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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-11 · Heft 2206 (11.4.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2206 (11.4.1925)
Date
1925-04-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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{polen: HO aroszy I W i e n. L.um Auiioien In der Expedition, 11., Taborstr. 1-3, oder in einer Versehlelsstelle 'Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, I„ Wollrelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschccho-SIowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen: Mon. 42loty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachaahlmieii bei P r «1 *• «rhAhangea Torbeheke» Nr. 2206 rener Men. Samstag. 11. April 1923 tPrall gh al England: Mon. 4 Schilling, Itallen: Monat). 18Lire, Rumänien: Mon. 170Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schwele und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II.Taboritr.l Telephone: 44-0*38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Stefnmanm Oesterrelchlsches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. gahrgang Die Dellaratio». —7. W i e n. 11. April. Wiederholt ist in den abgelanfenen Tagen die Balfonr-Teklaration zur Sprache gekommen, jene Erklärung, die Lord Balfour als Minister des Aeußern. im Kabinett Lloyd George an Lord Rothschild richtete und in der der Minister im Namen' der Negierung die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina zu unterstützen zusagte. Diese Erklärung gehört der Geschichte an. Sie ist inzwischen vom Obersten Rat und dann vom Völkerbund bestätigt worden. Aus einem englischen Dokument ist sie ein Bestandteil des Komplexes der Friedensverträge geworden und in das öffentliche Recht gelangt. Lord Balfour hat selbst Gelegenheit genommen, diesen Tatbestand klarzustellen. Er hat am 26. März, am Tage nach seiner Ankunft in Erez Israel, bei einem Besuch in Nischon-le-Zion erklärt: „Die Deklaration ist nicht von mir allein geschaffen worden. Sie ist der wohlüberlegte Entschluß der europäischen Mächte und Amerikas. Sie ist die deklarierte Politik aller zivilisierten Rationen und kann nicht mehr umgestürzt werden." Er tarn dann wieder auf diese Frage zurück-: „Noch einmal, die Deklaration ist nicht meine. Sie ist der Ausdruck der Politik nicht allein Großbritanniens, sondern aller Mächte, sie ist der Ausdruck der Meinung der internationalen Menschheit." Mir.haben es demnach mit einem Akt der internatiynglen Politik zu tun und das gibt unserer Arbeit einO-tveitaus breitere Grundlage. Dieser Umstand gibt aber auch unseren Gegnern eine Menge von Möglichkeiten des r Minenlegens, zumindest in solcher Zahl, als Staaten dem Völkerbund angeschlossen sind. . . , . In der letzten Zeit find denn auch verschiedentliche Llettßerungen...gegnerischerPoMker.^lLUL..,Aeworden,^ die auf biese Seite der Frage' ahfmeAsattt'ma'chen: So hat der Kardinal von Westminster,. Monsignore Bourne, in einer Polemik gegen „ausländische. Freunde" ausgefiihrt, daß der Zionismus kein Bestandteil der englischen Politik sei, sondern daß die Gesamtheit der alliierten und assoziierten Mächte diese Politik decke. Würde also England aus den oder jenen Gründen eine Frontänderung beabsichtigen, so müßte es das Mandat an den Auftraggeber, an .den Völkerbund, zurückgeben, der wieder seinerseits an die Mächte herantreten müßte, die im Juni 1922 in London die solenne Ratifizierung Vornahmen. Sie könnten nun — der Fall ist theoretisch denkbar — die oder jene Macht damit betrauen, der jüdischen Nation bei dem Aufbau der Heimstätte in dem zugesagten Gebiet behilflich zu sein. Das würde vielleicht zu sehr bedenklichen Weiterungen führen. Aber das, was von der feindlichen Front und insbesondere von den von Bourne repräsentierten Stellen intendiert wird, die Aufhebung des Mandates von . seiten des