Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2212 (18.4.1925)
- Date
- 1925-04-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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M.SS1S Wien, Ga.ms-td- Mener MornEn^eltung. 18. April 1926 r> DAS MÄHRISCHE Din I ITHA^nVirF DM mährische PARADIES DAU LU Il/lvU V IvCf FARAD IBS Die stärksten natürlichen Kohlens&ureb&der der Tschecho-SIouraket / Berühmte Kaltwasserheilanstalt ».de»..« INHALATORIUM Hellt: Nasen- - Rachen- - Bronehial-Katarrhe Ober Philharmonische Konzerte - Tennis und Spiel- Asthma- - Herz- - Nerven- und Frauen- *** Plätze - Abendreunions - Jagd * Ausgänge und Krankheiten 20.000 Kurgäste sndere Zerstreuung Direkte Schnellzugsverbtndung // T*ch.-il. Fahrpreiserm&sstgungen /✓ Nächst gelegener tschedi.-slow. Kurort / Prospekte / Wohnungen ✓/ Informationen: Badedirektion 10914 B B —t *■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ iiiiniiiiiifiniiiiiiniiiiiiiiiiiiauiiii«iiiiiiik Amundsens Abschied. Ne fflirftma öet Kandivatur Hinüenburg». (Eigendicnst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin» 17. April. Im Haushaltung sausschuß des Reichstages kam es heute abends, kurz vor Schluß der Sitzung, noch zu einem hochpolitischen Zwischenfall. Der Führer der Deutschnationalen, Abgeordneter Hergt, richtete an den Reichswirtschastsminister die Frage, ob es dem Minister bekannt sei, daß die von ihm früher erwähnte Kündigurtgdeutscher Kredite in Amerika auf deutsche, innerpolitische Vorgänge, insbesondere auf die Präsidentschaftswahl, zurückzuführen sei. Gegen die Zulassung dieser Frage wurde von einer Reihe von Ausschußmitgliedern Einspruch erhoben. Trotzdem erteilte der Vorsitzende dem Minister das Wort zur Beantwortung der Anfrage. Der Reichswirtschaftsminister erwiderte auf die Anfrage des Abgeordneten Dr. Hergt, amtlich sei von einem solchen Vorgang nichts bekannt. Darauf erhob sich der demokratische Abgeordnete Meier und erklärte, es dürfe dem Ausschüsse nicht zugemutet werden, sich mit dieser negativen Feststellung des Ministers zu begnügen, sondern cs müsse den Ausschußmitgliedern freigestellt werden, auf das eingehendste über die Wirkung der Kandidatur Hindenburgs auf die deutsche Wirtschaft zu sprechen und über ihre Wirkung im Auslande auch eine Aeußerung des Reichsaußenministers einzuholen. Infolgedessen beantrage der Abgeordnete, die Erörterung morgen fortzusetzen und dazu den Reichsaußenminister Dr. S t r e s e m a n n um sein Erscheinen zu ersuchen. Dieser Antrag wurde von dem Ausschuß angenommen. Barmat vor dem Reichstagsausschuß. Berlin, 17. April. (Wolfs.) Im großen Schwurgerichtssaale des Moabiter I u st i z p a l a st e s begann heute vor dem Reichstagsuntersuchungsausschuß für die Kreditaffäre die Vernehmung des aus der Untersuchungshaft vorgeführtcn Hauptbeteiligten Julius B a r m a t, der unter anderem erklärte, im Jahre 1919 sei er zum ersten Male nach Deutschland gekommen, und zwar aus Einladung Hermann Müllers und Wirths. Das Paßvisum habe er von der Gesandtschaft von Herrn v. Maltzahn, bekommen. Barmat gab hierauf eine Schilderung der Abwicklung der Lebensnnttelgeschäfte unter anderem mit der Reichsfettstelle, wobei ihm keine Bevorzugung zuteil geworden sei. Auf eine diesbezügliche Frage des Vorsitzenden des Ausschusses erklärte Barmat weiters, daß er vertrauliche amtliche Auskünfte von amtlichen Stellen niemals erhalten habe. Die Frage des Vorsitzenden, ob bei den einzelnen Geschäften auch politische Parteien am Gewinn beteiligt worden seien, verneinte Barmat. Die BMerbundattion für de« freien Wirtschaftsverkehr. Das Herumgerede der östereichichscherl Minister um die angekündigte Aktion zur Erreichung der Wirtschaftsfreiheit