Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2212 (18.4.1925)
- Date
- 1925-04-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seilt 2 Wien, SamStag f«Wittein und dann mit um so sichererem Erfolg den geplanten Anschlag verüben zu können. In diesem Zusammenhang wird daran erinnert, daß die bulgarischen Behörden erst vor kurzem einer Verschwörung auf die Spur gekommen sind, die die Revolution vorbereitete und ihren Ausbruch für -cu 16. April festgesetzt hatte. Ueber ganz Bulgarien ist der verschärfte Belagerungszustand verhängt worden, der so streng gehandhabt wird, daß Reisen innerhalb des Landes, fei es auch nur vom Ort in die Nachbargemetnde, nur mit besonderem Erlaubnisschein der Militärbehörden gestattet werden. zwei neue Attentate. Sofia, 17. April. Gestern abends wurden zwei neue politisch« Attentate verübt. Um 6 Uhr abends erschossen unbekannte Täter -cy Direktor der Sofioter Zentralanstalt, Oberstleutnant G e o r g»e w, als.er gerade ein Kaffeehaus verließ. Ferner fand man an derselben Stelle, an der vor einigen Wochen der Abgeordnete und Chefredakteur Nikola Mi lew ermordet worden war, eine Leiche, auf der eine Tafel befestigt war, die folgende Inschrift trug: Ich heiße Milan Manolow. Än dieser Stelle habe ich Nikola Mklew erschossen. JchhabemeineStrafeverdien t." Auf der Tafel befand sich weiters die Photographie einer Erklärung des Toten, worin dieser die Art beschreibt, in der er Milew getötet hat. Der ermordete Manolow, der aus Mazedonien stammte, war ein bekannter Anarchist, der bereits mehrere Morde verübt hat und einer der Hauptschuldigen an dem Attentat im Kasino von Sofia vom Februar 1921. Aufstand? Belgrad, 17. April. Die bulgarischen Flüchtlinge, denen es gelang, noch m i t d e m l e tz t e n Z u g die jugoslawische Grenze zu überschreiten, berichten, wie die Blätter aus Zaribrod melden, daß auf der ganzen Strecke von Sofia bis Zaribrod die Bevölkerung sich erhoben, die Behörden verjagt und sie durch neugewählte Vertrauensmänner ersetzt habe. Der Bombenanschlag in der Kathedrale von Sofia sei offenbar nur das Zeichen für den allgemeinen Ausstand gewesen. Nach den Erzählungen der Flüchtlinge soll der bulgarische Innenminister Russe«, bei dem Attentat schwer verletzt und seinen Wunden bereits erlegen sein. Lar Kabinett Painleve gebildet. Bviand Außenminister, Caittnux Finanzminister. Paris, 17. April. (Havas.) Das neue Kabinett setzt sich folgendermaßen zusammen: Painleve — Präsidium und Krieg; Briand — Aeutzeres; Caillaux — Finanzen; Steeg — Justiz; de Monzie Unterricht; Schrameck — Inneres; Chaumet — Handel; Borel •— Marine; Jean Durand — Ackerbau; Lava! — öffentliche Arbeiten; Durafour — Arbeit; Dehris — befreite Gebiete; Anterio — Pensionen; Hesse — Kolonien; Danielon — Handelsmarine; Eynay —. Lustschiffahrt; Delbos — schöne Künste. Loucheur, der ursprünglich als Handelsminister in das Kabinett eintreten sollte, hat die Annahme dieses Portefeuilles abgelehnt. Die Regierung besteht ans fünf Senatoren und vierzehn Deputierten, und zwar vier sozialistischen Republikanern, einem unabhängigen Sozialisten, zwölf Sozialistischradikalen und zwei Mitgliedern der Grupp« Loucheur. Ministerpräsident P a i n k e v « hat heute mittags dem Präsidenten der Republik Doumcrgue seine Mitarbeiter vorgestellt. Der Wortlaut der Regierungserklärung wird Montag im Ministerrat festgesetzt werden. Das Kcch-inett wird sich Dienstag den beiden Kammern