Völkerbundes, das ist undenkbar, und. Lord Balfours Erklärung in Rischon-le-Zion richtet sich demgemäß nicht an die jüdische Adresse. Die Mandatspolitik ist ein Entschluß der Mächte, und ehe sie diese Linie einschlugen, hatten sie eine genaue Prüfung der in der Welt wirkenden politischen Kräfte vorgenommen. Sie haben auch in der Einleitung zum Mandat vor allem die Anerkennung der historischen Verbindung des jüdischen Volkes mit Erez Israel ausgesprochen, und eine solche Festlegung läßt sich nicht mehr ungeschehen machen. Wohl aber sind Störungen, Verwirrungen möglich, die sich, wie wir das iuiGDezember sehen konnten, bis zur Aufwerfung mißverständlicher Maximen steigern können. Wir müssen auf derartige Experimente gefaßt sein und es ist darum von hohem Wert, immer auf die historische Verbindung hinzutveisen, die die Basis unseres Rechtes bildet. Wir kommen nicht so von ungefähr darauf, unsere Heimstätte just in Palästina zu erstreben. Es gibt in unseren Beziehungen zu diesem Lande Imponderabilien, an die man nicht die Hand legen darf. Wir sind schon vor der Balfour-Deklarätion auf dem Boden dieses Landes gfftanden, und die Legionäre, die dem englischen Gast auf seiner Fahrt durch den Emek das Geleite gaben, sind so gut ein Rechtstitel wie irgend ein Pergament. Es gibt gar nichts auf der Welt, .das sich zwischen das jüdische Volk und das jüdische Land schieben könnte. Wir find da nnd wir bleiben da. Herriot gestürzt. Tie entscheidende Abstimmung im Senat. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitimg") Paris, 10. April. Das Kabinett Herriot ist heute im Senat zu Falt gebracht worden. Es lagen zwei Tagesordnungen vor, eine von Bienvennue- M a r t i n, die der Regierung das Vertrauen des Senats aush rückt, und eine von Cheron, die im Namen der O?'p^k^'"n die Finanzpolitik der Regierung tadelt. H e r r i o t erklärte, daß er zur Tagesordnung Bienvenn ue-M artin die Vertrauensfrage stelle. Es wurde zunächst über die Priorität der beiden Tagesordnungen abgestimmt. Der Senat entschied sich mit 160 gegen 132 Stimmen für die Priorität der Tagesordnung Cheron. Die Regierung, die auch für die Priorität die Vertrauensfrage gestellt hatte, war dadurch in die Minderheit versetzt. Die Abstimmung über den Antrag Cheron hatte das gleiche Ergebnis. Der Antrag Bienvennue-Martin wurde mit 166 gegen 132 Stimmen abgelehnt. Herriot hat auf Grund dieser Niederlage ■ ■ de m i ssi o n i er t. .Er begab sich sofort nach dem Elhsee und überreichte dem? Präsidenten Don m e rg u e die D e m i s s i o n des Kabinetts, die sofort angenommen wurde. Bor dein Sturz. Paris. 10. April. fTel.-Komp.f Im. Verlaufe seiner im Senat gehauenen letzten Rebe antwortete Herriot auch auf die Anschuldigungen' Francois.-Marsals, daß er von den S o z i a l ist e n.beherrscht wende. Herriot sagte, daß der Senat ihn wohl nicht schätzen, würde, wenn er die Unterstützung der.Freunde Mchnte,.die ihm halfen, im letzten Wahlkampf zu siegen. Das Land.stehe gegenwärtig vor großen Schwierigkeiten. Es müßten Mittel und Wege gesucht werden, sie zu beheben. Ihm liege nur Tie Maudatskrase im Unterhaus. Erklärungen Ormsby Gores. (Eigendienst der „Wiener Morgeyzeitnng") London, 10. April. Im Unterhaus, das heute bis zum 28. d. vertagt wurde, interpellierte der Deputierte Waterhouse die Regierung wegen der Vorgänge bei der Anwesenheit Lord Balfours in Erez Israel und besprach die Forderungen und Beschwerden des arabischpalästinensischen Kongresses. Unterstaatssekretär Ormsby Gore antwortete, Palästina werde genau nach den Bestimmungen des Mandats verwaltet und er wüßte nichts davon, daß die bürgerlichen oder religiösen Rechte der Araber irgendwie Umgang e n^ seien. Waterhouse fragte, ob es nicht Tatsache sei, daß die Araber in der gesetzgebenden Körperschaft nicht vertreten seien. Der Unterstaatssekretär antwortete, daß schon von mehreren englischen Regierungen