dauert fort. Gestern hat der Handelsminister Dr. S ch ü r f f in einem Vortrag im Nicderöstcreichischen Gewerbeverein ein Langes und Breites von dieser Sache gemacht und es als ein Zeichen der Dankbarkeit und des Vertrauens Oesterreichs zum Völkerbunde bezeichnet, daß die österreichische Regierung nun den Völkerbundrat ersucht, seine Kompetenz auch auf diese Fragen zu erstrecken. Schüchtern setzte er hinzu, es sei ein schon von gewichtiger Auslandsseite angeregter Gedanke, daß der Völkerbund sich mit den zwischen st aatlichen Verkehrsverhältnissen Europas überhaupt befassen soll. Um was es sich bei der ganzen Aktion handelt und von wem sie ansgeht, erfährt man so nebenher erst aus einer Meldung des Ungarischen Telegraphcn-Korrespöndenzbureaus, aus der klar hervorgeht, daß der Völkerbund für Anfang Mai eine Konferenz einberufen hat, die sich mit den Möglichkeiten der Freigabe des internationalen Handels beschäftigen wird. Für diese Konferenz hat Ungarn bereits seinen Vertreter namhaft gemacht und auch die Rundfrage des Völkerbundes bezüglich des Handelsverkehrs bereits beantwortet. Ob und in welchem Sinne die österreichische Negierung diese Rundfrage beantwortet und wen sie als Vertreter namhaft gemacht hat, vergaß Dr. S ch ü r f f gestern ebenso, wie neulich Dr. Ramek mitzuteilen, wie er sich denn überhaupt darauf beschränkte, weitläufig auseinanderzusetzen, was diese Bölkerbundexpe rtiso nicht fei. Erhob bei dieser Gelegenheit besonders hervor, daß in ihr weder eine Hemmung der Durchführung der Anschluß i d e e, noch eine Bestätigung der von österreichischer Seite gar nicht lancierten Idee der Donauföderation gelegen sei. Die endlose Sbmannwahl. Der Mietengesetzausschuß setzte gestern die Debatte über die Wabl des Obmannes fort. Nachdem Abgeordneter Dr. Fink ans das Wort vexzichtet hatte, ergriff Frau F r e u n d l i ch das Wort zu einer Rede, die die Vor- und Nachmittagssitzung ausfüllte. Die Nednerin unterbrach nm 7 Uhr abends ihre Ausführungen und wird sie in der Montag den 20. d. stattfindenden Sitzung fortsetzen. Seipel ln Holland. Dr. Seipel ist gestern früh nach Holland abgereist, um in den »ächsten Wochen dort die schon im März in Aussicht genommenen Vorträge zu haltern Meder zwei Soldatenselbftmorde. Amtlich -wird gemeldet: Am 11. d. hat sich der Zugführer Josef S P e tz des Pionierbataillons Nr. 5 rn> Gr az, am 13. d., abends, der Alpenjäger Rudolf D o «t t n des Alpenjägerregvments Nr. 11 in Klagen für t im Kasernenzimmer m r t dem Dienstgewehr erschossen. Die vom Obersten Kn bin geführte Untersuchung hat ergehen, daß die Tat des Zugsführers Spetz in keinem Zufammeühang mit dem Heeresdienst steht, sondern auf einem tiefen, durch private Verhältnisse lbeeinflußten Lebensüberdruß znrückgefühvt werden muß. Die Untersuchung m Klagenfurt führt Generalmajor H e ß. Nach dessen Bericht dürfte die gegenwärtig notwendige stärkere Belastung im Dienst und private Umstände, insbesondere Fnrcht vor einer A n z e i g e in einer nichtdieuftlichen Sache, ungünstig auf dorr Minderbegabten und verschlossenen Alpenjäger, der wiederholt Lebensüborldruß geäußert hatte, eingewirkt haben. Da aus protokollarischen Aussagen hervorgeht, daß sich Alpenjäger Domin geäußert hat, Kameraden hätten ihm die schlechtesten Arbeiten zugeschoben «und ihn nnka me radschaftl i ch behandelt, werden die amtlichen Erhebungen zur vollständigen Klarstellung dieses Falles weitergeführt. _ Ier Hakenkreurlerüberfall in Hohenegg. Wir haben berichtet, daß am Montag Hakenkreuzler aus St. Pölten einen Ausflug Wiener Mittelschüler in der Wachau bei der Ruine Hohenegg überfallen haben und daß sie unter Führung eines sicheren Kurt Kratwall Mädchen belästigten. Das Wiener Tagblatt