vorstelle«. „Paris Soir" betont, die Uebernahme des Finanzministeriums durch Cgillaux habe auf dem Devisenmarkt eine merkliche Entspannung zur Folge gehabt. Nachdem Painleve zum Ministerpräsidenten ernannt worden ist, wird, wie verlautet, Herrjot an seiner Stell« zum Kammerpräsidenten gewählt werden. Amerika und gapan. N e w - A o r k, 17. April. In der Zeit vom 27. bis 30. d. werde» bei den Hawai-Inseln im Stillen Ozean große Flottenmanöver stattfinden, denen die Annahme zugrunde gelegt ist, daßeine „fremde Macht" diese Inselgruppe angreist. An dem Flottenmanöver, dem größten, das die Marine der Bereinigten Staaten jemals dnrchgeführt hat, werden rund 100 der größten und modernsten Schiffseinheiten der amerikanische« Flotte teilnehmen. Der oberste Kommandant des Flottenmanövers, Mmirgl C e o n tz, hat sich dieser Tage mit seinem gesamten Stab an Bord des Flaggschiffes „Seattle" nach Hono« Ittfe begehen. Mlener Morgenzettung. Ae morgige <Sonntags>)Aurgabe der »WienerMorgenzeltüng" «MM eine Anzahl Sriglnalaufnahmen von der Univerfltiitsfeier in Jerusalem Ser Totschlag in der Tabakgasse. (Eigesthienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 17. April. In der gestrigen Verhandlung gegen den Geflügelhändler Joses L ö b l, der im Dezember 1923 den Infanteristen Akttthias Tremmel erstochen haben soll, erklärte sich, wie schon kurz berichtet, Löbl für nichtschuldig. Mi de.nl krillschell Abend erschienen acht Soldaten bewaffnet im Kaffeelhause. Vier Soldaten schrian plötzlich: „Kinder, gehen wir, hier stinkt es von Juden." Er suchte die Soldaten zu beschwichtigen. Plötzlich öffnete sich die Tür und er erhielt drei Hicbc und einen Stich und sial bewußtlos zusammen. Gr leugnet, Traimml erstochen zu habe,». Siegfried Bart und ein gewisser Gran ich sind wegen Teilnahme an der Schlägerei mitangeklagt,!behanptcn aber, vor der Schlägerei aus Angst davonge laufen .Zn sein. Der Gefreite Szöke gibt als Zeuge an, daß einer seiner Kameraden plötzlich um Hilfe gerufen halbe. Auf der St ratze sahen sie einen großen Auflauf. Da nahm er das Bajonett, löste den Leibriemen und schlug um sich, bis e r a lle in blieb. Er wisse jedoch nicht, tver Trommel erstochen habe. Der Oberkellner des zbaffeehauses sagte aus, Löbl kq.m in da's Kaffcöhaus gestürzt, T r e m m c l m i t de m Bajonett hinter ih Nl. Tremmel stürzte aber gleich bei der Tür zusammen. Der Känsmaim Haa's sah, wie Löbl aus der Straße die Soldaten beschwichtigen wollte, doch einer der Soldaten sprang :u it gezücktem Bajonett auf Löbel los, woraus ein großer Tumult entstand. Zeuge suchte die Soldaten gleichfalls zu beschwichtigen. Ein Soldat schlug aber auf die Leute los, bis sie ans Angst davonliesen. Der Verteidiger Dr.!K oll mann teilte dom Präsidenten mit, daß zwei i nt Vorzimmer wartende Soldat e.n gedroht hätten, ste würden Löbl, tvenu er freige sprachen werde, n iedc rstechc n. Die Kasseehansängestellte Bacsi sagte aus, die Soldaten hättenihr vor der Schlägerei gesagt, sie möge >das Lokal verlassen, denn sie werden unter den Juden ein blutigem Reinemachen veranstalten. Sie sah, wie die Soldaten aus der Straße eilten alten Juden m i ß h a >n d e I t e u. Löbl kam dem alte,:: Juden zu Hülse, woraus Tr« m m e l Löbl mit dem Bajonett einen Hieb aus den Kopf versetzte. Es entstand nun eine große Schlägerei, in deren Verlauf Bajonette und Sessel in Aktion träten. Hie sMft fiel infolge eines Hiebes in Ohnmacht. Der