben mir eine Reihe von Ziffern mitgeteilt und wollten offeMar von mir ein Gutachten erhalten. Ich habe sie jedoch an die Preisprüfungsstelle gewiesen, ledoch nicht, ohne sie auf die Notwendigkeit zu verweisen, sie mögen ihre Berechnungsmekhode ändern. Ich habe sie auf die Folgen ihrer bisherigen Uebung aufmerksam gemacht, auf mögliche Brotkrawalle. Bors.: Konnten die Herren den Eindruck gewinnen, daß die Sache nun wieder geebnet sei und ihnen das Recht zustehe, die Brotpreise nach der alten Uebung festzusetzen? Zeuge: Diesen Eindruck konnten sie nicht gewinnen. Zwischen dem Verteidiger' Dr. Gru/ber und dem Vorsitzenden entspinnt sich abermals ein heftiger Wortwechsel, weil Hofrat Schneeweiß dem Verteidiger die Stellung einer Frage verwehrt, die nicht objektiv sei. Zeuge Ministerilrat Allgäuer berichtet Wer die Tätigkeit des Teueruwgsausschusses und die wiederholten Besprechungen mit den Broterzeugern. Ueber Befragen des Staatsanwalts sagt der Zeuge, daß der Vertreter des Hauptvevbandes der Industrie, Dr. Margaretha, in der Drnevmvgskkommission in scharfen Ausdrücken »das Borgehen und überhaupt die Existenz des Brotkartells kritisierte. Die Preise würden derart festgesetzt, daß auch die unrentabelst eingerichteten Betriebe existieren können. Während des Verhörs des Zeugen Allgäuer wird Doktor Gruber von einem Diener ein Zettel übergeben. Dr. Gruber entfernt sich für einige Minuten aus dem Verhandlungssaäl und erklärt, als er dann wieder seinen Platz einnimmt, folgendes: Herr Margaretha hat sich gemeldet und sagt, daß die Darstellung des Zeugen sbenso wie die des Polizeiprotokolls über seine Einvernahme entstellt und unricht ig ist. — Nun richtet der Angeklagte mehrere Fragen an den Zeugen. Zunächst: ob die Fabrikanten wiederholt von den Behörden Richtlinien verlangt hätten, die abgelehnt wurden. — Zeuge: Das ist richtig. — Angekl.: Haben wir nicht bei unseren Vorsprachen auch darüber Richtlinien verlangt, welcher Prozentsatz an Nutzen uns gestattet sei? — Zeuge: Ich kann mich daran nicht erinnern, es ist jedoch möglich. Der Vorsitzende läßt nun verschiedene Protokolle verlesen, die sich auf die Kalkulationen beziehen. Jil einer dieser Feststellungen wivd ausgeführt, daß mit Rücksicht auf den gewärtrgenden Niedergang des Weltpreises für Getreide die Notwendigkeit zur Anhäufung von Reserven nicht gegeben ist. Der Angeklagte bemerkt hiezu, daß, entgegen dieser Prognose, die Preise für Roggenmeyl, um ein Beispiel herauszugreifen, nicht heruntergegangen. sondern um 2000 K. pro Kilogramm gestiegen sind. Aus dem Gutachten der Preisprüfungsstelle, ist hervvrzüheben, daß ein Reingewinn von 10 bis 13 Milliarden im Jahr, das heißt ■ ein Gewinn von 100 Prozent, enn man das aufgewertet Aktienkapital von 12 Milliarden £ Berechnungsgrundlage annimmt, ersichtlich wird. Das sei elleicht beim Handel mtt Edelsteinen denkbar, nicht ober :i der Broterzeugung, da durch diese Verteuerung alle Lebenswingungen erschwert werden. Der Brotpreis betrage mehr als is Siebzehntausendfache des Friedenspreises. Die Antzung von 76,60 K. Amortisation pro Brotlaib erlitte unglaubhaft. Die Preisprüfungsstelle pflichtet ibcit Sachverständiaengnthten völlig bei. Der Brotprels sei um niindestens 371 K.» vermtlich über um einen weit beträchtlicheren Betrag zu hoch ^gesetzt. Im Anhang zu diesem Gutachten befindet sich eine Aeußemg eines Fachmannes, der erklärt, in Friedenszeiten l)abe ton bei der Broterzeugung mit einem achtel bis einem viertel, rchstens aber mtt MMM Prozent