der Hakenkreuzler läßt sich über diese Heldentat „von nationalsozialistischer Seite aus St. Pölten" schreiben: „Am Ostermontag machte eine kleine Gruppe hiesiger ÄtatiomMokialisten einen Ausflug auf die Ruine Hohenegg. Zm Gasthaus unterhalb der Burgruine trafen sie eine größere Anzahl von Indenbuben — ungefähr vierzig — beim Mittagessen. Als die schmatzende n Hebräer unserer Leute ansichtig wurden, flüchteten sie ohne jede Ursache angsterfüllt durch die Hinter- Mre. Unsere Leute besuchten nun die Ruine, und fisye da, die Semiten hattonfich hierher zurückgezogen. Sie gehörten dem sogenannten „Wandevbunde" und verschiedenen Gruppen von Pfadfindern an, lauter solchen aber, die unter jüdischer Führuna stehen. Nun kommt aber das schönste: Das Gefolge bildeten eine große Anzahl von Wiener arischen Mädeln, prachtvo l len b l o nden Gestalten in allen Altersstufen von 12 bis 20 Jahren! Die Mehrzahl hatte bloß ein dünnes, durchscheinendes Kleid an, keine Wäsche und kein Uni e rkleid. Und die ganze „Wandergesellschaft" hatte bereits rzwei Tage intib zwei Nächte dort oben gelagert; übernachtet wurde aus dem Heuboden des Gasthauses, ^udenbubeu und arische Mädchen be- Ilielbig durcheinander gewürfelt. So sicht bi« jüdische „Wandebbswogung" aus! Daß unsere Befürchtungen in dieser Hinsicht wahÄich nicht zu groß sind, geht aus der Aeußerung eines jener I ü n g e l hervor, der sich alNbeoibachtet glaubte: „Du, die Olga ist ein fesches Mädel, die muß ich heute Nacht kriegen." Nach all dem Borangosagten ist es wirklich kein Wunder, daß unsere Leute in helle Empörung gerieten, und es nur einer einzigen Herausforderung seitens einiger Semiten bedurfte. nur dieser Mischpoche,eine kleine, aber wohlverdiente Tracht Prügel zu verabreichen. Auch mußten sie dazu gezwungen werden, die Zeche im Gasthaus zu bezahlen, sonst wäre ihnen wahrscheinlich die Gvleigenheit wiMmrmen gewesen, um zu verduften. Soweit der Tatbestand." Die Folgerungen, die diese schmutzige Sexualphantasie der Meiche-Nationalen aus der Angelegenheit zieht, kann man sich füglich ersparen. Zur Beurteilung dieses Anstänkerns, ergänzt durch eine Erpressung, genügt das hier Abgedruckte vollauf. Die Ermordung Bela Kardos. (Eigendienst der „Wiener Morgenzettung".) Budapest, 17. April. Wie die Blätter aus Miskolcz melden, stcht es fest, daß der EisenlvarengvoMudler Bola Ka rdos keinen Selbstmord begangen hat. Man neigt viölnrchr zur Annahme, daß unbekannte Täter, den Kaufmann zu einem Rondezvousort gelockt, mit Chloroform betäubt, eruwrdet und beraubt unö sodann die Leiche in die Donau getvorfen haben. Der Verdacht der Familie richtet sich gegen b est i in m t e P e r s o u c n, die ans Miskolcz in emem Automobil nach Budapest gereist sind und Kardos nachweislich auf Schritt unp Tritt beobachtet haben. Die Behörden haben unter dem Eindruck des Gutachtens der Miskolczer Gerichtsärzte eine neue Untersuchung in der rätselhaften Angelegelcheit angeovdnet. ..kr 3r glücklich zurückgekehrt. Loudo«. 17, April. (Meute*.) So« Lmlluftschiff „R 38* ist ohne fremde Hilfe nach P u l h a m zurückq e k e h r t und auf hem Flugplätze glatt gelandet. Box dein Flug zum Nordpol. Ms Oslo wird berichtet: In den ersten Morgan* stunden.des Donnerstag haben die beidan Expeditionsschiffe Amundsens, »das norwegische Kriegsschiff ,-Farrn" u-nd die „Hobby", mt den 21 Teilnehmern der Nordpolexpeditiou den Hasen von Tromsö verlassen. Bei der Abfahrt lvar die ganze Stadt zugegen. Von der Kommandobrücke des Schisses hielt Aimundsen eine Abschi e d s r e d e, in der er u. a. sagte: ,^Jch und die anderen Teilnehmer können nicht versprechen, daß wir zum Nordpol gelangen werden. Aber seid versichert, wir werden unser Bestes tun." Sofort