Präsident beschloß, die Zeugin llicht unter Eid zu. nehmen, da sie wesentliche Ünlvaihvhevten allsgesagt habe (!). Der Psychiater Prof. Reineth erklärt in sainain Gutachten, daß Löbl weder während 'der Tat, noch im Verlause der Ilutevsuchung an einer GeisteskraNiklM gelitten 'habe, die seine Witlensentschließung allsgeschlossen hätte. Er sei jedoch hereditär 'belastet und dürfte anläßlich 'der Tat, da er auch Trinker ist, in seiner W-illensLlllschließnng eingeschränkt gewesen. sein. Es wurden noch mehrere Soldaten emvernolllmen, die 'behanptet«,n, daß sie angegriffen worden ivären. Sie erinnern sich jedoch, daß Löbl sie beschwichtigen wollte. Derwahrc Mörder. Budapest, 17. April. Im Laufe der heutigen Verhand-- lung ergab sich eilt sensationeller Zwischenfall. Ein Zeuge sagte nach seinem Ansrnf: „Der arme Löbl sitzt hier ans der AuklaHobank, ich aber weiß. w e r der w i v kli che Mörder ist." Dieser Ansspruch rief starke Beilegung i>m Gerichtssaal hervor. Aus Befragen des Borsitzen>de.n gab 'der Zeuge an, er wisse die Adresse des Mörders, der 'bei einem Spezereihändler in der AdanYstraße ivphne. Dev Ratspräsiderlt ordnete sofort an, daß sich zwei Detektivs in di« Wohnung des Spezereihändlers begäbe», nur diesen vorzusü'hvLN. Er 'wird als Zeuge einvernonlnisn werden. Die Verhandlung wurde bis dahin nnterhrochon. 8oeden erschienen: Stenographisches Protokoll der Verhandlungen de» XIII. Zionisten Kongresses vom 6. bis 18. August 1922 in Karlsbad Uorausgegeben vom Zentralbureau der Zionistischen Organisation iuUndou Halbleinen S 10.—. Ganzleinen (Kunstdruckpapier) S16.**» ca, «00 S«lt«n «tttvk I I Ein Dokument «eittfenfissisclier, jüdischer Guchidiie I I l I EU» lebendige« Spiegelbild der eioptsttesben tteweitsni 11 Om Protokoll des ersten Kon**reue# nocti der BestA* tigung des Pnldillnnmondale« durch den Völkerbund darf in keinem jüdischen Verein, darf in keiner jüdischen Bücherei fehlen Es enthüll: Eine stenographische Wiedergabe aller Verhandlungen des Konj-res»«» Eine systematische Zusammeustnllung der KongressbeKchlflsse Den vollsUliidlgeu Text des Organlsationsstalutes und der (Jeschiiflhorünung und Eine PÜN» von &rtt!)irun<J Ober alle brennenden Prägen de« Judentums 7,u beziehen durch R W, cawi>.v«ri»gi wi«w, i. »mwihmim i I 18. Slpvil 1906 Re. MS .. ....—- •- « inin in.Mi.iini » I ■■III IIW«. Lrotzki kehrt nach Moskan znrSlk. «,««». 17. April. (Ruff. Tel.-Ag.) L r « tz 11 Ist tzffO«! hergestellt. Seine Rückkehr nach Mokka«, steht nn* mittelbar bevor. _ Ailnmung Mtsopotamkenr? London, 16. April. (Baff. Zig.) Der englische Dufr« fahrtlmnister Sir Samuel Hcare stellt nach seinem Gesuch in Mesvpolamie« fest, daß die Kosten der Besetzung ln diese»! iJahrc etwa vier Millionen Pfund -betragen werden. Er war Kusammen mit dem Kolonlarftkvotär Ame-ry in Mesopotamien, um sich über die Frage dar Möglichkeit einer Räumung zu unterrichten. Baldwin 'hatte im Mat 1926 angekündigt, daß Viesopotamierr geräu.mt werden würde, üveim es Mitglied des Bölkerbundes geworden sei. Man hoffe, daß dies in nicht allzu ferner Zeit geschehen wird. In diesem Falle würde man vier Jahve nach der Ratifzierung des Friedens mit der Türkei mit der Räumülig beginnen, also am 7. Anguist 1928. .Hcare sprach mit Mtglledorn der Regierung in Bagdad, wie man die arabischen Kräfte stärken könne, damit in Mesopotamien die innere Ordnung sowie die Sicherheit nach außen garantiert seien, denn