gerechnet, Zeuge Sachverständiger Reinhold Sänger sagt, dass Divergenz daraus entstanden sei. daß die Firma die Durchschnittsproduktion der ersten Augusttvoche. zur Grundlage der Kalkulation macht«, während die Sachverständigen der Meinung waren, ixajj der Halbjahrs durch schnitt als Richtschnur zu dienen gehabt hätte. Ms dieser Divergenz entstand der von den Sachverständigen errechnet« Ueberpreis in der Höhe von 271 K. Auch waren die Sachverständigen der Meinung, daß die Post 1 Prozent für Risiko zu hoch gegriffen sei. Heinrich Steiner konstatierte als Buchsachverständiger, daß die in den Büchern ausgowiefenen Getreidenud Meh'lmengen den Belegen entsprachen. Die Berechnung von ein oder eineinhalb Prozent Zinsen für im Betrieb lagernde Mchlvorräte ist nach Mfficht .des Zeugen gerechtfertigt. Die Erstellung von Durchschnittspreisen zwischen dem Gestehunaspreis und dom Wredöraulschassun>gspreis hat er nicht beanständet, weil eine solche Preiserstellung von der Wirtschäftsposizei immer anerkannt wurde. — Staatsanwalt: Aber bei welchen Branchen? — Zeuge: Es war allgemein usuell und wegen solcher Preiserstellung ist seitens der Wirtschastspvlizei Nicht eingeschritten worden. Sodann wurden Protokolle über Ze-ugenvechöve tot Laufe der Erhebungen Verliesen. — Zeuge Wilhelm A. Wilhelm gab an, daß es in den Büchern der Ankerbwtwerke zwischen den einzelnen Monaten leere Sekten gab, in die später nachträgliche Eintragungen erfolgten. — Anton Schmidt, Professor an der Hochschule für Welthandel, gab an, daß in der Aittevbrotfabrik seit 31. Dezember 1023 das Hauptbuch überhaupt nicht geführt wurde. Die vorgelegten Kalkulationen sind nur ad hoc verfertigt worden. Ms nächiter Zeuge wurde Ministerialrat Franz Schlader, der Prokurist der Ankevbrotwerke, vernommen. Er erzählte, dass er am 8. August 1924, als die kollektive Preisfeftsetzuna verfcoten wurde, von Herrn Mendl den Auftrag, erhielt,, mit Professor Braun em Schoina für . eine individuelle Preiskaüu'lation auszuacberten. Zeuge erzählte daim, daß für einen Laib Brot von 1200 Granmr Gewicht 900 Gramm Mehl notwendig sind. Der Betriebschemiker errechnete jedoch ein Mchlgötvicht von 903.6 Gramm. So wurde in der Kalkulation das erhöhte Mchlguantum angenommen. — Bors.: Nach der Bevhaiftuug des Ängoktogten halben Sie die Leitung der Änkerbvotwevke übernommen Wie ist das gokonmten? — Zeuge: Am kritischen Tag hat eine Borwaltungsratssitzung stattgesunden, wobei Polizeirat Czepka mit drei Kriminalbeamten vor dem Beratungszimmer stand. Nach der Sitzung wurde ihn: von Mendl die Leitung der; Fabrik angeboten. Daraufhin habe er, Zeuge, erklärt, er Hobe keine Ambition, eingesperrt zn werden. Mendl entge-gnote, wir gehen mit dem Brotpveis um 1000 Kronen hinunter uW haben der Regierung gegenüber erklärt, daß dies freiwillig geschieht. Gleich darauf begalb ich mich zum Bundeskanzler Dr. Ramek nnd^ unterrichtete ihn davon. Er wies mich an Söktionsch-ef. neb erhöh r und dieser an Vizekanzler Dr. Waber. Dieser sagte mir: Sie sind Angestellter der Firma, übernehmen Sie die Leitung. Bors.: Unter der Voraussetzung, daß der Bvotpreis mtt 7500 K. festgesetzt wird. Ist infolge der Herabsetzung des Brot- Preises die ProdEion der Anikevbrotfabrilk gesteigert worden? — Zeuge: Ja, um Io bis 12 Prozent. Bert. Dr. Mravlag: In der AnElagefchrilft wird der Brotprels vom 7. August 1922 mit dem Preis vom 28. Jänner 1924 vergllchen. W-elche Monrente haben ttmerhalb dietfer Zeit derart verteuernd gewirkt. — Zeuge: Die M-aiMälLosten und Lohne, die