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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-15 · Heft 2209 (15.4.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2209 (15.4.1925)
Date
1925-04-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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[Polen: 20 flroszy I Wien: Zum Abholen in det Expedition, II., Taborstf. 1-3, oder in einer Versehieisstelle rTraflk) monatl. 5 Schilling Stressen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma 0 o 1 dsch mied, I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. lugosiawien: Mon.Din. 60. Polen: Mon. 4 Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Naehsahhntgen bd Preis« erhShanien Vorbehalten Nr. 2209 lener Wie«. Mittwoch. 18. April 1888 IPraliaoTI England: Mon. 4 Schilling, Hai i en: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, n.Taborstr.l Telephone: 44*0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102,25-2.8* IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang Balfours Auguis. -V. W i e «, 16. April. Das abschließende Urteil Balfours über die jüdische Arbeit in Erez Israel liegt nun vor. Auf der Heimfahrt aus dem vorderen Orient hat der englische Staatsmann in Alexandrien im englischen Klub eine Rede gehalten, in der er die Anschauungen zusammen-- faßt, zu denen er im Verlaufe eines zweiwöchigen Aufenthaltes in Palästina , gelangt ist. Er hat Jerusalem und die Kolonien gesehen, die aufstrebenden Städte am Meer und die neue Siedelungskette besucht, die sich von der Küste bis an den Jordan spannt. Er hat das jüdische Volk bei der Arbeit gesehen, hat mit den Arabern der niederen Stände gesprochen. Der erfahrene Politiker hat sich sehr wohl ein klares Urteil bilden können, und alle Verehrung, die ihm, einem der vornehmsten Wegweiser zur jüdischen Freiheit, entgegengebracht wurde, hätte ihn kaum von der Bahn der Wahrheit abbringen können. Der Eindruck des großen Festes der Wissenschaft hätte nicht hingereicht, ihm ein falsches Bild zu vermitteln von dem, was ist und was werden soll. Balfour ist zufrieden. Er glaubt an das Werk des Zionismus und er glaubt an ldie Kooperation zwischen dem jüdischen und dem arabischen Volk. Die einzigartigen Tage, die er in dem felsigen Land verbrachte, bestärken ihn in seinem Vertrauen, das er durch eigene Anschauung erproben konnte. Wir können selbstverständlich nicht so zufrieden sein. Wir sehen die Dinge mit. anderen Augen, mit Ungeduld, mit einer ganz anderen Erkenntnis der vielen materiellen und politischen Schwierigkeiten, mit denen wir zu kämpfenhaben. Aber wir können doch den Ausspruch des in Verwaltung und Regierung Sachverständigen mit Freude zur Kenntnis nehmen als ein vor der uns nicht günstig gestimmten Welt abgegebenes Zeugnis, W vielleicht seine Wirkung nicht verfehlen wird. Wir wollen hoffen, daß es zunächst auf die jüdische Oeffentlichkeit wirken wird in dem Sinne, daß sie sich nicht mit dem moralischen Effekt der Universitätsfeier begnügt, und daß sie die Pflicht wahrnimmt, die Begeisterung in die Tat umzusetzen, und denen, die da arbeiten und Stein um Stein zu dem großen Bau zufammentragen, etwas mehr zu geben als glühende Worte der Anerkennung. ., Balfour hat wieder auf die arabische Frage hingewiesen und ausgesprochen, daß sie im Wesen gar keine Frage sei: Die. Araber Erez Israels sind nur ein sehr kleiner Teil der Nation, aber vielleicht der, dem die freiesten EnMicklungsmöglichkeiten offen stehen. Auch an sie wendet sich Balfour in seiner Rode, so wie er dies in Erez Israel wiederholt getan hat. Er hatte Gelegenheit, mit den unvoreingenommenen Führern der arabischen Welt zu sprechen, die von außen zu der Feier am Skopusberge gekommen waren, nick sich überzeugen konnten, wie duntm und schlecht erfunden die Mär von den: jüdischen Unterdrückungswillen ist. Diese Lüge hat einen doppelten Zweck. Sie soll im Arabertum Mißtrauen und Haß verstärken, sie