dann könne Mesopotanllelv als selbstand'ige Nation. gelten und Mitglied de^ Völkerbundes loerde-n. Aarabub nicht beseht. (Eigendienst der „Wiener Morgcnzeitung".) Zkairo, 17« April. Die italienische Gesandt-« s ch a f t dementiert das Gerücht, wonach die Oase D j a r abnb von Italienern besetzt luordcn sei. Auch die Agentur Roma ist zu der Erklärung ermächtigt, daß die Behauptung ausländiischcr Blätter, JtaLieib habe an Aegypten wegen der Oase Djarabub ein Ultimatunr geächtet, jeder Grundlage entbehrt. Die Bitter* Handlungen wüvdeir im Gegenteil von Regierung zu Regierung fortgesetzt. Außerdem dementiert der ägyptische Außenmilvister die ans Paris stammende Meldung, daß di« Italiener die Oase bereits besetzt hätten!« guteruationale parlamentarische Handels« konferenz. Rom, 17. April. (Stefam.) Auf dom Kapitol wurde heute in Gogeulvart des Königs die i n ie rnatiouala parlamentarische Handelskonferenz fciiorilich eröffnet.?ln der Konferenz beteiligtein sich Vertreter von 37 Staaton. Im Namen der Stadt Rom hielt Senator Cvomonesi eine Begrüßungsansprache. Wellers sprachen! der Präsident des Senats Dittom und Ministerpräsidout Mussolini, der die Delegierten in: Nanren der italienischeir Regierung und des italienischen Volkes wMomine.u hieß. Der Vertreter Großbritanniens erklärte, Großbritauilieu Iverde durch ihn 'das Ersuchen stellen, daß die nächste Tagung der Konferenz in London abgohalten werde, Minister «ratz wird BanMrettor. (Elsiendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Budapest, 17. April. In Finanzlreistn verlautet, daj; der gewesene Außenminister Dr. Gustav Gratz sich schon in der nächsten Zeit als Bankier m BudaPcist zu betätigen gedenkt. Dr. Gratz will gemeinsam mit seinem Budapester Pvivatbanikier ein Konnnissionsgeschäft unter der Firma ,Ä r. Gustav Gratz n. C o." gründen. Das Banikhans wird sich insbesondere der Beschaffung von ausländischen Anleihen für die verschiedene«: nliMrischen Produktionszweige üv-idmon. Der gewesene Außeniminister bestätigte einem Mitarbeiter des „H V gegenüber die Nachricht über seinen, geplanten Uebertritt in das BanHaus. Veheimat Heim im Sterben. München» 17. April. (S. K.-B.) Im Bosinden des er« krankten Geheimrates Dr. H e i m ist eine Verschlechterung eingetreten, indem zu seinem Herzleiden noch ti\\t doppelseitige Lungenentzündung hinzugetreten ist. Dr. Helm ist mit den Sterbesakramenten versehen worden. Sie deutschen Korruptiourskandole. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 17. April. Im Zusammenhang mit der Ätffäre der Psandbriefanstalt wurden tu Dresden zwei GerichtSibeamte dc!ü dortigen Amtsgerichtes, der Referendar H i 'l l e r und der Justizobevstkretär D e t n e r t verhaftet. Die beiden Verhafteten habe>n mit dem be-. retts in Haft befindlichen rumänischen Konsul Wöhler und 'dem gleichfalls inhaftierten Rittergutsbesitzer Karlowitz in Verbindung gvstandsm Sie ivevden beschuldigt, Wähler unerlaubte M ittai Lunge n aus S t r a f a k t e n gemacht zu haben. Zu deni staatsa ivwaltfcha fttichen Aerfahven gegen die bayrische Girozentrale meldet ein Münchener Abendblatt, daß ein Haftbefehl gegen den Diwkwr de8 Leih r e r - S i eme n s - Ka n ze r n 2 erlassen worden ^sei und daß die Güter diesesKonzovus beschlagnahmt wurden. Auch in München sei eine aufschenerrregeude Borbastllng oopsi'nonliM'en woroen, bei der cs sich n>n ÄH» Vermittler der Kredits an ds» Lchrer-Siemei,Eo>MW . Handel