nach Ankunft der Schiffe in Spitzbergen werden die Aevoplane montiert, die Motoren von den aus Pisa mlbtVesobgten Ingenieuren D o r n i e r s und Roll Roynes erprobt werden. Gleichzeitig untersuchen zwei hervorragende norwegische Meteorologen die Wetterverhältmfse. Sowie der günstige Augenblick gekommen, werden die großen Luftvögel ihre Schwingen entfaltev- Amundsen -hofft, bereits in den ersten Tagen des Mai den Flug über den Nordpol anzutreten. Der Abflug wird von »der gleichen Stelle erfolgen, -von der vor etwa dreißig Jahren A n d r e e -mit seinem Ballon aufstieg. Andrer kehrte nicht zurück. Er setzte sein Leben für -die Wissen-schaft ein. Niemand kennt fein Schicksal. Amundsen befindet sich in bedeutend vorteilhafterer Lage. Aber auch ihn umlauern von allen Seiten ernsthafte Gefahren. Allerdings ist feine Ausrüstung eine ausgezöi-chnete. Er ist mit aller! n-ur denlbaren Hilfsmitteln versahen. Die Navigation über dem Nordpol ist ungeheuer schwierig, weil die Sonne stets in gleicher Hohe über t>em Horizont steht und der Kompaß in der Nähe des magnetischen Pols Lvertlos ist. Amundsen hofft, über die erste Schwierigikeit -mit Hilfe eines opttschen Jnstrumouts, das er selbst konstruiert hat, un-d welches von der Firma Goertz geliefert wurde, fortzukommen. Beide Aevoplane haben Radiosender und Radioempsänger an Bord. Während des ganzen Fluges können also die Aevoplane -mit dem Schiff, das in Spitzbergen ankert, in Kontakt bleiben. Die eigentliche Poilarflugiftrecke von Spitz bergen nach Alaska hat eine Länge von zirka 2000 Meilen. Demnach könnte der Flug ixt 24 Stunden ausgefühvt werden. Flüge über eine derartige Distanz Haben in Europa und -Amerika bereits zu verschiedenen Mailen ohne Schwierigkeiten ftattgesunden. Die beiden Dovnier-Aeroplane sind -versehen mit je zwei Roll-Royoe^Motoren, die hintevemander montiert find. Selbst wenn der eine Motor versagt, kann der Aeroplan mit Hilfe des anderen den Flug zu Ende führen. Die Aevoplane sind durchgängig aus Alumin i -u «t konstruiert. Unter d>en Apparaten befinden sich Boote, so daß die Flugzeuge von: Meere aufsteigen und auf demselben landen können. Ferner befinden sich unterhalb der Flugmafchine Skier aus Metall, so daß eine Landung auf Gis und Schnee auch nwglkich ist. Alle diese Hilfsmittel find in den Bergen und auf den Seen der Schweiz sorgfältig erprvbt worden. Es wäre mehr als wünschenswert, daß Amundsen nicht gezwungen ist, auf seinem Fluge über den Pol zu landen und diese Hilfsmittel praktisch zu erproben. Es kann nich verhehlt werden, daß eine derartige Landung auf dem Eise mit großen Gefahren verknüpft ist. Eine selbst geringe Unreg-elmäßigkeit auf der Eisfläche, das Gewirre von Eistvümmern lön-nte die Rkafchine zum Kippen bringen. Selbst wenn diejerrigen, die sich an Bord befinden, bei der Zertrünnnerung des Aerop'lans nicht mit verunglücken, so haben sie doch wenig Chancen, mit dem Leben davonzukommen. Der mutige Versuch Amundsens, den Nordpol im Flugzeug zu bezwingen, wird eines der spannendsten Ereignisse in der Geschichte der Polarfovschung sein. Die Augen dev ganzen zivilisierten Welt sind jetzt auf ihn gerichtet. _ * Die englische Nordpolar-Ezpedition. Aus London wird gemeldet: In der Merfey-Bucht bei Liverpool liegt die kleine Briganttne „Island" vor Anker, die mit einem Luftschiff an Bord in drei Wochen die Reise in die Polargegenden antreten wird. Forschungsreisender Algarsson gedenkt das Lust- -'chiff an irgend einer günstig gelegenen Eisscholle etwa am 81. nördlichen Breitegrad mit Gas zu füllen, wm dann mit einem Piloten und einem Mechaniker die Luftreise nach dem Nordpol anzutreten. Die ganze Bssatzu'n.q der „Island" setzt sich aus Freiwilligen zusammen.