soll aber auch im Judentum auf die Kreise Einfluß nehmen, die für diss finanzielle Sicherung des jüdischen Werkes herangezogen werden müssen. Auch bei ihnen soll Mißtrauen erzeugt werden. Es gibt eine ganze Menge von Lügennestern, in denen der belangloseste Zwischenfall in Erez Israel, irgend eine Straßenrauferei zwischen einem jüdischen Kutscher und einem arabischen Wasserträger, zu einer Politischen Sensation aufgebauscht und in die Welt der Argwöhnischen von. tausend Zeitungen hineingetragen wird. Menschen dieses Schlages neigen sehr gerne, wenn sie einen Appell an ihre Tasche vernehmen, zur schärfsten Kritik und sie berufen sich stets sehr gerne auf die in jedem Steigevungsgrad verfügbaren Nachrichten, die ihnen Anlaß zum Neinsagen tit genügender Quantität liefern. Das ist mit Erez Israel nicht anders als wie zum Beispiel mit Oesterreich, dessen Sensationspresse jeden Taschendiebstahl und jedes zerbrochene Fenster als aktiven Bolschewismus hinausschrie, solange bis das Ententekapital stutzig wurde und die Tasche wasserdicht zuknöpfte. Nun, Balfour ist immerhin ein erfahrener Zeuge. Er tvar in Erez Israel und stellt beiden Nationen das Prognostikon, daß sie bei aller Anerkennung ihrer Sonderart miteinander gehen können. Er hat Gelegenheit gehabt, die Araber auch außerhalb Palä- M englischen Minister in Jerusalem. Balfours Abreise ans Beirut. (Eigendienst per Radio.) R. Jerusalem, 13. April. Nach den hier vorliegenden Meldungen aus Syrien ist die Abreise Lord Balfours aus Beirut ohne weiteren Zwischenfall vor sich gegangen. Balfour empfing an Bord der „Sphinx" den Besuch der städtischen Repräsentanz von Beirut. Der von den Nationalisten propagierte Streik ist unterblieben. Für die nächsten Tage erwartet man in Jerusalem die Ankunft des Kolonialministers Amery und des Sekretärs für das Luftverkehrswesen Hoare, die in der Borwoche sich nach Bagdad begeben halten. In ihrer Anwesenheit werden zwischen Herbert S a m u e l und den Führern der jüdischen und arabischen Parteien Besprechungen stattfinden, denen man mit großem Interesse entgegensieht, da im Verlaufe der Universitätsseierlichkeiten eine unverbindliche Fühlungnahme erfolgt ist, die gute Aussichten aus eine Verständigung ergab. Eine Rede BalfüML. L o n d o n, 14. April. (Radio.) Lord B a l f o u r ist in Alexandrien eingetroffen. Abends fand ein Diner der britischen Kolonie statt, bei dem Balfour die Alarmverichte über Maßnahmen zu seiner Sicherheit mißbilligte. Während seines Aufenthaltes in Palästina habe sich > kein Zwischenfall . ereignet. Er war zwar u nter p olizcilichem 'Schü% aber dies geschah nicht, wie die Blätter gemeldet hatten, mit Kavallexieregimentem und Maschinengewehren. Die, Ereigniffe der letzten Wochen waren . einzigartig und beispiellos. Palästina ist räumlich Nein, ein felsiges, wenig fruchtbares Gebiet, hat aber e i n e u n g e h e u r e h i st o r i s ch e B edeutung, es hat außerordentliche, einzigartige Männer hervorgebracht. Balfour glaubt an die Zukunft der zionistischen Arbeit. Man dürfe nicht vergessen, daß die dortigen Araber nur einen verschwindenden Teil der arabischen Welt darstelleu. Das Palästinaexperiment werde keine Gemeinschaft schädigen und die große arabische Raffe unberührt lassen. Beide Raffen, die jüdische und die arabische, iverden ihre Sondermission erfüllen. In Jerusalem bildete sich eine neue arabisch-demokratische Partei, welche mit der Regierung zusammeuarbeiten will. Die SW* gierung wird selbstverständlich gern alle Bestrebungen unterstützen, welche ein volles und gedeihliches Zusammen« wirken der Juden und Araber zum Ziele haben. Re HeWahrt. . Alex and r ien, 14. April. Lord B al f oux ist heute nach Marftitte abgereist. Briands Mission gescheitert. Absage der Sozialisten. Paris, 14. April. Die s o z i a l i st i s ch e Partei hat sich heute nachmittags ans Antrag Leon Blums einstimmig g e g e n den Eintritt der Sozialisten in die Regierung