allgemeine Teuerung, aber hauptsächlich di« Warennmsiatzsteuer. Die Äohnsteigerung macht« alleiir 42 Prozent ans. Bert.: Am 18. August ist Genevaldircktor Fried nach Rtm r n i gefahren. Nach 14 Tagen haben Sie ihn zurückbernfen. Warum? — Zeuge: Ich wollte wogen der Schwierigieiiett, die uns die Preisprüfungsstelle machte, die Vevanr-, Wortung alloin nicht übernchanen. Die Verteidiger stellen schließlich mchvere Beweisanträge, unter ouderein auch auf Vernehmung des Rechtsanwaltes Dr. Türkei und des Staatsanwalites Dr. Kralik, darüber, daß der Staatsanwalt Hofvctt W i n t e r st«i n, während Fritz Mendl 'beim U>nt«rfuchuugsrichter einve-vno-mmLit wurde und die Entscheidung erwartete, ob er vevhaistet werde oder nicht, dem Dr. Dürkel eine Erklärung des Inhaltes diktiert, daß Fritz Mendl sich srei von Zwang und Irrtum verpflichte, mtt dem Brotpreis um 1000 K. herunterzugehen. Es wird ferner di« Einvernahme des Untersuchungsrichters Dr. Schima darüber beantragt, daß Frrtz MeiM die Ausstellirng dioser Erklärung aMehnte mit den Worten, daß er nicht frei sei und die Erklärung wegwarf, worauf Dr. Schima Var der Entscheidung über die Hast zu den beiden Staatsanwälten ging. Es wird auch die Vernehmung des Vizekanzlers Waber, des Ministers Buching er und des Nationälvates Doktor Frank darüber beantragt, daß Schlader von ihnen aufgefordert wurde, die Leitung der Aukevbroffabvilk zu übernehmen». Ueber diese Anträge wivd der Gerichtshof heute Beschluß fassen. _ „Ecce Homo!" Rechtsanwalt Dr. Babentin Rosenfeld schreibt uns: „Aus den Mitteilungen mchrerer Geschworner und aus eigenen Angaben des Herrn Hofrates R am sauer geht hervor, daß dieser unmittelbar vor der Schwurgerichtsverhandlung wegen der Ecce-Homo-Mappe von George Grosz an die Gefchwornen eine Rede hielt, welche von diesen und jedem rechtlich denkenden Menschen alz starke Beeinflussung zu ungunsten des Angeklagten gedeutet wurde. Da sowohl die Tatsache einer solchen Rede wie ihr Inhalt dem Gesetz widerspricht, habe ich diesen gesetzwidrigen Vorgang ent-» entsprechend 8 34 der St.-P.-O° der Generälstaatsanwaltschaft uyd dem Bundeskanzleramt (Justiz) bvkanntgegeben, damit viese in die Lage kommen, durch E r y e b u n g e i n e r Ni ch t i g k e i t sbeschwerde gur Wahrung des Gesetzes das Recht wieder! herzustellen. Was ein Hakenkreuzler werden will ... Wegen Verbrechens der boshaften Sachbeschädigung unter besonders gesähvuchen Uinstänoen hatte sich vor deni Jugendgericht der 17jährige Franz Z. zu verantworten, weil er zuerp einen mittleren, dann aber einen besonders großen Stein gegen dis Spiegelscheibe eines Kassee'haus-es schleuderte, so daß die Scheibe vollständig zeisplitterte. Bei der Polizei hatte ein Altersgenosse des Angvttaaten angegeben, dieser sei Hakenkreuzlev und habe sich, auf das „jüdisch, klingende" KaffevyauSschild weisend, geäußert: ,D e m I uden werd' ich sein Kaffeehaus schön Herrichten." Der Angeklagte bestritt dies bei der Verhandlung und gab an. er HÄn ohne joden Grund» bloß sich mit Steinewersen auf oei Sraße ergötzend, „zufällig" die Spiegelscheibe des Kaffee« Hauses getroffen. Der Richter. Oberlandesgerichtsrat Doktoi Fuhrmann, verurteilt« den Angeklagten wegen Vevbrechenz der boshaften Sachbeschädigung unter besonders gefährlichen Umständen zu drei Monaten strengen Arrm»Si und zwar bedingt mit dreijäliriger Bewährungsfrist. Del Staatsanwalt meldete gegen die Anwendung der bedingte»! Verurteilung die Berusung an,

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