wiederholte Versuche unternommen worden seien, um die Mitarbeit der Araber im gesetzgebenden Rat zu sichern. Dies sei aber bisher erfolglos geblieben. Uebrigens sei die Militärbesetzung von Palästina wegen des Besuches Balfours nicht verstärkt worden. daran, die Wahrheit 51t sagen. Das Land und das Paria ment mögen zu dem Urteil gelangen, daß er, Herriot, immer nur seine Pflicht tat. Nach Herriot ergriff Poincare das Wort. Seine Ausführungen gipfelten in der Erklärung, daß die Schuld für die gegenwärtige schwierige Finanzlage des Landes mr den Verfehlungen Deutschlands zuzuschreiben fei. * Schon am Dienstag war es klar geworden, daß die Lebensdauer des demokratischen Kabinetts Herriot nur mehr nach Tagen zähle. Der Senat hatte mit. vier'Stimmen Mehrheit wegen der Krawalle der roya Mischen Hakenkveuzstndenten das Unterrichtsbudget nur 100 Frauken gekürzt. Diese Demonstration zeigte ibercits, daß Herriots Stellung an einer der Einbruchsstellen feines Biersrontcltkrieges aufgerollt tvar. Die Autorität seiner Regierung war seit dem Murz Mac Donalds beharrlich abgeschliffen worden. Der Sturz ist aber durch die Frage herbeigefi'lbrt Wochen, die seit dem Kriege einen Staat nach dem anderen ergreift, durch die Sanierungsfrage. Die Mehrheit Herriols, die sich aus Vertretern des Bürgertums und der Arbeiterschaft zutsammensetzt, versagte vor der großen Aufgabe, die ihr aus der Zeit Poincares aufgebüvdet worden war. Das Budget war vorher auf 'den Willen oder den Ztvang Deutschlands zmn Zahlen aufgebaut. Herriot hatte es als Pflicht der Demokratie erkannt, das Land zum Steuerzahlen zurückzuführen. .Er wollte die Währung durch eine Vermögenssteuer,Ms ist durch, einen Angriff ans die Substanz, staMffieren. Hm sich ' das.Bürgertum zu gewinnen, verwässerte er den 'revolutionären Wein. Aber auch dieses Opfer konnte die.Unruhe nicht bannen und nach einem-Kampf von zchn Monaten muß er das Heft wieder dem Nattonalismus übergeben, dessen Führer Millerand am Sonntag in den Senat gewählt worden ist. Denn die Opposition wird sich kaum nur ihrem Abftimmungsfieg zufrieden geben. Sie hak den Verlust der politischen Macht nur schwer getragen, und die Bevemigung der Generale, der Bischöfe und der Schwerindustriellen ist in Frankreich nicht anders eingestellt/denn in Deutschland. Dort Hindenbuvg — hier Millerand. Die Diadochen sind immer unerbittlich gewesen, und.Poincare, der letzte Redner vor der Abstimmung, stimmte deutlich das Lied von Deutschlands Verschlungen an. Sie Anti-Balfour-Lemoristmlione» in Samaskus. Zwei Personen getötet. D a m a s k u s, 10. April. (Havas.) Bei den gestern gegen Balfour veranstalteten Kundgebungen, ist.es zwischen den Demonstranten und der Gendarmerie zu Zusammeustößen gekommen, wobei zwei Personen getötet und sieben Gendarmen verwundet worden sind. Balfour avgereist. Damaskus, 10. April. (Wolfs.) Gestern tuufh mittags kam es wiederum zu ernsten Aus s chreitungen gegen Balfour. Die Menge griff.die zum Schutze beorderte Polizei mit K n ü t t e l n a n und versuchte unter einem Hagel von St ein würfen, in das Hotel, das Balfour bewohnte, emzudrtngen. Negierungstruppen mit Kavallerie, Panzeraittonw- Men und Flugzeugen, die Rauchbomben abwarfen, mußten herangezogen werden. Es gelang schließlich, die Menge zu zerstreuen. Eine Anzahl Polizisten wurde verletzt, darunter zwei nicht unerheblich. Auf scitm der Zivilisten zählt man ungefähr 50 Verletzte, von denen 15 InS Krankenhaus transportiert werden mntzten. Der Oberkommifsär General Sarrail empfahl Balfour dringend, ungesäumt abzureisen. Während die Truppen die Aufmerksamkeit der Menge ablenkten, fuhr Balfour unerkannt in einem Automobil mit unbekanntem Ziel fort. i ff in Domen- und Herrenstoffen zu sehr Preisen bei in Schiffmann II. Taborstrafie 48 Talaobon 47*1*79 Kn frei Vn detail wmrnmmmmmm C6B

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