ausgesprochen. Auch der Vorschlag, eine Regierung Briand ähnlich wie das Kabinett Herriot zu unterstützen, wurde abgelehnt. Die Sozialisten würden sich einem Kabinett Briangegenüber völlig f r e i e H a n d Vorbehalten. Briand, der noch heute vormittags zahlreiche Besprechungen mit politischen Freunden und eine 40 Minuten dauernde Unterredung mit dem Präsidenten der Republik hatte, begab sich heute abends um 6 Uhr nochmals nach dem Elhsee, wo er dem Präsidenten Doumergue mitteilte, daß er infolge der Stellungnahme der Sozialisten die Neubildung der Regierung ab lehnen müsse. Painleve mit Herviot solidarisch. Paris, 14. April. (Habas.) Briand hat die Erklärung abgegeben, daß er darauf verzichte, das K a >b i n e t t z u b r l d e n, weil sich die Sozialsten weißerton, an der Regierungsbildung teilzunehmen und für die Gewährung ihrer Unterstützung Bedingungen stellten, die er mit seiner Auffassung von der Rolle eines Ministerpräsidenten für unvereinbar hakte. In politischen Kreisen wird die durch Briands Ablehnung geschaffene Situation 'lebhaft erörtert. Unter den Radikalen besteht noch immer eine starke Strömung für Painl e v e. Die -politischen Freunde des Kammerpräsidenten. haben heute neuerlich versucht, Painleve zur Uebernähme der Kabinettsbildung zu bewogen. Painleve' lehnte aber wiederum ab mit der Begründung, daß die Uebernähme der Ministerpräsidentschast durch ihn unter Umständen einer Mißbilligung der Politik seines Freunde's Herriot gleichkäme, eine Handlungsweise, die man ihm nicht zumuten könne. Ein Teil der Radikalen wünscht aber, daß der neue Ministerpräsident a u s d e mSenat geholt werden mufft, , weil das letzte Kabinett rm Senat zu Fall gekommen sei. Der Senat könnte dadurch beschwichtigt werden und der neue Ministerpräsident würde ein Kabinett von beinahe derselben Zusammensetzung wie das Ka'binett Herriot bilden müssen, eventuell mit Herriot selbst als Außenminister. Auch gegen den Eintritt Briands in die Regierung wäre nichts einzuwenden, allerdings sei.es wenig wahrscheinlich, daß Briand, der schon so oft selbst Ministerpräsident war, am, Ende seiner Karriere sich mit einem untergeordneten Portefeuille begnügen würde. Painleve designiert. Paris, 14. April. Die Unterredung zwischen Briand und Doumevgue dauerte bis 8 Uhr abends. Nach ihrer Beendigung erklärte Briand de» Journalisten, daß «r dem Präsidenten der Republik empfohlen habe, Painleva mit der Bildung der Regierung zu beauftragen. Nach dem Verlassen des Elysees erklärte Painleve den Journalisten, daß er in Zusammenarbeit mit Doumergue sein Möglichstes tun werde, um die Regierungskrise zu lösen.. Er hoffe, hem Präsidenten der Republik morgen mittags oder spätestens morgen abends eine endgültige Antwort erteilen zu können, oll er die Bildung der Regierung annehme oder nicht. stinas kennen zu lernen, und nicht gerade von einer für ihn, den Gast, sympathischen Seite. Aber die Araber, die sich in Damaskus vor seinem Hotel sammelten und nur durch Militär in Schach gehalten werden konnten — in Erez Israel gab es kein Militär —, demonstrierten kaumgegen die Juden, als gegen -den Gast Sarrails, des Freundes Herriots, der in Rom nicht güt angeschrieben war. In'diesen Tagen werden zwei englische Minister nach Jerusalem kommen und in ihrer Gegenwart werden die bei Balfours Besuch im Zeichen der Universität angeknüpften Verhandlungen fortgeführt werden. Das jüdische Volk, das sich seiner Kraft bewußt ist, wünscht diesen Konferenzen den vollen Erfolg. Wir wollen nur den Frieden, der uns den ungestörten Fortgang unserer Arbeit verbürgt. Wir haben viele Feinde, für die die Araber nur ein Mittel zum Zweck sind. Die Araber iverden einsehen, daß unsere Feinde auch die ihren sind. KANN & FRIED-STOFFE ob für Herren- oder Damen-Klcidüng bleiben in Auswahl, Qualität u. billigen Pr «Isen unerreicht. Erhältlich nur VI. Unke Wienzeile 40 QJ <•

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